Frage von Fleischreisser, 41

Tipps, Tricks und Hilfe bei Depressionen?

Hallo Community,

Um meine Frage zu verstehen, hier eine kurze Vorgeschichte und die Schilderung des Vorfalls der mich dazu gebracht hat diese Frage zu stellen:

Ich leide seit nun gut 17-18 Jahren an Depressionen, also ungefähr seit ich 10 oder 11 bin. In meiner Jugend wurden die Depressionen oft als Faulheit und Desinteresse misinterpretiert und daher lange Zeit nicht behandelt.

2013 ging ich zum ersten Mal in Therapie und nach etwa zwei Jahren, wurde ich vom Therapeuten als geheilt erklärt und quasi in die Freiheit entlassen.

Dann jedoch trennte sich meine Freundin von mir und das hat mich wieder zurückgeworfen und zwar schlimmer als zuvor.

Ich habe mir vorgenommen nach dem Sommer eine neue Therapie zu beginnen, aber seit einem Vorfall gestern, habe ich Zweifel ob ich den Sommer überleben werde...

Auch wenn ich es noch nie versucht habe, ist der Suizidgedanke bei mir schon seit meiner Jugend sehr stark.

Gestern Nacht hatte ich ein seltsames Erlebnis, dass ich rückblickend betrachtet wohl als harmlose Muskelzuckung diagnostizieren kann, aber** in dem Moment dachte ich ich würde sterben.**

Es war eine Zuckung in der Drosselgrube, also der kleinen Kuhle zwischen dem Schlüsselbein. Wenn man da mit dem Finger hineindrückt, also Richtung Speiseröhre, und dabei einatmet ohne Luft zu holen (also Mund und Nase zu), kann man das Gefühl dass ich gestern hatte, sehr gut nachempfinden.

Ich hatte in eben dieser Drosselgrube einen unangenehmen Druck bekam beim Einatmen keine Luft und hatte das Gefühl meinen Herzschlag im Hals zu spüren. Meine Gedanken in dem Moment waren:

Was ist das? Ich krieg keine Luft! Muss ich jetzt sterben?

Und beim Gedanken daran sterben zu müssen hab ich mich extrem glücklich gefühlt. Ein so schönes Gefühl hatte ich echt schon lange nicht mehr, ich war in dem Moment richtig euphorisch und hab angefangen zu lächeln, was dann wohl auch die Zuckung beendet hat.

Heute muss ich schon die ganze Zeit darüber nachdenken und eigentlich ist der Gedanke ziemlich erschreckend. Das größte Glücksgefühl dass ich in den letzten Monaten (und Jahren?) gefühlt habe, war als ich dachte zu sterben...

Ich habe im Leben noch nichts nennenswertes erreicht. Kein Geld, keine eigene Familie, kein Job, keine Ausbildung, kein gar nichts.

Meine Frage nun: Was kann ich tun um den Sommer bis zur neuen Therapie zu überleben?

Dieses Glücksgefühl lässt mich nicht los, es verfolgt mich und eine Stimme in meinem Kopf ist davon überzeugt, dass ich dieses Gefühl wieder bekommen würde, wenn ich mich umbrächte.

Bin für alle Tipps, die keine religiöse Missionierung beinhalten, dankbar.

lg

Fleischreisser

p.S.: bin aus Österreich, wohne zur Zeit in Wien

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Trandafil, 29

Lieber Fleischbeisser,

vorerst, ich bin nur Studentin der Psychologie und daher ist mein Rat nicht in dem Sinne qualifiziert. Ich empfehle dringend dein geplante Therapie vorzuziehen und diese sofort zu beginnen. Die dafür zur Verfügung stehenden Einrichtungen haben Akutbetten/Zimmer bei denen du mit Suizidgedanken sofort aufgenommen wirst. Was kann wichtiger sein als dein Leben, das du bis Ende des Sommers warten möchtest?

