Frage von kraft281190seb, 24

Teleskop für Deep Sky?

Will in die Astronomie einsteigen mit späterer Option auf Astrofotografie (Sony A7R). Ausgesuchtes Einsteigerobjekt der Begierde:

200 / 1000mm Newton auf NEQ5
von SkyWatcher+ Solar Filter
Ohne GoTo, ohne AutoNachführung
685€

Interessen: Nebel, Kugelhaufen, Sonne

Passt hier das Equipment?

Nach circa einem Jahr Beobachtung mit dem Auge, und weiter bestehenden Interesse, will ich dann für Astrofotografie Nachrüsten und mehr investieren.

Was wäre hier zu beachten?

Danke für eure Tipps :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Startrails, Community-Experte für Astronomie, 18

Hallo,

habe ich das jetzt richtig verstanden, dass du dieses Equipment noch nicht hast, dir es erst kaufen willst und dann später fotografieren willst? :-)

Zum Teleskop - hierbei handelt es sich um einen Newton mit einem Öffnungsverhältnis von f/5. Der ist also schon recht lichtstark und er wird dir unglaublich viele Objekte am Himmel zeigen. Bei der Verwendung von "billigen" Okularen werden dir jedoch schon recht stark Koma und Farbverzerrungen am gezeigt.

Die Montierung - für die visuelle Beobachtung durchaus ausreichend. Wenn du die später für die Fotografie nutzen willst, würde ich doch lieber eine EQ6 nehmen weil die mehr trägt. Du musst schließlich bedenken, dass da zum Teleskop noch die Kamera kommt, ein zweites Rohr als Leitrohr, ne zweite Kamera als Guiding-Kamera und der ganze Kabelmist.

Ich selbst habe keine Erfahrungen mit der NEQ5, hörte aber schon von manchen, NICHT ALLEN, Hobby-Astronomen, dass der Tubus aus der Halterung rutschen kann sobald man in der Nähe des Zenits beobachtet. Abhilfe schafft hier Moosgummi welches man in die Rohrschellen kleben kann.

GoTo und Nachführung brauchst du jetzt zur visuellen Beobachtung noch nicht. Später bei der Fotografie sieht das schon anders aus. Da ist Nachführung natürlich Pflicht. GoTo ist nicht wirklich Pflicht, hilft einem aber durchaus wenn man Objekte aufsuchen will.

Sonnenfilter - welchen hast du da ins Auge gefasst? Gerade hier sollte man sehr vorsichtig sein! Es kann wirklich sehr schnell zu irreparablen Augenschäden kommen. Für die Beobachtung unbedingt auf Folie (sofern du dir Folie kaufen willst) mit der Stärke ND 5 achten. Fürs Fotografieren reicht Folie mit der Stärke ND 3,8.

Okulare sind natürlich auch wichtig für die Beobachtung. Mit denen erzielst du die verschiedenen Vergrößerungen. Die Auswahl bzw. der Kauf von Okularen ist mind. nochmal genauso eine Wissenschaft wie die Wahl eines Teleskops :-)

Damit Spiegelteleskope ihre volle Leistung erzielen können, müssen sie gut justiert sein. Dies kann man mit verschiedenen Hilfsmitteln bewerkstelligen: Cheshire, Filmdose, Justierlaser oder Concenter Justierokular.

Und nun hoffe ich, dass ich nichts vergessen habe, ansonsten einfach nochmal nachfragen :-)

Kommentar von kraft281190seb ,

Vielen Dank für die ganzen Infos 🤗 Habe mich jetzt unter anderem auch mit einem Fachhändler unterhalten, und dass Resultat ist: weiter Sparen 😃 Ich werde gleich auf ein 12"/1500mm sparen + EQ-8. Habe mir mal grob 6000€ gesetzt, dass dürfte ich bis 2018 zusammenhaben 🙃.

Da ich doch eher visuell viel erreichen möchte, gehe ich lieber auf mehr Öffnung. Mir EQ-8 sollte es dann nach ein paar Jahren Erfahrung sammeln, auch fotografisch keine Probleme geben!

Genügend Zeit um für Programme und Co. zu Sparen.

