Frage von Nonname987, 34

Streichung bewilligten Urlaub?

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage und zwar habe ich meinen Arbeitsvertrag zum 30.06 gekündigt. Da es einfach nicht der Job war, welcher mich glücklich gemacht hat. Jedenfalls habe ich ab den 14.06 Urlaub, dementsprechend muss ich noch knapp 10 Tage arbeiten. Die letzten 2 Wochen war ich wegen einer Gehirnerschütterung krankgeschrieben und da es mir immer noch nicht besser geht, werde ich den Krankenschein morgen nochmal verlängern. Ich habe noch 11 minusstunden auf meinen Gleitzeitkonto, welche ich bis zum Urlaub unmöglich gutmachen kann. Meine Frage ist nun, ob es mir passieren kann, dass mein ag den genehmigten Urlaub streicht? Arbeite in der öffentlichen Verwaltung Nähe Hamburg. Ich habe nun echt Abgst, dass mein ag mir wenn ich 2-3 Tage vor dem Urlaub nochmsk arbeiten komme, sagt das der Urlaub gestrichen ist. Könnte das passieren und was würde passieren, wenn man trotzdem in den Urlaub fliegt ?

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 5

Für die deutschen Arbeitsgerichte ist kein konkreter praktischer Grund denkbar, der es einem Arbeitgeber erlauben würde, eine einmal erteilte Urlaubsgenehmigung zu widerrufen - theoretisch allenfalls dann, wenn durch den Urlaubsantritt des Arbeitnehmers die wirtschaftliche Existenz des Betriebs konkret gefährdet wäre.

Aber auch dann, wenn der Arbeitgeber die Genehmigung rechtswidrig widerruft, darfst Du Deinen Urlaub nicht eigenmächtig trotzdem antreten; Du hast dann nur die Möglichkeit, über eine Leistungsklage beim Arbeitsgericht die Genehmigung ersetzen zu lassen; reicht die Zeit für eine Klage nicht mehr aus, kannst Du beim Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung gegen den Arbeitnehmer beantragen. Kannst Du Deinen Urlaub aber wegen des Widerrufs nicht antreten, muss der Arbeitgeber alle Dir daraus entstehenden Kosten (z.B. für die Stornierung) tragen.

Für eine solche Klage oder einen Antrag brauchst Du (in dieser ersten Instanz) noch keinen Anwalt (wenn du Dir das selbst zutraust), den Du ohnehin in jedem Fall selbst bezahlen müsstest. Klage oder Antrag nimmt die Rechtsantragstelle des Gerichts entgegen; sie nimmt beides auch zur Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Bei einem eigenmächtigen Urlaubsantritt kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis unter Umständen (!) noch fristlos kündigen.

Es kommt darauf an, was arbeits- oder tarifvertraglich zum Umgang mit Minusstunden auf dem Gleitzeitkonto geregelt ist; aber ohne darauf einzugehen, was möglicherweise im TVöD zu Deinen "Problemen" in Zusammenhang mit den Minusstunden geregelt ist, gilt:

Wenn die Minusstunden ohne Dein Verschulden entstanden sein sollten (also in der Verantwortung des Arbeitgebers liegen würden), bist Du nicht zum Ausgleich verpflichtet, weder durch Nacharbeit noch durch Verrechnung mit Entgeltansprüchen Deinerseits.

Ansonsten darf der Arbeitgeber Minusstunden in Deiner Verantwortung mit Entgeltforderungen verrechnen, nicht aber mit Deinen Urlaubsansprüchen! Ein Widerruf des Urlaubs wegen der Minusstunden - weil Du sie etwa nach dem Willen des Arbeitgebers nacharbeiten sollst - wäre rechtswidrig und würde vom Arbeitsgericht abgewiesen werden!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten