Frage von Renate1893, 105

Telekom - Gerichtsvollzieherschreiben nach 7! ohne Mahnschreiben durch die Rechtsanwälte Wagner,Pauls und Kalb erhalten zu haben?

Ich habe heute ein Schreiben von einem Gerichtsvollzieher bekommen, der für die Telekom Geld eintreibt. So gesehen ja völlig in Ordnung aber! es geht um einen Ursprungswert von ca. 240€, mittlerweile um 700€! Das Problem dabei ist, dass das ganze jetzt ganze 7 Jahre still lag, ohne ein einziges Schreiben. Ist es rechtlich in so korrekt, einem Schuldner eine solch lange Zeit nichts schriftlich zu kommen zu lassen? Noch dazu an eine völlig, selbst für den aufgeführten Zeitpunkt, veraltete Adresse? Wie soll ich mich verhalten, still schweigend 400€ Zinsen einfach hinnehmen obwohl ich sofort bezahlt hätte?

Antwort
von DrMoehrchen, 26

Moin!

Sofern Du eine Rechtsschutzversicherung hast, welche einen solchen Fall abdeckt, empfehle ich Dir, einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung Deiner Interessen zu beauftragen.

Die Verdreifachung der Hauptforderung deutet darauf hin, dass in dem Mahnverfahren gegebenenfalls unzulässigerweise erhöhte oder doppelte Gebühren abgerechnet worden sind. Beispielsweise sind die außergerichtlichen Kosten eines Inkassounternehmens zumindest nicht mehr mit dem vollen Betrag erstattungsfähig, wenn im Anschluss noch außergerichtlich ein Rechtsanwalt beauftragt wird. Ebenso sind die außergerichtlichen Gebühren auf die Gebühren im gerichtlichen Mahnverfahren anzurechnen. Die Zinsen dürften insgesamt nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Hinzu kommen in diesem Fall vermutlich noch Kosten für die Aufenthaltsermittlung.

Der Knackpunkt ist hier jedoch, dass die Forderung bereits rechtskräftig tituliert ist.

Fraglich ist jedoch, ob Dir der Mahnbescheid und der Vollstreckungsbescheid wirksam zugestellt wurde. Wenn Du nachweisen kannst, dass Du Dich ordnungsgemäß umgemeldet und unter der Anschrift, unter welcher zugestellt wurde, nicht mehr gewohnt hast, könntest Du versuchen, beim zuständigen Gericht einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand zu stellen.

Um die Erfolgsaussichten beurteilen zu können, liegen mir jedoch zu wenig Informationen vor. Wenn Du dazu noch Fragen hast, kannst Du mir gerne eine Nachricht schreiben.

Die Frist des Gerichtsvollziehers jedenfalls nicht ohne Rückmeldung bei diesem verstreichen lassen! Du solltest jetzt zumindest die ursprüngliche Hauptforderung umgehend direkt unter Angabe des Aktenzeichens des Gerichtsvollziehers und Deiner damaligen Kundennummer direkt an die Gläubigerin zahlen.

Gruß

Kommentar von franneck1989 ,

Du solltest jetzt zumindest die ursprüngliche Hauptforderung umgehend
direkt unter Angabe des Aktenzeichens des Gerichtsvollziehers und Deiner
damaligen Kundennummer direkt an die Gläubigerin zahlen.

Sofern sie denn überhaupt berechtigt ist.

Antwort
von juergen63225, 35

Die werden sicher gemahnt haben. Nur war die Adresse falsch .. 

Wenn du nachweisen kannst, dass die falsche Anschrift ein Fehler der Teekom war .. hast du gute Chancen, dass die ganze Forderjng mittlerweile verjährt ist. Wenn du es aber versäumt hast, die richtige Adresse mitzuteilen, und die haben jetzt erst recherchiert ob die alte Forderung noch eintreibbar ist, dann musst du wohl zahlen...

