Frage von Helios822, 63

Steuern für crowdfunding?

Bei einem Reward basierenden Crowdfunding , sind da steuern fällig? Wenn ja welche? Kann man als Privatperson beim Crowdfunding geld sammeln oder braucht man ein gewerbe ( steuerlich gesehen) Die meisten crowdfunding seiten selber verlangen kein gewerbe

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 44

Wenn Du tätig wirst, wirst Du Unternehmer (egal ob angemeldetes Gewerbe, oder nicht). Dann kommt es eben drauf an, wie hoch Deine Einnahmen sind, ob z. B. Umsatzsteuer fällig wird oder nicht und ob ein Gewinn entsteht, oder nicht, für die Einkommenbesteuerung.

Wenn Du möchtest, dass ich Dir das zu diesem Thema von mir geschriebene eBook sende, trage in Dein Profil einfach Deine eMail-Adresse ein.

Antwort
von sr710815, 19

naja, das müßte mit dem Finanzamt abgeklärt werden, ob man das Gewerbe noch nach erfolgtem Zahlungseingang bei den Plattformen gründen kann.

Sind es einige Tage oder Wochen, kann das Finanzamt noch ein Auge zudrücken.

Schwierig wird es dann, wenn man noch sog. Vorsteuern ziehen möchte, dh. aus Eingangsrechnung sich noch die Steuer erstatten zu lassen, das sind dann unternehmerisch Vorsteuern.

Hier setzt das Finanzamt enge Grenzen. Stichwort hier: sog. "gewillkürtes Betriebsvermögen". Dh. vor Gewerbegründung gekaufte Investitionsgüter ins Firmeninventar einfließen zu lassen.

Buchhaltung mit Einnahmen-Ausgaben als sog. EÜR Einnahme-Überschuß-Rechnung.

Bei < 17500 € könnte man ein Kleinunternehmen nach § 19,1 USTG gründen. dann kann man wählen, ob man Vorsteuern geltend macht oder nicht.

Auch eine Frage, welche Rechtsform man wählt. Ein Einzelunternehmen ist unkompliziert, dafür haftet man auch mit dem Privatvermögen. Bei mehreren Leuten dann eine GbR als Gesellschaft Bürgerlichen Rechts.

Haftungsbeschränkt ist dann die GmbH, dafür muß man eine G&V Rechnung erstellen & hat eine Bilanzierungspflicht.

Ähnlich einer englischen Limited jetzt neu die UG haftungsbeschränkt, die ab 1 € gegründet werden kann. So ist die Haftung beschränkt auf die Einlagen, auch hier Steuerberater, der dann eine Bilanz erstellen & veröffentlichen muß.

Übliche Buchhaltung bei Einzelunternehmen ist mit Programmen ist nicht ganz so schwierig. Einnahmen-Ausgaben mit Soll & Haben verbuchen

Nötigenfalls dann noch die Steuern dazu

Kasse als Konto 1000 im Soll - dann Umsatzerlös 8401 (kann man im Programm anlagen + UST 1775 (bei Differenzbesteuerung § 25 a)

Bei Kleinunternehmen entfällt das Konto Steuer

Ausgaben der Klasse 0 (Investition), Klasse 3-4 (laufende Kosten) + Vorsteuer 1575 im Soll an Kasse, Bank etc 1000 oder 1200

Hier ist Kasse im Haben, weil das Konto ja abnimmt

Beim Crowdfunding kannst Du ja ein wenig pushen über sog. Hashtags wie #musiccrowdfundig, #winner, #rock & beim Anbieter auch noch mal werben mit @musicraiser usw.

Vor dem Ende der Kampagne ordentlich twittern & auch ein Video bei YT einstellen & sich natürlich für die Spenden bedanken

Dann viel Glück für Deine Kampagne

Antwort
von sr710815, 10

Je nach Zielvorgabe, hier z. B. 8000 €, ist das schon gewerbliches Handeln mit Gewinnerzielungsabsicht. Dies unterstellt das Finanzamt eben für eine unternehmerische Tätigkeit.

