Frage von pinklady101, 19

Strahlentherapie und arbeiten mit offenen Lebensmittel?

Ich arbeite in einer Küche also Lebensmittel die sofort verzehrt werden. Ich bekomme demnächst Strahlentherapie..... Meine Chefin sieht da kein Problem.... Ich seh es anders.... Das Beratungsgespräch hab ich erst nächste Woche.... Mach mir viel Gedanken.......

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von beamer05, Community-Experte für Medizin, 9

Es gibt eigentlich keine Bestrahlungssituation, in der du WEGEN der Strahlentherapie tatsächlich nicht in einer Küche arbeiten DÜRFTEST.

Prinzipiell kann man ja drei Formen der Bestrahlung unterscheiden (du schreibst leider keine näheren Angaben, was und wie bestrahlt werden soll):

1. Perkutane Bestrahlung ("Teletherapie"), der weitaus häufigste Anwendungsfall.  Hierbei wird von außen durch die Haut bestrahlt, z.B. bei/nach Brustkrebs aber auch bei den meisten anderen Tumorerkrankungen sowie bei einigen gutartigen Beschwerden.

Hierbei wird die Strahlung ählich wie eine Lichtquelle ein- und nach einigen Sekunden bis wenigen Minuten auch wieder ausgeschaltet, danach ist die Strahlung "aus" und auch der bestrahlte Mensch strahlt genauso wenig (oder viel) wie zuvor.

2. Brachytherapie: Hierbei wird eine Strahlenquelle IN DEN KÖRPER eingebracht, entweder nur für einige Minuten - die entsprechende Strahlenquelle hat dann eine recht hohe Intensität - und wird dann wieder entfernt  (auch danach strahlt der behandelte Mensch kein bischen mehr als vorher), oder es werden (weniger intensiv strahlende) kleine Strahlenquellen ("Seeds") in das Gewebe eingebracht (weitaus häufigste Anwendung ist das Prostatakarzinom) und verbleiben dort - die Strahlung klingt dabei während einiger Wochen ab.

Hier strahlt zwar der Mensch (bzw. die in den Körper eingebrachten Seeds) tatsächlich für eine geraume Zeit, allerdings hat diese Strahlung eine recht geringe Reichweite, so daß außerhalb des Körpers kaum Strahlung nachweisbar ist. Daher kann man nach Einlage solcher Seeds ja auch wieder nach Hause und sich dort ganz normal verhalten, einschl. Kontakt zu anderen Menschen als auch aller denkbaren Tätigkeiten.

3. Nuklearmedizinische Strahlentherapie: (Häufigste Einsatzgebiete: Radiojod-Therapie der Schilddrüse und Knochenmetastasen (Xofigo))

Hierbei werden radioaktive Stoffe in den Körper eingebracht (als Kapsel zum Schlucken bzw. als Injektion), wo sie sich im Zielgewebe anreichern und dort die Krebszellen schädigen.

Hier ergibt sich tatsächlich die Situation, dass z.B. Ausscheidungen des Patienten noch ionisierende Strahlung abgeben können.

Deshalb müssen Patienten, die eine Radiojod-Therapie erhalten, meist für einige Tage in einer geschlossenen Station verbleiben, bis die von ihnen ausgehende Strahlung so gering ist, dass sie entlassen werden dürfen und keine Gefahr mehr für die Umgebung (andere Menschen) darstellen.

Fazit: Wenn dich die Ursache, weswegen du eine Strahlentherapie erhalten sollst, nicht von der Arbeit in der Küche abhält, sollte es die Strahlentherapie auch nicht.

Kommentar von pinklady101 ,

Danke für deine Antwort.... Die rechte Brust soll bestrahlt werden. 30mal wie oft in der Woche weiß ich noch nicht

Kommentar von beamer05 ,

sicherlich 5 x pro Woche (außer erste und letzte Bestrahlungswoche, wenn du nicht gerade an einem Montag anfängst).

Bei der Brustbestrahlung (nach OP) gilt das, was ich ja bereits unter Punkt 1 erwähnt habe.


Die Bestrahlung wird in der Regel sehr gut toleriert, je nach individueller Empfindlichkeit kann es mal eine verstärkte Hautreaktion geben, wobei auch dies bei moderner Bestrahlungstechnik recht selten geworden ist.

Also: Keine Bange, das läuft schon ganz gut, wobei du bitte immer, wenn dir irgendetwas seltsam erscheint oder dir Beschwerden macht möglichst bald an deine Bestrahlungsärzte wendest und nachfragst.


Das Weitere wird dir der Strahlentherapeut im Aufklärungs- bwz. Informationsgespräch genau erklären - Bei Bedarf kannst du auch gerne hier nochmal nachfragen  - Strahlentherapeuten läuft man ja sonst nicht so oft über den Weg ;-)

Antwort
von MoeS1973, 7

Wenn wir mal außer acht lassen, dass du wegen deiner Erkrankung nicht arbeitsfähig sein könntest (das weisst du selbst am besten), wegen der Strahlung brauchst du dir keine Sorgen zu machen.

Wenn du eine "normale" Bestrahlung bekommst, ist es so, dass, sobald der Behandler die Strahlen abschaltet, keine Strahlung mehr in dir nachweisbar ist. Das kannst du dir vorstellen wie Licht, nur das die Therapiestrahlen tiefer in das Gewebe eindringen. Wenn du einen Scheinwerfer ausschaltest leuchtet das was du vorher angeleuchtet hast ja auch nicht mehr nach.

Bei der sog. Brachytherapie wird die Strahlenquelle direkt in oder neben dem zu behandelndem Gewebe platziert. Ist die Strahlenquelle stark, wid sie bevor du nach hause gehen darfst, wieder entfernt.

Bei der Low Dose Therapie werden dir kleine Strahlenquellen implantiert. Diese sind aber so schwach, das die Strahlen nur wenige cm in das Gewebe eindringen, und keine Strahlung nach außen abgegeben wird.

Antwort
von joheipo, 7

Siehe die Antwort von PunkExpert.

Zusätzlich etwas Physik: im übrigen bedeutet Bestrahlung nicht, daß der Patient zu einer Strahlenquelle wird.

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