Frage von Reimarus, 75

Streit mit Lebensgefährtin von verstorbenem Großvater - Wer bekommt Geld vom Sparfach?

Mein Großvater ist vor ein paar Monaten nach einem Krebsleiden verstorben und nun, wie es ja leider oftmals so ist, bricht der große Streit ums Geld aus.
Nachdem meine Oma 2001 verstarb, lernte er  jemand Neues kennen. Mit dieser Lebensabschnittsgefährtin war er dann 14 Jahre zusammen. Im letzten Jahr hatten beide ein Sparfach in der örtlichen Gastwirtschaft. Im Folgenden die wichtigsten Eckpunkte:

- Anfangs hatten beide ein einzelnes Fach, in das mein Opa allerdings JEDES Mal für beide  jeweils 50 Euro sparte.

- Dann wurden die ihre Fächer zusammengelegt. An der bisherigen Aufteilung änderte sich nichts. Mein Opa sparte also ab sofort 100 Euro für beide in ein Fach anstatt wie vorher in zwei.

- Weder am Sparfach selbst, noch in dem obligatorischen "Buch" war ihr Name vermerkt.

- Sie waren NICHT verheiratet.

Meine Mutter kümmert sich nach seinem Ableben halt, so wie er es wollte, mit allen möglichen Vollmachten um die bürokratischen Sachen. Und halt auch ums Geld. Wir waren immer gewillt die Lebensgefährtin an allem was er hinterlassen hatte zu beteiligen. Und das obwohl ihr ja eigentlich (so mein Kenntnisstand) rein rechtlich nichts zustünde. Voraussetzung ist allerdings auch, dass erstmal die Beerdigungskosten gedeckt sind.
Ich möchte hier wirklich eine neutrale Sicht der Dinge schildern, aber sie hat sich einiges geleistet, was so einfach nicht in Ordnung ist. ZB hat sie, während mein Opa schwer krank im KH lag, Geld von einem von ihm für meinen Bruder angelegten Sparkonto abgehoben. Sie hat sich außerdem bisher lediglich mit 30 Euro an der gesamten (!!!) Beerdigung beteiligt, obwohl mein Opa auch eine Lebensversicherung für sie hat einrichten lassen. Auch die Trauerkarten der Nachbarn hat sie einfach alleine geöffnet und uns damit vertröstet dass dort angeblich keine Geld enthalten war.
Auch ihr Engagement bzgl meines Großvaters hielt sich sehr in Grenzen. Während der ganzen Zeit hat sie ihn sage und schreibe drei mal besucht.
Ich bin wirklich en friedliebender Mensch, aber wie sie meinen Opa ausgenommen hat und uns vor den Kopf stößt ist einfach nur das Letzte. Und das, obwohl wir alle auch immer für sie da waren und auch in einer ganz schweren Phase ihres Lebens für sie da waren. Lange Rede, kurzer Sinn:

Wie sieht die rechtliche Situation bzgl des Sparfaches aus? Steht uns der gesamte Betrag zu? Oder nur der angebliche Anteil unseres Vaters und Großvaters?

Ich Danke für alle Antworten im Voraus!

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Antwort
von LiselotteHerz, 29

Wenn nicht schriftlich hinterlegt wurde, dass dieses Sparfach (ist das ein Sparbuch?) beiden gemeinsam gehört, hat sie kein Anrecht auf das angesparte Geld. Und da die beiden nicht verheiratet waren, steht ihr rechtlich gesehen meines Wissens direkt gar nichts zu

Lies Du das mal, ich verstehe es so, dass ihr nichts zusteht

http://www.rechthaber.com/ausgleichsansprueche-beim-tod-des-nichtehelichen-partn...

lg Lilo

Kommentar von Reimarus ,

Nein, das besagte "Sparfach" findet man oft in Kneipen und Gastwirtschaften hier im ländlichen NRW (ich weiß nicht ob es sowas auch in anderen Bundesländern in der Form gibt). Das ist ein großer Kasten mit kleinen Fächern der an der Wand hängt. Man muss halt einmal die Woche Geld hinein werfen, sonst bekommt man eine kleine Strafe (etwas Geld wird vom Besitzer der Lokalität abgezogen). Am Jahresende wird dann alles gesparte Geld ausgezahlt.

