Frage von VanilleShake203, 123

Tatbestand eines Verstoßes gegen das AGG in Form einer Diskriminierung erfüllt?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine kurze Frage und würde mich ggf. über ein paar hilfreiche Antworten freuen. Eine Freundin hat über ihre Nachbarin erfahren, dass eine Person eine Reinigungskraft für zwei Tage in der Woche a 5 Stunden auf 450 Euro Basis sucht. Der Stundenlohn wäre 9 Euro gewesen, also 72 Euro die Woche, 288 Euro im Monat.

Die Freundin war heute dort putzen, nach drei Stunden nachdem sie fertig war, teilte die Person mit, dass meine Freundin optisch wie auch vom Alter nicht ihren Ansprüchen genügt und nicht in ihren Haushalt und ihre Praxis passt(Arzt).

Meine Frage ist nun, liegt ein Verstoß gegen das AGG aufgrund des Aussehen(ethische Herkunft, sie ist deutsche) oder des Alters vor?

Falls Ja was würden sie mir empfehlen wie sie weiter vorgehen sollte? Sie hat eine abgeschlossene Ausbildung als Hauswirtschaftshelferin falls das eine Rolle spielt.

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von juristendeutsch, 44

Wesentlicher Kernpunkt der rechltichen Beurteilung des vorliegenden Sachverhalts ist die Frage, ob ein Arbeitsverhältnis begründet wurde. Dies kann durchaus durch die Aufnahme Ihrer Reinigungstätigkeit, für welche die Hebamme Ihnen ja Zugang zu den Räumlichkeiten gewähren musste, angenommen werden (sog. schlüssiges Verhalten).

Ist aber ein Arbeitsverhältnis begründet muss dies ordnungsgemäß gekündigt werden. Weiter kann eine Kündigung auf die von Ihnen geschilderten Gründe selbstredend nicht gestützt werden.

Es bestehen in Ihrem Fall daher durchaus Erfolgsaussichten für eine Klage. Die Klage kann auf Fortbeschäftigung lauten.

Zur Wahrung der Interessen ihrer Freundin rate ich Ihnen, sofern Sie eine Klage erwägen, die Konsultierung eines Rechtsanwalts in Ihrer Nähe an. Da diese ALG 2 bezieht wird Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Beratungsschein beim zuständigen Amtsgericht erhalten. Mit diesem sollte Sie sodann zu Ihrem Rechtsanwalt gehen. Die Klage kann ggf. über Prozesskostenhilfe eingereicht werden. Da für eine Kündigungsschutzklage enge Fristen gelten (3 Wochen ab Kündigungszugang), sollten Sie umgehend handeln.

-juristendeutsch-

Kommentar von AalFred2 ,

Wobei man durchaus anmerken sollte, dass auch durchaus völlig legal ein Probearbeiten vereinbart gewesen sein könnte, wodurch dann keiner der angeführten Tipps mehr brauchbar wäre.

Kommentar von Maximilian112 ,

und weiterhin könnte man anführen, das ohne jeden Grund ebenfalls gekündigt werden kann. Aber eben nicht mit einer Begründung die dem AGG widerspricht.

Aber eine Klage auf Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses ist wohl ein wenig Unsinn.

Kommentar von juristendeutsch ,

In der Regel an deutschen Arbeitsgerichten jedoch Gang und Gebe.

Kommentar von AalFred2 ,

Die Regel sind solche Fälle an deutschen Arbeitsgerichten nun nicht. Die meisten Arbeitgeber sind nicht völlig verblödet.

Kommentar von Maximilian112 ,

War das eine Antwort auf meine Feststellung mit dem Unsinn?

Die Klage würde gar nicht zugelassen werden. Es besteht kein Kündigungsschutz.

Antwort
von silberwind58, 58

Ich würde sagen,das ist eine Diskriminierung. Das Aussehen,wenn gepflegt sollte da keine rolle spielen und das Alter,erst recht nicht.Diese Person könnte man bei der Kammer melden! Aber eigentlich wäre ich froh,für solche Menschen nicht arbeiten zu müssen !

Antwort
von Maximilian112, 57

Der AG ist unklug. 

Es ist eindeutig ein Verstoß gegen das AGG:

Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Hätte er eine fristgemäße Kündigung ausgesprochen, oder eben den Arbeitsvertrag stillschweigend nicht unterzeichnet wäre nix passiert. Und auch keine Handhabe vorhanden. Er bräuchte das ja nicht zu begründen.

Aber er bietet volle Breitseite.

("....teilte die Person mit...." Ich nehme an das dies der AG ist!)

Antwort
von tapri, 47

es war dumm von der Frau, deiner Freundin zu sagen, warum sie den Job nicht bekommt, denn das sollte man in Deutschland nicht mehr tun. Wenn jemand sich bewirbt und eine Tätowierung hat, und diese nicht zum Stil meines Hauses passt, dann kann und darf ich sagen dass er optisch nicht zu "uns" passt. Das selbe gilt für einen Anzugträger der sich in auf der Reeperbahn im Striplokal bewirbt. Das mit dem Alter kann diskriminierend sein. Kann deine Freundin beweisen, dass die Frau das gesagt hat, dann kann sie es ja versuchen, ansonsten soll sie es lassen. 

Antwort
von marylinjackson, 8



Als Argument, das sich auf einzelne Personen aber nicht anwenden lässt, ist das Diskriminierungsverbot.

Aus wiki:

Adressat des Diskriminierungsverbots ist zuvörderst der Staat in seinem Handeln gegenüber den Bürgern. Insbesondere dient das Diskriminierungsverbot als Abwehrrecht gegenüber Übergriffen des Staates und seiner Organe. Die Bürger selbst unterliegen dagegen keinem allgemeinen Diskriminierungsverbot.
Ihre Privatautonomie ermöglicht es ihnen vielmehr grundsätzlich, frei von staatlicher Reglementierung sich im Alltag auch diskriminierend zu verhalten, ohne dafür einen rechtfertigenden Grund vorweisen zu müssen.




Antwort
von AalFred2, 13

Ja, der Verweis auf das Alter ist ein Verstoss gegen das AGG. Wenn das beweisbar ist, könnte man auf Schadensersatz klagen.

Antwort
von KaffePrinz, 48

ja, das ist eine eindeutige diskriminierung.(besonders im bezug auf das alter)  für solche aussagen, mussten arbeitgeber in der vergangenheit bereits vor gericht. wurden entsprechend verurteilt..

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