Frage von Alexander941, 92

Stirbt der Mensch im Schlaf bzw. hat er am Morgen ein anderes Bewußtsein?

Eine Frage die mir durch einen CNN-Artikel gekommen ist: hat der Mensch jeden Tage nach dem Aufwachen ein anderes Bewußtsein, und das des Vortages "erfährt" mehr oder weniger den Tod während eine neues im Gehirn mit all seinen vorher gemachten Erinnerungen ersteht usw.?

Dh stribt man bei einem Kontinuitätsbruch mit Bewußtseinsverlust?

Antwort
von Mirarmor, 25

Hallo,

weil ich die Fragestellung so interessant finde, schreib ich noch was. Mich streiten oder recht behalten möchte ich nicht, das ist ja eh alles letztlich nicht beweisbar. :-)

Ich denke schon, dass man während des Schlafs nicht bei Bewusstsein ist, es sei denn vielleicht in Traumphasen. Dann wäre das auch ein Bruch der "Kontinuität".

Das Problem ist, dass wir eine kulturelle oder religiöse Auffassung vom Bewusstsein haben, so etwas wie "Seele". Und dann versuchen wir das mit neurobiologischen Kenntnissen in Einklang zu bringen. Sind wir bereit dafür, wenn die Neurowissenschaft immer mehr Antworten bringen wird, die mit unserm Weltbild nicht vereinbar sind?

Ich halte Folgendes für wahrscheinlich, und damit gehe ich noch weiter als der Autor von dem Artikel:

Das Bewusstsein ist nicht "eins" über die Zeit hinweg, es ist immer nur ein Prozessschritt in der Gegenwart, hat von den zuvor existierenden Bewussteinszuständen Erinnerungen und identifiziert sich als "Ich, der Seppl".

Aber dieses Ich gibt es so nicht als etwas Ganzes, Unteilbares, was man konservieren oder transferieren könnte. Unser ganzes Bewusstein ist eine Illusion des Gehirns, damit wir funktionieren, damit unsere Erinnerungen verarbeitet werden können und damit wir unsere Fähigkeiten nutzen zu überleben.

Unser Bewusstsein ist wie das Rieseln des Sandes durch die Sanduhr. Wenn die Sanduhr kaputt geht, hört das Rieseln auf. Man kann Glas und Sand (Körper) noch sehen und kann das in ne Urne tun, aber das Rieseln hat aufgehört.

Antwort
von Andrastor, 31

Nein, man stirbt nicht.

Nach einer Ohnmacht stirbt man auch nicht. Dieser Artikel ist sehr irreführend und in keinster Weise korrekt.

Das Gehirn hört während des Schlafs nicht auf zu arbeiten. Es ist wahr, dass das Bewusstsein in gewissen Schlafphasen aussetzt, was aber nicht bedeutet, dass es sterben würde. Es wächst und entwickelt sich weiter, genau so als wäre man wach.

Das kann natürlich den Eindruck erwecken man hätte ein gänzlich neues Bewusstsein, aber das ist ein Trugschluss.

Kommentar von Alexander941 ,

Hab den Artikel gefunden:

http://ireport.cnn.com/docs/DOC-1049286

Kommentar von Andrastor ,

Der Artikel grenzt ans Lächerliche und ist in keinster Weise eine objektive Berichterstattung. Der Autor stellt eine These auf, die in keinster Weise durch Beweise gestützt ist.

Dabei vergisst er einige wichtige Dinge, die seiner These völlig widersprechen.

Auch wenn wir schlafen und unser Bewusstsein nicht aktiv ist, die Gehirnregionen arbeiten trotzdem, nur eben auf einem weitaus niedrigeren Niveau. Das bedeutet nicht, dass die Gehirnregionen völlig absterben oder neu starten würden.

Das Bewusstsein erlischt nicht, es geht sozusagen in den "Standby-Modus".

Kommentar von Alexander941 ,

Was also genau ist eigentlich das Bewußtsein? Ist es etwas das wie Strom durch eine Maschine dh das Gehirn generiert wird und somit vom Substrat abhängt auf welchem es sich befindet?

Ist unser Selbst, unser Bewußtsein ein Muster in unserem Materiellen Gehirn welches selbst nach einem "Ausfall" wie etwa der Konservierung durch die Kryonik, den Tod nicht "erfahren" würde sondern einfach nach einer wiederbelebung dort fortsetzen würde wo es stehen geblieben war?

Und was wenn man eine Kopie von unserem Gehirn machen würde, wer ist dann das original?

Kommentar von Andrastor ,

Was das Bewusstsein genau ist, wie es sich zusammensetzt und was man alles darunter definieren kann, daran wird, soweit ich weiß noch geforscht. Wir können es noch nicht genau erklären.