Das dich dein damaliger Therapeut als "geheilt" entließ finde ich, ungeachtet deines Falls, falsch. Denn geheilt von einer major Depression, insbesondere wie in deinem Fall die so langwierig ist, wird man selten. Die Symptome und die Einschränkungen werden besser und das Leben wieder Lebenswert. Doch ist die Depression meist noch ein Teil den man aktiv bekämpfen muss. Daher vermutlich auch der Rückfall aufgrund der Trennung von deiner Freundin.

Ich möchte dir hier ein paar ermunternde Fakten nennen. Die Depression ist eine der Krankheiten die am häufigsten mit Rückfällen nach einer ersten "heilung" einhergehen. Mach dir daher bitte keine Vorwürfe. Dies ist impliziert dadurch, dass die Depression durch vielerei Verhaltensweisen, ERlebensweisen und Persönlichkeitsmerkmale einer Person aufrechterhalten wird die in der beschränkten Zeit einer THerapie selten ganz zum positiven verändern zu sind.

Das was du an der Drosselgrube beschreibst, sehr detailliert beschreibst, klingt für mich nach einer Panikstörung - diese gehen sehr häufig mit Depressionen einher. Dabei nimmst du Körpersymptome detaillierter und fokussierter wahr, konzentrierst dich darauf wodurch dein Nervensystem aktiviert wird und du noch mehr den Fokus auf dieses "Zucken" richtest und somit mehr Angst bekommst in deinem Fall " zu sterben" . In einer nicht-depressiven Phase, wäre dir dieses Zucken, was vermutlich ein normaler Vorgang deines ORganismus war, nicht aufgefallen. Wenn du dich besser fühlst, kannst du zur Abklärung zu einem Hausarzt gehen.

Das du nichts "nennenswertes" erreicht hast, ist subjektiv betrachtet. Wieso ist eine Familie, ein Haus, ein guter Job nennenswert? ist es nicht vielmehr das, was uns selbst glücklich macht was wir als nennenswert bezeichnen sollten? Das können einfache Dinge sein. Kein Haus, kein Auto oder eine Frau.

Aufgrund deines GEdankens das dich ein Suizid glücklich machen würde bzw. du dieses Gefühl erneut erleben willst möchte ich dir erneut zur sofortigen Aufnahme einer neuen Therapie raten. Vergiss nicht, dass die Depression eine Krankheit ist die in den allermeisten Fällen heilbar ist. Es kann dir besser gehen. Versuche durchzuhalten und strebe den Zustand an den du vor dieser erneuten depressiven Phase hattest. DU hast es schon einmal geschafft und kannst es wieder.

Kommentar von Fleischreisser ,

Das ist mal eine sehr professionelle Antwort. Ich werde mich mal über derartige Einrichtungen in Wien informieren.

Weißt du wie das mit der Finanzierung aussieht? Muss man selber dafür aufkommen oder wird man von der Krankenkasse unterstützt?

Was mein Erlebnis mit der Drosselgrube anbelangt, hat es sich nicht wirklich nach Panik angefühlt, auch mein Innerer Monolog war weniger in einer ängstlichen, als mehr in einer neugierigen Stimmung... 

Ich habe subjektiv wie objektiv nichts Nennenswertes erreicht. Weder in den Bereichen die "gesellschaftlich" als Errungenschaften zählen, noch was ich selber als solche ansehen würde.

Kommentar von Trandafil ,

Die Finanzierung ist in dem Sinne kein Problem. Generell schreiben die Krankenkassen, zb. AOK einen Höchstsatz von etwa 28 Tagen zwar vor, - benennen aber zugleich Kriterien unter denen (und diese sind relativ leicht erreichbar) eine weitere unbegrenzte stationäre, ambulante, je nachdem was du planst, Versorgung zu 100% erstattet wird. Dies sind meist ein Schreiben des behandelten Arztes warum eine Fortführung der Therapie notwendig ist, sowie die Befundlage, UNtersuchungen etc. (Die meisten davon werden sowieso routinemäßig gemacht) Alles streng anonym. in denem Fall, mit den Suzidalen-Absichten, wird diese Weiterführende Therapie daher mit großer Sicherheit übernommen werden, zumindest nach meinen Erfahrungen.

