Schreib einfach mal welche deutschen Balladen ihr besonders schön findet.....

Das Meer
Der Wind hat gedreht und die Flut kommt herein.
Dunkel grau mit einem silbrigen Schein.
Und über die Mole da fliegt schon die Gischt,
wenn die Welle aufläuft und die Brise auffrischt.
Mit einem Mal füll’n sich die Priele im Sand
und über den kahlen verlassenen Strand
treibt der Wind trock‘ne Algen und Schaum vor sich her:
Es ist da, das gewaltige ewige Meer.
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Auf hellem Türkis tanzen gitzernde Lichter,
auf der schwarzer Brandung weißschäumender Wut.
Es hat tausend Farben und tausend Gesichter,
im ewigen Wechsel von Ebbe und Flut.
Erfüllt von Geschichten aus uralten Tagen,
beladen mit Spuk und Spökenkiekerein.
Umwoben von Märchen, Legenden und Sagen:
Wieviele Geheimnisse schließt es wohl ein.
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Wievielen bedeutet es Leben und Brot.
Ein paar starke Arme, ein Netz und ein Boot,
das brauchts, damit keiner je Not leiden muß,
das Meer schenkt uns Nahrung im Überfluß.
Wievielen bedeutet es Arbeit und Lohn.
Handwerk überliefert vom Vater zum Sohn.
Wieviele Seeleute haben ihr Geschick
auf Gedeih und Verderb mit dem Meere verstrickt.
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Wieviele Boote und Schiffe mag es wohl tragen
zu dieser Stund‘ auf dem Erdenrund?
Und wievele schlafen, von Stürmen zerschlagen
mit Schätzen beladen tief auf seinem Grund?
Es ist kommen und geh’n, es ist nehmen und geben
und wie die Gezeiten, unstet wie der Wind.
Es ist zärtlich und grausam, ist Tod und ist Leben
und es lässt uns erahnen wie winzig wir sind.
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Wir bringen ihm einen erbärmlichen Dank.
Die Pflanzen zerstört und das Seegetier krank.
Was da kreuchte und fleuchte, verendet im Teer,
wir verseuchen das Meer und mißhandeln es schwer!
Die Ufer verpestet und übel schimpfiert,
von Zimmervermietern zubetoniert.
Von Pißbuden und Imbißständen gesäumt,
doch es kommt eine Flut, die das alles wegraumt.
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Und tobend und tosend schlägt es an die Klippen
mit ungebrochener Urgewalt!
Ich schmecke den salzigen Staub auf den Lippen,
nein das Meer das ergibt sich uns wohl nicht so bald!
Wie wir es vergiften, mißachten und schänden,
wir stören nicht lange sein Gleichgewicht!
Es wird uns nur abschütteln von seinen Stränden!
Wir brauchen das Meer, doch das Meer braucht uns nicht!
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Reinhard Mey

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