Frage von Mueller345, 74

Stimmt es, dass die heutige Rezipierung der griechischen Philosophie den Arabern zu verdanken ist?

Hallo,

ich hatte letztens gelesen und auch gehört, dass die Werke von Aristoteles etc. der Rezeption der Araber vor etwa 1000 Jahren zu verdanken ist, da diese über Jahrhunderte verschollen waren. Ich konnte das kaum glauben. Stimmt das wirklich?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 11

Der größte Teil aller antiken Schriften, die wir heute noch besitzen, wurde in mittelalterlichen Klöstern abgeschrieben. Dazu gehörten Werke aller Art, Fachschriftsteller wie Historiker, auch Philosophen, Dichter usw.

Das (westlich-lateinische) Mittelalter war auch über die antike griechische Philosophie durchaus informiert. Gerade Aristoteles war zwar nicht im Originaltext, aber eine ganze Reihe seiner Werke waren in lateinischen Übersetzungen bekannt, die z. B. in der Spätantike von dem gelehrten und Politiker Anicius Manlius Severinus Boethius (480/5 bis 524/6 n. Chr.) angefertigt worden waren. Nur noch wenige Gelehrte im Westen beherrschten überhaupt die griechische Sprache.

Ein gewisser geistiger Austausch fand über die Kontakte zum muslimischen Spanien statt. Der muslimische Gelehrte Ibn Ruschd (Averroes) z. B. kommentierte einige Werke des Aristoteles, die dann wieder in lateinischer Übersetzung bekannt wurden.

Durch die Kreuzzüge intensivierte sich der Kontakt des lateinischen Westens mit der byzantinischen Welt ebenso wie mit der arabischen. Seit dem Hochmittelalter lagen alle maßgeblichen Werke des Aristoteles in lateinischer Übersetzung vor.

Kurz: Die Lehren des Aristoteles waren insbesondere dank der spätantiken Vorarbeiten in lateinischer Übersetzung in der westlich-lateinischen Welt des Mittelalters bekannt!

Die griechischen Originaltexte kamen nach dem Ende des Byzantinischen Reiches in den Westen. Seit dieser Zeit gab es unter den Humanisten mehr und mehr Gelehrte, die auch das Griechische beherrschten. Ganz berühmt für seine umfassende (lateinische wie griechische) Gelehrsamkeit war das spätmittelalterliche Universalgenie Nikolaus von Kues.

MfG

Arnold

Kommentar von kingpin1987 ,

Propaganda trifft wohl bei dem
Zu was du da von dir gibst( der böse moslem kann nichts, alles uns zu verdanken )

Antwort
von Digarl, 47

Eventuell. Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber im Mittelalter z.B. haben die wenigsten etwas wirkliches über die alten Griechen und dessen Wissen gewusst (in Europa). Erst später, als die gelehrten wieder Griechisch verstanden, tauchten Werke von Aristoteles etc. auch wieder in Europa auf bzw. wurden verstanden. 

Aber das ist einige Zeit später gewesen, also du beschrieben hast. Aber den Arabern haben wir vieles zu verdanken, womit viele gar nicht rechnen würden. Bekannter ist es, dass wir arabische Zahlen verwenden. Unbekannter ist, dass unsere Landkarten ohne den Arabern heute sicher nicht so gut ausgearbeitet wären (und wenn wir schlechte Landkarten hätten, würde so einiges nicht funktionieren). Ebenso gab es in Arabien schon Mathematiker, lange bevor daran in Europa jemand dachte (also Mathematik die etwas fortgeschrittener war). 

Antwort
von JBEZorg, 4

Das was der Arnold geschrieben hat ist aalglatte Umschiffung de unangenehmen Tatsache, dass es in grossen Teilen stimmt. Viele antike Schriften gelangten nach Westeuropa über die Moslems. Ins Osteuropa waren sie besser bekannt weil dort Griechisch durch die orthodoxe Kirche verreiteter war.

Antwort
von Hamburger02, 21

Im Westen ging zum Ausgang der Antike/Beginn des Frühmittelalters praktisch sämtliches antikes Wissen verloren. Nicht ganz unschuldig dabei waren die Katholiken, nach deren Meinung der Mensch nur die Bibel und sonst keine weiteren Bücher bräuchte. Dementsprechend wurde Wissen und Bücher bekämpft. Im frühen Mittelalter konnnte sich eine Klosterbibliothek noch rühmen, wenn sie mehr als 2 Bücher neben der Bibel im Bestand hatten. Die mussten sie auch noch verheimlichen. Die Verhältnisse unter den Katholiken zur damaligen Zeit weisen viele Parallelen zum IS in heutiger Zeit auf.

