Frage von DoktorGeist, 16

Suche weitere Balladen?

Hui. Ich habe momentan in der schule das Thema Balladen und suche weitere spannende. Ich kenne den Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe und John Maynard von Theodor Fontane aber suche weitere spannende Balladen also könnt ihr mir welche empfehlen dürfen auch ruhig brutal sein solange es Balladen sind :D Lg. Dodo aka DoktorGeist

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 2016Frank, 10

Conrad Ferdinand Meyer: Die Füße im Feuer


Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm

Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Ross

Springt ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein Mantel saust

Im Wind. Er hält den scheuen Fuchs am Zügel fest.

Ein schmales Gitterfenster schimmert goldenhell

Und knarrend öffnet jetzt das Tor ein Edelmann ...


– »Ich bin ein Knecht des Königs, als Kurier geschickt

Nach Nîmes. Herbergt mich! Ihr kennt des Königs Rock!«

– »Es stürmt. Mein Gast bist du. Dein Kleid, was kümmerts mich?

Tritt ein und wärme dich! Ich sorge für dein Tier!«

Der Reiter tritt in einen dunkeln Ahnensaal,

Von eines weiten Herdes Feuer schwach erhellt,

Und je nach seines Flackerns launenhaftem Licht

Droht hier ein Hugenott im Harnisch, dort ein Weib,

Ein stolzes Edelweib aus braunem Ahnenbild ...

Der Reiter wirft sich in den Sessel vor dem Herd

Und starrt in den lebendgen Brand. Er brütet, gafft ...

Leis sträubt sich ihm das Haar. Er kennt den Herd, den Saal ...

Die Flamme zischt. Zwei Fusse zucken in der Glut.

Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin

Mit Linnen blendend weiss. Das Edelmägdlein hilft.

Ein Knabe trug den Krug mit Wein. Der Kinder Blick

Hangt schreckensstarr am Gast und hangt am Herd entsetzt ...

Die Flamme zischt. Zwei Füsse zucken in der Glut.


– »Verdammt! Dasselbe Wappen! Dieser selbe Saal!

Drei Jahre sinds ... Auf einer Hugenottenjagd ...

Ein fein, halsstarrig Weib ... ›Wo steckt der Junker? Sprich!‹

Sie schweigt. ›Bekenn!‹ Sie schweigt. ›Gib ihn heraus!‹ Sie schweigt.

Ich werde wild. Der Stolz! Ich zerre das Geschöpf ...

Die nackten Füsse pack ich ihr und strecke sie

Tief mitten in die Glut ... ›Gib ihn heraus!‹ ... Sie schweigt ...

Sie windet sich ... Sahst du das Wappen nicht am Tor?

Wer hiess dich hier zu Gaste gehen, dummer Narr?

Hat er nur einen Tropfen Bluts, erwürgt er dich.« –

Eintritt der Edelmann. »Du träumst! Zu Tische, Gast ...«


Da sitzen sie. Die drei in ihrer schwarzen Tracht

Und er. Doch keins der Kinder spricht das Tischgebet.

Ihn starren sie mit aufgerissnen Augen an –

Den Becher füllt und übergiesst er, stürzt den Trunk,

Springt auf: »Herr, gebet jetzt mir meine Lagerstatt!

Müd bin ich wie ein Hund!« Ein Diener leuchtet ihm,

Doch auf der Schwelle wirft er einen Blick zurück

Und sieht den Knaben flüstern in des Vaters Ohr ...

Dem Diener folgt er taumelnd in das Turmgemach.


Fest riegelt er die Tür. Er prüft Pistol und Schwert.

Gell pfeift der Sturm. Die Diele bebt. Die Decke stöhnt.

Die Treppe kracht ... Dröhnt hier ein Tritt? Schleicht dort ein Schritt? ...

Ihn täuscht das Ohr. Vorüberwandelt Mitternacht.

Auf seinen Lidern lastet Blei, und schlummernd sinkt

Er auf das Lager. Draussen plätschert Regenflut.


Er träumt. »Gesteh!« Sie schweigt. »Gib ihn heraus!« Sie schweigt.

Er zerrt das Weib. Zwei Füsse zucken in der Glut.

Aufsprüht und zischt ein Feuermeer, das ihn verschlingt ...

– »Erwach! Du solltest längst von hinnen sein! Es tagt!«

Durch die Tapetentür in das Gemach gelangt,

Vor seinem Lager steht des Schlosses Herr – ergraut,

Dem gestern dunkelbraun sich noch gekraust das Haar.


Sie reiten durch den Wald. Kein Lüftchen regt sich heut.

Zersplittert liegen Ästetrümmer quer im Pfad,

Die frühsten Vöglein zwitschern, halb im Traume noch.

Friedselge Wolken schwimmen durch die klare Luft,

Als kehrten Engel heim von einer nächtgen Wacht.

Die dunkeln Schollen atmen kräftgen Erdgeruch,

Die Ebne öffnet sich. Im Felde geht ein Pflug,

Der Reiter lauert aus den Augenwinkeln: »Herr,

Ihr seid ein kluger Mann und voll Besonnenheit

Und wisst, dass ich dem grössten König eigen bin.

Lebt wohl! Auf Nimmerwiedersehn!« Der andre spricht:

»Du sagsts! Dem grössten König eigen! Heute ward

Sein Dienst mir schwer ... Gemordet hast du teuflisch mir

Mein Weib! Und lebst ... Mein ist die Rache, redet Gott.





Kommentar von 2016Frank ,

Vielen Dank für den Stern!

Antwort
von Merkantil, 7

Ich würde so spontan mal empfehlen:

Goethe: Der Zauberlehrling

Schiller: Die Bürgschaft
Der Taucher
Der Ring des Polykrates
Die Kraniche des Ibykus

Schau auch mal nach unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Balladenjahr

Außerdem:
Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor
Mörike: Der Feuerreiter
Schwab: Der Reiter und der Bodensee

Und noch was Lustiges (eigentlich keine Ballade, sondern Liebeslyrik):

Mörike: Die Storchenbotschaft

Kommentar von Merkantil ,

Die Texte der von mir genannten Balladen müßtest Du eigentlich alle per Suchmaschine im Internet finden. Solltest Du nichts finden, könntest Du Dich ja nochmal melden.

Wenn Du die eine oder andere Ballade gelesen hast, kannst Du uns ja auch mal mitteilen, wie Du damit zurechtgekommen bist: Ob sie Deinen Erwartungen entsprochen hat, ob sie Dir gefallen hat, und ob Du dazu noch konkrete Fragen hast.

Ich finde es erfreulich, daß für Dich Schule nicht einfach nur Pflichtprogramm ist, sondern auch Ideenlieferant für private Interessen und eigene Nachforschungen.

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