Frage von Serayla, 200

Tierschutzpferde - vermeintliche Schnäppchen?

Meine Frage richtet sich an alle die ein Tierschutzpferd aufgenommen haben. Sei es vom Schlachter oder aus schlechter Haltung etc.

Ich selbst nehme ausschließlich solche Tiere (neben Pferden auch Hunde) auf und weiß sehr genau worauf ich mich einlasse. Alle meine Tiere hatten bisher psychische und physische Erkrankungen welche sich meist erst nach der Anschaffung manifestiert haben. Da ich keinerlei Erwartungen an das Tier habe (z.b. Dass es reitbar sein muss, eine lange Lebenserwartung, Soziale Fähigkeiten, Gesundheit) bin ich bisher noch nie "aus allen Wolken gefallen". Ich weiß was es kostet an Geld, Arbeit und Geduld um aus diesen Tieren glückliche Tiere zu machen.

Nun bemerke ich immer öfter das scheinbar kopflos billige Pferde bei Metzgern usw. erstanden werden und ich kann mir nicht vorstellen dass all diese Käufer wissen was auf sie zukommen kann. Mal ganz objektiv betrachtet hat es immer einen Grund weshalb das Pferd beim Schlachter steht. Wäre es ein top Pferd würde der Besitzer doch wohl versuchen mehr Profit herauszuschlagen als den Schlachtpreis. Ebenso Tiere aus schlechter Haltung, bis das Veterinäramt eingreift vergeht viel Zeit und viele Auflagen. Durch die schlechte Haltung ist es doch sehr wahrscheinlich dass das Tier "Mängel" hat...

Nun zu meiner eigentlichen Frage, gibt es hier in der Comunity jemanden der ein solches Pferd gekauft hat und es sich wirklich als Glücksgriff herausgestellt hat? (aus Sicht des Otto normal Reiters) und ich meine ein wirklich gesundes, psychisch intaktes Tier in das keine Arbeit gesteckt werden musste.

Natürlich richtet sich meine Frage auch an die Hundebesitzer 😉

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 71

ein metzger darf das pferd ja nicht mehr weiterverkaufen. sonst wäre er ein pferdehändler - oder ein viehhändler.

ein pferd vom viehhändler hat meist übles hinter sich.

den "glücksgriff" kann man meiner erfahrung nach nur dann machen, wenn man das pferd von jemandem übernimmt, der es nach dem martyrium bereits aufgepäppelt hat. das aufpäppeln ist ja eine undankbare angelegenheit.

die pferde haben verschiedene defizite. und zumindest das abstellen der körperlichen defizite ist mit haufenweise unangenehmen und schmerzhaften dingen verbunden. spritzen, untersuchungen, zähne machen, andauernde orthopädische hufbearbeitung, medikationen... wenn man damit durch ist bei einem sowieso schon traumatisierten tier, ist es besser, das tier weiterzugeben. schlicht und ergreifend deshalb, damit der start ins neue leben schmerzfrei und angenehm ist.

vertrauen aufbauen ist nun mal einfach, wenn nicht weitere traumatisierende situationen dazukommen. und das ist erst so, wenn das tier zumindest gesundheitlich wieder brauchbar dabei ist.

und was ist schlechte haltung? wenn das tier einfach nicht versorgt wird? wenn es gequält wird? wenn es von einem tiermessie kommt?

ich habe schon verschiendeste traumatisierte pferde und ponys kennengelernt.

das allererste war unser welsh b pony. 

im rückblick sage ich heute, dass das tier lebensgefährlich war. es hat mir nichts ausgemacht. ich habe damals auch nicht versucht, grossartig was daran zu ändern. aber er war ein glücksgriff. gerade, weil er so schwer zu händeln war, gerade, weil man ihn nicht fangen konnte, wenn er keine lust auf arbeiten hatte - und gerade, WEIL er plötzlich funktionierte, wenns drauf ankam.

ich habe diesem pony einmal mein leben auf gedeih und verderb anvertrauen müssen.