Aber ja, es läuft sozusagen auf Elektrizität. Die Energieform mit der unsere Nerven funktionieren sind elektrische Impulse, diese generieren auch Gedanken und das Bewusstsein.

nach einem "Ausfall" wie etwa ...
Tod nicht "erfahren" würde sondern einfach nach einer wiederbelebung
dort fortsetzen würde wo es stehen geblieben war?

Ja, das würde es. Wenn du das Bewusstsein verlierst, beispielsweise bei einem Unfall, hast du keine Ahnung was in der Zeitspanne deiner Ohnmacht passiert ist.

Wie bei einem Computer, der auf einmal ausfällt und wieder eingeschalten wird, setzt dein Bewusstsein an der Stelle fort, an der es aufgehört hat zu funktionieren.

Auch beim Tod, kommt es zu einem Ausfall des Bewusstseins, weshalb sich der Tod selber wie eine Ohnmacht anfühlt, nur das man nicht mehr aufwacht.

Was die Kryonik anbelangt, sag ich nichts dazu. Soweit ich weiß ist es noch nicht gelungen einen Menschen so einzufrieren dass er den Prozess überlebt hätte, korrigiert mich, wenn ich falsch liege, auf dem Gebiet bin ich schlecht informiert.

Tatsache ist aber, fällt das Bewusstsein bei diesem Prozess aus, setzt es nach dem erfolgreichen Auftauen wieder genau am Zeitpunkt des Ausfalls fort.

Sprich, würdest du dich einfrieren lassen, fühlt es sich für dich nach dem Aufwachen so an als wären nur Minuten vergangen, egal wann du aufwachst.

Was die Kopie betrifft, darüber lässt sich nur streiten. Soweit wir wissen, wären beide das Original.

Kommentar von Mirarmor ,

Gehirnregionen sind aktiv, aber das muss nicht das Bewusstsein sein. Die meisten Gehirnprozesse sind unbewusst.

Kommentar von Andrastor ,

Ich sagte bereits, es ist im Schlaf auf "Standby" nicht wirklich aktiv, aber auch nicht völlig abgestorben.

Kommentar von Mirarmor ,

Wir meinen verschiedenes. Du sagst, im Gehirn ist noch was aktiv, daher ist das Bewusstsein noch irgendwie aktiv. Ich meine, im Gehirn ist noch was aktiv, das Bewusstsein aber nicht.

Antwort
von Mirarmor, 50

So gesehen kann man jeden Augenblick als eine Übertragung von Inhalten aus dem vorhergehenden "gestorbenen" Augenblick betrachten.

Wenn ich viele Jahre zurückdenke, dann hab ich mich inzwischen sehr verändert und denke über vieles anders. An viele Erlebnisse kann ich mich kaum noch oder gar nicht mehr erinnern.

Bin ich jetzt derselbe oder ein ganz anderer Mensch als damals?

Ich denke tatsächlich, das Bewusststein ist nichts statisches. Es ist ein Prozess der im Gehirn stattfindet.

Kommentar von Alexander941 ,

Aber so gesehen hat es ja über die Jahre hinweg Kontinuität und keine Brüche dazwischen.

Kommentar von Mirarmor ,

Stellen wir uns zwei laufende Sanduhren vor. Die eine lassen wir stehen und weiterlaufen, die andere kippen wir für eine Nacht um und stellen sie dann wieder auf. Beide Sanduhren laufen wieder.

Wenn ich auf die Verengung schaue, passiert bei beiden dasselbe, kleine Sandkörner fallen durch das Loch. Nennen wir diesen Prozess mal Rieseln. Ist das Rieseln bei einer Sanduhr jetzt anders? Hat die eine Sanduhr einmal gerieselt und die andere zweimal? Man kann das wohl kaum so zählen, da das Rieseln kein Ding wie ein Ei ist. Es ist ein Prozess. Die Sandkörner sind jedesmal andere, so wie unsere Gedanken. Ein Sandkorn folgt aufs andere, egal, ob da eine "Pause" gewesen war. Die rieselnden Sandkörner fallen, weil die Sandkörner, die ihnen Halt gaben, weg sind. Wann die vorhergehenden Sandkörner den Weg frei gemacht haben, spielt keine Rolle.

Warum sollte es also einen Unterschied machen, ob dein Bewusstein sich an etwas erinnert, was du vor einer Hundertstel Sekunde gedacht hast, oder ob es sich erinnert, was du am Tag vorher gemacht hast?

Antwort
von Kapodaster, 34

Beim 24-Stunden-EKG ist so ein vorübergehender Tod durch Schlaf meines Wissens noch nicht aufgefallen...

Antwort
von paranomaly, 22

Wenn deine Theorie stimmen würde dann würde sich auch die Lebenseinstellung und die Weltanschauung des Menschen über Nacht ändern. 

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