Sissie93 am 26.02.2009 um 20:11 Uhr
Ich nehme an einem schüleraustausch in die USA teil und wollt mal fragen ob jemand ein paar Tipps für mich hat. Haben die Amerikaner bestimmte Sitten oder sowas die man kennen müsste? Gibts irgendwelche Wörter die die Amerikaner so komisch aussprechen, dass man sie kaum versteht? Oder gibt es sonst irgendetwas auf das ich achten sollte? danke für alle Antworten :-)

Die Aussprache in den USA ist generell deutlich anders als das britische Englisch, dass man in den deutschen Schulen lernt. Da wird sich vieles fremd für Dich anhören - besonders dann, wenn Ihr irgendwo in den Südstaaten seid. Leute aus Alabama oder Texas habe ich bei meinem ersten USA-Besuch fast gar nicht verstanden...
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Generell gilt, dass die Amerikaner sehr fröhlich und optimistisch und sehr, sehr höflich sind. Wenn man dicht an jemanden vorbei gehen mus (etwa im Supermarkt), dann sagt man "excuse me". Man sagt immer "please" und "thank you" und "you're welcome", wenn es irgendwie den leisesten Grund gibt. Man hält sich gegenseitig Türen aufund wildfremde Menschen lächeln sich an und machen einander Komplimente. Das ist für Deutsche erst einmal ungewohnt, aber ich find's sehr nett. :-)
Man wählt immer die höflichste Form in der Sprache. Man sagt beispielsweise nicht "I want...", sondern "I would like to have...".
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Und: Amerikaner sind anders als Deutsche nicht an Ironie oder Sarkasmus gewöhnt, sondern haben eine andere Form von Humor. Ironisch gemeinte Bemerkungen werden oft wörtlich genommen, und Sarkasmus wird oft als "bitterness" verstanden und als rüde angesehen.
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Die zahlreichen kulturellen Unterschiede zeigen sich vor allem im Kleinen. Hier sind mal die Unterschiede, die mir zu so etwas Banalem wie dem Restaurantbesuch einfallen (Restaurants sind hier oft billig, und Amis gehen sehr häufig essen):
In den USA sucht man sich nicht selber aus, wo man sitzen möchte, sondern wird zum Tisch gebracht. (Ausnahme: Fast-Food-Restaurants wie McD, bei denen man am Tresen bestellt).
Essensparteien, die nicht zusammengehören, sitzen auch nicht am gleichen Tisch (in Deutschland ist es dagegen nicht unüblich, sich irgendwo dazuzusetzen)
Die Bedienung in den USA lebt vom Trinkgeld. Das Trinkgeld ist kein Bonus, sondern das hauptsächliche Einkommen der Bedienung. Deswegen ist ein Trinkgeld von 10 bis 20 Prozent quasi Pflicht.
Für nicht-alkoholische Getränke gilt "all you can drink". Es gibt kostenlose "Refills" für Kaffee, Tee, Wasser, Eistee.
Langes gemütliches Beisammensitzen nach dem Essen ist nicht üblich und nicht erwünscht. Wer fertig ist, hat aufzustehen und zu gehen.
Viele Gerichte kommen in den USA mit einer Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten, und die Bestellungsaufnahme ist eher ein Interview. :-)
And how would you like your eggs? And which sides would you like? And which dressing with the salad? And would you like bread with your meal? And so on and so forth.
Gemüse, Kartoffeln und Reis werden oft mit massenhaft Fett serviert. Ausnahme: Steamed Veggies. Und selbst dann ist oft extra Butter dabei, das in Bällchenform neben dem Gemüse liegt.
Essensreste werden auf Wunsch mitgenommen. Auf die Essensreste zu verzichten wird oft als "es hat nicht geschmeckt" aufgefasst.
In den USA gehört Essengehen für Familien zum Alltag, während es in Deutschland eher eine Besonderheit ist. Schreiende, tobende Kinder in Lokalen sind normal, alle Lokale bieten reichlich Kinderhochstühle an, etc.
In Deutschland unüblich, in den USA sehr beliebt sind "All you can eat"-Buffetrestaurants. Dort bekommt man meist ein Zeitlimit.
Vor der Bestellungsaufnahme weist die Bedienung auf die "Specials" des Tages hin und stellt sich mit Namen vor.
Die Amis schneiden ihr Essen vor und essen dann nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit der Gabel. Die andere Hand legen sie zum Essen in den Schoß (in Deutschland würde das als "schlechte Manieren" angesehen werden).
Merkwürdig finde ich persönlich vor allem die Einreisebestimmungen. Für mich ein Grund, dort nicht mehr hinzufahren. Ansonsten fand ich es dort nicht großartig anders als in Deutschland. Nur alles etwas oberflächlicher.
Ach ja: Und sag nicht "toilet", wenn Du nach einer Toilette fragst. Es heißt "restroom"...
Urbanessa am 27. Februar 2009 00:33 Die Amerikaner sind nicht oberflächlicher als die Deutschen. Was Du im übrigen mit Deinem Statement zur Oberflächlichkeit beweist. Und selbstverständlich gibt es Unterschiede in den Sitten. Auch da scheinst Du oberflächlicherweise nicht richtig hingesehen zu haben...
Du solltest wissen, dass es in einigen States noch die Prügelstrafe in der Schule gibt.
Ergänzung: Mir ist noch so einiges eingefallen.
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In den USA sind sehr viel mehr Menschen religiös und üben diesen Glauben auch aus als in Deutschland. Demzufolge muss man sich darauf einstellen, dass Floskeln wie "God bless you" zum Alltag gehören und auch - besonders in ländlichen Gegenden - das Tischgebet und der Kirchenbesuch normal sind.
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Man legt Wert auf "political correctness". Schwarze sind nicht "schwarz", sondern "African Americans". Dicke sind nicht "dick", sondern "big and beautiful". Faule sind nicht "faul", sondern lieben es "convenient". Usw. Für Deutsche, die gewohnt sind, das Kinde beim Namen zu nennen, ist das eine deutliche Umstellung. Man fährt ganz gut, wenn man nach der Devise handelt "If you can't think of anything nice to say - don't say anything at all."
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Selbstverständlichkeiten wie Umweltschutz, Energiesparen, die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrädern usw. gehören in den USA zumeist NICHT zum Alltag und sind NICHT selbstverständlich. Das ist für Deutsche oft eine krasse Umstellung.
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Körperbehaarung bei Frauen gilt als i-bäh. Schin neunjährige Mädchen rasieren sich hier (zu meinem fortgesetzten Entsetzen) die Beine.
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Die meisten US-Amerikaner haben ihr Land noch nie verlassen und haben das auch nicht vor. Informationen über internationale Gegebenheiten spielen in den Nachrichten keine relevante Rolle. In den Augen der meisten US-Amis kreist die Welt um die USA, und die USA sind der Nabel der Welt und das Epizentrum allen Fortschritts. Tatsächlich hinken die USA Nord-, West- und Zentraleuropa technologisch um geschätzte 30 bis 40 Jahre hinterher - das ist für Deutsche offensichtlich, Amerikaner glauben es aber nicht. Also sollte man sich auf Fragen einstellen, ob es in Deutschland denn auch Fernseher, Autos oder Handys gibt (vorzugsweise gefragt von Leuten mit Grundig-TV, Mercedes vor der Tür und Siemens-Handy in der Hand...). :-)))