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keines dieser pferde ist einfach, aber jedes ist ein glücksgriff, wenn man zulässt, dass es ein glücksgriff ist.

wenn man geduldig genug und in der lage ist, dies pferd sich entsprechend seiner veranlagung entwickeln zu lassen.

manche werden lebenslang beissen, treten oder halb vor angst sterben, wenn papier raschelt... diese pferde wären manchmal besser dran gewesen, wenn man sie nicht gerettet hätte.

wer ein pferd beim viehhändler kauft, der sollte sich darüber klar sein, dass das pferd vermutlich mehr schlechtes erlebt hat, als es in seinem leben wieder verarbeiten kann. für kinder und jugendliche sind diese pferde schon mal nichts. und auch nichts für kuschelbedürftige, für anfänger - und auch schon gar nichts für "tierrettende gutmenschen".

diese pferde sind was für realisten und leute, die geduld haben und trotzdem nichts erwarten.

Kommentar von Serayla ,

Vielen Dank für deine Antwort. So habe ich es bisher auch erlebt. Ich glaube die wenigsten haben schon alleine die Geduld mit solchen Tieren zu arbeiten. Das bedeutet einen Schritt vor und plötzlich wieder drei zurück. Es kostet unheimlich viel Geduld, Liebe, Einfühlungsvermögen, Tränen, schlaflose Nächte, Sorgen und Ängste. Und die ganze Arbeit heisst noch nicht mal ein "funktionierendes Reitpferd" zu erhalten sondern man macht das alles um dem Tier einen Sinn im Leben zurück zu geben und Vertrauen zumindest in seinen Menschen, für die Momente in denen es einfach auf der Wiese stehen und Gras futtern kann, um zu sehen wie es mit den Anderen Pferden spielt oder döst. Das allein ist der Lohn für all die Bemühungen. Jede Zutraulichkeit dem Menschen gegenüber ist ein Leckerchen 😊 ich hab mir das zur Lebensaufgabe gemacht. Aber ich finde es schlimm solch ein Tier zu kaufen weil es günstig ist, nur um dann daran zu scheitern und es wieder loswerden zu müssen.

Kommentar von Dackodil ,

Wunderbar auf den Punkt gebracht. Danke!

Trifft eigentlich auf alle "versauten" Tiere zu, ob groß ob klein.

Wer den Lohn in einem tollen Tier sucht, das dann Preise gewinnt, sucht an der falschen Stelle.

Der Lohn liegt im Tun an sich und in der Freude zu sehen, wie sich so ein Tier manchmal entfaltet wie eine Lotusblüte.
Dafür gibt es aber keine Garantie. Manchmal ist der Point of no return einfach überschritten.

Kommentar von Heklamari ,

Du bringst es AUF DEN PUNKT !!!

aber wenn man so eine arme Seele wieder aufblühen sehen darf - DAS ist schon was richtig Schönes.

Genial, wenn man noch einige "interessante" gemeinsame Jahre haben darf....

(Seid ich selbst nicht mehr so "taufrisch" bin, aber viele Erfahrungen in Zucht, Aufzucht und Ausbildung sammeln durfte, hab ich mehrere "Notfellchen" gekauft/aufgenommen und bereue nix!)

Kommentar von beglo1705 ,

Das bringt die Zeit nun mal so mit sich. Ich denke, jeder, der hier länger als 20 Jahre reitet hätte sich in jungen "wilden" Jahren so ein traumatisiertes Pferd nicht angetan, weil man entweder wusste was da auf einen zukommt oder man einfach nur unbeschwert und sorgenfrei reiten wollte.

Ponyfliege hat allerdings vollkommen recht, ein Traumapferd sollte man sich nur anschaffen, wenn man Zeit, viel Geduld und auch ein gewisses Repertoir an Wissen hat und nichts erwartet, sonst ist man denke ich recht schnell mit der Realität konfrontiert, wenn hernach nichts klappt.

Antwort
von Dackodil, 41

Bei Pferden kann ich nicht mitreden, aber da du auch Hunde ansprichst...

Ich habe ausschließlich "Flughunde" wie ich sie nenne. Die wurden weggeworfen und flogen halt grade in meine Richtung.
Es gibt auch Flugkatzen.

Nein, ich habe in all den Jahren keinen Glücksgriff im Sinne von Otto Normaltierhalter getan. Aber ich habe die zauberhaftesten Prinzessinnen auf der Erbse sich entfalten sehen und mich mit charmanten Charakterköpfen abgearbeitet, Todgeweihte auf ihrem letzten Weg begleitet und manche auf ihrem Weg in ein neues Leben.

