Frage von iche19, 70

Steuerliche Ansässigkeit: Meine Ehefrau möchte ein zusätzliches Girokonto eröffnen und im Formular gibt es eine Frage wegen steuerlichen Ansässigkeit?

Hallo, wie oben beschrieben, möchte meine Ehefrau ein zusätzliches Girokonto eröffnen und uns schwebt de Frage "Welche steuerliche Ansässigkeit hat Sie?"

Meine Ehefrau ist russische Staatsbürgerin lebt jedoch seit paar Jahren in Deutschland. Sie ist eine Studentin.Ich bin deutscher.

Meine Ehefrau hat "vermutlich" zwei Wohnsitze, jedoch den ständigen Aufenthalt in Deutschland, d.h fahren wir meistens nur für paar Wochen im Jahr in den Urlaub um die Familie besuchen.Sie hat eine Eigentumswohnung in Russland welche von Ihrer Eltern genutzt wird und ist auch dort in der Wohnung gemeldet.

Weil Sie vermutlichdeswegen in beiden Staaten einen ständigen Wohnsitz hat, jedoch auf Grund der persönlichen Beziehung( wir sind verheiratet und leben in Deutschland) wird Deutschland der Mittelpunkt des Lebensinteresses?.Auch die Tatsache ist, dass wir gemeinsame Steuererklärung abgeben, bewegt mich eher in die Richtung der deutschen steuerlichen Ansässigkeit. Zusätzlich die Tatsache, dass Sie nur Geldeinlagen in Deutschland hat somit auch die Zinserträge automatisch in Deutschland versteuert werden. Auch das Sie mit keinem der Russischen Kreditinstituten Beziehung pflegt, somit ist Ihr Deutsches Girokonto auch Hauptkonto. bewege ich mich mit der Meinung, dass Sie in deutschland Steuerlich Ansässig ist.

Befinde ich mich auf dem Holzweg? Oder ist meine Überlegung richtig? Wer kann mir helfen und aufklären.

Vielen Dank im Voraus.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 48

Im Grundsatz liegst Du ja ganz gut. Allerdings nicht konsequent. Der Wohnsitz ist dort, wo man nicht vorübergehend ist. Ein Wohnsitz kann auch bei Abwesenheit aufrecht erhalten bleiben.

Nämlich weil dieser unter Umständen aufrecht erhalten wird, dass man jederzeit dahin kann.

Es gibt im internationalen Steuerrecht einige Besonderheiten. So kann man entgegen der Absicht eine Doppelbesteuerung zu vermeiden in zwei Ländern unbeschränkt steuerpflichtig sein.

Regeln zur Vermeidung dieses Ergebnisses sind zwischen fast allen Staaten geschlossen. Sie nennen sich Doppelbesteuerungsabkommen (also im 'allgemeinen' Sprachgebrauch und als Abkürzung DBA).

In Deutschland kann man ärger bekommen, wenn so eine Anmeldung nicht stimmt. Also in Russland nur zu Besuchszwecken und nicht Dauerhaft? Da könnte irgendwann Ärger folgen.

Ob das alles jemanden juckt? Glaube ich nicht. Denn in Deutschland scheint es ja zu passen. Wie großzügig die russischen Behörden sind? Mit dem Fakt, dass Deine Frau deutsche Steuerbürgerin ist kann man ja leben.

Schließlich werden von Euch ja hier Erklärungen eingereicht. Einkünfte damit hier versteuert.

Kommentar von iche19 ,

Vielen dank fuer umfassende Antwort!

Was fuer Aerger meinst Du? :)

Ps: Die russische Behörden wissen,dass meine Ehefrau in Deutschland lebt und mit deutschen verheiratet ist. Auch das Sie keine Ertraege oder sonstige Einnahmen hat. Bei der Eigentumswohnung gehoert ein Teil der Wohnug ofiziell der Mutter, somit erledigt die Mutti alles was mit der Wohnung auf sich zu tun hat.

Ich dachte immer, dass laut rechtlichen Aspekten,der staendige steuerlicher Wohnsitz btw. Ansaessigkeit in dem Land ist, mit welche Mittelpunkt des Lebensinteresses wird.  Und Deutschland ist ja somit geworden, weil seit mehreren Jahren meine Ehefrau hier lebt und mit mir den deutschen verheiratet ist. Auch die Tatsache ist, dass Sie nur den Urlaub in Russland verbringt, würde nur bestaetigen dass Deutschland Lebensmittelpunkt wurde.

