Frage von V1234V, 70

Stromausfall am Bahnübergang?

Falls der Bahnübergang (Fü-Anlage) gestört ist wird es ja dem Fahrdienstleiter angezeigt, außerdem würde der Bü automatisch schließen im Falle, dass sich ein Zug in der Einschaltstrecke befindet. Was passiert aber falls der Strom komplett gekappt wird, während schon ein Zug in der Einschaltstrecke ist? Ausgehend von einem unbeschrankten Bü würde in diesem Fall doch garkeine Sicherung mehr vorliegen, da der Fahrdienstleiter ja auch keine Chance mehr hätte den Zug zu stoppen?

Antwort
von ETecDani, 50

Die Errichtung einer Lichtzeichenanlage kostet etwa €200 000,-

-Eine Vollschrankenanlage etwa 300 000,-

Das beruht auf den hohen Sicherheitsstandards die dafür vorgegeben sind. Die Anlage gibt bei Strom Ausfall sofort den zuständigen Instandhalter und dem FDL Bescheid und fährt ihren Betrieb mit Pufferbatterien unterbrechungsfrei fort falls der Stromausfall während eines herannahenden Zuges geschieht. 

Sobald der Zug den Blockabschnitt frei gefahren ist kann keine Fahrstraße mehr auf dieser Strecke gestellt werden(dh. die Strecke ist für alle Zugfahrten gesperrt) bis ein Bewacher der Eisenbahn oder die Polizei vor Ort ist und die Sicherung der EK dem FDL fernmündlich (Telefon, GSM-R, Fernsprecher) durchgibt.

Noch fragen?

Kommentar von V1234V ,

Nein keine Fragen mehr :D...perfekte Antwort danke!

Antwort
von dan030, 13

Ich glaube, Du vermengst da gerade Details der Sicherung von Lo- und Fü-Anlagen.

Bei einer Lo-Anlage hast Du Einschaltkontakte und ein "Feedback" über ein Deckungssignal, welches dem Tf anzeigt, ob der Bü tatsächlich gesichert ist (blinkendes Licht). Falls der Strom ausfällt, erlischt das Deckungssignal, der Tf sieht, dass was nicht ok ist, und hat noch genug Bremsweg für eine Gefahrenbremsung.

Bei einer Fü-Anlage wird normalerweise erst der BÜ gesichert, der Fdl bekommt das Feedback von der Bü-Technik. Erst wenn dieses Feedback da ist, stellt der Fdl die Fahrstraße für den Block, in dem sich der BÜ befindet.

D. h. im Falle eines Stromausfalles wird ein herannahender Zug entweder auf ein Hp0 auflaufen, oder der Stromausfall betrifft auch die Signaltechnik für den Streckenblock. In letzterem Fall haben wir wieder ein erloschenes Signal. Da muss dann der Tf drauf reagieren und erstmal eine Gefahrenbremsung machen.

Ein Problem bei Fdl-bedienten BÜ besteht tatsächlich daran, dass bei älteren Stellwerken die BÜ-Feedbackschleife manchmal nicht an die Stellwerkstechnik herangeführt wird. Ein Fdl könnte in so einem Fall den Fehler begehen, eine Fahrstraße zu schalten, obwohl er den BÜ nicht hat erfolgreich sichern können.

Kommentar von DarkEmoLove ,

Das "blinkende Signal" ist ein Bahnübergangs-Überwachungssignal und kein Deckungssignal, sonst aber richtig :)

Antwort
von DarkEmoLove, 27

Bahnübergänge sind entweder Fahrdienstleiter überwacht oder Triebfahrzeugführer überwacht.

1. Fall - Fahrdienstleiter überwacht:

Der Fdl (Fahrdienstleiter) kann eine Fahrstraße nur einstellen, wenn der Bahnübergang gesichert ist (hier sei mal dahingestellt was für eine Sicherung, ob Lichtzeichen, Halb- oder Vollschranken ist egal. Die Sicherung kann auch von einem Bahnübergangsposten wahrgenommen werden, der dem Fdl bestätigt, dass der BÜ gesichert und befahrbar ist. Erst dann darf der Fdl seine Signale auf Fahrt stellen. Der Fdl würde im Falle, dass der Bü nicht gesichert ist, dem Triebfahrzeugführer einen schriftlichen Befehl erteilen den Bahnübergang nachzusichern. Der Triebfahrzeugführer hält dann vor dem BÜ, betätigt dann die (Hilfs-)einschalttaste (wenn vorhanden). Ansonsten hält er vor dem Bahnübergang an, gibt Zp1 (Pfeifen), fährt Schrittgeschwindigkeit bis zur Mitte der Straße (natürlich nur, wenn kein Auto auf dem Bahnübergang steht) und fährt dann möglichst schnell den BÜ frei.

2. Fall - Triebfahrzeugführer überwacht:

Im Bremswegabstand der Strecke (i.d.R. 1000m) steht ein Bahnübergangs-Überwachungssignal. Dieses Zeigt dem Triebfahrzeugführer an, ob der Bahnübergang gesichert ist (Signalbild Bü1 - "Bahnübergang darf befahren werden") oder ob der Bahnübergang gesichert werden muss (Signalbild Bü0 - "Halt vor dem Bahnübergang, Weiterfahrt nach Sicherung") auch hier hält der Tf in dem Fall, dass der BÜ von ihm nachgesichert werden muss vor diesem an und betätigt wie im ersten Beispiel, wenn vorhanden die (Hilfs-) einschalttaste oder sichert durch Zp1 (pfeifen), Schrittgeschwindigkeit bis zur Straßenmitte und räumt den BÜ dann schnellstmöglich.

