Frage von Kevinkampi, 49

Terror - Ihr Urteil ( Community Umfrage )?

Ich hab mir soeben " Terror - Ihr Urteil " angeschaut. Man muss echt sagen, dass ich mir den Kopf zerbrochen habe.

In dem Film geht es um einen Piloten, der ein Passagierflugzeug abgeschossen hat. Das Flugzeug explodiert und alle 164 Menschen kamen ums Leben. Die Maschine wurde entführt und sollte in ein Fußballstadion gelenkt werden, wo sich zu diesem Zeitpunkt, 70 000 Menschen befanden. Ich hätte vermutlich auch so gehandelt, aber wieso ? Weil ich abgewogen hätte - 70 000 Menschen gegen 164.

Wird die Situation aber geändert, wie hätte man dann handeln sollen?

Beispiel : ( Du bist der Bahnleiter) Ein Wagon gerät außer Kontrolle. Sie fährt von einem hohen Berg in das Tal. Am Bahnhof stehen 400 Menschen. Die Funkverbindung geht nicht. Du hast die Möglichkeit, auf ein Gleis abzuweichen, aber dort stehen 5 Arbeiter . Würdest du es vorziehen , auf das Gleis abzuweichen und diese 5 Arbeiter zu töten, um 400 Menschen zu retten? Ja, würde ich, weil ich abgewogen hätte.

Stell dir einen sehr dicken Mann vor, der an einer Brücke sitzt. Du weißt, dass dieser Mann den Wagon stoppen kann.Du musst diesen Mann aber vorher töten, bevor du ihn herunterwerfen kannst. Würdest du sein Leben beenden um die anderen zu retten? Nein, würde ich nicht. Vorhin konnte ich 5 Leben opfern um 400 zu retten, doch nun ist es nicht mal möglich, 1 Leben zu opfern um 405 zu retten.

Ich würde echt gerne mal eure Meinung dazu hören !

Antwort
von AliceVonKrolock, 8

Als Schöffenrichter hätte ich den Bundeswehrsoldaten (den Piloten) auch als nicht schuldig erklärt, da konnte mich gestern auch nichts mehr umstimmen..

Denn das war für den Mann keine einfache Entscheidung. Aber wie viel Zeit hat man in einer solchen Situation, um zu entscheiden? Damit der eventuelle Abschuss noch rechtzeitig erfolgen könnte, um nicht doch das Stadion oder andere Menschenansammlungen in der Stadt zu treffen?
Bestimmt nur wenige Minuten, vielleicht nur Sekunde. Nicht genug Zeit, um noch um Erlaubnis zu fragen oder lange Informationen einzuholen. Handeln ist gefragt.
Man muss für sich moralisch entscheiden: Werde ich zum Mörder von 164 Menschen oder zum Mörder von 70.164 Menschen? Denn es ist Mord, ja. Man tötet die Menschen im Flugzeug, ohne Zweifel. Aber woher weiß ich, dass diese nicht schon dem Tod geweiht sind?
Wenn ich sie abschieße - Tod.
Schieße ich sie nicht ab, aber das Flugzeug fliegt in das Stadion - Tod.
"Erobern" die Passagiere das Flugzeug zurück - was tun diese? Niemand weiß, ob die Piloten des Flugzeuges noch leben, ob noch jemand im Stande ist, das Flugzeug zu steuern. Denn wenn nicht, was sollen die Passagiere tun, selbst wenn sie der Terroristen habhaft werden könnten. Auch das vierte Flugzeug am 11. September ist abgestürzt, die Pasagiere tot - auch sie haben ein moralisches Urteil getroffen. Also folgt daraus vermutlich auch Tod.

Das war der ausschlaggebende Punkt für mich. Die 164 Passagiere sind vermutlich (okay, höchstwahrscheinlich sogar) dem Tode geweiht, die 70.000 Menschen im Stadion aber nicht. Sie ahnen nichts, während sich die Passagiere vielleicht schon mit ihrem Tod abgefunden haben.

Bei den anderen Beispielen hätte ich so entschieden, wie Du, auch aus diesen Gründen. Die Arbeiter würde ich opfern. Niemand rechnet mit dem Tod, weder die Menschen im Zug, noch die Arbeiter. Da greift allein das Verhältnis 5 gegen 400. Man kann nicht alle retten, es gibt keine Möglichkeit, in der es keine Toten gibt. Bei keiner dieser Entscheidungen handelt man wirklich richtig...
Aber den Mann würde ich nicht töten, er ist an der Sache noch weniger beteiligt, als die Menschen im Zug oder die Arbeiter (die im Übrigen bei einem Job auf Gleisen damit rechnen müssen, dass etwas passieren könnte). Denn ihn würde ich von Angesicht zu Angesicht erstechen, die Arbeiter würde ich nicht so sehen, nicht eigenhändig ermorden.

