Frage von Corvo21, 50

Stimmt es das Ritter-Schwerter beziehungsweise mittelalterliche Schwerter nur aus gewöhnlichem Eisen und nicht aus Stahl bestanden ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Giustolisi, 26

Die Schwerter waren schon aus Stahl. Stahl ist ja nur Eisen mit einem gewissen Kohlenstoffanteil. Reines Eisen ohne Kohlenstoffanteil konnten die Leute damals noch gar nicht herstellen. Der Kohlenstoffanteil war ziemlich hoch, denn sie hatten nur das so genannte Renneisen aus Rennöfen. Das war immer ziemlich stark verunreinigt, weil der Rennofen nicht die Temperaturen erzeugen konnte, um flüssiges Eisen zu gewinnen. Man bekam statt dessen nur einen Eisenschwamm. Der Schmied musste es immer wieder falten und ausschmieden, um die Verunreinigungen und den Kohlenstoffanteil zu reduzieren. Traditionelle japanische Messer werden heute noch so hergestellt, den Stahl nennt man dort Tamahagane, wenn ich mich nicht irre.
Tiegelstahl löste das Problem der Verunreinigungen, dazu mussten aber höhere Temperaturen erreicht werden, um den Stahl zu schmelzen. Die echten Ulfberth Schwerter waren zum Beispiel schon aus Tiegelstahl und ihrer Zeit weit voraus. Sie waren deutlich robuster und viel weniger bruchanfällig.

Ein Problem im Mittelalter waren neben den Verunreinigungen auch die restlichen Anteile des Stahls. Heute kann man Legierungsanteile genau beimischen und so die Eigenschaften des Stahls bestimmen. Damals war das noch nicht möglich, sie konnten ja nicht einmal feststellen, was alles in ihrem Stahl drin war. Es war Glücks- und Gefühlssache. 
Auch wenn die Schwerter damals also aus Stahl waren, waren diese Stähle nicht mit den heutigen Stählen vergleichbar.

Antwort
von MarkusKapunkt, 24

Nein.

Eisenwaffen waren im Mittelalter schon lange nicht mehr im Gebrauch. Schon die Hethiter hatten im 15. Jahrhundert (!) vor Christus bereits Technologien entwickelt, um Eisenerze zu verhütten.

Eigentlich gab es zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte Schwerter aus reinem Eisen, da Eisen zu spröde ist und schnell bricht. In der Antike setze sich der Stahl alsbald wegen seiner höheren Belastbarkeit und vor allem Biegsamkeit gegenüber der Bronze durch.

Zwar hatten Schwerter in der Antike noch längst nicht die Qualität des Stahls im Mittelalter, weshalb man sie oft als Eisenschwerter bezeichnet. Es handelte sich bei diesem "Eisen" aber ebenfalls um verhütteten Stahl. Schwerter wurden in der Antike ohnehin eher selten eingesetzt: die vorherrschende Militärtaktik war die Phalanx, in der mit Speeren und nicht mit Schwertern gekämpft wurde. Ein Schwert trug ein Reiter oder ein Speerkämpfer höchstens als Sekundärwaffe.

Die Zeit dieser Eisenschwerter und somit die Eisenzeit endete in Europa spätestens, als die Römer ihre Expansionspolitik auf den westlichen Mittelmeerraum ausweiteten, denn die Römer kämpften nicht mehr im Verbund einer Phalanx, sondern in einem Schildwall mit Wurfspeeren und Kurzschwertern. Diese Kurzschwerter kamen nach dem ersten punischen Krieg besonders in Mode, als sich die Römer diese Technik bei den keltischen Völkern der iberischen Halbinsel abgeschaut hatten.

Zwar waren Eisenwaffen noch bis zum Ende der Republik in Gebrauch, aber nach den Militärreformen des Marius (109 v. Chr.), als man von einem Bürgerheer zu einem Berufsheer umstellte, wurde feiner gearbeiteter Stahl mit einem höheren Kohlenstoffgehalt sehr viel beliebter als Eisen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Eisenzeit in Europa endgültig vorbei.

Kommentar von Corvo21 ,

Danke für die ausführliche Antwort, ich vor einiger Zeit mit jemanden diskutiert der behauptet hat das das Mittelalter "das Zeitalter des Eisens " War und kein Ritterschwert aus Stahl bestand aber das scheint wohl Quatsch gewesen zu sein 

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Das war es in der Tat! ;-)

Kommentar von Giustolisi ,

Reines Eisen ist nicht spröde, sondern sehr weich. Spröde wird es durch einen zu hohen Kohlenstoffgehalt und viele Verunreinigungen. 