Egal ob sie 3 Tage, 3 Wochen, 3 Monate oder Jahre blieben, sie alle haben Spuren hinterlassen, mich manches gelehrt und mich verändert.
Vor allem Geduld, nichts zu erwarten und doch zu hoffen, die Erkenntnis, daß der Lohn der Tat in sich selbst zu finden ist und ganz wichtig, daß Mühe geben keine Garantie für Erfolg ist, aber die Voraussetzung, daß er überhaupt möglich wird. Ob die Möglichkeit sich auch verwirklicht, steht auf einem anderen Blatt.

Ich bin ihnen allen zu Dank verpflichtet.

Kommentar von Serayla ,

...Vor allem Geduld, nichts zu erwarten und doch zu hoffen, die Erkenntnis, dass der Lohn der Tat in sich selbst zu finden ist und Mühe geben keine Garantie für Erfolg ist... Hast du sehr treffend ausgedrückt. Ich bin auch dankbar für jedes meiner bekloppten Tiere 😄 sie lehren einem so viel und man erreicht eine völlig andere Ebene mit ihnen. schwer in Worte zu fassen aber man bekommt ein ganz neues Verständnis für das Tier und entwickelt eine ganz feinfühlige Kommunikation

Antwort
von beglo1705, 26

Hab mein Hengstle damals vorm Schlachter bewahrt und es war/ist kein Glücksgriff, im Gegenteil. Ich hab diverse Verletzungen davon getragen, unzählige Berittstunden gezahlt und auch mitgemacht, noch mehr Vertrauensarbeit gemacht usw. das volle Programm eben. Heut ist er fast 5 Jahre bei mir und ich möchte fast wetten, dass es kein Verlasspferd mehr wird für einen Freizeitreiter.

Ja er ist brav und auch anständig bei den Stuten, macht (im Normalfall) keinen Blödsinn im Gelände, dennoch reißt´s ihn manchmal und er geht grundlos durch, scheut vor der Heugabel, der Gerte die am Boden liegt oder bei Übungen die schon tausendfach gemacht wurden.

Er ist mein Traum(a)hengst und er ist so, wie er eben ist, ob ich das noch hin bekomme, wie ich das gern hätte? Weiß ich nicht, behalt ihn aber trotzdem auch wenn ich´s heute nicht mehr machen würde, ganz ehrlich.

Im Gegenzug hab ich noch eine Kaltblutstute die ich komplett "roh" von meinem Züchter zum Holzrücken gekauft habe: Ein Traum von einem Pferd. Keine Bösartigkeiten, keine Spinnereien, kein Ausrasten, kein Durchgehen dafür aber viel Vertrauen in Menschen und null Schreckhaftigkeit.

Um deine Frage komplett zu beantworten: Nein, solche Pferde vom Schlachter/Händler sind entweder körperlich leidend oder laufen einfach (im Hirnkastl) nicht rund. Da ist ohne hohe TA-Kosten und immensen Zeitaufwand mit Bereitern wenig zu machen. Keiner würde ein halbwegs brauchbares Pferd zum Schlachtpreis abgeben würde ich meinen.

Kommentar von Serayla ,

Vielen Dank für deine Antwort. schön dass du ihn trotzdem behältst. Das klingt auch ganz nach meinen Erfahrungen. Meine erste Stute hatte ich so weit hinbekommen dass sie ein schönes Pferdeleben führen konnte und sie soweit Vertrauen in mich (andere Personen waren immernoch gefährlich) gefasst hatte dass ich sie gefahrlos putzen konnte und auch der Tierarzt an sie heran kam für Untersuchungen wenn ich dabei war. Schmied war trotz allem immer problematisch. reitbar war sie nur auf Wegen die ich vorher wochenlang mit ihr abgelaufen bin (erst in Pferdegesellschaft, dann alleine, dann reiten in Pferdegesellschaft, dann ging es erst alleine und auch nur genau dieser bekannte Weg) ich hatte sie unheimlich gern und die Arbeit die man reinsteckt und die Erfolge ( auch Rückschritte) schweißen sehr zusammen. Trotzdem war sie nie ein Pferd der ich zu 100% vertrauen konnte und sie mir auch nicht. Wir hatten eine Basis oder Kompromiss gefunden mit dem wir uns beide arrangieren konnten und so wäre es vermutlich geblieben. Leider ist sie gestorben aber wir hatten es zumindest geschafft dass sie sich wohl fühlt auf ihre letzten Tage.

