Frage von HisuiHaru, 57

Tipps zum Klavier spielen lernen?

Seit etwa 20 Jahren versuche ich Klavier zu spielen. Angefangen mit einem kleinen Casio Keyboard, über das Klavier im Musikunterricht der Schule. Immer hab ich versucht, Noten zu lesen und sie zu spielen, mehr oder minder erfolgreich. Ich kann Noten lesen, kenne die Tasten auf dem Klavier, doch fällt es mir schwer vom Blatt zu spielen, da ich sehr nach Gehör spiele. Ich lerne die Noten der Stücke quasi auswendig und kann sie nach einer gewissen Zeit frei spielen, doch würde man mich fragen, wo auf dem Blatt ich gerade bin, so könnte ich es nicht sagen.

Bevor ich mir jetzt einen teuren Musiklehrer suche, wollte ich mir hier ein paar Tipps holen, wie ich üben kann, besser vom Papier zu spielen.

Expertenantwort
von autsch31, Community-Experte für Klavier, 17

Hallo HisuiHaru

Auch beim Noten-lernen muss man mit System und eine gewisse Zeit konsequent üben, wenn man was erreichen will. So ab und zu Noten ansehen, hilft genau so wenig, wie ab und zu ein französisches Buch ansehen. .... Noten lesen und schreiben können hat enorme Vorteile: Du kannst sofort erkennen, welche Tonart und welchen Takt das Stück hat, du kannst mit anderen zusammen spielen, Noten austauschen oder einfach  ein neues Stück lernen und die alten spielen, wann immer du Lust hast.

Also überleg dir, ob du wirklich richtig Noten lernen willst und nicht nur "...versuchen...". ^^ .... und nach Gehör spielen?? Du willst mir nicht weismachen, du könntest mehrere Töne gleichzeitig erkennen und einfach ein Lied singen und mit Klavier begleiten?  Wenn du dich ernsthaft entscheidest, brauchst du mindestens 2 Wochen (je älter besser 3) an denen du täglich 2x 15 Minuten konzentriert Noten schreiben und üben wirst. Fang erst an, wenn du diese Zeiten im Kalender eingeplant hast und fix einhalten kannst. Alles andere wäre sinnlose Zeitverschwendung und ein erfolgloses Unterfangen, wie dein bisheriges Verhalten! Den Frust kannst du dir ersparen.

Zum rasch und sicher Noten lesen lernen, musst du dir ganze 2 Wochen  lang 2 mal täglich 15 Minuten einplanen und die Noten und das GANZE Notensystem selbst zeichnen. Also wirklich täglich 2 mal über 2 Wochen ohne Pause!! Wenn du ein Wochenende weg bist oder sonst irgendwelche Abwesenheiten hast, verschiebe den Lernanfang, bis du ganz sicher die 2 Wochen täglich üben kannst. Nur dann klappt es richtig!

Mit dem folgenden System "mara" setzt du alle Sinne ein und erkennst auch, warum etwas geschrieben wird.

Du beginnst konzentriert die Noten selber zeichnen, das ganze Notensystem 2 mal  zu 2 !! verschiedenen Zeiten jeden Tag. Zeitlicher Abstand mindestens 3 Stunden. Mit dem Schreiben, laut mitsprechen und mitspielen werden alle deine Sinne trainiert. Dann wird dir richtig das "Licht" aufgehen und du vergisst dein Leben lang nicht mehr, wo welche Noten stehen.

Erst mit dem Lineal 5 Linien mit einem schmalen Zwischenraum zeichnen, dann grösseren Zwischenraum lassen und nochmal 5 Linien mit schmalen Zwischenraum. Stell dir vor, der grosse Zwischenraum ist eine Fläche, von der jeweils die Stufen nach oben und nach unten gehen. Ganz links zeichnest du in die oberen Linien den Violinschlüssel, in die unteren Linien den Bassschlüssel.

Auf der freien Fläche zwischen den oberen und unteren Linien sitzt das eingestrichene c'. Dieses c wird deshalb immer mit einer Hilfslinie dargestellt. Im oberen und im unteren Liniensystem musst du deshalb einen kleinen zusätzlichen Strich auf dieser Fläche zeichnen. Das ist immer der gleiche c'-Ton genau in der Mitte auf dem Klavier.

Du zeichnest von diesem c' ... eine Note nach der anderen nach oben und schreibst deine Buchstaben ( c, d, e, f...) dazu, laut mitsprechen und sofort auf den Tasten mit der rechten Hand mitspielen. Diese Zeilen und Noten liegen im "Violinschlüssel".