Antwort
von hazsvqj, 10

Ich habe den Film gestern abend gesehen und dort echt lange drüber nachgedacht, besonders die Plädoyers haben mich echt nachdenklich gestimmt. Die Frage, Mord oder nicht ist für mich eindeutig, schon nach 15 Minuten war Ich mir sicher - kein Mord. Aber trotzdem hat mich der Film gefesselt. Über ähnliche Stelle habe ich auch lange nachgedacht. Wieso würden bloß so wenige Menschen den einen ermorden? Meine Antwort darauf war, so empfinde ich mehr Schuld. Ich stelle die Weichen um - ich habe kaum Blut gesehen, die Reaktion nicht so deutlich vernommen, ich wusste so wenig über die Menschen, da ich sie nie gesehen habe. Bei dem Mann kann ich aber sehen, wie er leidet, weil ich so dicht an ihm dran bin, weil ich ihn so gut sehen und hören kann, ich sehe seine Augen, wenn ich ihn die Brücke runterstoße. Ich sehe in seinen Augen den Schock stehen, seinen Schmerz. Ich habe den Mann auf der Brücke stehen sehen, habe gesehen, wie er da bloß stand und nichts gemacht hat, habe so deutlich gesehen, wie wehrlos er ist. Ich habe ein paar Sekunden mit dem Mann gehabt, den Mann gesehen und obwohl ich nichts über ihn wusste, kannte ich ihn besser als die Arbeiter. Weil ich seine letzten Sekunden mit ihm erlebt habe. Und genau das lässt mich so schuldig fühlen. Ich hatte zu dem Mann eine Verbindung, außerdem habe ich ihn umgebracht, nicht der Wagon.

Antwort
von napoloni, 14

Vor einem Gericht muss in der Regel nach Recht und Gesetz geurteilt werden. Davon hab ich selbstverständlich keine Ahnung.

Von meiner Seite würde ein Freispruch erfolgen. Der Pilot muss eine Entscheidung fällen, und keine seiner beiden Wahlmöglichkeiten ist so wirklich moralisch einwandfrei. Er ist also in einer Situation, in der niemand mit ihm gerne tauschen würde und hat auch keine gute Auswahlmöglichkeit. Er fällt seine Entscheidung nicht für sich aus Eigennutz, sondern für die Gesellschaft. Sein Ziel ist nicht, die Flugzeuginsassen zu töten, sondern die Stadionbesucher zu retten. Noch dazu, was meine Entscheidung wesentlich vereinfacht, handelt er in Uniform und im Dienst.

Somit für mich keine persönliche Schuld des Piloten. In Haftungsfragen wäre im Zweifelsfall der Staat - also unsere Gesellschaft als Ganzes - auf der Anklagebank.

---

Ich hab den Film aber noch nicht gesehen. Das wird sicherlich sehr verzwickt.

Antwort
von Millena1997, 20

Ich denke, in solchen Situationen kann man sowieso nicht richtig handeln, weil, egal wofür man sich entscheidet, Menschen ums Leben kommen werden.

In den meisten Fällen entscheidet man sich instinktiv dafür, so wenig Verluste wie möglich zu "verursachen". Also in deinem Beispiel, die 5 Arbeiter zu opfern, indem man diese verunfallen lässt.

Wenn es aber darum geht, jemanden mit Absicht zu ermorden, der eigentlich nichts mit der Sache zu tun hat, finde ich, ist so etwas überhaupt nicht richtig.

Aber sowas hängt natürlich immer von der Situation ab. Wenn einer der 5 Arbeiter ein Familienmitglied wäre, dann würde ich wahrscheinlich anders handeln. Ich denke in so einem Fall einfach egoistisch.

Antwort
von Feuerherz2007, 34

Der Pilot ist nicht schuldig, unabhängig wie unser Gesetz es sieht, insbesondere der Art. 1 GG, hier sind andere Maßstäbe anzusetzen, Lösungen die vom Gesetz her nicht abgedeckt werden.


Kommentar von Millena1997 ,

Das war aber nicht die Antwort auf seine Frage. Er wollte wissen, welches die "richtige" Art und Weise ist, in so einer Situation vorzugehen. Ganz egal, ob man danach schuldig oder nicht schuldig ist.

Kommentar von Feuerherz2007 ,

Das war die Antwort auf die Frage! Somit wurde ausgedrückt, dass der Pilot mit dem Abschuss die richtige Entscheidung getroffen hat.

Kommentar von Millena1997 ,

Ja, du hast beantwortet, ob der Pilot im Film schuldig oder nicht schuldig ist. Aber das ist nicht das, was der Fragesteller (Kevinkampi) auf gutefrage.net von uns wissen will :D

Kommentar von Feuerherz2007 ,

Kevinhampel soll das jetzt so hinnehmen, ich muss gleich weg!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community