Frage von Jacqueline92, 105

Strafverfahren während Bewährung?

Ich bin im April zurecht wegen Betrug zu 6 Monaten Haft auf 3 Jahre Bewährung und einer Geldbuße verurteilt worden. Ich halte mich an alle Auflagen, bin ehrenamtlich tätig und habe eine 4 Monate alte Tochter und ein enges soziales Umfeld. Ich habe mir seither nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Nun wurde ich wegen Urkundenfälschung angeklagt, die Tatzeit liegt vor der Verurteilung. Diese Tat ist von mir nicht begangen worden, allerdings spricht eine Zeugenaussage sowie meine Vergangenheit gegen mich. Ich selbst kann zwei entlastende zeugen nennen, mich würde allerdings trotzdem interessieren ob meine Bewährung widerrufen wird, wenn der Richter mir keinen Glauben schenkt.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 42

Nein, ein Bewährungswiderruf ist nicht möglich.

Aber da die Tat vor dem Prozess lag, wäre es (wenn es überhaupt eine Verurteilung geben sollte) Gesamtstrafenfähig.

Also für den Fall einer Verurteilung würde für die Tat eine Strafe gefunden und dann mit den 6 Monaten, die Du schon hast, eine Gesamtstrafe gebildet. Aber Du hast dabei den gleichen Status wie vor der anderen Verurteilung, also nciht vorbestraft. Somit wäre eine Gesamtstrafe mit Bewährung sehr wahrscheinlich.

Um es anschaulich zu machen. Angenommen es gibt eine Verurteilung (scheint ja unklar zu sein), und Du würdest zu 1 Jahr verurteilt, so würde aus der Strafe udn den 6 Moanten eine Gesamtstrafe gebildet. Die müsste dann mehr als das eine Jahr sein. Vermutlich 13-15 Monate. Würde aber mit 99 % Sicherheit wieder zur Bewährung ausgesetzt.

Kommentar von Jacqueline92 ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort :)

Kommentar von skyfly71 ,

Aber Du hast dabei den gleichen Status wie vor der anderen Verurteilung, also nciht vorbestraft

DAS ist falsch, der Rest allerdings korrekt. 6 Monate Freiheitsstrafe - ob nun mit oder ohne Bewährung - geben einen fetten Eintrag im Führungszeugnis und gelten damit landläufig als Vorstrafe. Und dass die 6 Monate nicht berücksichtigt werden können, ist so auch nicht richtig. Denn DA muss man allerdings eine Gesamtschau anstellen und darf Taten, die nach der abzuurteilenden Tat und vor dem Urteil liegen, nicht außer acht lassen,

Kommentar von wfwbinder ,

Natürlich stehen die im Strafregister, aber für die Urteilsfindung bei einem gesamtstrafenfähigen Urteil werden die eben nicht als Rückfalltäter gezählt.

Wenn nämlich beide Taten, was ja zeitlich möglich gewesen wäre, in einer Verhandlung abgeurteilt worden wären, so wäre die Verurteilung einer Person ohne Vorstrafe erfolgt. Daher ist hier die Gesamtstrafe wie bei einem nicht vorbestraften zu bilden (natürlich nur wenn nicht eine alte Verurteilung, von der ncihts im Sachverhalt steht, vorliegt). §§ 53 ff StGB

Antwort
von skyfly71, 29

Bevor Du hier noch mehr Antworten von unglaublich qualifizierten Menschen bekommst...

Nein, die Bewährung kann natürlich NICHT widerrufen werden. Das geht nur wegen Straftaten innerhalb der Bewährungszeit. Denn Deine Auflage ist ja, IN der Bewährungszeit keine neuen Straftaten zu begehen.. Entsprechend haben Taten, die davon begangen wurden, keinen Einfluss auf die Bewährung.

ABER: Auch bei der anstehenden Verhandlung ist erneut zu prüfen, ob eine Strafaussetzung zur Bewährung in Betracht kommt. Und wenn es keine positive Prognose gibt, dann gibt's auch keine Bewährung. Dann wird die andere Sache zwar nicht widerrufen, in den Knast geht's dann aber trotzdem. Aber Du scheinst ja eine positive Prognose zu haben.

Antwort
von Messkreisfehler, 58

Theoretisch ja.

Kommentar von Jacqueline92 ,

Auch wenn in der Bewährungszeit keine Straftat begangen wurde?

Kommentar von Zaadii ,

Das erscheint mir merkwürdig, da die Tat ja vor der Verutreilung lag. 

Desshalb meine Frage: Weist Du das, oder glaubst Du das?

Kommentar von Jacqueline92 ,

Tatzeit war 7.15 und die Verhandlung war am 05.04.16

Antwort
von hunos, 27

Das ist möglich, wenn er dich verurteilt.

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