Frage von TobiMetal93, 104

Theologiestudium trotz fehlender Fremdsprachenkenntnisse?

Guten Tag, ich habe meine Lateinprüfung in NRW an einem Gymnasium nicht bestanden, jedoch überlege ich, trotzdem EV. Theologie zu studieren.

1) Ist das schaffbar, auch wenn ich Latein nachholen müsste oder würdet ihr davon abraten?

2) Habt ihr sonst noch Tipps, die ich beachten müsste?

Ich bitte um ernstgemeinte Antworten. Auch Religionskritik etc. möchte ich nicht eingehen.

Danke an euch im Vorraus :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Abundumzu, 21

Grüße Dich TobiMetal93, 


Du fragst  "Habt ihr sonst noch Tipps, die ich beachten müsste?"
Da wäre vielleicht dieser:

Da Theologie etwas mit Gott zu tun hat  -  und Gott wiederum etwas   -  oder besser gesagt sehr viel  -  mit seinem Wort zu tun hat, gibt es da in diesem Gotteswort eine Reihe von Anhaltspunkten, die man als angehender Theologe nicht übersehen sollte

Beispielsweise hatte    -   mit  einer einzigen Ausnahme   -   niemand der vierzig Schreiber, die von Gott dazu inspiriert wurden, die Bibel zu schreiben und damit die Grundlage für das Christentums zu legen, niemand von diesen hatte Theologie studiert, trotzdem oder gerade deshalb waren sie mit der Lehre von Gott (griech. „Theologie“) sehr gut vertraut.

Der einzige Intellektuelle unter den Bibelschreibern war der Apostel Paulus. Sein „Theologiestudium“ erwies sich allerdings bei seiner Suche nach „der Lehre von Gott“ als derart hinderlich, dass er seine erworbenen (Er)Kenntnisse kurzerhand wieder über Bord warf.

Warum?

Nun, weil Paulus zunächst davon ausgegangen war, dass man nichts verkehrt macht, wenn man sich einen Dozenten sucht, der in hohem Ansehen steht. Und tatsächlich war Gamaliel ein Gesetzeslehrer, der höchste Achtung genoss und großen Einfluss hatte. Als solcher legte er großen Wert auf die pharisäische Gesetzlichkeit und bestand deshalb auch auf der Anerkennung des mündlichen Gesetzes. Dadurch maß er den Überlieferungen der Rabbiner größeres Gewicht bei als den von Gott inspirierten Schriften. 

Das Wort Gottes allerdings verurteilt diese Methode in Matthäus 15:3-9 auf das schärfste.

Und das war nicht nur damals der krasse Unterschied zwischen der etablierten Theologie und den Grundsätzen der Bibel - das unterscheidet beide auch heute noch.

Paulus selbst beurteilt seinen „Fehlstart“ später rückblickend so:

„Seinetwegen [Christi wegen] habe ich allem, was mir früher ein Gewinn zu sein schien, den Rücken gekehrt; es ist in meinen Augen nichts anderes als Müll. Denn der Gewinn, nach dem ich strebe, ist Christus; (Philipper 3:7-8   Neue Genfer Übersetzung)

Selbst Jesus Christus hat nie Theologie studiert. Über ihn wird berichtet: „Wieso ist dieser Mann gelehrt, da er nicht auf den Schulen studiert hat?“ (Johannes 7:15)

Und deshalb kann man in 1. Korinther 1:26-28 etwas ganz Grundsätzliches dazu lesen:

„Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft. Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen.“


Wenn also das, was Du anstrebst, mehr als ein bloßer Job werden soll,  dann   -  so meine ich  -  solltest Du über diese Hinweidse  zu mindestens einmal nachdenken  . . . oder?


Alles Gute


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Antwort
von OnkelSchorsch, 30

Was ist denn dein Berufswunsch?

Wenn du auf die Kanzel willst, kommst du um ein Theologiestudium nicht herum, und dafür benötigst du zwingend Latinum, Graecum und Hebraicum.

Es gibt etliche Studies, die das wäjhrend der ersten Studiensemster nachholen, aber auch viele, die dabei scheitern.

