TK berechnet meine Beiträge neu. Bin denen nun 2000 EUR schuldig. Was kann ich tun?

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8 Antworten

Bin bei der TK versichert. Habe April 2014 meinen Job gekündigt, habe
ein Handwerk-Gewerbe angemeldet und war dann ab dem Zeitpunkt freiwillig
versichert bei der TK.

OK.

Die haben mir dann jedes Jahr ein Schreiben mit der Höhe der monatlichen Beiträge geschickt, die ich dann brav bezahlt habe (so um die 160EUR), auch habe ich denen alle Dokumente geschickt, die sie von mir haben wollten.

Die genannten rd. € 160.--/mtl. sind der Mindestbeitrag für "sonstige Personen ohne Einkünfte"; das gilt explizit *nicht* für hauptberuflich Selbstständige. Hier lag und liegt der Mindestbeitrag eigentlich bei rd. € 360.--/mtl. Siehe dazu u.a.

https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/krankenkasse-beitrag/selbststaendige/

Nun bekomme ich mehr als 2 Jahre (!!!) später ein Schreiben von der TK,
dass mein monatlicher Beitrag ermäßigt wurde: von 160 auf 240. ja,
richtig gelesen. num muss ich 2200 an die TK überweisen.

Das ist korrekt. Umgekehrt ist aber auch korrekt, dass dir die TK quasi 2 Jahre lang deine Gründung vorfinanziert hat, indem sie dir irrtümlich einen zu niedrigen Tarif berechnet haben.

Was kann ich nun tun?

Du kannst nur die TK kontaktieren und um Ratenzahlung bitten. Die Forderung der TK ist begründet und rückwirkend sogar zwingend durchzusetzen.

ich habe 2014 als Selbsständiger (habe keinen anderen Job, ist meine einzige Einnahmequelle) 1500EUR und 2015 um die 3000EUR Gewinn gemacht. Wie soll man fast 7000 EUR Beitrag zahlen mit der Hölfte an Einnahmen?

In der Gründungsphase (und später...) sind diese Kosten logischerweise in die gesamte Finanzplanung einzubeziehen. Es ist ganz normal, dass man in den ersten Jahren wenig verdient, allerdings muss man sich selbst auch immer selbstkritisch genug betrachten, um abzuschätzen, wann man spätestens einen insofern stabilen CashFlow erreicht haben muss, um von der Selbstständigkeit auch leben zu können. Bei € 3000.--/p.a. ist das leider quasi als Hobby einzustufen; unter € 15000.-- / p.a. kann man das nicht als tragfähiges Konstrukt ansehen. Ob man mit Rücklagen etc. solange durchhält, bis dieser Punkt erreicht ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei den genannten Zahlen sähe ich es z.B. als sinnvoller an, zumindest eine Teilzeittätigkeit aufzunehmen, und das eigene Geschäft Zug um Zug auszubauen, bis genügend Kunden/Aufträge vorliegen.

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Als selbständiger Existenzgründer KANNST du in den ersten 3 Jahren zum Mindestbeitrag versichert werden. Das bedeutet aber, dass du dann jeweils zum Ende der Rechnungsperiode umgehend, deinen Steuerbescheid vorlegst. Dabei kann es dann zu Nachzahlungen kommen.

Ein Trost für dich ist, dass wenn Nachzahlungen fällig werden, muss dein Geschäft auch gelaufen sein. Steuern musst du dann ja auch entsprechend zahlen.

Dass der Mindestbeitrag nicht einfach so bleibt, hätte dir sofort klar sein müssen.

Ein Arbeitnehmer wird gar nicht lange gefragt. Er zahlt grundsätzlich seinen Beitrag von seinem BRUTTOEINKOMMEN

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160-170 Euro ist der Mindestbeitrag für eine freiwillige Versicherung, wenn man nicht hauptberuflich selbstständig ist.

Hauptberufliche Selbstständige zahlen mindestens ca. 350 Euro und in bestimmten Fällen kann der Mindestbeitrag für hauptberuflich Selbstständige auf ca. 240 Euro gesenkt werden.

Für mich klingt es also so, als ob die Krankenkasse erst jetzt von deiner selbstständigen Tätigkeit erfahren hat oder man jetzt erst festgestellt hat, dass die Tätigkeit hauptberuflich und nicht nebenberuflich ausgeübt wird.

Frag da mal nach, wieso sich die Beiträge neu berechnet wurden. Und immer wenn man mit einem Bescheid nicht einverstanden ist: Innerhalb eines Monats (Widerspruchsfrist) schriftlich Widerspruch einlegen.

Wenn die Beiträge damals unter Vorbehalt berechnet wurden, kann das natürlich auch immer sein, dass bei der Korrektur Rückstände entstehen aber um ehrlich zu sein passt hierzu der Beitrag von 170 Euro nicht.

Bitte ggf. mal um eine Überprüfung ob die Tätigkeit tatsächlich hauptberuflich ausgeübt wird und zwar ab Beginn der Tätigkeit. Hierbei ist der Zeitliche Aufwand auch relevant.

