Frage von Ostmark, 107

Südtiroler sind doch auch Österreicher, was hindert die Regierung daran zusammen zu fügen, was zusammen gehört?

Antwort
von Ruenbezahl, 28

Die Frage ist durchaus berechtigt, zumal ja ein Drittel der gewählten Landtagsabgeordneten in Südtirol für die Abtrennung von Italien eintritt, während die Hälfte der Abgeordneten aus Gründen der Realpolitik auf die Forderung nach Sezession "vorläufig" verzichtet und statt dessen mehr Autonomie für Südtirol fordert, während nur eine kleine Minderheit für den bedingungslosen Verbleib bei Italien ist. Das sind die offiziellen Zahlen. Grundsätzlich sollte in einer Demokratie der Wille des Volkes berücksichtigt werden, davon sind wir in Europa leider sehr weit entfernt. Es gilt der Wille der Regierenden der Nationalstaaten, und Nationalstaat bedeuten nun einmal Nationalismus. 

Tirol ist als eigenständiger Staat 1282 entstanden, als die Loslösung aus dem Herzogtum Bayern offiziell gemacht wurde. 1363 ist das Land durch Entscheidung des Tiroler Landtages an die Habsburger gefallen, da die letzte Tiroler Gräfin, Margarethe, keinen männlichen Erben hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg hat die Pariser Friedenskonferenz den Großteil Tirols Italien zugesprochen, um die Italiener für ihren Kriegseintritt gegen das eigentlich verbündete Österreich-Ungarn zu belohnen und Italien dafür zu entschädigen, dass es die versprochenen Gebiete am Balkan und in der Türkei sowie in den Kolonien nicht erhielt.

Am 10. Oktober 1920 hat das italienische Parlament gegen die Stimmen der Sozialisten die Annektion des gesamten südlichen Tirol (Welschtirol und Südtirol) bis zum Brenner beschlossen. Bei Österreich blieben nur die beiden kleinen, noch dazu getrennten Teilstücke Nordtirol und Osttirol, die heute das Bundesland Tirol bilden. Heute ist es so, dass die österreichische Regierung Südtirol nicht zurückfordern kann, weil das gegen die von den Großmächten diktierte Friedensordnung verstoßen würde, und dass Italien die Kriegsbeute Südtirol niemals freiwillig abgeben würde, weil das gegen die nationale Ehre verstoßen würde und Italien auf erhebliche Steuereinnahmen aus Südtirol verzichten müsste. Eine Änderung der Grenzen kann sich daher nur von unten her, von der Bevölkerung ergeben, wie der Fall Katalonien zeigt, der in Südtirol sehr aufmerksam und mit viel Sympathie verfolgt wird. 

Antwort
von vdeparty, 60

Die einen sagen, es gehört dahin, die anderen sagen es gehört dorthin... und so wird es ewig sein :-) Oh wunderbare Geschichte des Menschen...

Ähnliche Sachverhalte finden sich auf der ganzen Welt. Der Ursprung ist i.d.R. politisch. Wenn zum Beispiel im Krieg die Grenzen verändern.

Du könntest beispielsweise auch fragen, wieso das ehemalige Preußen nicht zu Deutschland gehört, war es doch so lange deutsch... aber da gab es halt zwischendurch mal zwei Weltkriege, die die Grenzen Deutschlands ein wenig enger geschnallt haben.

Manchmal entscheiden Bevölkerungsgruppen einheitlich, dass sie zu einem anderen Land gehören wollen... geschehen mit Österreich, dass per Volksentscheid Teil des Großdeutschen Reichs wurde (ja, das war etwas vereinfacht... aber das Prinzip ist, denke ich, klar).

Viele Südtiroler, übrigens, sehen sich weder als Italiener, Österreicher noch Deutsche... sie sind Tiroler! Wäre vielleicht ein Grund an eine Tiroler Unabhängigkeit zu glauben (ähnlich in Spanien mit Katalonien und dem Baskenland).

Aber, wie gesagt, das ist i.d.R. politisch und wer da nach einem speziellen Grund fragt, begibt sich auf eine Reise durch einen ziemlich undurchsichtigen Dschungel...

Kommentar von Hideaway ,

Du könntest beispielsweise auch fragen, wieso das ehemalige Preußen nicht zu Deutschland gehört, war es doch so lange deutsch... aber da gab es halt zwischendurch mal zwei Weltkriege, die die Grenzen Deutschlands ein wenig enger geschnallt haben.

In diesem Zusammenhang wäre auch gleich zu klären, weshalb die widerrechtliche Aneignung Schlesiens durch Friedrich den Großen nicht endlich mal revidiert und dieses Gebiet an Österreich zurückgegeben wird. Auch eine Rückführung von Elsass-Lothringen (einst von Ludwig XIV. geraubt) wäre noch zu klären. Ja, die Anzahl der "Baustellen" ist aus Sicht Ewiggestriger schon gewaltig.

Kommentar von vdeparty ,

Da könnte man, wenn man will, endlos hinterfragen. Wie du sagst: Viele Baustellen. Viele sind, meiner Meinung nach, nicht mehr diskussionsrelevant.
Aber geschichtlich ist das alles natürlich zumindest interessant.

Antwort
von Antwortapparat, 7

wie weit will man in der Geschichte zurück gehen?

Mal gehörte Tirol den Tyroler Fürsten, dann zu Habsburg, Österreich, Italien u.s.w.

Südtirol gehört nun zu Italien und ich denke es wird auch dort bleiben. Die Südtiroler würden gerne ein eigenes Tirol haben, kann man verstehen.

So wie es ist, ist es nicht Perfekt aber ganz in Ordnung, wir bewahren uns unsere Eigenständigkeit in vieler Hinsicht.

Antwort
von Ranzino, 74

Weil Italien die Tiroler nicht fragt.

Antwort
von Gerneso, 58

Südtirol gehört zu Italien.

Kommentar von Ostmark ,

Das sehen die Südtiroler selbst, jedenfalls ganz anders. 

Kommentar von Hideaway ,

Dein Name ist, scheint´s, Programm.

Kommentar von WDHWDH ,

Südtirol war bis 1918 Österr. Kernland. Tirol.Dazu Ladiner, Räterromanen, usw. Keine Italiener-woher nimmst du deine "Meinung" denn mehr kann es nicht sein!

Antwort
von Molke7, 56

In den 70ern haben sich beide Länder über dieses Thema schon geeinigt ("Südtyrolpaket", 1971 - 1972).

Kommentar von Ruenbezahl ,

Die Einigung ist schon viel älter. Am 7. Mai 1938 erklärte Adolf Hitler in Rom: : „Es ist mein unerschütterlicher Wille und
mein Vermächtnis an das deutsche Volk, dass es … die von der Natur zwischen uns
beiden aufgerichtete Alpengrenze für immer als eine unantastbare ansieht, die
die Vorsehung und Geschichte unseren beiden Völkern ersichtlich gezogen haben.“
An diese Worte Hitlers hält man sich immer noch.
 

Kommentar von Molke7 ,

Na, ja... 

Im Jahr 1945 wurden oft die Karten anders verteilt. In diesem Fall hatten die Allierten in 1946 entschieden, dass die Grenze bleiben würde, wo sie bisher war, obwohl manche Südtyroler es gern anders gehabt hätten. 

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