Frage von Anonym361361, 44

Bewährung wieder entzogen - was erwartet den Angeklagten A?

Es ist sehr schwierig, mein Anliegen in Form einer Frage darzustellen.

Ich beginne mal "ganz vorne"

Angeklagter A hat 10/2012 eine Bewährungsstrafe von einem Jahr + sechs monate auf zwei Jahre Bewährung erhalten. ( Betrug )

Angeklagter A fällt 08/2013 erneut einschlägig Strafrechtlich mit mehreren Taten auf >

Bekommt im 05/2014 Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr + zehn Monate ohne Bewährung.

Angeklagter geht in Berufung >

Angeklagter A bekommt im 09/2014 im Berufungsverfahren eine Freiheitsstrafe von einem Jahr + Zehn Monate die auf 4 Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Ein Bewährungshelfer wird diesmal erteilt, der Regelmäßig Kontakt Pflegt.

Die Freiheitsstrafe vom 10/2012 wird nicht wiederrufen, sondern verlängert.

Angeklagter A hat bis zum heutigen Zeitpunkt, keine Straftaten mehr begangen.

Vom Fall 08/2013 wurden nicht alle Taten zusammen verhandelt und so bleibt Ein Fall übrig, der einzeln verhandelt wurde (warum auch immer) somit bekommt Angeklagter A im 08/2015 eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, ohne Bewährung - sprich, das Urteil vom Landgericht wird gekippt und die Bewährung quasi entzogen (trotz positiver Analyse vom Bewährungshelfer und generellem positiven Auftreten).

Angeklagter A geht erneut in Berufung (ausstehend, Termin 07.01.2016)

Ich hoffe ihr könnt mir soweit folgen. Ich weiß, dass das Ganze sehr komplex aussieht, aber aus eurer objektiven Sicht, inwiefern macht es Sinn, nachdem man eine Bewährung ausgesprochen hat, diese wieder zu kippen weil aus der selben Tatzeit, ein Fall nicht mitverhandelt wurde?

Inzwischen hat sich Angeklagter A komplett gewandelt, führt ein normales, geordnetes Leben.

Was erwartet den Angeklagten A?

Antwort
von skyfly71, 33

Das ist sehr gut geschildert und gar nicht so schwer zu verstehen - wenn man sich auskennt, ist das auch nicht wirklich komplex.

Das Problem ist nicht MIT Bewährung oder OHNE Bewährung. Das Problem ist, dass das Gericht eine Einzelstrafe für die noch übrig gebliebene Straftat gebildet hat, die so hoch war, dass es eine Gesamtfreiheitsstrafe von mehr als 2 Jahren verhängen mußte. Und eine solche Strafe lässt sich rein rechtlich gar nicht mehr zur Bewährung aussetzen. Da hatte als das Gericht gar keinen Ermessensspielraum.

Damit Du noch eine Chance auf Bewährung haben kannst, müßte das Landgericht also zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von maximal 2 Jahren kommen. Bei einem Jahr und 10 Monaten sind das nur 2 Monate für die neue Tat. Und das ist bei den ganzen Vorstrafen schon ganz schön wenig.

http://dejure.org/gesetze/StGB/56.html

Antwort
von brennspiritus, 35

Das ist immer schwer zu sagen, was sich die Richterbank so denkt.

Du musst (spätestens in deinem Schlusswort) überzeugend darlegen, dass dein Leben jetzt in geordneten Bahnen verläuft und du ein anderer Mensch bist. Dann hast du eine Chance, dass die Strafe auf zwei Jahre reduziert wird und somit wieder zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Antwort
von gri1su, 44

Es kann durchaus sinnvoll sein, wenn eine Straftat von Anderen abgekoppelt und separat verhandelt wird. Die Gründe, die dazu geführt haben, wurden sicherlich mitgeteilt.

Berufung ist grundsätzlich ein zweischneidiges Schwert - man sollte sich sehr genau überlegen, ob es Sinn macht, in Berufung zu gehen. Ein Urteil in einer Berufungsverhandlung kann ganz anders ausfallen als das ursprüngliche Urteil - geringer, aber nicht selten eben auch wesentlich höher.

Bewährungen sind nur bis zu Haftstrafen von max. 2 Jahren möglich. Liegt eine Haftstrafe höher, ist jede Bewährung ausgeschlossen.

Während der Bewährung darf KEINE weitere Straftat hinzugekommen, egal, welcher Art. In dem Fall, oder wenn Bewährungsauflagen nicht eingehalten werden, kann die Bewährung jederzeit widerrufen werden. Das trifft auch dann zu, wenn noch ein weiteres Verfahren offen ist.

Kommentar von Anonym361361 ,

"Berufung ist grundsätzlich ein zweischneidiges Schwert - man sollte sich sehr genau überlegen, ob es Sinn macht, in Berufung zu gehen. Ein Urteil in einer Berufungsverhandlung kann ganz anders ausfallen als das ursprüngliche Urteil - geringer, aber nicht selten eben auch wesentlich höher."

falsch. In der Berufung, gibt es ein verschlechterungsverbot.

Kommentar von gri1su ,

Das trifft zu, wenn Berufung vom Angeklagten angestrebt wird. Geht die Staatsanwaltschaft in Berufung, trifft das Verschlechterungsverbot nicht zu.

Aber insoweit hast du recht, ich habe mich da unklar ausgedrückt.

Kommentar von Anonym361361 ,

Korrekt. allerdings ist die Staatsanwaltschaft nicht in Beurfung gegangen - das hätte ich sonst erwähnt. Aber klar, im Regelfall können beide seiten in Berufung gehen mit verschiedenen Variablen an Ergebnissen am Ende.

Aber mal ganz Allgemein, wie schätzt du die Situation ein, macht es jetzt noch Sinn, angeklagtem A die Bewährung zu entziehen?

Kommentar von gri1su ,

Das kann ich nicht beurteilen, weil mir das Hintergrundwissen fehlt. Aber wenn ein Gericht so handelt, wird es wohl gute Gründe dafür geben. Aus reichlichen Erfahrungen mit Gerichtsverhandlungen weiß ich, dass da sehr sorgfältig geprüft und entschieden wird.

Entscheidend sind hier wohl u.A. die Haftstrafe ohne Bewährung und eine ungünstige Sozialprognose

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