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Danke für den Hinweis. Ein Schwert mit zu niedrigen Kohlenstoffgehalt würde aber auch nichts taugen, oder?

Kommentar von Giustolisi ,

Mit zu niedrigem Kohlenstoffgehalt würde es sich verbiegen. Muß der Stahl schneiden und Schockbelastungen aushalten (also z.B. bei einer Hiebwaffe) ist man mit etwa 0,5-0,7% Kohlenstoff gut dabei, heutige Schaukampfwaffen sind größtenteils aus Federstahl gefertigt. Der liegt in diesem Bereich. 

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Danke für die Erklärung! Ich habe mal in einem Video gesehen, wie jemand ein langes Messer aus einer LKW-Feder geschmiedet hat. Nennt man den Federstahl deshalb so, weil man daraus Federungen macht oder ist das etwas völlig anderes?

Antwort
von soissesPDF, 11

Die Schwerter wurden aus Eisen" geschmiedet, mehrfach gefaltet.
Mit heutigem Stahl haben diese keine Gemeinsamkeiten.

In einem Schmiedeprozeß wird Eisen erhitzt, gefaltet und gehämmert (getrieben), verbacken, abgeschreckt (verhärtet), das ganze so oft bis man die Härte erreicht hatte, die es halt irgendwie brauchte.

Das Grundmaterial ist damals wie heute, Eisenherz, das wird "gekocht", bis sich Schlacke vom Eisen trennt, erst danach wird es verarbeitet.

Kommentar von Giustolisi ,

Die Schwerter waren nicht aus Eisen, denn das konnte man in reiner Form erst viel später herstellen. Es hätte sich auch gar nicht geeignet, denn Eisen ist viel zu weich für Klingen und lässt sich nicht härten, dazu sind mindestens 0,3% Kohlenstoffanteil nötig.

Das Problem war der so genannte Rennofen, in dem die Temperaturen nicht hoch genug waren, um den Eisenanteil des Erzes zu schmelzen, das Ergebnis war ein verunreinigter Eisenschwamm.

Sie hatten also einen Stahl, der aufgrund des hohen Kohlenstoffanteils und der vielen Schlacke sehr spröde war. Erst als man Tiegeleisen und später im größeren Maßstab Puddeleisen herstellen konnte, waren diese Probleme gelöst. Vorher mussten die Schmiede durch Falten und ausschmieden die Schlackeanteile und den Kohlenstoffgehalt senken. Heute bläst man dazu Sauerstoff in die Schmelze ein, in Puddelöfen wurde zu diesem Zweck noch gerührt, damit der Kohlenstoff verbrennt und sich die schlacke oben absetzt.

Kommentar von Giustolisi ,

Hab noch einen Fehler gefunden. Immer wieder falten und abschrecken härtet nicht, bzw das Abschrecken nur ein Mal. Durch das Falten kann man einen Teil der Verunreinigungen und Kohlenstoff entfernen. Das Abschrecken dient zwar der Härtung, das wird aber erst gemacht, wenn das Werkstück seine Form hat, sonst würde es beim nächsten erhitzen wieder weich geglüht. Mehrfaches Abschrecken erhöht auch die Gefahr von Spannungsrissen. Abschrecken bringt eh nur etwas, wenn ein gewisser Kohlenstoffanteil vorhanden ist, es sich also um Stahl handelt. Nach dem Abschrecken ist das Werkstück sehr hart, man spricht von Glashart. Dünnere teile zerspringen wie Glas, wenn man sie in diesem zustand fallen lässt. Deswegen wird das Werkstück nochmal leicht erhitzt (angelassen), um ihm etwas von der Härte zu nehmen und ihm im Gegenzug etwas Flexibilität zurück zu geben. Ein gehärtetes, aber nicht angelassenes Schwert aus Stahl würde beim ersten Hieb zerbrechen, ein Schwert aus eisen würde sich sofort verbiegen und tiefe Scharten bekommen.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 28

Nein, diese Schwerter wurden fachgerecht geschmiedet und waren selbstverständlich aus Stahl.

MfG

Arnold

Antwort
von JBEZorg, 19

Unsinn, Es gibt auch ein Paar in Museen heute. Kannst die gerne betrachten. Sie sind aus Stahl.

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