Verluste gibt es hier ja nicht, da die Kampagne verfällt & vorige Spenden verfallen bei den meisten Anbietern.

Investitionen in Technik sind dann natürlich langfristig Kosten der Kontenklasse 0 wie sonstiges Inventar 0490 + Vorsteuer 1575 an Bank 1200 z. B.

Über GwG hinaus (geringfügiges Wirtschaftsgut) kann man auch die Geräte abschreiben, um den Gewinn zu mindern.

Bei unseren Beschallungsanlagen sind 20% lineare AfA (Absetzung für Abnutzung = umgangssprach Abschreibungen gestattet, das sind mobile Anlagen, die einger größeren Abnutzung unterliegen.

Bei stationären Anlagen wie Mischpulten im Studio ist die Frist länger, da gibt es Tabellen.

Auch bei privaten Share-Plattformen wie bei Autoeinnahmen über Take my Car, Tamyca oder auch bei sharely.us, Frents.com, Leihdirwas bekommt man ja ebenso Geld für eine Art Aufwandsentschädigung  für den "Verleih"

Sowie auch manch "private" Powerseller werden von irgendwelchen Abmahnanwälten abgemahnt, weil sie bei Verkäufen den Eindruck erwecken, gewerblich zu handeln durch entsprechend vielfältiges Verkaufen.

Hier gibt es im Sozialrecht im SGB auch entsprechende Ausnahmen. Ein sog. privates Verkaufen von Gebrauchtwaren z. B. zu klein gewordener Kinderkleidung heißt hier: "Vermögensumwandlung"

Antwort
von sr710815, 18

in einer Ausgabe der Musikerzeitschrift Keys war das Thema behandelt worden. Social Media Zone Keys Heft ab 09-15

Bei vielen Anbietern fallen noch Provisionen an, die Du zahlen mußt.

Bei Pledge Music 15%. Es gibt hier Vorverkaufs-Kampagnen als sog. Pre-Order, dann wird die Provision sofort abgebucht. 15% sind beim Mindestziel von X € schon viel. .

Bei Erreichung des Ziels von 100% wird dann abgebucht, auch bei Paypal.

Bei Musicraiser verfällt Alles, wenn das Mindestziel nicht erreicht ist, es gibt hier aber Coaches in italienisch oder englisch.

Hier wird die Umsatzsteuer + 10% fällig + Transaktionskosten. So müßtest Du ein Gewerbe anmelden & auch noch eine Umsatzsteuererklärung abgeben bzw. eine UST-Voranmeldung & teils auch eine Soll-Versteuerung einkalkulieren

Startnext kommt aus D. Hier sind 10% fällig + 4% Transaktionsgebühr.

Ob eine Tournee, eine CD etc finanziert werden soll, ist dabei egal. Die Einnahmen sind zu versteuern.

Nötigenfalls einen Steuerberater konsultieren.

Kommentar von Helios822 ,

Kann das unternehmen auch nach dem crowdfunding gegründet werden um die steuer abzuführen? Vielen dank für die ausführliche antwort

Antwort
von sr710815, 7

manchem Abmahnanwalt kann man entgegnen, daß der Beklagte eben nicht unternehmerisch tätig ist.

Stichwort hier dann: "fehlende Passivlegitimation".

So wurde auch ein Kumpel von mir abgemahnt, der an eine Testkäuferin, die wohl in einer Anwaltskanzlei beschäftigt ist, einen Kopfhörer verkauft hat.

Abmahner war hier ein dubioser Anbieter, der schon auf der 1. Seite bei Google erscheint. Dieser arbeitet dann mit dieser Anwaltskanzlei in Düsseldorf zusammen.

Der Typ verkaufte seine Kopfhörer ebenfalls bei Ibä.

Das OLG sowie Landgericht urteilten dann, daß er Vielfachabmahner sei, sein Klageaufkommen dann seinen unternehmerischen Gewinn weit übersteigt :)

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