Frage von xXSnowWhiteXx, 102

Tipps zum Songwriting: Wie kann ich mich verbessern?

Hi liebe Community!

Im Moment stecke ich leider was das Songwriting angeht in einem ziemlichen KreaTief. Ich bin eine, wie man es so schön nennt, "self-taught" Pianistin und bringe mir, neben dem Klavierunterricht eigentlich alles selbst bei. Inspiration habe ich genug, doch ich glaube mir persönlich fehlt es glaube ich eher an Technik, um meine Songs zu schreiben.

Mein größtes Vorbild in Sachen Klavier und Songwriting ist Amy Lee von Evanescence. Ich finde ihren Pianostil echt schön und sehr speziell. Ich versuche ebenfalls in diese Richtung zu gehen, vor allem, da ich mich und das Klavier später in eine Rockband mit einbringen möchte.

Ich habe viele Ideen aber weiß oft nicht wie ich sie umsetzen soll. Viele Melodien klingen gleich, auch wenn sie in einem anderen Key gespielt werden. Und um ehrlich zu sein, mag ich kaum etwas von dem was ich selbst erfinde, obwohl ich von anderen immer höre, dass sich diese Sachen sehr schön anhören.

Ich habe etliche Tutorials angeguckt darüber, wie man Songs auf einem Piano komponiert. Das einzige was mir zugesagt hat, war eines in der die Tutorin gesagt hat, man soll sich eine Oktave aussuchen, und die Melodie immer mit den Noten innerhalb dieser Oktave schreiben. Etwas ganz einfaches.

Wer von euch ist auf diesem Gebiet erfahren? Hat jemand zufällig Tipps wie ich mich verbessern könnte?

Ich hoffe auf Antworten. :)

LG SnowWhite

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheStone, 53

Zunächst einmal würde ich davon weggehen "am Klavier" zu schreiben. Das wichtigste Werkzeug beim Komponieren ist zunächst mal die eigene Vorstellungskraft und die solltest du nicht durch die Grenzen deiner eigenen Spielfähigkeit oder die Limitationen des Instrumentes an sich einschränken. 

Wie deine Vorstellungen dann konkret umgesetzt werden, sind Gedanken, die erst später im Prozess kommen.

Versuch mal, das Klavier nur als Werkzeug zu benutzen, die Töne und Akkorde herauszufinden, die du ohnehin schon im Kopf hast. So hab ich das früher auch gemacht. Inzwischen brauch ich kein Klavier mehr dazu.

Mein anderer Rat ist es, dir Musik anzuhören, die du magst und sie zu analysieren. Versuch die Parameter zu finden, die wichtig dafür sind (besondere Rhythmik, wie ist die Melodie aufgebaut, Motivarbeit, benutzter Tonvorrat, Harmonik, was tut sich dynamisch in dem Stück, wie ist die Form des Stückes, wie bewegt sich die Begleitung in Relation zur Melodie, etc.), dass dir das Stück gefällt. Versuch an den anderen Parametern herumzuspielen und probier aus, was sich tut. Probier auch mal aus, was passiert, wenn du die Parameter änderst, die dir gefallen..

Falls du ein System dazu brauchst, beschäftige dich mit Musiktheorie.

Antwort
von PurpurSound, 48

Finde deine erkenntnis wirklich toll dass inspirationsumsetzung auch mit "techniken" bzw. handwerk zu tun hat!

Auch von mir der rat dich vom "zwang des klaviers" zu lösen, denn die spezifik des instruments schränkt deine ideenfreiheit ein.

Wirklich "atmende" oder strömende musik entsteht zuerst im kopf. Dann muss sie festgehalten werden (schriftl. Skizzierung oder aufnehmen) da musikalische ideen äusserst flüchtig ist (nur selten fällt dir eine idee morgens wieder ein, die du nachts hattest. Der "flow" ist nicht so einfach wieder rückrufbar).

Hierfür wäre wichtig:

a) eine weitgegende beherrschung der tonlängen- & tonhöhen-notation sowie akkordsymbolik.

Das thema wäre notationskunde!

b) Um auch ohne klavier überhaupt etwas notieren zu können braucht es ein geschultes gehör: was ist denn das, was ich da innerlich höre, und wie schreibt man das?

Das thema wäre gehörbildung, v.a. rhythmen, intervalle und akkorde!

c) Nun musst du aus den meist kurzen inspirations-bausteinen etwas formen, etwa songteile eines songs. Hierbei spielen v.a. die themen melodische und harmonische entwicklung eine rolle.