Außerdem: 

An jedem deutschen Bahnübergang findet sich ein Andreaskreuz welches aussagt "Schienenfahrzeuge haben Vorrang" somit ist jeder Bahnübergang gesichert! Den in den Medien gefürchteten "ungesicherten Bahnübergang" gibt es nicht. Man unterscheidet zwischen technisch gesichert (Blinklichtanlage, Schranken) und nicht technisch gesichert (Andreaskreuz).

Kommentar von V1234V ,

Ich weiß jetzt nicht was du mir sagen willst? Meine Frage war nur auf Fü-Anlagen bezogen und die sind weder Signalgedeckt, noch mit einem Bü-Signal versehen. Deshalb meine Fragestellung...

Kommentar von DarkEmoLove ,

Entschuldige bitte, ja. Ich wollte noch etwas 'Klarheit' reinbringen. Den zweiten Teil hab ich wohl ausgeblendet oder vergessen, keine Ahnung :-D Da es verschiedene Bauformen und Hersteller von Bahnübergangsanlagen, gibt würde ich mich nicht drauf verlassen, dass jede Anlage einen Batteriepuffer hat. Wenn du mal im Internet suchst, gibt es diverse Einträge wo beschrieben wird, dass die BÜs offen bleiben und nachgesichert werden. 

Wenn der Zug sich allerdings schon in der Einschaltstrecke befindet und genau in dem Moment der Strom ausfällt sieht es wohl schlecht aus. Der Fdl könnte nur noch einen Notruf absetzen. Der Fall kann aber wie durch meine Antwort oben ersichtlich nur bei Fahrdienstleiter überwachten Anlagen auftreten. Der Zug würde so tatsächlich über einen BÜ mit offenen Schranken fahren. Allerdings ist dieser ja trotzdem gesichert, da immernoch die Andreaskreuze am BÜ stehen!

Kommentar von V1234V ,

Okay danke :D

Kommentar von DarkEmoLove ,

Nicht dafür :) wenn noch weitere Fragen zum Bahnbetrieb/Fahrzeugtechnik o.Ä. vorhanden sind schreib mich an, gern auch PN^^

Antwort
von krassimir111, 7

Quasi unmöglich da jeder Bahnübergang im Betonschalthaus mit mind 2x18V Batterien ausgerüstet ist. Diese werden im laufenden Betrieb permanent geladen. Im Falle des Stromausfalles wird der Bahnübergang vollständig mit den Batterien versorgt.

Antwort
von AntwortMarkus, 47

Das Andreaskreuz reicht als BÜ Sicherung aus. Die stehen an jedem BÜ. 

Antwort
von ES1956, 41

 da der Fahrdienstleiter ja auch keine Chance mehr hätte den Zug zu stoppen?

Warum nicht? 

Kommentar von Stinkepups ,

Der kann ihn stoppen. Der hat da einen Knopf.
Haben die nach dem Unfall in Bad Aibling im Radio gesagt.

Kommentar von V1234V ,

Wenn der Zug in der Einschaltstrecke ist, ist es eher unwahrscheinlich dass der Bremsweg noch ausreicht, nachdem der Fdl den Funkspruch gemacht hat.

Kommentar von ES1956 ,

Ich gehe mal davon aus dass der BÜ signalabhängig geschaltet ist. D.h. sobald er eine Störung zeigt fällt das zugehörige Hauptsignal auf Halt. Sollte der Zug bereits am Sig vorbei sein könnte es tatsächlich vorkommen dass er einen nur mit Schildern gesicherten BÜ befährt. Ich weiß jetzt nicht ob BÜ auch über eigene INDUSI abgesichert sein können.

Sollte die Störung anhalten und der BÜ nicht technisch gesichert werden können kann er auch mittels SiPo manuell gesichert werden, notfalls sogar durch Zugpersonal. 

Kommentar von DarkEmoLove ,

Nicht direkt über einen eigenen "Indusi" (Nennt sich heutzutage PZB, Indusi ist schon ein paar Tage her) Magnet. Eine auf den BÜ bezogene Beeinflussung geschieht nur, wenn der BÜ Lokführer überwacht ist und das BÜ Überwachungssignal das Signalbild "Bü0 - Halt vor dem Bahnübergang, Weiterfahrt nach Sicherung!" anzeigt. In dem genannten Fall bekommt der Lokführer eine 1000Hz Beeinflussung am Bü0 und hält vor dem BÜ an und sichert diesen manuell.

Kommentar von ES1956 ,

Sind nicht nur "ein paar Tage", hab schon seit 1992 nicht mehr als Fdl gearbeitet. Das Sichern von BÜ durch ZuB wurde da noch mit Befehl C angeordnet (oder A?).

Kommentar von DarkEmoLove ,

Die "paar Tage" waren auch eher symbolisch gemeint :-) Heutzutage ist das der Befehl 8.

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