Kommentar von LiselotteHerz ,

Wozu das Ganze? Finde ich ja lustig

Kommentar von Reimarus ,

Das ist, so denke ich, einfach auch nur eine Masche der Kneipen die Sparer (meistens Rentner) dort hinzulocken. Und die Auszahlung am Schluss wird immer im Rahmen einer Feier mit Tombola und sonstigem zelebriert.
Mein Opa saß halt sonntags immer da, hat seine 100 Euro gespart und sein Bier getrunken.

Antwort
von schelm1, 27

Der Inhaber des Sparfaches ist alleine berechtigt und nach ihm dessen Erben, soweit der Erblasser keine anderslautenden Verfügungen getroffen haben könnte, was bei einem Lebensabschnitt von immerhin 14 Jahren zu Gunsten der Gefährtin durchaus der Fall sein könnte.

Antwort
von Hexe121967, 26

wenn sie geld von einem konto abheben konnte, hatte sie dafür auch eine vollmacht oder dein opa hat ihr die pin gegeben, sonst geht das nämlich nicht.

wenn das sparfach auf deinen opa lief, gehört das geld den gesetzlichen erben. in wie weit sie erbberechtigt ist, kann ich nicht beurteilen.

deine mutter sollte sich mal beraten lassen, wie so ein nachlass zu regeln ist, wenn der opa kein entsprechendes testament gemacht hat.

Kommentar von Reimarus ,

Sparkonto war vielleicht das falsche Wort. Es handelt sich dabei um ein Sparbuch. Das hat er für jedem Enkel bei der Geburt angelegt, jeden Monat etwas gespart und am 18 Geburtstag überreicht. Wir dachte immer, dass man auf diese Sparbücher nicht zugreifen kann, aber scheinbar kann jeder Geld damit abheben, der das Sparbuch in den Händen hält.
Und jemand anderes außer meinem Opa und ihr hatte keinen Zugriff auf dieses Sparbuch, da es in einem Koffer versteckt war, dessen Pin nur die beiden wussten.
Wie man sieht war mein Opa ein wirklich großzügiger Mensch und wir hatten ein super Verhältnis zu ihm. Und irgendwie bin ich froh dass er diesen ganzen Mist nicht mit ansehen muss..

Kommentar von LiselotteHerz ,

Das ist richtig, wer ein Sparbuch in den Händen hat, darf einfach Geld abheben. Finde ich zwar auch ungeheuerlich, ist aber so. Meine Schwiegermutter hatte uns mal ihr Sparbuch gegeben und uns erlaubt, uns eine Summe abzuheben, gab keinerlei Probleme.

Kommentar von sergius ,

Rechtlich ist das klassische Sparbuch eben so gestaltet, dass der bloße Besitz des Sparbuchs den Besitzer als Verfügungs-berechtigten ausweist. Wer besorgt ist, dass ein Nichtberechtigter das Sparbuch in die Hand bekommen und Abhebungen vornehmen kann, muss eine andere Spar- oder Anlageform wählen. M.W. führen die Banken und Sparkassen auch Sparkonten, über die nur der Inhaber oder ein von ihm Bevollmächtigter verfügen kann, ähnlich wie bei Tages- oder Festgeldkonten.  Im Übrigen sind die Auskünfte richtig, die das Geld im Sparfach dem Opa als (alleinigen) Inhaber zusprechen und feststellen, dass es nun den Erben des Opa gehört.

Wenn Opa nicht zugunsten seiner LG testamentarisch etwas anderes verfügt hat, erben die gesetzlichen Erben. Wenn ihre Mutter das einzige Kind Opas ist, erbt sie allein, sonst je nach Anzahl der Geschwister anteilig.

Die LG hätte naturgemäß Ansprüche gegen den Nachlass, soweit sie Leistungen für den Opa erbracht hat, die über die in einem gemeinsamen Haushalt üblichen hinausgehen. Vielleicht hat sie mit der Abhebung nur solche Forderungen gegen Opa realisieren wollen und das in "Selbsthilfe" getan, weil sie mglw.fürchtete, dass die Erben die Zahlungen nicht leisten würden, aus welchen internen familiären Gründen auch immer.

r. 