Die themen wären melodiebildung und harmonik!

d) Aus diesen formteilen wird schliesslich z.b. ein song, der sozusagen "in form" gebracht werden muss. Auch das kann man stink-schematisch und langweili machen, aber auch raffiniert und interessant.

Das thema wäre formbildung!

Das wären mal die wichtigsten baustellen. Generell empfehle ich da abstand vom internet! Besser ist ein gutes buch (hier müsstest du fachlichen rat einholen!), noch besser kompositionskurse oder eine art persönlicher erfahrener kompositionscoach.

Für wirklichen fortschritt muss man bereit sein einiges an zeit und auch geld zu investieren!! Wirklich umsonst ist bekanntlich nur der tod :-)

Noch eins: Es gibt verschiedene impulstypen: dem einen fallen überwiegend zunächst melodien ein, ein anderer kommt eher von der harmonik oder rhythmik. Und wieder andere gehen stark von texten aus. Welcher typ bist du?

Versuch es dann mal andersherum: bist du eher der melodietyp dann nimm z b. mal eine akkordfolge als ausgangspunkt und schau was dort herauskommt.

Nun viel erfolg, und wenn du es schon machen willst, dann machs richtig! Lg max

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Wow vielen Dank! Das klingt alles zwar mega kompliziert, aber auch sehr interessant! 

Ich gehöre eher zu denen, die vom Text stark ausgehen. Ich habe eine Idee, schreibe Lyrics und versuche dann die Begleitung dazu zu komponieren. 

Also wo ich einen Kompositionscoach her kriege, weiß ich nicht. Aber vielleicht kann ich erstmal meinen Lehrer fragen? Er komponiert selbst und hat sogar schon eine CD raus gebracht. 

Danke für die Hilfe! :)

Kommentar von PurpurSound ,

Wurde schon angesprochen dass analyse anderer songs das a und o ist. Die auswahl sollte sich nach deinem geschmack richten. Nur per gehör wird analyse schwierig. Hier ist es äusserst hilfreich lead sheets zu erstellen. Das wäre dann noch ein thema :-)

Zur sache kompositionscoach: hier wären anlaufstellen musikakademien, der tonkünstlerverband oder auch ne anzeige bei ebay-kleinanzeigen!

Antwort
von Tokij, 39

Wenn du wirklich an dir arbeiten möchtest und auch bereit bist, dafür etwas zu tun, biete ich dir hiermit meine Hilfe an. Dir sollte klar sein, dass ich das aus Spaß mache und mir deine Motivation deswegen wichtig ist. Darüberhinaus habe ich relativ wenig Zeit, weshalb ich nichts für dich vorbereiten kann, nur in angemessen pädagogischer Art und Weise auf deine Impulse eingehen kann.

Wenn das alles zutreffen sollte, kannst du mich kontaktieren und wir tüfteln zusammen an deinem Fortschritt.

Antwort
von Luki333, 41

Ich denke auch, dass du dich vom komponieren am klavier eher distanzieren und größer denken solltest. So wie ich das verstehe würdest du am klavier eine stimme komponieren, auf die sich die ganze band dann angleicht. Versuch doch mal das gegenteil und mach vorher mal den rest der band. Falls du einen mac hast gibts zum bsp das programm "garage band"... Da hast du alle möglichen instrumente als samples und als midisounds. Oft bekommt das was du schreibst eine ganz andere bedeutung, wenn schon was steht, wo du dich mit deiner stimme drüberlegen kannst. Probier doch mal eine simple drumm/bass/gitarre basis zu schreiben und versuch dann deinen part dazu zu komponieren

Antwort
von MrMiles, 53

Wenn ich Songs schreibe, dann versuche ich häufig einen Song zu kopieren. Ich versuche irgendwas nachzumachen und dabei entsteht dann häufig etwas ganz Neues.

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Coole Sache! Danke ich werde das mal ausprobieren! :)

Kommentar von PurpurSound ,

Sehr kreativ!

Antwort
von BertRollmops, 38

Du hast sicher schon mal Deine Stimme auf einer Aufnahme gehört? Übel, echt schlimm.. weil man das anders gewohnt ist.

Eigene Stücke sind speziell, weil man sie selber ausgereizt hat. Was dem Hörer gefällt ist, das er das alles noch nie gehört hat. Für uns ist das Alltag, Hintergrundrauschen, nichts besonderes. Und andere haben das noch nie so gesehen. Ist was ganz anderes.

Beim songs schreiben ist es speziell. Ich habe oft keine Ideen, aber eine miese Technik. Und daraus entstehen Fehler. Wenn ich diese Fehler aufmerksam anhöre und wiederholen kann, entsteht daraus ein neuer drive, der nicht planbar ist, aber mich mitnimmt. Verlasse die Technik, höre auf Deine Ohren!

