Frage von PhysalisL, 65

Soll ich das Studium weitermachen oder abbrechen?

Ich studiere aktuell Medienwissenschaft und Medienpraxis mit dem Kombifach Wirtschaftswissenschaften im Zwei-Fach-Bachelor (erstes Semester) und mir kommen langsam erste Sorgen für die Zukunft. Prinzipiell interessiert mich das Studium sehr, der wissenschaftliche Teil hält sich in Grenzen und wir machen viele praktische Sachen (z.B. Produktionsplanung der eigenen Werke).. Nur frage ich mich, ob das später in der Berufswelt gefragt sein wird. WiWi als Kombifach hat momentan folgende Modulbereiche: Rechnungswesen, Dienstleistungmarketing, Internationales Management und natürlich Einführungen.. das Ganze lässt sich gut über 6 Semester strecken.. aber ist das genug? Ich würde eigentlich noch gerne Medienmanagement/Medienwirtschaft im Master machen. Aber würde ein einfacher BWLer eventuell höhere Chancen haben, als jemand, der die Wirtschaft nur zu einem gewissen Teil behandelt hat? Ich bin erst 19.. wenn ich also erst nächstes Wintersemester anfangen würde, wäre das wohl nicht so wild. Bis dahin würde ich noch Module in WiWi machen, die ich mir für später anrechnen lassen könnte. Ich bin gerade nur maximal verunsichert, weil Geisteswissenschaft und so..

Was meint ihr? Durchziehen oder stattdessen BWL studieren und den Schwerpunkt passend Medien-orientiert wählen?

Antwort
von Lichtpflicht, 56

Wenn du mich fragst: Brich auf keinen Fall ab und wechsle, das wäre ein Fehler.

Was vielen Studienanfängern erstmal nicht so richtig klar ist... mit keinem einzigen Studium außer mit Medizin, Lehramt, Maschinenbau und Jura studierst du auf einen bestimmten Job hin. Das meiste, was du im Studium lernst, wird für deinen zukünftigen Job sowieso nur nebenbei ganz interessant sein. Alles, was du für deinen Job brauchst, wirst du im Job lernen, und vermutlich nicht im Studium.

Ein Studium ist keine direkte Berufsausbildung, und das erwarten die Chefs auch gar nicht, das ist nicht der grundsätzliche Sinn eines Studiums. Daher gibt es Traineeprogramme und Volontariate für Akademiker. Ein Studium ist eine wissenschaftliche Ausbildung, deine sogar ungewöhnlich stark praxisorientiert. Die meisten Studien sind rein theoretisch. Daher hast du schon mal einen gewaltigen Vorteil.

BWL und Medienwissenschaft als Fächer sind beides nicht gerade die Garanten für viel Geld und einen sicheren Job. Jobs in den Medien sind zu einem großen Teil grottenschlecht bezahlt mit befristeten Verträgen oder gar Saisonarbeit. BWL studiert jeder Hans, es gibt also so unendlich viele Absolventen mit BWL am Jobmarkt, dass die Konkurrenzsituation ungewöhnlich heftig ist. BWL lohnt sich inzwischen nur noch, wenn du ganz besondere Spezialisierungen vorweisen kannst.

Aber um den Jobmarkt zu kennen wenn du fertig bist bräuchtest du eine Glaskugel. Ich würde dir vorschlagen, mach normal den jetzigen Bachelor zu Ende, er ist eine sehr gute Kombination mit viel Praxis, was ein riesen Vorteil ist. Dann mach mal ein längeres Praktikum in dem Bereich, in dem du arbeiten willst, hör dich dort gut um zwecks Arbeitsmarkt und entscheide erst dann, welchen Master du noch machen willst.

Noch mal am Rande: Ich arbeite in einem Bereich, den ich überhaupt nicht studiert habe. Trotzdem wurde ich nur eingestellt, weil ich einen Masterabschluss habe. Doch in welchem Fach genau ich den gemacht habe, war meinem Chef herzlich egal :) ich hatte nur ein paar Kurse in dem Bereich belegt, in dem ich jetzt bin. Ich habe mich dann in den Job eingearbeitet und letztlich lernst du alles nur im Job, learning by doing.

Antwort
von Scharmane, 35

Hallo! 

Ich kann Dir auch nur raten, weiterzumachen, wenn es Dir Spaß macht. Mach aber auf jeden Fall den Master. Ich habe Medienwissenschaften an der Uni Köln studiert, die schon sehr lange die Kombination mit Medienmanagement anbieten. Wurde alles in 2fach-BAs übertragen. Soweit ich das übersehen kann, haben alle Absolventen mit der Kombi Medienmanagement sehr gute Jobs bekommen. Strategieabteilung bei der Deutschen Welle, Unternehmensberatung etc. 