Kommentar von beglo1705 ,

Es kommt eben auch darauf an, was man erwartet. Als Reitpferd ist er okay für mich, er ist halt ab und an mein "Salamigalopper" (Kosename von meinem Mann) wenn er einfach nicht mag. Ich komm schon klar mit ihm, bei jemand anderen (sagen wir mal eine junge RB) hätte ich arge Bedenken ob der Reiter wieder heil nach Hause bzw. vom Platz kommt.

Würde ich ihn jetzt verkaufen, bin ich mir ziemlich sicher dass er eines Tages doch wieder beim Schlachter landen würde und all die Anstrengungen von ihm und auch von mir wären vergebens gewesen.

Wird trotzdem behalten, sonst kann ich mich über gar nichts mehr aufregen ;-))

Antwort
von MilleW, 61

Ich selbst habe kein Pferd so aufgenommen aber meine momentane (hoffentlich auch für die nächsten Jahre) Reitbeteiligung ist auch schlechter Haltung gekauft. Der Besitzer ist verstorben gewesen woraufhin er zum 'Tierschutz' kam. Aber das ist eigentlich der falsche Ausdruck da er (laut Besi, deren Töchtern und seiner Pflegebeteiligung) total abgemagert und verdreckt war. Sie hat ihn wieder aufgepäppelt und jetzt ist er ein neugieriger, frecher und lebensfroher Wallach. Er knabbert an allem was er findet (auch versucht er immer am Handy in meiner Hosen Tasche zu knabbern XD) und hat auch schon öfter die Schubkarre mit dem Mist vom Paddock abäppeln umgeworfen. Er ist auch total verschmust und liebt es gekrault zu werden. Die einzige 'Macke' ist das er total auf seine Besitzerin festgelegt ist. Fremde sind interessant doch er würde NIE mit gehen ohne seine Besitzerin, da könnte man Tonnen von Lekerlis haben. Aber ich arbeite im Moment an seinem Respekt, dann kommt auch schon noch das Vertrauen :)

Antwort
von Boxerfrau, 51

Naja Schnäppchen macht man mit einem Pferd das beim Schlachter oder besser gesagt bei einem Händler mit der Schlacht Option gelandet ist eigentlich nie. Ich habe schon einige Pferde kennen gelernt die dem Schlachter von der Schippe gesprungen sind. Zum einen bei meinen Jahr in der Schweiz auf einem Gnadenhof die ausschließlich Pferde haben die dem Tod geweiht waren... (die wenigsten Pferde waren übrigens Alt.... die meisten zwischen 4 und 12 Jahren) zum anderen in meinem Bekanntenkreis, die entweder Pferde gekauft haben die von Privat zum Schlachter sollten oder bereits dort standen. Billig war das nie. Die Anschaffung ja. Aber die Folgekosten Nein... entweder waren die Pferde psychisch am Ende oder eben Körperlich. In vielen Fällen hat sich der Kaufpreis um viele 1000 erhöt. Aber glücklich sind sie alle mit den Pferden... Und noch mal auf die Schweiz zurück zu kommen, dort habe ich unter anderem ein Pferd kennen gelernt welches, von Menschen bei lebendigem Leib angebrannt wurde. Und riesen Narben über dem ganzen Körper trägt und trotzdem das Vertrauen in Menschen nicht verloren hat, oder besser es wieder gewonnen hat, durch tolle Menschen die ihm gezeigt haben, dass Menschen nicht grundsätzlich falsch sind.

Kommentar von Boxerfrau ,

die schlachtfohlen hab ich jetzt natürlich ausgeschlossen.... die landen dort meist, wegen Überproduktion....