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der allererste Beitragsbescheid wird unter Vorbehalt ausgestellt. wenn du dir diesen hernimmst, wirst du diesen Punkt dort auch finden. sobald du dann den Steuerbescheid 2014 einreichst, wird der Beitrag rückwirkend anhand deines Steuerbescheides neu berechnet.

für die Zukunft gilt dann der Beitrag nicht mehr unter Vorbehalt. immer wenn du dann den aktuellsten Steuerbescheid einreichst, wird der neue Beitrag anhand dieses Bescheides dann ab dem Folgemonat des Einreichens neu berechnet. eine rückwirkende Berechnung erfolgt dann nicht mehr. dies ist immer nur bei der erstmaligen Einstufung unter Vorbehalt so.

wenn du diesen Beitragsrückstand nicht sofort begleichen kannst, dann beantrage eine Ratenzahlung, die neben dem aktuellen Beitrag zusätzlich gezahlt wird. die Ratenhöhe muss in Relation zum Rückstand stehen. idR sollte die Ratenzahlung zudem in 6 Monatsraten abgezahlt werden.

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"Vielen Dank für Ihre Unterlagen. Heute erhalten Sie wichtige Informationen zu Ihren Beiträgen. Sie sind freiwillig krankenversichert und in der Pflegeversicherung pflichtversichert. Ihr monatlicher Beitrag seit x.2014: 158,53 EUR"

heißt das nicht, die TK hat die Beiträge schon in unzulässig niedriger Weise vorläufig festgesetzt?

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Bei selbständigen werden zunächst vorläufige Beiträge festgelegt! Ist ja auch logisch, weil niemand im Voraus wissen kann, wieviel Du verdienen wirst! Beiträge der KK werden nun mal nach Deinem Einkommen festgesetzt. Du wirst aufgefordert oder vertraglich dazu verpflichtet regelmäßig Deinen Steuerbescheid eines Jahres der KK zuzusenden, da hieraus dann Dein tatsächliches Einkommen ersichtlich ist und die vorläufigen Beiträge für die Vergangenheit und die Zukunft neu festgesetzt werden. Natürlich kann es dann zu Nachzahlungen kommen. In guten Jahren also immer schön Rückstellungen aufbauen!

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Kommentar von franzljuge
18.06.2016, 21:19

Vorläufige Beträge, Ok, aber wenn die mein Steuerbescheid bekommen und für das Jahr 2014 einen Gewinn von 1500 (Jahr, nicht Monat) sehen, wie können die diesen vorläufigen Betrag erhöhen???

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Die Antwort von Eulig ist völlig richtig! Da Selbstständige immer Mindestbeiträge zahlen müssen, ist es der TK völlig egal, ob du weniger verdient hast als diese Mindestgrenze. Die lag 2014 bei etwas über 2000 Euro monatlich, hier ist der Link zur TK mit den genauen Daten: https://www.tk.de/tk/selbststaendige/beitraege-selbststaendige/beitragssaetze-und-beitraege-selbststaendige/816202

Was mich da eher wundert ist, dass du nur 160 Euro an Beitrag zahlen solltest jeden Monat, das ist weit unterhalb des Mindestbeitrages von ca. 360 Euro (ja nachdem ob mit oder ohne Zusatzbeitrag, das müsstest du mal selber rechnen). 

Ansonsten sollte man als Selbstständiger von der TK fernhalten, die nehmen es nicht so sonderlich genau mit der Einhaltung von Regelungen. So werden oft die Ehegatten ausgefragt über das Einkommen des anderen selbstständigen Ehegatten und sie verlangen in der Regel auch die komplette Einkommensteuererklärung mit den ungeschwärzten Daten des Ehegatten. Ist zwar lt. Bundesdatenschutzbeauftragten verboten, aber ...die TK kommt damit ja meistens durch. Die Kleinverdiener unter den Selbstständigen können sich ja mangels Einkommen meist auch nicht wehren. 

Empfehlung: Krankenkassenwechsel! Du bezahlst zwar überall den Mindestbeitrag, wirst aber nicht behandelt wie ein Putzlappen.

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Kommentar von franzljuge
19.06.2016, 13:19

Danke für Deine Antwort!

Genau, ich habe 2 Jahre lang 160-170 monatlich zahlen müssen und JETZT sagen die "so, es hätten 240 im Monat sein müssen, sie schulden uns 2200". Ist das nicht Irreführung? Habe ich da Chancen auf eine Minderung?

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Es wurde hier schon alles erklärt.

Anmerken möchte ich jedoch, du musst dir ernsthaft überlegen ob sich deine Selbstständigkeit überhaupt lohnt. Denn wer im Jahr nur 3000€ "Gewinn" betreibt in meinen Augen  ein sehr teueres Hobby. das was du machst hat mit selbstständigkeit nichts zu tun.

Denn wer kommt im Monat mit 250€ aus?

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Kommentar von franzljuge
19.06.2016, 13:12

Griesuh, danke für Deine Antwort! 

Sagen wir mal so, ich kam mit c.a 300 über die Runden. Wenn dieses "Hobby" aber meine einzige Einnahmequelle ist, dann ist das aber doch als Selbsständigkeit einzustufen, oder?

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