Was würdest DU denn als Errungenschaft sehen? Was würde dich selbst auf deiner eigenen BEwertung aufsteigen lassen?

Das mit der Drosselgrube muss sich für dich nicht als Panik anfühlen. "Panikstörung" ist in dem Sinne ein konnotativ und wörtlich sehr negativer Begriff. Es handelt sich bei lediglich darum somatischen, also körperlichen Symptomen, bzw. Ereignissen erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, was insbesondere in KOmbination mit einer depressiven Erkrankung zu Verwirrungen des Emotionserlebens (in deinem Fall: glücklich sein über etwaiges Sterben) führen kann.

Kommentar von Fleischreisser ,

Das klingt sehr positiv, das gibt Hoffnung...

Was ich als Errungenschaft ansehen würde?... keine Ahnung... ich kann mir im Moment nichts vorstellen was mich stolz oder glücklich machen könnte, früher wollte ich immer eine Arbeit machen, die mir gefällt und eine Familie gründen... aber diese Ideen hab ich bereits aufgegeben..

Körperlichen Symptomen und Ereignissen erhöhte Aufmerksamkeit schenken... das würde allerdings sehr ins Bild passen. Seit einigen Tagen schlafe ich noch unruhiger als sonst und seit 2 Tagen hab ich immer wieder gewaltigen Juckreiz auf meinen Oberarmen, wenn ich zu schlafen versuche, obwohl es im Grunde nichts gibt, was mich da jucken könnte.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 28

Hallo Fleischreisser,

zur Überbrückung bis zur Therapie habe ich Dir eine Auswahl an Links zusammengestellt, die hilfreich sein sollten:

Über Pro Psychotherapie e.V. | therapie.de

Was hilft bei Depressionen - was-hilft-bei-depressionen.de

Von mir aus nennt es Wahnsinn: Protokoll einer Heilung: Amazon.de: Jacqueline C. Lair, Walther H. Lechler: Bücher

Johanniskraut: Wirkung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen - gesundheit.de

Emotions Anonymous | Selbsthilfegruppen für emotionale und seelische Gesundheit

MBSR- Achtsamkeitsmeditation - Meditation für Anfänger - YouTube

Eine starke Gemeinschaft | TelefonSeelsorge Deutschland

Notfall Seele - Psychiatrische Krisenintervention

Ich hoffe, dass da etwas für Dich dabei ist :-)

LG

Kommentar von Fleischreisser ,

ich werde mir die Links mal anschauen, danke dir. 

Antwort
von Mikey86, 22

Hi Fleischreisser

Vorab, ohne dich persönlich begutachtet zu haben, ist es mir untersagt dir in irgendeiner Form eine Diagnose abzugeben.

Dein geschildertes "Erlebnis" mit dem Atemproblem, dünkt mir in richtung Angststörung zu verlaufen. Dies ist bei einer Depression, und gerade bei langwierigen wie bei dir zutreffenden Erkrankungen, relativ oft zutreffend.

Dein ehemaliger Therapeut scheint mir leicht fahrlässig und etwas voreilig den "geheilt" Status ausgesprochen zu haben. Major Depressionen sind leider auch heute noch eine langwierige Sache. Man schaft wohl in verbindung mit den heutig angebotenen Medikamenten und Gesprächstherapien eine solide aufrechterhaltung der Lebensqualität, jedoch eher auf längere Sicht den "geheilt" Status zu erreichen.

Ich rate dir dringendst an, wenn möglich mit deinem Hausarzt einen Termin zu machen, ihm deine Suizidalen Gedanken zu nennen und schnellstmöglich einen Therapieplatz zu suchen. 

Solltest du zunehmend den Drang der Selbsttötung verspüren, begib dich bitte umgehend zu einem Notfallpsychiater. Diese findest du in jedem grösseren Spital. Bei akuter Suizidgefahr, stehen immer Betten frei. Zögere nicht.

Je schneller du dir Hilfe suchst, desto besser sind deine Erfolgschancen.