Kommentar von Serayla ,

oh nein das ist ja schrecklich mit dem Verbrennen 😔 ich versteh nicht wozu manche Menschen fähig sind. Ich kann mir vorstellen dass es sehr viel Geduld und Liebe gebraucht hat bis das Pferd wieder vertrauen konnte. Vom Geld her ist es bei mir auch so, das erste Pferd hat Menschen gehasst, hat gebissen etc. und war kaputt geritten, mit ihr musste ich ein Jahr arbeiten bis sie sich zumindest von mir anfassen ließ und sie wurde operiert. Leider ist sie verstorben. das zweite Pferd wurde mit 20 anderen in einem Stall "vergessen" die meisten waren schon verhungert oder mussten vor Ort erlöst werden. Sie hat dem Menschen gegenüber keine Defizite aber körperlich sowie psychisch. Sie hatte regelmäßig Koliken, musste in die Klinik etc. Ich hab sie seit etwa einem Jahr und habe bisher knapp 4000€ alleine Tierarzt und Klinik, dazu noch das ganze Futter zum Aufpäppeln, spezielle Behandlungen wie Traumatherapie, die Hufe mussten erst mal wieder gerichtet werden usw. Ich bin Tierheilpraktikerin und kann zusätzlich vieles selbst machen, wenn man diese Kosten auch noch dazu rechnen würde. Also klingt am Anfang geschenkt oder zum Schlachtpreis noch verlockend aber dabei ist es bisher noch nie geblieben. zu den Schlachtfohlen, ich hab sie auch mal ausgeklammert genauso wie Welpen aus Tötungsstationen. Wobei man sagen muss dass die kleinen zum einen wohl auch nicht nett behandelt werden, zum anderen auch noch nichts im ihrem Leben gelernt haben. Diese wichtige Zeit in denen man ihnen spielerisch die Welt nahe bringt. Das bekannte Fohlen ABC. Also hat man vermutlich mit den Kleinen auch schon mehr Arbeit aber noch nicht so große Defizite wie beim erwachsenen Tier. vielen Dank für deine Antwort 😊

Antwort
von dasadi, 92

Es gibt immer Pferde und Hunde, die aus anderen Gründen getötet werden sollen, als aus denen, dass sie Mängel haben. Menschen sterben, oder müssen einen Stall schließen.....oder die Fohlen kann niemand brauchen, siehe Tirol und die Haflinger. Mein früherer Reitstallbesitzer hat fast nur Pferde vom Schlachter oder komischen Händlern gekauft. Die sind bei ihm fast alle uralt geworden und haben ihre Leistung gut erbracht, ohne, dass sie irgendwelche Mängel gehabt hätten. Und Hunde in Tötungsstationen, meinst Du wirklich, die haben Mängel, nur weil sie dort gelandet sind ? Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, in der es nur um Profit geht. Tiere werden genauso entsorgt wie Lebensmittel, die nicht der Norm entsprechen.

Kommentar von Serayla ,

mir ist schon klar weshalb Hunde in Tötungsstationen landen ebenso wie mir klar ist welche Qualen sie dort erleiden und wie sich diese auf ihr Wesen auswirken. Ich meine auch keine Jungtiere bei denen es vielleicht noch leichter ist, wobei alle entsorgen Tiere wohl nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Sie entwickeln eben auch Mängel gerade weil sie dort gelandet sind. und wenn du sagst Tiere werden entsorgt weil sie nicht der Norm entsprechen dann sind wir ja gerade beim Punkt angekommen. inwiefern weichen sie denn so von der Norm ab dass die Profitgesellschaft nicht mehr als den Schlachtpreis erwirtschaften kann?

Kommentar von Boxerfrau ,

ja aber bei Pferden ist es schon etwas anders als bei den Hunden. die wenigsten Pferde kommen zum schlachter wenn sie 100 Prozent gesund sind. Der Grund dafür ist auch ganz einfach. Für ein Gesundes und einigermaßen junges Pferd, bekommt man einge 1000 Euro beim schlachter gibt's 750 Euro. Beim hafi fohlen siehts natürlich anders aus.. das ist leider nicht mehr Wert als der Schlachtpreis. Aber im Normalfall landen Pferde eben beim schlachter weil sie krank oder schwierig sind oder nicht die gewünschte Leistung erbringen

Kommentar von YarlungTsangpo ,

Das ist eine "Heile Welt Anschauung" 

Auch Pferde werden einfach wie Kühe und Schweine nur zur Fleischgewinnung gezüchtet.

Es gibt ein absolutes Überangebot an Fohlen. Es wird Pferd geschlachtet. In Polen werden eigens Schlachtpferde hergestellt und quer durch Europa gekarrt....

https://www.animals-angels.de/fileadmin/user_upload/1_DATEN_AB_2014/4_AA_PRESS/I...

