Frage von RayeG, 54

Tausend Ideen, aber sie "wollen nicht"?

Ok, also ich habe folgendes Problem: Ich schreibe leidenschaftlich gerne; und zwar so ziemlich alles. Gedichte, Songtexte, Kurzgeschichten, Romane... Und genau bei letzteren stelle ich jedes Mal wieder das gleiche Problem fest: Ich hab tausende Ideen. Ich hab genaue Vorstellungen, wie die Geschichte verlaufen soll. Ich mache Pläne, Steckbriefe, Karten, und und und... Dann fange ich an zu schreiben, es läuft super, die Ideen sprudeln nur so hervor, die Sätze bringen sich schon fast selbst zu Papier. Und auf einmal, zack! Totale Schreibblockade. Ich weiß zwar noch genau, was ich schreiben will, aber mit einem Schlag scheitert es am wie. Und kaum hab ich diese Schreibblockade bei einer Geschichte, hab ich wieder jede Menge Ideen für eine Neue, die ich dann notiere, usw. Und dann passiert das wieder. Und mit der nächsten Geschichte wieder.

Kennt das jemand von euch? Und was tut ihr dagegen? Jeder Tipp und jede Hilfe sind herzlich willkommen! :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von bookhacker, 26

Hi RayeG,

was du da erlebst ist das berühmte erste Drittel einer Geschichte: Alles ist so schön neu und bunt, die Charaktere fühlen sich frisch an und die Story scheint einem wie von selbst aus den Fingern zu fließen. Und plötzlich: Wumms! Alles nur noch langweilig und öde und man hätte auf so viele andere Dinge/Stories Lust, als genau diese Story weiterzuschreiben.

Völlig normal und eine Menge Autoren "kämpfen" mit dem gleichen Problem. Vor allem Nachwuchsautoren. Der einzige Unterschied: Die Profis kennen das Problem und wissen damit umzugehen.

In meinen Augen hast du zwei Möglichkeiten:

- Schreibe einfach weiter (so mache ich es)

So simpel es klingen mag. Schreibe einfach weiter, bis die Geschichte wieder Fahrt aufnimmt und die Lust an der Geschichte zurückkehrt. Eine längere Geschichte zu schreiben ist ein großes Auf und Ab. Es gibt Stellen, die ziehen sich scheint's endlos hin und dann gibt es wieder Phasen, wo es einfach läuft. Die einen hören dann einfach auf (= fangen etwas Neues an) und die anderen schreiben einfach weiter.

- Schreibe an einer Stelle weiter, an der du weißt, wie es weitergeht oder auf die du grad am meisten Lust hast

Oft hat man bei einer Geschichte als Erstes Anfang und Ende vor Augen, der Mittelteil ist oft ein großes schwarzes Loch, das erst einmal gefüllt werden will. Es spricht nichts dagegen, sofort nach dem Anfang das Ende zu schreiben oder eine andere Szene irgendwo in der Mitte, die man gerade deutlich vor Augen hat oder auf die man grad Lust hat. Der Weg zu dieser Szene ist dann die Inspiration für weitere Szenen (die Szene davor, die Szene danach usw.). Geschichten laufen zwar meist chronologisch ab, müssen deswegen aber nicht chronologisch geschrieben werden.

Du wirst diese Blockade immer wieder erleben. Wichtig ist, dass du erkennst, dass dich nur die Geschichten weiterbringen, die du zu Ende geschrieben hast. Schreib einfach weiter und genieß die Reise. Wenn es einfach wäre, wären wir alle Bestseller-Autoren.

Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem: Viel Spaß!

P.S.: Falls du Lust hast, mir bei meiner täglichen Blockade zuzusehen, folge mir doch auf Twitter: https://twitter.com/bookhacker\_org ;-)

Kommentar von RayeG ,

danke, dein tipp mit dem weiterschreiben an einer anderen stelle klingt sehr gut! werde ich auf jeden fall ausprobieren! :)

Kommentar von bookhacker ,

Freut mich, RayeG! Und fühlt sich doch auch fast so an, wie etwas Neues anzufangen, nicht wahr?