Halte mich doch bitte auf dem laufenden. Du kannst mich gerne auch auf privater Ebene anschreiben. Ich werde dir sogut ich kann beistehen und dir nötigenfals die richtigen Anlaufstellen ausfindig machen.

Alles gute

Kommentar von Fleischreisser ,

Dass es sich bei dem Erlebnis um eine Angststörung handeln kann, habe ich heute schon gehört, aber das wäre seit ich Depressionen habe, etwas ganz neues.. zumindest könnte ich mich nicht an ähnliche Erlebnisse erinnern.

Ich werde mich mal über Therapieplätze informieren, mal sehen was für Optionen mir offen stehen. Danke dir.

Kommentar von Fleischreisser ,

Ich sollte dich auf dem Laufenden halten:

Ich hab mich online informiert und war bei meiner Hausärztin, sie hat mir eine Überweisung ausgestellt und einige Nummern gegeben, bei denen ich mich melden konnte.

Ich hab mir einen Termin für ein Erstgespräch in einer psychotherapeutischen Klinik ausgemacht, 6. September.

Da wird sich dann klären was für mich möglich ist und was nicht.

Danke für die Hilfe.

Kommentar von Mikey86 ,

Hi

Super! Das heisst du kannst am 6.September mit der Therapie starten. Ich drück dir die Daumen und wünsch dir alles gute.

Das wird gut kommen. Bin ich mir sicher.

Alles gute.

Kommentar von Fleischreisser ,

Mit der Therapie starten konnte ich noch nicht, aber mir wurden Antidepressiva verschrieben, die ich nehmen werde und einen Termin für eine Untersuchung soll ich mir ausmachen, was ich morgen tun kann.

Aber es sind schonmal kleine Schritte in die richtige Richtung.

Kommentar von Fleischreisser ,

Update: Nach einigen Tests und Beratungen mit meinem Psychiater werde ich kommende Woche mit der für das Institut arbeitenden Sozialarbeiterin einen Antrag auf eine stationäre Behandlung ausfüllen.

Mit etwas Glück kann ich noch vor dem nächsten Sommer mit der Behandlung starten.

Antwort
von schloh80, 30

Klinik (6 Wochen) - hier sollte man mal gucken, ob es sich wirklich "nur" um eine depressive Erkrankung handelt -, dann Tagesklinik (6-8 Wochen), dann ambulante Therapie, lang und intensiv.

Kommentar von Fleischreisser ,

Bei derartigen Kliniken, sind diese mit Daueraufenthalt, also Nächtigung in der Klinik?

Und wie sieht es mit einer Finanzierung durch die Krankenkasse aus?

Kommentar von schloh80 ,

Stationär ja, Tagesklinik (daher der Name) nicht.

Wie das in Österreich geregelt ist, kann ich nicht sagen. Generell ist die Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Österreich besch***, wie fast überall auf der Welt. Deutschland ist da eine einzigartige Ausnahme.

Antwort
von exolord, 41

ich hab 3 Lieder die mir geholfen haben 

1. Adel Tawil immer da 

2. Detektiv conen mein Geheimnis

3. rome x juliett Intro you raise me up

Kommentar von Fleischreisser ,

Nichts für ungut, aber wenn diese sterotypischen Lieder dir bei deinen Problemen geholfen haben, dann hattest du noch keine richtigen Probleme.

Kommentar von exolord ,

genug ich habe genug Probleme und ohne die Songs... währe es wohl noch schlimmer 

Kommentar von Fleischreisser ,

Wie gesagt, das sind dann keine Probleme, sondern höchstens Problemchen... tut mir leid, aber ich denke ich brauche hier Hilfe von etwas erfahreneren Usern.

Kommentar von exolord ,

also sind psycho alpträme über eine Killer Maschine die gern Leute killt harmlos?

Kommentar von exolord ,

ach egal würdest du eh nicht verstehen was soll's viel Glück Bro

Kommentar von Fleischreisser ,

ja, Albträume sind harmlos. 

Kommentar von exolord ,

das Kriegst du hin bro 

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