Tinnitus: wenn Frequenzen zwischen 10.000 und 20.000/sec (Hz) "gehört" werden, müssen diese Frequenzen irgendwo im Körper existieren; Wo, Wie?

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3 Antworten

Das Innenohr (genauer: die Schnecke) führt im Grunde eine Transformation aus dem Ortsraum in den Frequenzraum durch. Sowas wie eine Kurzeit-Fouriertransformation bzw. eher wie eine kontinuierliche Wavelettransformation. Aus dem Schwingungssignal wird dabei sowas wie die Balkengrafik eines Equalizers.

Jede Frequenz hat eine Position auf der Schnecke, an der gerade diese Frequenz (und keine andere) die Hörsinneszellen am stärksten reizt. Die Sinneszellen dort messen quasi einen Equalizer-Balken.

Danach ist die Frequenz "weg". Rausgerechnet. Die nachgelagerten Nervenbahnen und das Gehirn brauchen nicht mit 10kHz und mehr zu arbeiten. Stattdessen ist einfach die 10 kHz-Leitung am klingeln.

Bei (subjektivem) Tinnitus klingelt sie eben auch ohne dass 10 kHz an der Schnecke anliegen. Weil sie durch irgendwas anderes gereizt wird.

Tatsächlich wohl eher nicht weil sie aktiv gereizt wird, sondern weil sie zu lange nicht normal gereizt wird (z.B. durch mangelnde Durchblutung eingeschlafen). Die nachgelagerte Logik wird dadurch immer empfindlicher eingestellt ("da muss doch was zu hören sein!") bis am Ende das Rauschen überhand nimmt und als eigenständiger Reiz wahrgenommen wird (vgl. Phantomschmerz).

Also: Diese Frequenzen müssen nicht irgendwo im Körper vorkommen. Sie kommen nur als kodiertes Signal viel niedrigerer Frequenz vor, weil schon der Sensor (das Innenohr) eine Filterbank ist und eine Transformation durchführt.

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Hallo Stromkant,

Im Hinblick auf konkrete Tinnitus-Ursachen wird bei der Diagnose zwischen zwei Arten des Tinnitus unterschieden: Einem Tinnitus, der von einer tatsächlichen Schallquelle im Körper ausgeht (bspw. Strömungsgeräusche in Blutgefäßen), und einem Tinnitus, bei dem keine Schallquelle im Körper als Ursache festgestellt werden kann. Kann eine solche Schallquelle innerhalb des Körpers ausgemacht werden, spricht man von einem objektiven Tinnitus, andernfalls von einem subjektiven Tinnitus.

Bei einem Großteil der Betroffenen (mehr als 99%) liegt ein subjektiver Tinnitus vor, während ein objektiver Tinnitus sehr selten auftritt. Die Wahrnehmung eines subjektiven Tinnitus entsteht nach als gesichert geltenden Erkenntnissen der Neuro-Forschung nicht im Ohr selbst, sondern durch eine abnormale Aktivität von Nervenzellen im Gehirn.

Auszug aus:  http://www.tinnitracks.com/de/tinnitus/ursachen

Da Wahrnehmung letztendlich im Gehirn entsteht, bedarf es nicht immer einer externen, "objektiven" Reizquelle, denke z.B. an eine drogeninduzierte Halluzination o.ä.

Liebe Grüße

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Kommentar von Stromkant
23.11.2015, 13:30

tja, was ist "abnormal" ... :)

in beiden Fällen bleibt mir die Frage der Diskrepanz der Frequenzen: Strömungsgeräusche können schon je nach Hindernis auch hohe Frequenzen haben und nahe dem Trommelfell wohl auch hohe Lautstärke empfinden lassen, aber Tinnitus wird ja meist als Pfeifen beschrieben (während Strömungen eher Rauschen und Zischen erzeugen)

und bei Aktivität von Gehirnzellen als Begründung fehlt eigentlich die Strömung als mögliche Grundlage, weil in feineren Verästelungen der Blutgefässe (in Hirn und Peripherie) eher durch osmotische (oder chemische Partial-) Druckdifferenz versorgt und entsorgt wird, als durch strömendes Blut, und mechanische Ganglienschwingungen sind eigentlich auch nirgends in der Literatur zu finden

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