Wie wird man Synchronsprecher/in?

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5 Antworten

Es gibt kein Studium oder Praktikum dafür (sofern man Privatschulen (berrechtigt) ausklammert). Allerhöchstens ist das Synchronisieren ein Teil einer Arbeit bei einer Arbeit für ein Studium in der Design- oder Medienbranche. Also Teil deines selbstständigen Werkes oder das komplette neue Vertonen einer Szene oder eines Kurzfilmes als Projekt für ein 

Es gibt Castings, meistens offene Castings, oft aber auch nur für eingeladene, bereits tätige Sprecher. Diese Castings sind meistens nur für Ensemble/Menge, sprich all das, was man nur sekundär warnehmen soll, ob das nun in der Stadt ist mit mehreren Leuten auf der Straße, oder ein Stadion, oder wie auch immer. Mit soetwas fängt man an, besonders wenn du keine Ausbildung hast.  

Für gewöhnlich ist es so, dass die meisten Sprecher eine Schauspielausbildung abgeschlossen haben und meistens auch nur nebenbei als Synchronsprecher tätig sind oder zumindest Schauspiel und Synchron zu gleichem Teil betreiben. Es gibt zwar auch viele, die das hauptberuflich machen, die sind dann aber entweder sehr lange im Geschäft, sind Stammstimmen bestimmter Schauspieler, haben nen besondere Klang der Stimme oder sind in Synchron noch anderweitig beschäftigt, zum Beispiel für Hörspiele oder die Synchronregie/ das Dialogbuch. Ansonsten kann es auch sein, dass in großen Filmen, meistens in Animationsfilmen, aus Werbezwecken Rollen mit Schauspielern oder gar einfach nur irgendwelche "Stars" besetzt werden. Es kam durchaus schon mal vor, dass ein Sebastian Vettel oder Manuel Neuer in die Kabine gezerrt werden, dann durchaus auch auf Kosten der Qualität.

Und nein, man wird vom Sprechen nicht reich. Es gibt zwar welche, die davon gut leben können, aber die meisten sind eben entweder noch Schauspieler oder haben eine andere abgeschlossene Berufsausbildung/ein zweites Standbein. Und berühmt wird man damit auch nicht. Über die meisten Sprecher ist wenig bekannt und die meisten sind auch recht medienscheu. Es wurde überhaupt vor kurzem erst vor Gericht verhängt, dass Sprecher in Vor-oder Abspann namentlich erwähnt werden müssen, das war vorher nicht so (Ende 2015 war das).

Und nein, man bewirbt sich nicht bei Firmen, den Synchronstudios handeln im Auftrag von Sendern oder Verleihern, sprich diese sind nicht selbständig und haben daher auch keine festen Sprecher angestellt, sonder diese werden meistens über Agenturen gebucht und bleiben dann eben meistens in den Karteien der Studios, um wieder aus sie zurückgreifen zu können. Man hat auch kein "Vorstellungsgespräch", sondern eben entweder ein offenes Casting (oft auch für Kinder, die ja sowieso meistens unerfahren sind) oder eben ein Casting zwischen etablierten Sprechern, in dem es darum geht, welche Stimme am besten auf die Figur passt.

Wenn man das irgendwann mal professionell machen wollen würde, sollte man sehen, dass man in eine der Städte unterkommst, in der die Branche hauptsächlich vertreten ist. Nahezu alles an Film und Fernsehen, was synchronisiert wird, wird hauptsächlich in Berlin, München und teilweise in Hamburg produziert

Kinder sind da meistens ein Sonderfall, da in dem Alter natürlich keine mehrjährige Schauspielausbildung erwartet werden kann. Allerdings sind diese dann meistens noch jünger, mit 16 gilt man da nicht mehr als Kind, weil die Stimme meist schon ausgereift ist.

Was man vertonen möchte ist meistens, eigentlich so gut wie immer, zweitrangig und spielt auch keine Rolle. Die Rollen werden, wie oben beschrieben, vom Verlag, Studio o.ä. nach Castings oder über Sprecheragenturen besetzt. Es kann auch vorkommen, dass die Rolle komplett fehlbesetzt wird, weil das stimmlich einfach nicht passt, es kommt auch durchaus vor, dass nach den ersten Tagen noch umbesetzt werden muss.