Kommentar von franneck1989 ,

Bei einem Vollstreckungsbescheid befinden wir uns im Bereich der ZPO und der wird nur wirksam, wenn er korrekt zugestellt wurde. Ob die Telekom davon wusste ist egal

Kommentar von juergen63225 ,

Wenn der an eine falsche Adresse geschickt wurde, ist er eben nicht ordnungsgmässt zugestellt. Wenn der Kunde es aber versäumt hat die neue Adresse mitzuteilen, ist er verantwortlich ... aber das heisst nicht automatisch, dass der Bescheid damals auch rechtsgültig zugestellt wurde:

Bei der Zustellung ist kaum als erfolgt anzustehen, wenn der Postbote den Zustellbescheid gar nicht losgeworden ist, also kein Briefkasten vorhanden. Oder wenn irgendjemand das Dokument angenommen hat. Das ist also keineswegs selbstverständlich das man von der ordnungsgemässen Zustellung ausgehen kann .. siehe Link zu einem ganz ähnlichen Fall ..

http://www.123recht.net/Der-fehlerhaft-zugestellte-Vollstreckungsbescheid-__a131...

Kommentar von franneck1989 ,

Wenn der Kunde es aber versäumt hat die neue Adresse mitzuteilen, ist er verantwortlich

Das mag vielleicht sein, hat aber für die Rechtskraft keine Relevanz.

Darauf wollte ich hinaus

Antwort
von Teddy42, 43

Die Zinsen würde ich nicht zahlen --- Die müssen alle 3 Jahre wieder zurückgestellt werden ( Verjähren) .Das weis aber kaum einer. Du brauchst also nur für 1 Jahr Zinsen bezahlen. Versuche es mit einem Vergleich ca.300 - 350€. Meistens lassen die sich darauf ein.

Kommentar von Renate1893 ,

auch wenn das Schreiben jetzt vom Gerichtsvollzieher kam? Kann der sich darauf einlassen? Wie gerade eben schon unten geantwortet, es ist aufgeführt dass zuletzt 2009 was an mich raus ging.. 

Kommentar von DrMoehrchen ,

Ein Vollstreckungstitel, hier ein Vollstreckungsbescheid, verfährt nach 30 Jahren. Die Zinsen daraus verjähren regelmäßig nach 3 Jahren. Die Verjährungsfrist beginnt im darauffolgenden Jahr zu laufen, in welchem der Anspruch entstanden ist. Hier ist die Forderung im Jahr 2010 tituliert worden. Zinsen daraus aus dem Jahr 2011 sind also 2015 verjährt. Jedoch kann die Verjährungfrist auch gehemmt, unterbrochen oder von Neuem zu laufen beginnen. Sofern ein Gerichtsvollzieher zwischenzeitlich mal mit einer Vollstreckungsmaßnahme beauftragt worden ist, hat ab diesem Zeitpunkt die Verjährungsfrist von Neuem zu laufen begonnen. Im besten Fall müssen also nur Zinsen aus dem Vollstreckungsbescheid seit dem Jahr 2013 gezahlt werden.

Antwort
von Bitterkraut, 10

Offenbar gibt es einen Schuldtitel. Der kann jederzeit vollstreckt werden. Ohne weitere Mahnungen oder dergleichen, die hat es damals gegeben. 

Antwort
von franneck1989, 18

Hast du jemals einen Vollstreckungsbescheid bekommen? Das ist Voraussetzung dafür, dass man die die Zwangsvollstreckung betreiben kann.

Du wirkst sehr überrascht, daher denke ich, dass die Zustellung des Titels an dich nicht erfolgt ist. Wenn der Titel an eine Adressse ging, an der du zu diesem Zeitpunkt nachweisbar nicht mehr gemeldet warst, dann kann man den durch eine Wiedereinsetzung ungeschehen machen. 

Was ich dir nun also empfehlen kann: Schreibe die Rechtsanwälte an und verlange die Kopie des Vollstreckungsbescheids und der Zustellurkunde. Darüber hinaus noch eine aktuelle Forderungsaufstellung - die ist vermutlich auch nicht korrekt und enthält bestimmt verjährte Zinsen und Schwachsinnsgebühren.