Es sind nicht nur kranke oder alte oder von Menschen psychisch zerstörte Pferde welche auf Schlachttransporte quer durch Europa zu finden sind.

Kommentar von Serayla ,

Das mit den zur Fleischgewinnung produzierten Pferden ist uns schon klar, aber diese Pferde haben keinerlei Ausbildung, sie werden wie Kühe oder Schweine gehalten. Niemand lernt ihnen geputzt oder angebunden zu werden, Hufe zu geben, mit zunehmendem Alter Gewöhnung an Sattel, Trense etc. Vielleicht sind diese Tiere nicht krank aber in ihrem Ausbildungsstand nicht vergleichbar mit gleichaltrigen. Ich habe ja Jungtiere teilweise ausgeklammert. Aber gehen wir mal von einem 3 oder 4 jährigen aus so hat man damit sehr viel mehr Arbeit da das Pferd ja nichts kennt und es wohl auch nicht ganz so einfach sein wird ihm alles beizubringen wie im Fohlenalter. Ich sag ja nicht dass mit Geduld und Spucke aus solchen Pferden keine tollen Partner werden, ich sag nur dass viele den Arbeitsaufwand unterschätzen. Auf den ersten Blick sind sicher viele Schlachtpferde toll, im täglichen Umgang aber wahrscheinlich nicht so einfach zu händeln wie ein "normales" Pferd und ich befürchte dass die anfängliche Euphorie schnell der Realität Platz macht wenn Pferdi eben so gar nichts kennt und kann, da wird Führen, Putzen, Anbinden, Hufe geben, Kinder, Traktoren, Autos, Boxenhaltung... schon zur Herausforderung an der vermutlich viele scheitern weil es eben kein "drauf setzen und losreiten" Pferd ist

Antwort
von Virgilia, 88

Ich selber habe kein Pferd, aber eine Freundin hat ihr Pferd vor ein paar Jahren beim Schlachter gekauft. Und sie hatte bisher nie Probleme mit ihm, weder physische noch psychische. Er war leider ein "Trennungsopfer". Ein Mann hat seiner Freundin ein Pferd gekauft, war aber immer noch der Eigentümer, die Beziehung ging in die Brüche und aus Rache wollte er das Pferd schlachten lassen -.- 

Meine 'derzeitigen' Hunde stammen aus einem kleinen, privaten Tierheim in Rumänien und nicht aus der Tötung. Während die eine ein keiner Sonnenschein ist und, trotz schlechter Erfahrungen, alles und jeden liebt, ist (bzw. war) die andere ein "Angsthund", mit diversen Futterallergien. Bei ihr wussten wir aber ganz genau auf was wir uns eingelassen haben. 

Ich kenne allerdings einige Hunde, die in der Tötung saßen. Einige haben ihren "Knacks" weg und mussten erst langsam (wieder) lernen Menschen zu vertrauen, andere sind die liebsten und unkompliziertesten Hunde, die man sich vorstellen kann. 

Kommentar von brandon ,

andere sind die liebsten und unkompliziertesten Hunde, die man sich vorstellen kann. 

Ich habe eine Pflegehündin aus Rumänien und auf sie trifft das 100% zu. Sie ist der lebenswertesten Hund den ich je hatte.

Deshalb ärgert es mich wenn es Leute gibt die behaupten das die Hunde aus dem Ausland alle nichts wert sind weil sie angeblich alle verhaltensgestört und krank sind. 😕

Kommentar von Serayla ,

Nein ich sagen auf keinen Fall dass solche Tiere nichts wert sind. Nur dass man nicht vergessen darf was sie erlebt haben und sie das auf ihr Wesen oder ihre Gesundheit auswirkt / auswirken kann. Solange Menschen wissen worauf sie sich einlassen unterstütze ich es vollkommen diesen Tieren eine Chance zu geben. Ich selbst mache es ja nicht anders. Aber ich warne davor wenn Familie XY einen lieben Familienhund sucht, lieb zum Kind, unkompliziert, nervenstark, verschmust... Und dann einen Hund "retten" möchte. Hinter der Idee stecken sicher gute Absichten (zumal für diese Hunde ja auch meist eine Schutzgebühr fällig wird und sie daher auch nicht unbedingt ein Schnäppchen sind) aber ich glaube man findet keinen Hund der nicht in irgendeiner Weise traumatisiert ist und erst mal der vollen Aufmerksamkeit bedarf. Solche Hunde brauchen sehr viel Zeit und Erfahrung. Natürlich werden daraus herzensgute Tiere aber nur im richtigen Umfeld und mit dem richtigen Menschen die geduldig sind und ihnen Zeit geben und auch damit leben können wenn der ein oder andere Knacks bleibt.