Was mich noch interessieren würde ist die Geschichte mit den Okularen?! Was sind hier Namen, die man kennen sollte? Und noch eines, und zwar Koma. Ist ein Komakorrektor auch für die visuelle Beobachtung nötig?

Danke schonmal 🤗

Antwort
von Hellstorm, 5

Ich habe hier mal gerade die andere Antwort überflogen und denke mir nur: "Dann sind wir mal gespannt, wann die 6000-Euro-Investition in der Bucht zu finden ist."

Zurück zum Thema:

Erstens: Es gibt keine beste Montierung. Ich kenne auch Leute, die schon über eine 10.000-Euro-Montierung geflucht haben. Es gibt hier und da immer mal Probleme. Die gibt's bei ner EQ-5 genauso wie bei einer EQ-8.

Zweitens: Das beste Teleskop ist immer das, was man besitzt.

Drittens: Mit Teleskop und Montierung ist es nicht getan. Für zukunftsorientierte Astrofotografie benötige man ebenfalls ein Guiding-Rohr, oder man betreibt Off-Axis-Guiding. Dazu natürlich die entsprechende Kamera fürs Guiding. Ferner findet man in Deutschland keinen ausreichend dunklen Himmel, sodass man ebenso einen Filter benötigt, der der Lichtverschmutzung entgegenwirkt. Fernerhin will ein Newton korrigiert werden. Dazu brauchts einen Koma-Korrektor. Uuuund man vergesse nicht die Software für die Bildbearbeitung. Die bekommt man auch nicht für einen Zehner.

Im Ganzen heißt das: Ich weiß nicht, was das da für ein Fachhändler ist, aber er ist wohl eher auf das schnelle Geld aus als auf einen zufriedenen Kunden.

Problem an deinem 12"-Bomber: Hast Du schon mal einen 10"er aufgebaut? Das geht noch geradeso alleine. Bei nem 12" stößt man da schon an seine Grenzen. Wenn Du also keine feste Betonsäule samt Sternenwarte für dein Aggregat hast, wird dir schnell die Lust vergehen, das Teil nach draußen zu wuchten. Ich hab hier nen 6"-Teleskop mit knapp 6kg Eigengewicht und ein 10"-Teleskop. Das hat schon ca. 15 kg Eigengewicht. - Nur um mal zu verdeutlichen, wie schnell hier das Gewicht ansteigt. Die Montierung ist hier noch nicht mit drin. Die musst Du noch dazurechnen.
Die EQ-8, nur der Kopf, wiegt schon 25 KG. Dazu kommen nochmal knapp 30kg für das Säulenstativ. Und dann fehlt noch das Teleskop: Der 300er PDS (evtl. hat Dir der Händler den sogar vorgeschlagen) wiegt 26kg. Das heißt, Du würdest jedes Mal über 80kg nach draußen wuchten müssen.

Das nächste Problem, was Du haben wirst, sind die 1500mm Brennweite. Die erfordern nämlich schon eine verdammt genaue Nachführung im Bereich von weniger als einer Winkelsekunde. Andernfalls bringen dir die 1500mm nicht mehr als die 750mm meines kleinen 6-Zöller. Denn dein Bild ist dann nicht schärfer als das eines 150mm-Spiegels. Die Belichtungszeit bleibt aber bei beiden Teleskopen gleich, da die Öffnung f/5 beträgt. Dazu kommt noch die generelle Luftunruhe, die dir sowieso nur 1 bis 2 mal im Jahr erlaubt, bei 1500mm perfekte Ergebisse zu erzielen. Ebenfalls hat man bei der Brennweite bei größeren Objekten wie M31, M81 oder NGC6960 Probleme, sie auf ein Bild zu bannen und muss stattdessen Mosaike anfangen.

Ich persönlich rate Dir daher eher zu einer AZ-EQ5 oder AZ-EQ6. Die haben einen Riemenantrieb und sind damit für die Astrofotografie wärmstens zu empfehlen. Dabei kosten sie haben noch nicht einmal die Hälfte einer EQ-8. Die AZ-EQ6 trägt dabei aber problemlos noch Teleskope bis 10". Man sollte halt nur einen vernünftigen Tubus haben.

