Frage von Hallemachallema, 47

Stimmt es, dass man im Karateverein nur in die Luft schägt?

Hallo!

In manchen Kampfsportkreisen herrscht das Vorurteil vor, dass Karatevereine, in denen zweckes Selbstverteidiung trainiert wird, realitätsfern trainieren und keine Zweikämpfe veranstalten, sodass man keine Kampfpraxis und Reaktionsschnelligkeit etc. erwirbt. Hat dieses Vorurteil einen wahren Kern - wie ist es bei euch im Karateverein?

LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Eddie93, 31

Es gibt sicher Karatevereine, bei denen das so ist. Leider wird in vielen Vereinen zu viel "Kihon" trainiert, d. h. man steht in der Reihe und übt einzelne Techniken, dabei gehen die Schläge und Tritte dann in die Luft. Das nennt man Bahnenlaufen und wird viel in Vereinen trainiert, bei denen der sportliche Erfolg auf Kata-Turnieren im Vordergrund steht. Das ist zwar gut als Anfängertraining, aber bringt nix für die Selbstverteidigung. In guten Karatevereinen wird aber auch vor allem mit Fortgeschrittenen anders trainiert, also viel am Partner, am Sandsack oder an Pratzen und im Freikampf (Kumite). Dazu braucht man auf jeden Fall sehr viel Reaktionsschnelligkeit. Und natürlich wird auch Kumite auf Turnieren gemacht.

Antwort
von Sowila, 47

Hey :)

Also, bei uns wird unteranderem Karate trainiert daher weiß ich das. Ich mach übrigens Kickboxen. Bei Anfängern wird beim Training am meisten "Schattenkämpfen" erprobt. Je nach Trainer wird am Ende der Stunde oder erst nach ein paar einheiten richtig gekämpft.
Egal bei welchem Kampfsport: Beides wird erprobt ! Wenn nicht dann scheiterts eher an der Kompetenz des Lehrers.

Lg

P.s. Gute Wahl, kampfsport ist immer gut ;)

Kommentar von Sowila ,

Zu SamVario,

"Schattenkämpfen" trainiert, wenn man es denn richtig macht, viel mehr die Schnelligkeit als im Kampf, besonders bei Anfängern.

Zudem wird soweit ich weiß, bei Anfängern eh nur im "Semikontakt" gekämpft, fazit du darfst sie nicht berühren.

Lg

Kommentar von Hallemachallema ,

Es geht mir ja um Kampfpraxis und Reaktionsschnelligkeit, die bekommt man nicht von Trockenübungen. Trotzdem danke für deine Anwort! LG

Kommentar von Sowila ,

Naja, die Kampfpraxis trainiert man nicht, da niemand einen angreift. Allerdings verbessert man die Reaktionsschnelligkeit, da man in Trockenübungen keinen wiederstand vom Schlag/Tritt bekommt und es wesentlich länger brauch die Arme/Beine zurück zu ziehen. So trainierst du die Schnelligkeit, in dem du halt schneller zurück ziehst, was bei Trockenübungen schwieriger ist, und somit bessere Ergebnisse schafft.

Lg

Kommentar von Hallemachallema ,

Ja. Mit Reaktionsschnelligkeit meine ich die Fähigkeit, möglichst schnell Reize wahrzunehmen, zu verarbeiten und eine entsprechende Handlung einzuleiten, also im Kampfsport ist das schnelles Erkennen und Verarbeiten von Angriffshandlungen und das anschließende schnelle Einleiten passender Aktionen wie Ausweichen, den Angriff mit einer passenden Technik ableiten oder eine Lücke erkennen und diese für einen Konterangriff auszunutzen. Das lernt man nicht ohne Partner. Zur Kampfpraxis gehören weiterhin das Gefühl für die richtige Distanz, sodass man selber nicht getroffen wird, aber trotzdem noch eigene Treffer landen kann, die Treffsicherheit auf den sich bewegenden Gegner und Erfahrungen, welche Techniken für eine bestimmte Situation passend sind und welche nicht bzw. welche Nachteile manche Techniken haben (z.B. hoher Tritt - instabiler Stand; gerade Rechte - ungeschützte Leber) und natürlich eine dynamische und schnelle Schrittarbeit. Auch das lernt man nur im Zweikampf, nicht mit Kihon.

Antwort
von SamVario, 34

Also zu dem Vorurteil kann ich nichts sagen... Aber eines weiß ich: wenn man in die Luft schlägt braucht man mehr Energie als wenn man irgendwo gegen schlägt. Also ist das nicht immer sinnlos. Boxer schlagen beim Training ja auch in die Luft.

Antwort
von kwon56, 9

Meine achttausend Faustschläge einmal in der Woche reichen mir -und ich hoffe auch anderen.

Antwort
von InstantPanda, 26

Stimmt nicht. Selbst beim defensivem shotokan karate gibt es kumite. Natürlich ist das nicht so wie bei stilen die für wettkämpfe ausgelegt sind aber es gibt immerhin körperkontakt

Antwort
von Brainoh, 13

Kyokushin ist Vollkontakt :)

Kommentar von Hallemachallema ,

Seidokaikan z.B. auch. Aber seien wir doch mal ehrlich - wie viele Vereine in Deutschland trainieren schon Vollkontakkarate? Die bei weitem dominante Variante ist Shotokan, eine Variante, die sehr defensiv ist und deren Techniken im anwendungsbezogenen Hinblick sehr fraglich sind. Es hat schon seinen Grund, dass Polizeien, Armeen und Spezialeinheiten der Welt Nahkampfsysteme vom Typ Krav Maga lehren, deren Schlagtechniken im Wesentlichen mit den modernen Vollkontaktsportarten wie Boxen, Kickboxen oder Thaiboxen übereinstimmten und eben keine karatemäßigen Techniken. Wer erprobt ständig in der Praxis die Tauglichkeite seiner Nahkampfsysteme - Sicherheitskräfte oder Karate-Lehrer?

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