Kommentar von YarlungTsangpo ,

Einen jeden Hund welche  man für sich und seine Familie sucht muß man sehr sorgfältig und überlegt auswählen.

Und man muß einem Hund auch ein artgerechtes Lben zugestehen.

Jeder Hund macht Erziehungsaufwand, nicht nur Hunde aus Tötungsstationen oder Tierheimen, sondern... jeder Hund von Welpenbeinen an.

Kommentar von brandon ,

Aber ich warne davor wenn Familie XY einen lieben Familienhund sucht, lieb zum Kind, unkompliziert, nervenstark, verschmust... Und dann einen Hund "retten" möchte. Hinter der Idee stecken sicher gute Absichten (zumal für diese Hunde ja auch meist eine Schutzgebühr fällig wird und sie daher auch nicht unbedingt ein Schnäppchen sind) aber ich glaube man findet keinen Hund der nicht in irgendeiner Weise traumatisiert ist und erst mal der vollen Aufmerksamkeit bedarf. Solche Hunde brauchen sehr viel Zeit und Erfahrung. Natürlich werden daraus herzensgute Tiere aber nur im richtigen Umfeld und mit dem richtigen Menschen die geduldig sind und ihnen Zeit geben und auch damit leben können wenn der ein oder andere Knacks bleibt.

Da bin ich voll und ganz auf Deiner Seite. Ein verhaltensgestörte Hund sollte nur in die Hände erfahrener Hundehalter abgegeben werden. Das ist überhaupt keine Frage denn hier reicht die gute Absicht einem Tier helfen zu wollen nicht aus. 

Ich habe selbst so einen traumatisierten Hund der große Angst vor fremden Menschen hat.  Für solche Hunde braucht man Erfahrung, Verständnis, Geduld, Kenntnisse, starke Nerven und nicht zuletzt ein großes Herz. 

Deswegen wären die meisten Hundehalter mit so einem Hund total überfordert.

Aber es sind nicht alle Hunde wie meine Hündin aus Bulgarien. Wie ich schon erwähnt habe ist unsere Pflegehündin das genaue Gegenteil, sie ist einfach liebenswert. Sie kennt keine Panik und keine Aggressionen, sie lässt sich leicht lenken und freut sich über jede Aufmerksamkeit und Streicheleinheit.

Sie ist das beste Beispiel dafür das Hunde aus dem Ausland auch freundlich und unkompliziert sein können und finde es schade das solche Hunde keine Chance bekommen weil es dort auch Hunde gibt die verhaltensauffällig sind.

Kommentar von Virgilia ,

Bei meiner Terrier-Hündin ist es ähnlich. Sie war von Anfang an weder ängstlich noch aggressiv. Der einzige Grund warum sie nicht der "perfekte" Hund für eine Familie mit Kindern ist, ist dass sie ihten eigenen Kopf hat und schnell gelangweilt ist. Wenn man nicht weiß, wie man sie (interessant) beschäftigt, beschäftigt sie sich halt selbst. Und evtl. Ihr ausgeprägter, aber nicht zuverlässiger Jagdttrieb. 

Ansonsten gibt es genau eine Hündin, die sie nicht mag, ansonsten ist sie mit jedem Hund verträglich, liebt Kinder und allgemein fast alle Menschen. 

Es gab bisher nur einen "Vorfall": Ein guter Freund meiner Eltern ist gebürtiger Ukrainer und sieht auch ziemlich "osteuropäisch" aus und hat eine "passende" Stimme. Das hat bei meiner Kleinen scheinbar schlechte Erinnerungen hervorgerufen und sie hat ängstlich reagiert und ihn angeknurrt. Aber nach einiger Zeit hat sie gemerkt, dass von ihm keine Gefahr ausgeht und inzwischen freut sie sich, wenn er zu Besuch kommt und klettert sogar auf seinen Schoß. 