Bedenke, dass Du Geld für einen Autoguider (Nachführkamera) ausgeben musst. Die fangen ab etwa 250 Euro an. Bedenke, dass Du meist einen Koma-Korrektor brauchst. der GPU ist hier wärmstens zu Empfehlen, liegt aber auch bei etwa 250 Euro. Bedenke, dass Du einen Filter gegen Lichtverschmutzung brauchst. Der IDAS LP2 ist hier zu empfehlen, kostet aber auch in diesem dreh. Vernünftige Astro-Software brauchst Du auch. Rechnen wir das mit ein, dann bist Du auch noch einmal 1000 Euro los.

Und vorallem bedenke: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Astrofotografie beherrscht man nicht in 10 Minuten. Man wird am Anfang sehr viel lernen müssen. Wie richte ich das Teleskop richtig aus. Wie plane ich meine Aufnahmen, wie führe ich richtig nach (oder wie führe ich überhaupt nach!), wie muss ich mit der Kamera aufnehmen, was muss ich aufnehmen - und wie bastele ich die ganzen Aufnahmen dann überhaupt zusammen!

Ein großtes Teleskop macht das nicht einfacher. Es stellt dir eher die Frage: Willst Du mich nach den letzt Fehlschlägen überhaupt bei -10°C nach draußen schleppen und vier Stunden später durchgefroren bei -15°C wieder nach drinnen schleppen?

Kommentar von kraft281190seb ,

Ich strebe ja die Beobachtung rein visuell an, die Fotografie Option ist eher sekundär! Weshalb ich mir ziemlich wenig Gedanken darüber mache, wie teuer dass alles ist und wie viel man drum herum machen muss.

Was dass schleppen angeht: Kein Thema, das ist dass geringste und kleinste übel. Habe kurze Wege, großes Auto, ausreichend Fitness 👌🏻

Sollte ich die Idee Astrofotografie umsetzen, war es mir wichtig zu wissen was ich alles brauche, an dieser Stelle Danke für den weiteren Input. Mittlerweile habe ich mich mehr eingelesen und diese Dinge auch mehrmals geraten bekommen.

Auf die Zeit kann man sich alles zusammensparen! Ich habe keine Lust mir jetzt kleines Gerät zu holen, und später dazu zu kaufen. Ich will keinen Astronomischen Fuhrpark, sondern einen heißen Porsche, der gut gepflegt und mit Übung, über die Jahre auch professionell gefahren wird. In dem Rahmen wie ich es mir denke.

Längerfristig werde ich mir sehr wahrscheinlich eine eigene kleine Sternwarte zusammenschreinern.

Ist mein Kindheitstraum, wenn ich schon nicht hoch kann, dann muss es eben so laufen 😃 ... Software ist auch kein Ding, PS habe ich mir auch in den letzten 10 Jahren eingeimpft. Da werde ich eine Astrosoftware in den nächsten 10 Jahren wohl auch meistern!

Ach und was mich wundert (nicht falsch verstehen): Jeder meint irgendwie gleich denken zu müssen "der will das Teil hinstellen, und denkt er knipst dann halt mal geile DeepSky Nebelbilder und Co." , aber auf den Trichter zu kommen, dass man auch als Laie einen gesunden logischen Menschenverstand besitzt, tun die wenigsten... sei es drum!

Ob Fotos jetzt ein Thema werden, steht in den Sternen 😃, aber visuell wird der 12" Newton angeschafft 👌🏻

Kommentar von Hellstorm ,

Dann würde ich aber ehrlich gesagt nicht Skywatcher verwenden, sondern auf Losmandy oder 10Micron plädieren. Gut, 10Micron wird wohl rausfallen, da dort die Montierung schon über deinen 6000 Euro liegt, aber eine Losmandy G11 wäre eine Überlegung wert. Ist ja doch etwas wertiger als eine Skywatcher-Monti aus China.

Beim Tubus sieht es dann ähnlich aus. Wenn Du schon gleich für die Zukunft was haben willst, oder den Porsche, dann führt der Weg an wertigeren Newtons, wie z.B. Boren-Simon, auch nicht vorbei.

Wenn Du bei Skywatcher bleibst, wirds wohl nie ein Porsche werden, sondern eher ein Opel oder Renault - auch wenn die größere Modelle haben.

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