Frage von Hischi,

Strahlenschutz?

Hallo Ich bin in der 9. Klasse eines Gymnasiums und soll in Physik ein Referat zum Thema "Strahlenwirkung auf den Menschen und Strahlenschutz" (im Zusammenhang mit Radioaktivität) halten. Zum Thema Strahlenschutz habe ich nun leider abgesehen von Maßnahmen wie "Abstand von Strahlenquelle halten" etc nichts brauchbares gefunden. Meine Frage wäre nun, wie denn zum Beispiel Strahlenschutzanzüge aufgebaut sind und wie sie funktionieren und was es weiterhin für Schutzmaßnahmen gibt. Über Antworten würde ich mich freuen :)

Jana

Antwort von Lucky8Bastard,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich bin Strahlenschützer beruflich und erzähl dir mal wie Strahlenschutz in einem Kraftwerk abläuft:

Zuerst wird einmal die aktuelle Dosisleistung im Arbeitsbereich und an der Komponente wo gearbeitet werden soll gemessen.

Desweiteren wird je nach Arbeit festgelegt ob z.b. Aerosole (also Kontamination in Luftform) oder Edelgase zu erwarten sind (wenn z.b. irgendwelche Entlüftungsleitungen oder trockengelegte Wasserrohre aktiver Kreisläufe geöffnet werden ist dies der Fall).

Aufgrund dieser Kenntnisse wird dann festgelegt wie lange die Arbeitszeit maximal betragen darf (bei hoher Dosisleistung), und welche Schutzausrüstung angelegt werden muss.

Darunter zählen z.b.:

Stoffhandschuhe,Gummihandschuhe,Atemschutzmaske oder sogar Pressluftatmer,verschiedene Anzüge wie z.b. einen Folienvollschutzanzug (Pedi) und natürlich die verschiedenen Überschuhvarianten (je nach Kraftwerk verschieden.Es gibt z.b. für geringe Kontamination auf dem Boden Gelbe überschuhe und wenn es in einen höher kontaminierten Bereich geht---> gelbe überschuhe und blaue darüber.Es gibt je nach Kraftwerk hier auch die Variante Weiß+Rot und blaue Folienüberschuhe wenn feuchte Kontamination zu erwarten ist).

Bei den verschiedenen Schutzanzügen ist natürlich auch die Tragezeit zu beachten.Wenn man z.b. nur einen zweiten Stoffoverall mit atemschutzmaske anziehen muss, ist die einsatzzeit natürlich länger als in einem Folienschutzanzug in dem man sehr schwitzt. Desweiteren kommt es auf die schwere der Arbeit an die man verrichtet und die Temperatur allgemein im Arbeitsbereich.

Strahlenschutzanzüge die vor Strahlung schützen habe ich in meiner Berufskarierre bisher in keinem Kraftwerk gesehen. Die verschiedenen Schutzanzüge sollen vorallem vor einer kontamination schützen bei sich selbst und eventueller Inkorporation (also verschlucken,einatmen etc. von radioaktiven Teilen) und desweiteren vor einer Kontaminationsverschleppung aus dem kontaminierten Arbeitsbereich in den "sauberen" bereich außerhalb des Arbeitsbereiches.

Antwort von ocin1,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Mal etwas Grundlegendes zum Austritt von radioaktiv kontaminierten Stäuben aus z.B. einem KKW.

Die Problematik kann man auf die Problematik von Staubverteilung reduzieren, mit dem Unterschied, dass der Staub eben radioaktiv kontaminiert ist. Es trifft also grob gesprochen das Gleiche zu, als wenn man in der Nähe eines Chemieunglueckes oder eines Brandes ist. Fenster dicht verschließen und im Zweifelsfall Gasmasken aufsetzen. Die Anzüge, welche vom kundigen Personal getragen werden, schützen vor ungewollter Kontamination. Strahlenschutz-Anzuege gibt es nicht. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Dekontamination macht sich die abwaschbarkeit von Stäuben, hier von radioaktiven Stäuben, zu nutze. Es ist also kein Unglück, wenn man auf der Haut oder auf einem Gegenstand radioaktive Stäube hat. Man sollte es nur verhindern, jene Stäube in den Körper aufzunehmen, da es dann sehr schwer ist, diese Stäube wieder heraus zu bekommen (jedoch nicht unmöglich, da fast jeder Stoff im Körper verstoffwechselt wird, siehe Wiki "biologische Halbwertszeit").

Ein weiterer Schutz vor bestimmten radioaktiv kontaminierten Stoffen bietet die Einnahme von Kalium-Jodit-Tabletten, welche aber erhebliche Nebenwirkungen haben (Herz-Kreislauf-Kollaps durch Schilddrüsen-Ueberfunktion). Es sollte daher nur in direkter Nähe zu einem havarierten KKW oder zu einer Kernexplosion von Kernwaffen eingenommen werden. Nur in diesem Fall sind die erheblichen Nebenwirkungen dieser Tabletten vertretbar.

Durch die Einnahme von Kalium-Jod-Tabletten wird Dein Körper mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, so das Dein Körper kein weiteres Jod, welches ja potentiell radioaktiv (Jod-131, Jod-129,…) sein könnte, aus der Nahrung aufnimmt. Was also mit diesen Tabletten verhindert wird, ist eine Kontamination Deines Körpers mit radioaktivem Jod. Man spricht also nicht vom Schutz vor Strahlung sondern vom Schutz vor einer unerwünschten Kontamination (siehe Wiki „Kaliumiodid“). Ein Schutz vor Wellenstrahlung (Gamma-Strahlung, Röntgen-Strahlung) hat man nur durch Schutzschichten, welche aus Substanzen hoher Ordnungszahl (Blei, Uran,…) bestehen. In dem Film „die Wahre Geschichte von Tschernobyl (Youtube.com)“ wurden die Soldaten, welche auf dem Reaktordach Trümmer geräumt haben, mit umgehängten Bleiplatten „geschützt“. Normaler weise ist man nie solch hoher Gamma- oder Röntgen-Strahlung ausgesetzt, dass man sich dagegen schützen müsste (außer man steht direkt neben dem zerstörten Reaktor). Das Problem bei KKW Unfällen ist eben nicht diese Wellen-Strahlung, sondern radioaktive Staub-Partikel, welche in die Luft gewirbelt werden. Dieses Problem handhabt man dann wir z.Bs. die chemische, oder biologische Kontamination. Nur kann man bei chemischer oder biologischer (Viren, Bakterien) Kontamination sich nicht so einfach darauf untersuchen lassen, wie das bei der radioaktiven Kontamination der Fall ist (Geigerzähler, Kontamat,….). Im Falle einer potentiellen biologischen Kontamination müssen erst mal Kulturen angelegt werden, welche nicht vor einem Tag ein Resultat liefern. Etwas besser steht es um die Prüfung auf chemische Kontamination. Jedoch ist man auch in diesem Fall auf recht große Probenmengen angewiesen. Radioaktive Stoffe sind gerade durch die Strahlung fast Problemlos schon bei Probenmengen von einigen Atomen gut nachzuweisen. Weiter schau Dir doch mal den Wiki-Artikel "Strahlenbelastung" , "Radonbelastung" oder im englischen Wiki unter "background radiation" an. Schöne Grüße :-).

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community