Dann legt sich die Regie mit dem Sprecher meistens darauf fest, wie der Character vertont wird. Bei Zeichentrick oder Anime wird gerne darauf verzichtet, die Stimme allzu sehr zu verstellen, das ist eher in den USA der Fall. 

Meistens haben die Sprecher selbst auch keine Eingewöhnungszeit, meistens wissen sie nicht einmal den größeren Zusammenhang. Wenn man den Film zuerst sieht, wird das wegen des Kopierschutezs sehr streng gehandhabt. Da muss der Sprecher dann teilweise Handy und ähnliches vorher abgeben und sitzt alleine in einer kleinen Kabine, dazu ist der Film auch gerne noch teilweise verschwommen, geschwärzt oder manche Szenen geschnitten. Meistens wird lediglich die Rolle kurz erklärt, evt. die Szene beschrieben, und dann muss das funktionieren. Es wird auch kaum noch in Gruppen aufgenommen, heutzutage stehen die Sprecher meistens allein in der Kabine. 

Im Zeichentrick, gerade beim Anime, ist man was die Lippensynchronität angeht, stark beschränkt, im Gegensatz zum produzierenden Land, wo die Stimmen erst aufgenommen werden und danach animiert wird, die Szene bereits existiert. Wegen der beschränkten Möglichkeiten beim Zeichentrick wird deshalb der Charakter auch gerne ein wenig überspitzt synchronisiert. Ansonsten liegt es auch stark am Dialogbuchregisseur, ob es gut geschrieben ist und die Silbenzahl annähernd hinkommt. Insofern gibt es natürlich schon Unterschiede.

Das Synchronisieren ist wesentlich umfangreicher und professioneller, als man denkt, da zunehmend auch Zeit eine im größer werdende Rolle spielt. Es soll meistens schnell gehen aber top Qualität abgeliefert werden, so wie in jedem Beruf.

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Kommentar von 98Papagei98
21.06.2016, 13:54

Vielen Dank für deine ausführliche und sehr detaillierte Antwort das hat mir zumindest einen Eindruck gegeben wie es Abläuft etc.

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Kommentar von 98Papagei98
21.06.2016, 14:10

Tut mir leid für den Pfeil nach unten wollte dir eig. Den nach oben geben 

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Hallo!

Meist sind es Schauspieler, Moderatoren, Musiker bzw. künstlerisch im allgemeinen Film- oder Studiobereich tätige Freiberufler, die mehr aus Zufall ins Synchronsprechergeschäft rutschen. Sie werden ausgewählt bzw. angesprochen, weil die Stimme evtl. gut zu Charakteren passt. Eine spezielle Ausbildung dafür wäre mir nicht bekannt.

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Also ich sehe mal Synchronsprecher im berreich Moderation was man aber auch sicherlich so als Studiom sieht. Das ganze erfordert mindestens einen Mittlere Reife Abschluss (M-zweig oder Realschule) , danach machst du ein Fachabitur oder Abitur und gehst anschließend auf eine Universität und Studierst diesen Beruf den Fachausdruck kenn ich leider gerade nicht... ist lang und Zeit aufwändig, ich weiß ich hatte die Idee selbst auch einmal aber wenn du es wirklich durchziehen willst viel glück! :)

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Kommentar von 98Papagei98
20.06.2016, 19:32

Ich hab nicht wirklich vor es durch zu ziehen es ist einfach kein Sicherer Beruf also mit festem Einkommen und man ist denke ich mal viel unterwegs und ich möchte später Zeit für die Familie haben trotzdem interessiert es mich sehr

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Eine Ausbildung für Synchronsprecher gibt es nicht, die meisten kommen über das Schauspielern oder das Radio. Gerade beim Schauspiel lernt man auch den Einsatz der Stimme und zudem dürfte das schauspielerische "Hintergrundwissen" dafür auch nicht ganz unnötig sein.

Hier ein ganz nettes Interview mit einem Synchronsprecher, das den Berufsalltag ein bisschen beschreibt:

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-06/beruf-synchronsprecher

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Viele sind Schauspieler. Nur wenige Laien oder haben mal eben so beim Radio angefangen...

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