Über ihre Vergangenheit ist so gut wie nichts bekannt. Man weiß nur, dass sie schwer misshandelt wurde. Als sie dann in Sicherheit war, musste sie eine extrem schmerzhafte Behandlung erdulden (Herzwürmer). Trotzdem ist sie ein kleiner Sonnenschein. 

Die Hündin meiner Mutter brauchte zwar 2, 3 Wochen, um "anzukommen", aber auch mit ihr hatten wir nie nennenswerte Probleme. Sie ist eher misstrauisch und verlässt nur äußerst ungern ihr "Revier". Sie wäre eigentlich ein guter Hund für eine alleinstehende ältere Person. 

In beide Hunde mussten wir nicht mehr "Arbeit" oder Geld investieren als in die Dogge vom Züchter. 

Einige der liebsten und unkompliziertesten Hunde, die ich bisher kennenlernen durfte, saßen in Spanien, den Staaten oder Osteuropa in der Tötung. 

Natürlich gibt es auch verhaltensgestörte oder extrem ängstliche Hunde (so ein Exemplar habe ich hier zu Hause). Aber kein seriöser Tierschützer/Verein vermittelt solche Hunde an Anfänger! 

Traumatisiert kann ein Hund auch werden, wenn er von einem guten Züchter kommt und in einer tollen Familie aufwächst. Er muss nur beim Spazieren gehen von einem anderen (unerzogenen, nicht traumatisierten) Hund angefallen oder von einem frustrierten Rentner mit einem Gehstock geschlagen werden. 

Kommentar von brandon ,

Danke für Deinen tollen Kommentar.🌷

 Ich hoffe das möglichst viele Leute das lesen und verstehen.

LG

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 53

Ich kenne 2 solcher Personen ( nicht ich selbst)

Eine kauftte immer ihre Pferde beim Schlachter, der eigens eine Koppel hatte für Pferde, " um die es zu schade wäre", so dasselbe wohl immer einige Zeit mit deren Schlachtung wartete, ob sich niemand fände, der es will. Die war sehr glücklich mit ihren Freizeitpartnern.

Eine andere hat mehrere Pferde, die wegen zu teurer ärztlicher Behandlung oder nicht mehr  voller Reitbarkeit getötet worden wären. Allesamt ordentliche Freizeitpartner.

Antwort
von Michel2015, 13

Ich habe ein Pferd dem Schlachter vor der Nase weggekauft. Hochprämiert, mit Papieren und kerngesund. Gab keinen Haken.

Aber von solchen Pferden habe ich sehr oft Kenntnis, in der Tat interessiert sich Niemand dafür.

Expertenantwort
von YarlungTsangpo, Community-Experte für Hund, 76

Nicht ich selbst aber eine Bekannte hat ein "Schlachtpferd" aus einem vorgesehenen Transport herausgekauft.

Das Pferd hat keinerlei Mangel, ist vorzüglich aufgewachsen und gut sozialisiert. Es war ein "Schlachtfohlen"

Daran kann man sehen, daß Schlachttiere per se in keinem Fall irgend ein gesundheitliches oder psychisches Problem zeigen oder haben müssen.

Es werden massenweise Pferde, eigens zum Schlachten gezüchtet.

Auf nach Österreich, geh auf die Pferdemilchfarmen, geh in die Urlaubsorte welche als "Klischee für Touristen" Stuten mit Fohlen und Jährlingen auf der Weide haben.. 

....jedes Jahr, immer wieder. Fohlen und Jährlinge die nicht gebraucht werden und als zweijährige mit bestem Schlachtgewicht an dem Schlachtviehhändler verkauft werden...

Transporte nach Frankreich, Italien und noch weiter... nur zum Salami machen.

http://www.naturwelt.org/tierschutz/fohlenzucht-für-den-schlachter/

Aber lest selbst.

Im Bezug auf den Hund: 

Man kann aus dem Tierschutz die vorzüglichsten Hunde, selbst reinrassige Rassehunde bekommen. Bestens sozialisierte, gesunde Hunde. 

Manche sind "ungeschliffene Rohdiamanten" was bedeutet, daß sie noch eine Grunderziehung brauchen aber nicht "verdorben" wurden.

Antwort
von Serayla, 52

Danke dir 😊

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