Antwort
von PhotonX, 56

Es kommt wahrscheinlich auf den genauen Studiengang an. Ein Freund von mir hat nach seinem Physik-Master ein Studium in Evangelischer Theologie (in Neuendettelsau) angefangen, hatte seit ~6 Jahren nichts mit Sprachen am Hut und nur Englisch und Französisch in der Schule.

Er musste dann im ersten Jahr mehrere Sprachkurse in Latein, Altgriechisch und Althebräisch machen, richtig schwer waren sie aber ihm zufolge nicht (in Prüfungen durfte man zum Beispiel ein Wörterbuch benutzen, wenn ich mich recht erinnere).

Antwort
von capi89, 52

1) Das ist zwar etwas aufwendig, aber definitiv machbar und bringt sogar einige Vorteile mit sich. Viele kommen mit Latinum von der Schule, können aber kein richtiges Latein mehr. Wenns dann aber an die Griechischkurse geht und der ganze Stoff aus dem Lateinunterricht vorausgesetzt wird (beide Sprachen funktionieren recht ähnlich), kommt es hier häufig zu Problemen. Das ganze ist anstrengend und erfordert Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen, aber es ist machbar und schon etliche Studenten vor Dir haben das hinbekommen
2) Ich habe auch Tips: Mach Latein auf jeden Fall vor Griechisch. In der Regel wird in den Griechischkursen auf dem Grundwissen aus den Lateinkursen aufgebaut. Hebräisch funktioniert anders als Griechisch und Latein und ist etwas eingängiger und m.E. einfacher zu lernen. Entweder Du fängst damit an, oder machst das Hebraicum nach Latinum und Graecum. Fang auf keinen Fall mit mehreren Sprachen gleichzeitig an und unterschätze den Arbeitsaufwand nicht: Das ganze hat nichts mit Fremdsprachenunterricht in der Schule zu tun. An der Uni wird der Stoff, für den Du in der Schule 5 Jahre Zeit hast in 2 bis 3 Semestern gelehrt. Mach neben her ein oder zwei Lehrveranstaltungen, damit Du beim Sprachenlernen nicht völlig wahnsinnig wirst, der absolute Schwerpunkt sollte aber zu Studienbeginn definitiv auf den Sprachkursen liegen.

Wenn Du die Sprachen abgehakt hast, wirst Du merken, dass Theologie ein unfassbar vielseitiges und spannendes Studienfach ist. Ich habe meine Entscheidung nie bereut, auch wenn mich das Graecum einige Nerven gekostet hat. Viel Erfolg und Spaß beim Studium!

Antwort
von Luuke777, 37

Zum beispiel im studienzentrum krelingen kannste latein kurse oder ein ganzes vorstudienjahr für die sprachen machen. Ich finds sinnvoll, war auch da! (Für griechisch und hebräisch)

Antwort
von Andracus, 74

das ist dann schon nochmal n größeres projekt. also machbar ists. aber man muss sich echt dahinterklemmen. was man auf jeden fall nicht machen sollte ist griechisch und latein gleichzeitig. wenn du gleich zwei auf einmal machen willst würde ich ausm bauch latein und hebräisch für den anfang empfehlen...hebräisch ist im grunde nicht schwer und zu latein fällt einem er bezug doch noch bisschen leichter als zu griechisch.

Antwort
von Farbton2, 45

Machbar ist es auf jeden Fall, da du ja auch an den Universitäten diesbezüglich unterstützt wirst, aber es ist schon ziemlich happig. Griechisch kommt ja glaube ich auch noch dazu, da du allerdings Latein nicht zum ersten Mal irgendwie lernst, ist es für dich sicherlich einfacher da reinzukommen, als vielleicht für andere. Liebe Grüße :)

Antwort
von landregen, 76

Man kann trotzdem Theologie studieren, muss aber zunächst erst einmal ein paar Semester darauf verwenden, außer Hebräisch und Griechisch auch noch Latein zu lernen.

Du brauchst das Hebraicum, das Graecum und das große Latinum.