P.S.: Das war mein erster Beitrag auf GuteFrage.net. Schön, dass ich gleich so helfen konnte.

P.P.S.: Jetzt muss ich aber leider weitermachen, mein aktuelles Werk auf Rechtschreibung zu prüfen (s. https://twitter.com/bookhacker_org). Ist nicht ganz so spannend, wie neuen Text zu produzieren (aber leider auch notwendig). :-)

Antwort
von ponyfliege, 21

am besten ist es, dann erst mal den kopf freizumachen.

die blockade kommt vermutlich an einer stelle, an der die geschichte sich "totläuft". oder die protagonisten werden plötzlich langweilig oder tun dinge, die du so nicht wolltest. dann lässt du sie eben "frei".. oder du kennst schon das ende der geschichte und sie wird dir langweilig.

zum einen - schreiben kann man lernen. am besten im gegenseitigen "austausch". es gibt immer ein paar leute, die dir tricks zeigen können (und es auch tun), immer ein paar ideen, die nur darauf warten, dass du sie "pflückst".

versuch mal, eine kurzgeschichte aus einer "anderen perspektive" zu schreiben. irgendwas ganz banales.

beispielsweise übers pilze sammeln - aus sicht des pilzes. (ich kenn noch keinen, der das gemacht hat, von daher mal was neues). pilze sind weder pflanze noch tier, sondern eigenständige lebensformen.

oder schreibe eine geschichte darüber, wie man als kind schreiben lernt, aus der rolle deines damaligen lehrers, der dir das beibringt.

beim schreiben kannst du in beliebige rollen schlüpfen. du kannst dich selber aus sicht anderer personen betrachten. oder aus sicht eines haustiers.

eine abenteuergeschichte über mensch und hund - aus sicht des hundes, der über DICH schreibt.

schreiben aus dieser sichtweise verhindert, dass dir die protagonisten "entgleiten", weil du zuächst ja über dich selber schreibst - aus einer "fremdperspektive".

wenn du für anregungen und austausch eine schöne community suchen solltest, empfehle ich dir die

www.lyrikecke.de

da kannst du einfach lesen und stöbern, was andere so schreiben und wie sie schreiben (da ist vom schüler bis zum profi alles vertreten). 

du kannst aber auch aktiv kostenlos mitmachen. dann kannst du kommentare schreiben, selber texte veröffentlichen (die texte sind dort rechtlich für dich gesichert und bleiben dein eigentum) und im forum diskutieren, sprachspiele mitmachen usw. 

ausserdem findest du tipps zum schreiben, ein reimlexikon und den leitfaden "der weg zum buch".

ich bin da seit fast 10 jahren. zeitweise sehr aktiv - im moment mit "kreativer schaffenspause", lese aber regelmässig und geniesse den kontakt mit kreativen leuten.

einfach mal reinschauen. lohnt sich.

Antwort
von Sebbylikescats, 25

Ich schreibe auch für mein Leben gern ,da kommt es natürlich auch vor dass ich auch ab und zu eine Schreibblockade habe. Und um die loszuwerden höre ich meistens Musik oder geh raus an die frische Luft um den Kopf frei zu kriegen. Man kann sich aber natürlich  auch mit anderen Leuten ,die auch schreiben unterhalten. Die können einem auch bei manchen Formulierungen und Umsetzungen helfen.

Antwort
von Spuky7, 27

Kenn ich. Hat mit der Länge zu tun. Je länger was wird, desto schwerer fällt es mir das fertig zu machen. Dann fange ich lieber was Neues an. Da hilft nur, das Unfertige nochmal wieder vorzuholen und weiter dran zu arbeiten. Das ist eine Frage der Disziplin. Manchmal wird so dann auch etwas fertig.

Antwort
von Neubauer01, 18

Oooh das kenn ich nur zu gut! Ständig werden mehrere neue Projekte angefangen ohne dass die davor fertig wurden.

Rede vllt. mit Freunden, arbeite in Gruppen, konzentrier dich wirklich auf ein Projekt. Fang nicht abends mit einer Geschichte an, schreibst nur wenig und hast am nächsten Tag keine Lust mehr.

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