Frage von BGPONE, 50

Stimmt es, dass Transponieren den Charakter der Musik verändert?

Beim Transponieren wird ja auch die Tonart des Musikstückes geändert. Jede Tonart soll nach Aussage vieler Musiker ihren speziellen Charakter haben, weswegen beispielsweise Balladen oft in B-Dur geschrieben werden. D-Dur soll besonders "strahlend" wirken.

Da heutzutage Musikinstrumente gleichstufig gestimmt sind, sich also die Frequenzen der Halbtöne um einen festen Faktor unterscheiden, dürfte sich meiner Meinung nach der Charakter der Musik nicht durch das Transponieren verändern. Die Musik ist anschließend etwas höher oder tiefer, klingt ansonsten aber von der Harmonik her gleich.

Was meinen die Musikexperten dazu?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von andreasolar, 32

Anscheinend ist dies hier von Bedeutung:

https://de.wikipedia.org/wiki/Tonartencharakter#H.C3.B6rphysiologische_Aspekte

Kommentar von BGPONE ,

Danke für diesen Link. Das erklärt einiges!

Kommentar von earnest ,

Aber hat es für DICH einen Unterschied bedeutet?

Kommentar von andreasolar ,

Nö, aber vermutlich bin ich dafür sowieso nicht musikalisch genug; weder kann ich singen noch spiele ich ein Instrument - ich höre nur sehr gern Musik und habe ein sehr gutes Gedächtnis für Melodien...

Kommentar von andreasolar ,

Danke für den Stern! :D

Antwort
von DonCredo, 38

Hi! Meine Antwort ist "Ja und Nein". Wir als Coverband haben oft das Thema, das ein Song für unsere stimmlichen Möglichkeiten zu hoch oder zu tief ist. Dann suchen wir nach Ideen, wie man diese Klippe umschiffen kann - das Transponieren ist dann natürlich eine Variante. Und dabei kommt es oft vor, dass ein Song z.B. ein oder zwei Halbtöne höher auch noch funktioniert aber ein anderer schon mit einem Schritt mehr oder weniger einfach "unrund" klingt und das Feeling des Songs weg ist. Ich kann das nicht "wissenschaftlich" erklären, das hat vermutlich tatsächlich mit dem Bezug Text, zu Rythmus zu Tönen zu tun - das ergibt m.E. die Stimmung des Songs und wenn man das zu sehr verändert passt es halt nicht mehr so wie es gedacht war oder wue man es gewohnt ist. Aber: manchmal entsteht dabei auch was komplett Neues, z.B. durch zusätzliche Änderung der Rythmik und es funzt plötzlich wieder. Ist immer spannend. Gruss Don

Kommentar von BGPONE ,

Danke, also sagt die Erfahrung, dass der Charakter des Liedes geändert wird. Ich habe mal ein Klavierstück von mir, welches als Midi-Datei vorliegt, einen halben Ton höher transponiert und fand nicht, dass sich etwas geändert hat, außer der Tonhöhe.

Kommentar von DonCredo ,

Ja, kann ja sein. Erstens ist das vielleicht auch subjektiv, und zweitens bei einem Solostück vielleicht wieder anders als im Bandgefüge. Ich denke mal, da muss jeder "seine Wahrheit" finden. Gruss

Antwort
von BGPONE, 1

Es gab wenige Leute, die keinen Unterschied gehört haben und
viele, die einen Unterschied gehört haben. Die Interpretationen des
Unterschieds gehen aber auseinander. Einige finden das transponierte Stück „strahlender“
oder „heller“, andere finden es „düsterer“ oder „trauriger“. Tendenziell lässt
sich sagen, dass Musiker eher einen Unterschied hören, als Nichtmusiker.

Das hat auch einen Grund und ich glaube, die Lösung gefunden zu haben. 

Bei meinem Klavierstück gibt es keinen harmonischen Unterschied. Das
Klavier (Software) ist gleichstufig gestimmt. In der gleichstufigen Stimmung
verlieren alle Tonarten ihren speziellen Charakter, weil die
Frequenzverhältnisse aller benachbarten Halbtöne gleich sind, egal, in welcher Tonleiter.

In der Musik allgemein gibt es aber diese Unterschiede, speziell in der klassischen Musik. Erstens haben die bekanntesten Klassiker Mozart, Bach und Beethoven nicht die gleichstufige Stimmung benutzt, sondern die wohltemperierte Stimmung. In der wohltemperierten Stimmung sind eben die Frequenzverhältnisse benachbarte Halbtöne nicht überall gleich.

Dann kommt hinzu, dass beispielsweise bei Blasinstrumenten nicht alle Tonarten gleich gut klingen, was mit den physikalischen Gegebenheiten des Instrumentes zu tun hat. Außerdem kann der Musiker, ähnlich wie bei der Geige, den Ton etwas tiefer oder höher intonieren, was auch gemacht wird. Bei meinem "Musikinstrument" aber scheidet das alles aus.

Deswegen glaube ich, dass die Wahrnehmung eines anderen Charakters hier ein psychoakustischer Effekt ist.

Natürlich sind beide Musikstücke auch nicht komplett gleich in ihrer Wirkung, weil das eine etwas höher ist. Das hat einen Effekt, der aber ohne direkten Vergleich nicht hörbar ist. Die Tonhöhe ist ja nur einen Halbton verschieden. Die Tonart aber ändert sich aber beim Transponieren radikal. Folglich müsste auch eine deutlich wahrnehmbare Charakteränderung des Stückes die Folge sein. Das ist aber nicht so. Der Unterschied ist sehr gering. 