Erst im Hochmittelalter begannen die Menschen wieder, sich für die alten Wissenschaften zu interessieren. Das Wissen und die Bücher waren aber weg. Hier treten die Araber nun als Verbindungsglied zwischen Antike und Mittelalter auf, denn die hatten das alte Wissen bewahrt und weitergeführt. Von den Arabern kam das Wissen dann langsam wieder zurück zu den Christen. So war z.B. die Bibliothek von Cordoba so berühmt, dass Menschen aus der ganzen (bekannten) Welt dorthin reisten, um Bücher lesen zu können.

Antwort
von Ottavio, 22

Es geht um die Universität von Alexandria in Ägypten. Sie wurde von Aristoteles gegründet und war im Altertum bis zur Gründung der Universität von Bologna im Spätmittelalter die einzige Universität überhaupt. Und es geht vor allem um ihre Bibliothek, in der nicht nur die Schriften des Aristoteles, sondern auch die von ihm gesammelten ins Griechische übersetzten wissenschaftlichen Schriften lagerten. 

Nachdem die arabisch sprechenden Muslime Ägypten erobert hatten, löste in Alexandria das Arabische  das Griechische als Wissenschaftssprache ab. Allerdings wurden die Ägypter dadurch so wenig zu Arabern, wie sie vorher Griechen gewesen waren. Aber Wissenschaft wurde nun in arabischer Sprache betrieben. Außerdem lagen die griechischen Schriften weiter in Alexandria vor.

Es war vor allem Thomas von Aquin, der durch seinen Kontakt mit Ägypten die Schriften des Aristoteles ins (westliche) Europa (wieder) einbrachte. Platons Schriften lagen dort unabhängig von ihm überliefert vor. Der Neuplatonismus, z..B. Plotin, ist älter als Thomas.

Kommentar von berkersheim ,

@Ottavio

Ich fürchte, es würde Dein Wissen aufbessern, wenn Du etwas mehr Philosophiegeschichte liest. Aristoteles war nie in Alexandria. Seine in Athen gegründete Schule (neben Akademie, Stoa, Kepos) war der Peripatos und hatte seinen Ort am Lykeion vor den Toren von Athen. Nach Alexanders Tod musste Aristoteles Athen verlassen und ist in Chalkis auf der Insel Eubea gestorben. Nichts gegen Thomas von Aquin, aber Ehre wem Ehre gebührt. Gedanken aus einer Übersetzung des Aristoteles vom arabischen ins Lateinische (noch sehr fehlerhaft) hat bereits Albert der Große, Albertus Magnus  als erster der hochscholastischen Philosophen eingebracht. Er ist eigentlich der erste große deutsche Philosoph. Schüler Aberts des Großen war Thomas von Aquin, der zu Alberts Leidwesen vor ihm gestorben ist. Es ist das Verdienst des nächsten großen deutschen Philosophen Nikolaus von Kues, der als päpstlicher Gesandter in Konstantinopel Kontakte mit den dortigen griechischen Philosophen aufnahm und diese samt vielen griechischen Orgiginalen mit nach Florenz/Rom brachte. Philosophische Schulen, meist im heutigen Sinne Privatuniversitäten, waren im späten Römerreich privat betrieben. Bekannt ist, dass z.B. dass der Vater des Kirchenlehrers Origines eine solche "Privatuniversität" in Alexandria betrieb, die Origines später fortführte, der mit Plotin persönlich bekannt war.

Kommentar von Ottavio ,

Danke für die Korrektur. Auch eine alte Kuh lernt noch immer was dazu.

Antwort
von kingpin1987, 37

Kurz und knapp und JA!

Antwort
von kingpin1987, 35

Die Zeit als die arabische Welt (islam) die Werke der alten
Griechen übersetzte und sogar darüber hinaus noch eigene Erfindungen machte wird bei uns in Europa auch als das dunkle Zeitalter gennant.
Hunayn ibn Ishaq
Ibn Sina
Um mal ein paar zu nennen,
Die weitreichende Folgen für die Mediziner, bis spät in 17-18 Jahrhundert noch, hatten waren allesamt aus dieser Epoche.
Die auch als  Blütezeit des Islam bekannt ist fand in der Zeit der abbasiden statt die in den Jahren 750 n.Chr. bis in die Mitte des 13 Jahrhunderts über weite Teile des Orients herschten.
Also kannst des ruhig glauben die westliche Welt hat vieles den islam zu verdanken.

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