Kommentar von Reimarus ,

Ja, ich frage mich da auch ehrlich gesagt was genau der Sinn dahinter ist. Weil theoretisch kann ich mir dann ja auch ein Tagesgeldkonto oder so etwas zum Sparen einrichten.
Also unter Lebenspartnern ist das ja vielleicht auch okay wenn der eine dem anderen das erlaubt. Aber wie gesagt war der Zeitpunkt halt während er im KH lag und außerdem hatte mein Opa diverse Geldanlagen die man ebenfalls hätte nutzen können. Er selbst wäre deshalb nämlich NIE darauf gekommen Geld vom Sparbuch der Enkelkinder zu nehmen. Lieber hätte er in Armut gelebt. :(

Antwort
von Artus01, 7

Ich bin selbst Schriftführer eines solchen Vereins.

Deratige Probleme gab es bisher noch nie, wenn ein Mitglied verstorben ist. Sollte sowas jedoch mal auftreten würde ich das Geld solange festhalten bis jemand mit einem Erbschein auftaucht.

Kommentar von Reimarus ,

Sehr interessant mal die Meinung der quasi "dritten Partei" zu hören. Hört sich für mich auch nach einer vernünftigen Lösung an. Der Wirt des Gasthauses selbst, hat meiner Mutter aber schon unmissverständlich klar gemacht, dass sie sich absolut falsch verhält und er das alles nicht nachvollziehen könnte. Er hat sie ziemlich mies angemacht und es hörte sich eher so an, als ob er es einfach an die Lebensgefährtin auszahlt. Viele Leute in der Gegend (in der wir übrigens früher selbst gewohnt haben) haben natürlich jetzt das Bild der raffgierigen Kinder, und die meisten bilden sich halt ihre Meinung OHNE sich einmal beide Seiten angehört zu haben.
Aber vielen Dank für den Beitrag! :)

Antwort
von archibaldesel, 10

Das ist ganz normale Erbfolge, wenn das Fach und somit der Inhalt deinem Opa gehörte. Wenn es kein anderslautendes Testament gibt, sind die Kinder, da deine Oma bereits verstorben ist, gemeinsame Erben. Die Lebensgefährtin ist raus.

Antwort
von LKZUM, 25

Wenn das Sparfach nur auf seinen Namen lief, hat sich auch kein Anrecht auf das dort enthaltene Geld. Außer er hat in seinem Test etwas anderes fest gehalten.

Es ist sehr traurig wie diese Frau sich gegenüber euch und ihrem verstorbenen Lebenspartner verhält und verhalten hat. Schade, dass Geld manchen Menschen Geld wichtiger ist als alles andere. Mein Beileid und viel Kraft euch!

Kommentar von Reimarus ,

Vielen Dank!

Antwort
von DerHans, 23

Wenn ihr genau wisst, dass es im Sinne des Großvaters war, dass dieses Geld ihnen gemeinsam gehörte, ist es einfach SCHÄBIG von euch, ihr das zu verweigern.

Kommentar von Reimarus ,

Das ist immer eine Sache des Blickwinkels. Ich bin der Meinung, dass es schäbig ist sich so gut wie gar nicht an der Beerdigung des Verstorbenen zu beteiligen, aber schon bereits zwei Tage nach seinem Ableben sämtliche Dinge verscheuert, die ihm gehörten. Außerdem ist es schäbig sich an Sparbüchern zu bereichern die einem eigentlich gar nicht zustehen.
Und wie gesagt, wir waren gewillt sie gleichermaßen an ALLEM was nach der Beerdigung übrig bleibt zu beteiligen. Aber halt NACHDEM alles bezahlt ist. Stattdessen hat sie uns Geld vorenthalten und uns zuguterletzt auch noch beschimpft, weil sie in der Danksagung unter "Angehörige" aufgeführt war.
Ich denke ich muss mich auch nicht rechtfertigen, da sind einige Dinge vorgefallen die provozierend uns gegenüber waren.

Kommentar von Hardware02 ,

Ja, findest du? Nachdem die "Gute" da vermutlich Geld unterschlagen hat, aber sich sicher nicht an den Beerdigungskosten beteiligt hat?

Antwort
von AntwortMarkus, 24

Unverheiratete haben nach dem Ableben ihres
Partners gegenüber der Verwandtschaft das Nachsehen. Nur ein Testament
kann das ändern.

http://www.morgenpost.de/ratgeber/familienrecht/article205569901/Erbrecht-Welche...

Antwort
von Kandahar, 21

Wenn das Sparfach auf seinen Namen lief, dann steht das Geld den Erben zu.


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