Deine Kombi hört sich für mich gut an und der Medienbereich ist nicht der Medienbereich. Es gibt sehr unterschiedliche Ebenen (Produktion vs. Strategie vs. Vertrieb usw.) und sehr unterschiedliche Positionen in der Wertschöpfungskette. In die kreativen Bereich würde ich nicht gehen, da es dort wirklich hohen Konkurrenzkampf gibt. Aber wie schon gesagt wurde: Man arbeitet wirklich selten genau in dem Bereich, in dem man studiert hat. Das passiert eher, wenn man lange Zeit in der Praxis war, Kontakte hat, weiss was man will und dann nochmal ein Studium oder einen Master oder eine gezielte Fortbildung draufstetzt.

Wichtig ist, dass man sich für das interessiert, was man macht, dass man es mit Leidenschaft und hoher Motivation macht. Dann kommt alles von selbst. Wenn sich die Interessen (oder der Markt) ändert, kann man sich heutzutage jederzeit verändern. Die Jobtitel ändern sich immer schneller als das Personal nachwächst, also muss man mit dem arbeiten, was der Arbeitsmarkt hergibt. Außerdem kommt es oft auf die Passung im Team an und und und. Also mach den Master zu Ende (formal und für deinen Wissensdurst wichtig) und dann schau wohin es dich verschlägt. Wird schon gutgehen, solange du Spaß hast.

Gruß Schamane

Antwort
von Macmacw, 37

Ich stimme Lichtpflicht in vielen Punkten zu. Du schreibst Dich interessiere das Studium sehr, daher würde ich es an Deiner Stelle nicht abbrechen.

Medien ist in der Tat ein überlaufener und schlecht bezahlter Bereich, das selbe gilt jedoch nicht für BWL, hier entspricht das durchschnittliche Einstiegsgehalt etwa dem eines Durchschnitts-Akademikers und die Arbeitsmarktchancen sind auch mind. durchschnittlich. Dies hängt hier aber häufig von der Spezialisierung und der gewünschten Branche/Abteilung ab. Bestimmte BWL-Gebiete wie Marketing, Personal u.ä. produzieren viele Absolventen, die Jobchancen sind besser als für Medien-Absolventen, aber auch nicht rosig. Für andere BWL-Gebiete wie Controlling, Rechnungswesen, Finance, u.ä. gibt es weniger Absolventen und eine höhere Nachfrage, hier sind die Arbeitsmarktchancen höher als für den durchschnittlichen Akademiker.

Möchtest Du mal in der Rechnungswesen-Abteilung eines Unternehmens, sei es auch ein Medienunternehmen, arbeiten wollen, dann wäre ein reines BWL-Studium mit Schwerpunkt Rechnungswesen, nicht mit Schwerpunkt Medien, vorteilhafter. Bedenke aber Du kannst viel mit Praktika erreichen: Mir sind Fälle von studierten Germanisten, Physikern, etc. bekannt, die über ein Praktikum während ihres Studiums in der Controlling-Abteilung dort anschließend eine Anschlussbeschäftigung gefunden haben, da sie dann schon eingearbeitet waren und ihre persönliche Zuverlässigkeit geschätzt wurde.

Wenn Du ein längeres Praktikum machen möchtest erkundige Dich nach der Möglichkeit das Studium für 1 Semester auszusetzen. Viele Unternehmen stellen keine fertigen Absolventen für ein Praktikum ein, aber ohne Praktikum freilich auch nicht für eine Festanstellung, da sie an einer Initiative als "faire Arbeitgeber" teilnehmen. Das heißt Du kannst Dein Praktikum während des Bachelor- oder Masterstudiums machen. Problematisch ist nach dem Masterstudium oder auch nach dem Bachelorstudium, wenn Du noch nicht wieder das Masterstudium aufgenommen hast. Es gibt auch Unternehmen, die stellen Absolventen als Praktikanten ein, aber das sind nicht die Unternehmen, für die Du arbeiten willst, häufig unbekannte, kleine, unseriöse Unternehmen... Ein Praktikum bei einem solchen Unternehmen in Deinem CV würde sich vergleichsweise nicht so gut machen.

Ob Du einen Zweifach-Bachelor Medien/BWL, ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Medien oder ein Medienmanagement-Studium absolvierst kommt Dir jetzt als etwas sehr unterschiedliches vor, für Arbeitgeber besteht dazwischen jedoch kein so großer Unterschied wie Du denkst. Über die Hälfte der Stellen suchen einfach nur "einen studierten Akademiker", unabhängig von der Fachrichtung.

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