Das ist absolut hart - aber nicht unmöglich.

Kommentar von laserata ,

Versteht man unter "Graecum" eigentlich das klassische Altgriechisch? Ich frage das, da das Griechisch des Neuen Testaments mehr Neu- als Altgriechisch ist.

In den Jahrhunderten um Christi Geburt hat sich das Griechische rasant weiterentwickelt, später dann aber sehr langsam.

Das Ergebnis ist, dass Sokrates beim Lesen des Neuen Testaments wahrsccheinlich mehr Schwierigkeiten gehabt hätte als ein heutiger Grieche. Ich selbst bin einer (und Linguist). In einem Standardwerk für neutestamentliches Griechisch hab ich mir mal die Vokabellisten vorgenommen. Ca. 90% der Wörter waren identisch oder fast identisch mit den heutigen, neugriechischen Wörtern. Ein heutiger Grieche kann die griechischen Evangelien ziemlich problemlos lesen. Bei klassischem Griechisch versteht man dagegen auch als Grieche erst mal nur Bahnhof.

Ich fände es daher absurd, wenn man für ein Theologiestudium quasi das Griechisch aus einer "falschen Epoche" lernen muss. Ich hoffe, man lernt dagegen bewusst und ganz konkret das neutestamentliche Griechisch.

PS: Sollten als Alternative zum Graecum auch Neugriechischkenntnisse akzeptiert werden können, würde ich dir fast raten, gleich Neugriechisch zu lernen. Das lernst du dann automatisch viel intensiver und "echter" als in Bibelgriechischkursen, und am Ende verstehst gerade du dann die Originaltexte besser als die Graecum-Leute.

Kommentar von landregen ,

Ich habe die Vorgaben nicht gemacht, und ich bin auch nicht in der Position, etwas daran zu ändern. Aber es wird das klassische /antike Griechisch verlangt.

... mit dem man allerdings sehr wohl den Texten beikommen kann - im Gegensatz zum Neugriechischen, das doch sehr anders zu sein scheint.

Ich kann - was Grammatik und Sprachaufbau wie auch Vokabular betrifft - dir aus meiner eigenen Erfahrung absolut nicht beipflichten.

Kommentar von capi89 ,

Bibelgriechisch ist Altgriechisch!
Das Koiné-Griechisch der Bibel ist eine etwas zugänglichere Form des klassischen Griechisch. Mit Neugriechisch kommst Du da nicht weit. Das Neue Testament wurde in der Antike geschrieben, entsprechend ist die Sprache und die Kultur, aus der es entspringt die der Antike. Das Bibelgriechisch ist zwar grammatikalisch und syntaktisch etwas einfacher als das Griechisch Platons oder Xenophons, es bleibt aber Altgriechisch. Es geht auch nicht nur darum die Bibel in den Ursprachen lesen zu können (was für einen, der Platon lesen kann, kein Problem darstellen sollte), sondern auch die Texte der Kirchenväter (Augustin, Justin,  Chrysostomos) verstehen zu können, die sich am Stil Platons orientieren.

Kommentar von laserata ,

Ένα πράγμα τα αρχαία ελληνικά, άλλο όμως η Κοινή. Daher gibt es ja auch die eigenständige Bezeichnung "Koiné".

Um mir nicht die Finger wundzutippen zitiere ich mal kurz eine sehr treffende Aussage zur Koiné aus der englischen Wikipedia:

"Most new forms start off as rare and gradually become more frequent until they are established. As most of the changes between modern and ancient Greek were introduced via Koine, Koine is largely familiar and at least partly intelligible to most writers and speakers of Modern Greek."

So ist es. Ich spreche Neugriechisch muttersprachlich und komme damit im Neuen Testament sogar SEHR weit, um es mal in deinen Worten auszudrücken. Vor einem Text in klassischem Altgriechisch (= mehrere Jahrhunderte älter als das Neue Testament) ist man dagegen mit Neugriechisch aufgeschmissen.

Antwort
von josef050153, 11

Natürlich ist es zu schaffen. Es kommt halt nur darauf an, wie sehr du dich anstrengst.

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