Daraus schließe ich, dass die Unterschiede beider Versionen nicht auf der
Veränderung der Tonart beruhen.

Da Musik keine Mathematik ist, sondern Gefühle, ist ein "objektives"
Hören nur schwer möglich, wenn nicht sogar unmöglich.

Danke für die vielen Antworten!

Antwort
von Nayes2020, 33

Das kann man soo nicht sagen.

Wie auf dem piano gibts eben zwischen den Akkorden ja auch nur Halbton schritte. Wie bei b und c. Oder e und f.

Je nach lage kann das durchaus den akkordfolge ändern.

Hinzu kommt das man dann vlt die gleichen akkorde spielt, aber durch die andere lage andere obertöne betont werden, bzw sich die grund Frequenz ändert. Was ein subjektiven Einfluss hat. Menschen hören nichr theoretisch sondern subjektiv. 

Kommentar von BGPONE ,

Diese Antwort leuchtet mir ein, es findet eine Veränderung statt, die mit den Obertönen zu tun hat. Außerdem wird natürlich die Frequenzdifferenz zwischen den Halbtönen immer größer, je höher die Tonlage ist.

Expertenantwort
von TimeosciIlator, Community-Experte für Musik, 23

Ich sehe das Transponieren nur als eine wundervolle Art an, das Arrangement des Songs zu variieren. Je nachdem mit welchem Intervall dies geschieht, erreicht man wirklich tolle Effekte und Themaerweiterungen. Meistens geschieht dies am Ende des Songs mit dem Refrain.

Im Videoteil ein besonderes Klangbeispiel. In diesem Song wird nach der nicht zuende gesungenen Strophe transponiert, die bei 1:37 beginnt. Zunächst wird die Strophe nur halb gesungen. Dann erfolgt ein unerwarteter Schlagzeugbreak und die Band beginnt die Strophe nochmal von vorn - aber nach oben transponiert. Ich bin jedesmal völlig begeistert, wenn ich diese Stelle höre :)

STATUS QUO - "In The Army Now"


Kommentar von itsme21 ,

Oh ja, die Stelle finde ich auch unheimlich toll. Habe das Lied mal eine halbe Stunde lang auf Endlosschleife laufen lassen, weil ich die eine Stelle immer wieder hören wollte <3

Kommentar von TimeosciIlator ,

Status Quo ist übrigens nicht der Urheber davon - es handelt sich um eine Coverversion bei ihnen. Das Original besitzt ebenfalls schon diese tolle Idee. LG "Time"

Kommentar von TimeosciIlator ,

Vollständigerweise hier noch das bereits 1982 (4 Jahre vor Quo) veröffentlichte Original von Bolland Bolland...

https://www.youtube.com/watch?v=VjB9R0EG7xs

Antwort
von BGPONE, 5

Ich habe ein Klavierstück von mir einen Halbton nach oben transponiert. Bitte beide Stücke anhören und entscheiden, ob das Transponieren den Charakter des Stückes ändert, ob es "strahlender" oder "wärmer" wird. Hier kommen die beiden Links:

https://soundcloud.com/bgpone/autumn-rain

https://soundcloud.com/bgpone/autumn-rain-ht

Antwort
von taunide, 33

Ja, es verändert den Charakter.

Wenn ich mit der Gitarre ein Lied ohne Capo spiel (wie es vom Komponist gedacht war) klingt es so, wie er es gehört hat als er es komponierte.

Spiele ich das Lied (original z.B. in A-Dur) in der gleichen Tonart, aber mit Capo im 5. Bund z.B. (also hier dann ein E gegriffen) ist die Tonart A zwar richtig, aber die Töne viel höher (Oktave) und die Gitarre klingt eher wie eine Ukulele oder Mandoline.

Das verändert sehr stark den ursprünglichen Charakter.

Antwort
von earnest, 14

Ich bin kein Musikexperte, und vielleicht habe ich Bohnen in den Ohren, aber: Ich merke keine Unterschiede. 

Es ist oft von einem "strahlenden C-Dur" die Rede. Als mir mal jemand auf dem Klavier ein (keine Ahnung mehr wohin) transponiertes C-Dur vorspielte, hat es auch gestrahlt.

Aber, wie gesagt, das kann an meinen Ohren liegen.

(Bisher hat mich hier noch keine Antwort so richtig überzeugt, dass sich der Charakter der Musik verändere. Ich bin aber gespannt. Wie wäre es mit einem Hörbeispiel?)

Gruß, earnest

Kommentar von BGPONE ,

Danke für diesen Kommentar, ich habe ein Hörbeispiel. Ich habe ein Klavierstück von mir einen Halbton nach oben transponiert. Bitte beide Stücke anhören und entscheiden, ob das Transponieren den Charakter des Stückes ändert, ob es "strahlender" oder "wärmer" wird. Hier kommen die beiden Links:

https://soundcloud.com/bgpone/autumn-rain

https://soundcloud.com/bgpone/autumn-rain-ht

Kommentar von earnest ,

Hey, das finde ich nett von dir!! 

Das genaue Hinhören muss ich leider verschieben, weil ich jetzt hier die Rollläden runterklappe und am Wochenende unterwegs bin, aber ich freue mich drauf. 

Gute Nacht!

Kommentar von earnest ,

Danke!

Ich weiß nicht, ob ich meinen Ohren trauen kann. Aber ich meine, bei Nr. 1 ein helleres Plingen der Tropfen auf dem Wellblechdach zu hören als bei der transponierten Version.

Ob ich hier aber vielleicht einer Selbstsuggestion erliege? Schließlich WOLLTE ich ja Unterschiede hören ...

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