Antwort
von Pokentier, 39

Du musst dir immer im klaren sein, entgegen aller Regeln der Musiktheorie, du kannst aus Müll etwas vernünftiges herausbekommen.

Kopieren ist meistens nicht so toll, da man oft an dem Schema des Originals hängenbleibt und dann viel zu sehr daran orientiert ist, sodass am Ende wirklich nur eine Kopie herauskommt.

Spiel doch einfach mal zwei, nicht zueinander passende Akkorde und versuch was draus zu machen. Meistens funktioniert das. Oder mach es wie Filmkomponisten. Stell dir visuell etwas vor und konvertiere das in Musik. 

Trotzdem solltest du nicht zu wirr spielen und ebenfalls eine Struktur, also z.B. Thema oder Refrains + Strophen.

Wenn du Hilfe brauchst, schreib mich einfach an.

Kommentar von TheStone ,

"Du musst dir immer im klaren sein, entgegen aller Regeln der Musiktheorie, du kannst aus Müll etwas vernünftiges herausbekommen." Du kannst davon ausgehen, dass es, sobald es sich nach "konventioneller Musik" anhört (und keine Geräuschkompositionoder atonal ist), auch eine theoretische Erklärung dafür gibt.

"Kopieren ist meistens nicht so toll, da man oft an dem Schema des Originals hängenbleibt und dann viel zu sehr daran orientiert ist, sodass am Ende wirklich nur eine Kopie herauskommt." 

Ohne andere Musikstücke zu analysieren und sich daran zu orientieren bleibt das musikalische Vokabular und auch die eigene Vorstellungskraft sehr beschränkt.

"Spiel doch einfach mal zwei, nicht zueinander passende Akkorde und versuch was draus zu machen." 

Zwei Akkorde sind zu wenig um nicht zueinander zu passen... ;)

Kommentar von Pokentier ,

Du kannst davon ausgehen, dass es, sobald es sich nach "konventioneller Musik" anhört (und keine Geräuschkompositionoder atonal ist), auch eine theoretische Erklärung dafür gibt.

Selbstverständlich ist davon auszugehen. Es ging allerdings hier darum, nicht auf das "ob" einzugehen, sondern um das "wie". Und da ja nicht jeder Songwriter sich automatisch mit Musiktheorie beschäftigt, kann man das ziemlich simpel so beschreiben.

Ohne andere Musikstücke zu analysieren und sich daran zu orientieren bleibt das musikalische Vokabular und auch die eigene Vorstellungskraft sehr beschränkt.

Das ist richtig, und ich sagte nicht, man solle komplett losgelöst von sämtlichen Epochen und Stilrichtungen schreiben. Nur ist es, gerade für "Anfänger" oder die eher Unkreativen, oft der Fall, dass man das als Inspiration angedachte Musikstück in vielen bis allen Belangen kopiert. Und dazu zähle ich auch das Kopieren eines Liedes trotz veränderter Tonart und leicht abgeänderter Melodie.

Zwei Akkorde sind zu wenig um nicht zueinander zu passen... ;)

Das ist richtig. War schon spät als ich das geschrieben hab. Wollte darauf hinaus, vielleicht mal von den Dur-Moll Akkorden wegzugehen und einfach mal den ein oder anderen Ton einzubauen und vielleicht einen Akkord zu haben (z.B. dim oder aug Akkorde), die sich alleine für den nicht Musik-Interessierten eher nach Krach anhören, aber dann eben doch verarbeitet werden können. Das war zumindest, was ich ausdrücken wollte.

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Ahhh Danke vielmals! Das erinnert mich an eine Doku die ich mal gesehen habe, in der ein Komponist sagte, "Um die Musik zu erlernen, müssen wir die Regeln kennen, doch um sie machen, müssen wir sie vergessen.", oder so ähnlich. 

Sehr hilfreich, danke ich werde es versuchen! :)

Kommentar von TheStone ,

"Um die Musik zu erlernen, müssen wir die Regeln kennen, doch um sie machen, müssen wir sie vergessen." Der hat sicher keine Popsongs komponiert... :D

Kommentar von Pokentier ,

Wohl eher nicht. Man stelle sich mal vor, heutige Pop"künstler" sähen sich mit Regeln der Musiktheorie konfrontiert. 

Kommentar von PurpurSound ,

...dann würden sie feststellen wie tief sie im sumpf funktionaler und modaler denkweisen festhängen :-)

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