Suche; Romane mit toughen, starken Frauen als Hauptfigur (á la Scarlett O'Hara)?

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3 Antworten

Die Stimme von Judith Merkle-Riley

Die Lebensgeschichte einer Frau, die im 14. Jahrhundert in England lebt. Auf hartem und langem Weg entwickelt sich die junge Margaret inmitten von Aberglaube, Pest, Hexenverfolgung und Ausgrenzung von Frauen aus Geschäft, Bildung und Heilerberufen (kirchl. Klöster ausgenommen)  von einer armen Gauklerin zur Heilerin und Hebamme - und letztlich zu einer Frau und Mutter, die ein Buch über ihre Erfahrungen schreibt.

Der Roman ist in Ich-Form verfasst, dies tut aber der Geschichte keinen Abbruch, er ist lesenswert!

Ich finde ihn sehr interessant wegen der detailreichen Einblicke in das
mittelalterliche Leben in den Städten und in die damalige Krankenbehandlung und Geburtshilfe. Sehr gut recherchiert bezügl.
Mittelalter und Medizin und damalige Rechtslage insbesondere für Frauen.
Die kirchen- und religionskritische Haltung und die menschl. Perspektive gefielen mir ebenso.

Auch wenn Margaret später schließlich heiratet (aus Klugheit und aus Wertschätzung eines älteren Herrn, der ihr ein Angebot macht, nicht aus Liebe) und dabei nebenbei zu etwas Wohlstand und Sicherheit kommt, ziehen sich durch den Roman keine schwülstigen Liebesgeschichten, was ich sehr gut fand.

Das Ganze konzentriert sich absolut auf ihren Stand als allein lebende Frau
und Einzelkämpferin in dieser Zeit - und auf die Gefahren und
Schwierigkeiten, denen sie durch ihren niedrigen Stand und durch ihre
Neigungen, Fähigkeiten und Ideen ausgesetzt ist. 477 Seiten.

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Die Tochter des Hirsch-Clans von Joan Wolf

Der Roman spielt 14.000 Jahre vor unserer Zeit, im Tal von Vézère /
Frankreich. Die Autorin hat für diesen Roman intensive und aufwändige
Recherchen über die Cró-Magnon-Kultur betrieben, die während der letzten
Eiszeit von der Dordogne bis zu den Pyrenäen vorgeherrscht hat.

Nicht zuletzt waren auch die sehr detailiert und klar dargestellten
Jagdszenen, Werkzeuge, die Kleidung, Rituale, Göttervorstellungen und
schamanischen Bilder von den in diesem Gebiet vorkommenden
Höhlenmalereien sowie die archäologischen Funstücke Vorbild und Anregung für die vielen Details, die zu beiden Clans beschrieben werden. Diese Clans könnte es so oder ähnlich in diesem Gebiet zeitgleich gegeben
haben, da aus dieser Zeit auch für andere Gebiete Europas ganz
unterschiedliche und sogar gegensätzliche Lebensweisen von Clans aus den archäologischen Spuren und Funden ablesbar sind.

Zur Geschichte:

Alin stammt aus einer Priesterinnen- und Schamaninnen-Kultur, in der die Frauen wichtige und heilige Ebenen bedienen und aufgrund ihrer Fähigkeiten, Kinder zu bekommen und die Zeichen der Natur und der Geister zu verstehen, hoch geachtet sind.

Die Autorin stellt anhand Alins Entführung durch einen anderen Clan dar,
wie unterschiedlich Frauen- und Männer-dominierte Gesellschaften zu
dieser Zeit aufgebaut gewesen sein könnten, wie Geschlechterverhalten,
Beziehungen, Rangfolgen, Hirarchien, Riten, Bräuche und allgemeine
Wertvorstellungen gehändelt worden sein könnten. Der fremde Clan hat zu
viele seiner Frauen durch einen dramatischen Umstand verloren und ist
somit vom Aussterben bedroht. Die Männer entführen daher die Mädchen und Frauen einer anderen Sippe, um sie in ihre Gemeinschaft zu integrieren.

Alin und die jungen Mädchen und Frauen, die mit ihr gemeinsam entführt
wurden, lernen die Sprache, Gesetze und Kultur des fremden Clans zu
verstehen, setzen sich mit der ihnen zugeteilten untergeordneten
Frauenrolle hart auseinander und vermitteln den Fremden nach und nach
ihre eigenen Werte und damit auch eine neue Wertschätzung von Frauen
sowie einen partnerschaftlicheren Umfang zwischen Männern und Frauen.
Dies ist ein gefährlicher und risikoreicher Weg für die Frauen, der
letztlich auch deshalb gelingt, weil Alin 1. durch die führenden Frauen
ihrer Familie bereists vieles gelernt hatte, was sie später für die
Übernahme der Schamanen-Rolle benötigt (dieses Wissen verschafft ihr in
der neuen Situation Respekt) - und 2. weil sie die Intelligenz und das
Interesse des Anführers erkennt und nutzt, um ihn letztlich für
modernere Rollenmodelle aufzuschließen.

Interessant und spannend - und regt zum Nachdenken an! 543 Seiten.

Joan Wolf hat noch weitere prähistorische sowie auch Romane aus dem König-Artur-Zyclus geschrieben.



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Peter Härtling: Eine Frau

Eventuell auch "Amanda herzlos" von Jurek Becker.

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"Die Farbe Lila" von Alice Walker.

"Die Bienenhüterin" von Sue Monk Kidd.

Und, ganz andere Thematik, aber auch sehr schön: "Tausend kleine Schritte" von Toni Jordan.

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