Wenn du diese Sachen hast, dann wirf einen Blick drauf. Erfolgte die Zustellung nicht an deine damalige Meldeadresse, dann gehst du mit den Unterlagen und der soll dich beraten hinsichtlich deiner Möglichkeiten (Wiedereinsetzung, Vollstreckungsabwehrklage)

Kommentar von mepeisen ,

Kleine Ergänzung: Sobald man den Titel erstmals zu Gesicht bekommt, zählt die Einspruchsfrist von 14 Tagen.

Den Nachweis, dass es eine falsche Adresse war, an der zugestellt wurde, muss der Schuldner erbringen. Üblicherweise weist man die falsche Adresse mittels Einwohner-Meldeauskunft nach.

Antwort
von peterobm, 42

dann hat man um die 7 Jahre gepennt - man hat so manches Schreiben vom Amtsgericht ignoriert - man hat einen Titel erwirkt

Kommentar von Renate1893 ,

wie gesagt, ich bin seit Jahren nicht mehr unter dieser Adresse gemeldet. Es kam auch nie mehr Post dort an. Bitte nicht falsch verstehen, wenn ich was verpennt habe muss ich gerade stehen natürlich, aber im Schreiben vom Gerichtsvollzieher sind 7 Jahre nur Zinsen aufgelistet ohne jegliche Arbeit oder Anschreiben. 

Antwort
von YorkFuessel, 27

Eigentlich klingt es nahezu unglaublich. Doch ist diese alte Forderung anscheinend nicht verjährt, die Verjährung tritt nach drei Jahren am Jahresende ein. 

Somit muss irgendwann ein Mahnbescheid und dann ein Vollstreckungsbescheid an Dich gegangen sein, wenn Du nicht mehr dort wohntest konnte man Deine neue Anschrift nicht ermitteln, weil vielleicht nicht umgemeldet.

Die Sache ist ernst.

Falls Du Dich wehren möchtest:

nimm sofort anwaltliche Hilfe in Anspruch. Denn der Gerichtsvollzieher kann pfänden oder, falls nichts zu holen ist,  Dich zur Abgabe einer Vermögensauskunft vorladen, im Volksmund: Abgabe der eidesstattlichen Versicherung, dass Du kein Geld hast. Damit bist Du für den Rest Deines Lebens nicht mehr kreditwürdig.

Falls Du Dich nicht wehren möchtest:

weil ggf. die Forderung berechtigt ist, sofort bezahlen, evtl, mit dem Gerichtsvollzieher Ratenzahlung vereinbaren.

Das wärs dann.

Ich wünsche Dir einen klaren Kopf bei der Sache.

Beste Grüße 

Dipl.-Päd. York Füssel, 

Wirtschafts- und Vermögensberatung seit 1983

Kommentar von Renate1893 ,

Vielen Dank für die rasche und aussagekräftige Antwort! Ich bin seit November 2009 nicht mehr unter dieser Adresse gemeldet, habe mich, wie es der Gesetzgeber verlangt immer brav umgemeldet. In dem jetzigen Schreiben steht, dass am 04.01.10 ein Vollstreckungsbescheid zugestellt worden soll sein, frage nur - an wen? Mir ist klar dass ich bezahlen muss, aber sind denn auch wirklich die Zinsen von 2009 bis heute gerechtfertigt? Den geforderten Betrag kann ich sofort bezahlen, eine Ratenzahlung ist in meiner finanziellen Lage alles andere als nötig. Lieber heute noch überweisen und dann über mögliche Zinsen streiten?

Kommentar von franneck1989 ,

Mir ist klar dass ich bezahlen muss, aber sind denn auch wirklich die Zinsen von 2009 bis heute gerechtfertigt?

Nein, die Zinsen von vor 2013 sind normalerweise verjährt

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