Nun nimmst du wieder dieses gleiche c' auf der grossen Fläche mit der Hilfslinie unten als Ausgangspunkt. Du zeichnest jetzt aber von diesem c' eine Note nach der anderen nach unten in die unteren Linien. Genauso schreibst du die Buchstaben zu den Noten. Weil es nach unten geht, musst du auch die Noten abwärts zeichnen, mitsprechen ... h, a, g, f, e, d, c, h, a, .... und sofort mit der linken Hand mit spielen und laut mitsingen oder sprechen. Jetzt bist du tief im "Bass-Schlüssel". Hier der Link zum Notensystem, das du nun täglich abzeichnest bis du es aus der Erinnerung auch ohne Nachsehen richtig machst.

 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fc/Klaviatur-wIKI.jpg

Wenn du die Notennamen in den beiden Liniensystemen vergleichst, wirst du Unterschiede in der Schreibweise feststellen. Aber weil du alles selbst gezeichnet und mitgespielt hast, ist dir klar, warum diese Noten in den verschieden Zeilen stehen müssen. Durch den Schlüssel kannst du in Zukunft erkennen, ob es tiefe Noten für die linke Hand oder hohe Noten für die rechte Hand sind. Nach 2 Wochen und 4 x täglich hast du das ganze System über 50 Mal gezeichnet und kannst es jetzt praktisch im Schlaf. :D !

Zum Üben spielst du schliesslich mit beiden Händen im Abstand einer Oktave von ganz unten links bis ganz rechts oben die ganzen Tonleiter und wieder zurück. Erst ganz langsam und korrekt, dann wird der Lauf in beiden Händen mit jedem Üben wie von selbst leichter und schneller.

Und nun geht es weiter mit den 12 Tonarten, jede Woche eine,  zuerst die mit 1 # als Vorzeichen (fis = G-Dur), dann 1 b (F-Dur), danach 2 # ... usw. Wenn du gut mit dem Gehör bist, kannst du das bald in aufsteigenden und absteigenden Folgen einüben. Genauso wie oben zuerst die Notenschlüssel, dann ab dem Grundton in beide Richtungen weiterhin selber schreiben und die Vorzeichen und die neuen Notennamen dazu!! Auch hier gibt es eine gedankliche Hilfe: # ist wie eine Leiter = einen Halbton höher. Bei b an "bumm" denken = einen Halbton hinuntergefallen :D ....

 

Kommentar von autsch31 ,

Später findest du hier alle Tonarten mit Fingersatz für beide Hände und viele andere Infos zu Noten und Akkorden...

http://www.8notes.com/piano_scales/g.asp

!! aber erst nach den 2 Basis-Wochen Noten-schreiben mit anderen Tonarten anfangen, dein Hirn braucht diese Zeit zum sicheren Speichern der Grundlagen.

Alles Gute, viel Spaß und  schreib mir mal in ca. 2 Monaten wie es klappt... oder wenn du Fragen hast.

 Liebe Grüsse mary

Antwort
von mymommalikesyou, 30

 bei mir ist es genauso, du kannst dich sogar glücklich schätzen dass du so eine Gabe hast! Mit den Noten lesen, das übt man , genauso wie beim buchstaben lesen :  anfangs ist es schwer, bei viel üben wird es leicht  

fang doch bei leichteren sachen an die trotzdem schön klingen zb: I see you - Leona Lewis

oder stücke die dir gefallen wo du die motivation hast

gruss

Antwort
von Tanzistleben, 17

Sorry, aber wenn du es in 20 Jahren noch nicht geschafft hast, Klavier spielen zu lernen, gib es entweder auf, oder suche dir einen geduldigen Lehrer, der noch einmal ganz von vorne mit dir beginnt. Andernfalls wirst du über das Klimpern und "irgendwie nach Gehör spielen" nie hinauskommen. Es müsste dir ja vielleicht schon irgendwann der Gedanke gekommen sein, dass dein "System" nicht ganz richtig sein kann, wenn du in der langen Zeit nicht weitergekommen bist. Deine Bemerkung, du könntest Noten lesen und die Tasten kennen, kann doch nach 20 Jahren nur ein schlechter Witz sein! Das ist so ähnlich, als würde ein Schuhmacherlehrling nach 20 Jahren sagen, er kann schon das Oberleder von der Sohle unterscheiden!

Übrigens müssen Klavierlehrer nicht unbedingt teuer sein. Schau einmal aufs Schwarze Brett einer Musikakademie bzw. Musikhochschule. Dort bieten Studenten der höheren Klassen oft günstigen Unterricht an. Du kannst auch fragen, ob du selbst die Frage nach privaten  Klavierstunden aufhängen darfst (Telefonnummer nicht vergessen!). Auch an Volkshochschulen wird oft guter Klavierunterricht für Erwachsene zu günstigen Preisen angeboten. 

Wenn du also tatsächlich noch vernünftig spielen lernen möchtest, ist das der einzige Weg weiterzukommen. 

Alles Gute und viel Erfolg!

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