Wir machen in  Deutschland  gemeinsame Steuerklaerung, somit weiss der deutsche Staat über alles Bescheid.Falls russischen behoerden unschluessig werden,werden wir einfach den deutschen Steuerbescheid vor der Nase halten :)

Somit kann meine Frau bei der Bank bei der Eröffnung des zusaetzlichen Girokontos die " deutsche Steueransässigkeit" mit "ja" beantworten? Oder? 

Vielen Dank im Voraus

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Möglicher Ärger. Selbst im deutschen Melderecht kenne ich mich natürlich auch nicht aus. Aber mir ist beispielsweise bekannt, dass es schon unterschiedliche Auffassungen gibt, was ist der erste und was der zweite Wohnsitz.

In Hamburg muss man dann wohl eine Zweit-Wohnsitz-Steuer bezahlen. Es gibt also da schon Dinge, die geregelt sind. Und wo staatliche Macht schon mal sauer ist, wenn die nicht erfüllt wird.

Auf alle Fälle ist es eben auch widersprüchlich. Was so ein Staat dann auch wieder überhaupt nicht gut findet. Ab so einer Problematik sind eben Staaten auch immer wieder gern bereit Strafen zu verhängen.

Es ist ja auch nicht so einfach. Ihr macht in Deutschland Eure Steuererklärung - Sicher alles auch korrekt. Hier geht es ja gerade um Prinzipien.

Wohnsitz bedeutet unbeschränkte Steuerpflicht. So kann man eines dieser Prinzipien wohl weltweit nennen. Das unbeschränkt bedeutet mit Allem, was theoretisch da sein könnte.

Im Steuerrecht spricht man auch vom Welteinkommen.

Auf der anderen Seite führt dieses auch zur Subventionierung. Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig ist, bekommt Beträge zugestanden, die je nach Situation von den Einnahmen abgezogen werden können.

Die gelten bei beschränkter Steuerpflicht nicht. Da wird doch teilweise sehr ruppig einfach die Höhe der Einnahmen genommen und ein Prozentsatz abgezogen.

Zum Glück ist das Finanzamt da ohnehin (durch die Gesetze) nicht so verbissen eingestellt: Die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt ist kein vollwertiger Beweis.

Sie ist lediglich Ausgangspunkt für eine Anscheinsvermutung. Also das es eben so aussieht, wie dort gemeldet. Wäre das nicht der Fall und das Finanzamt wüsste von der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt in Russland, so würden die tatsächlich eine Klärung betreiben müssen.

Wie gesagt: Wenn das nicht so wäre und Prinzip usw.

Könnte man Deine Frau jetzt steuerlich nach Russland schicken, dann wäre es natürlich für den deutschen Fiskus gut. Du müsstest unter Umständen mehr Steuern zahlen.

Unannehmlichkeiten wegen einer falschen Meldung könnte es jede Menge geben. Ob Du und ich das hinterher anders und richtig betreiben ist immer noch eine andere Sache.

Klar ist in Russland bekannt, gerade bei dieser Meldebehörde wo Deine Frau geheiratet hat. Anderen Stellen ist vielleicht auch die deutsche Anschrift bekannt.

Aber die Meldebehörde geht davon aus, dass die Tochter eben noch brav bei Mama und Papa wohnt.

Aber zurück zum Eigentlichen: Bankkonto eröffnen. Wenn die Bank fragt, wo Deine Frau 'residiert' und die Fragen sind ja manchmal so komisch gestellt, dann wollen die doch eigentlich wissen: Wo sollen wir die Zinsmeldung hinschicken?

Wo erreichen wir Dich? Selber denkt man doch nur nach: Kann ich ggf. auch einen Nachweis bringen? Ohne erst alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen.

Kommentar von iche19 ,

Da bin ich beruihgt. Den die russische Behörden wie Meldeamt und Finanzamt, wissen dass die Tochter im Ausland lebt und fragen jedes Jahr bei den Eltern nach der Bestätigung in Form von Aufenthaltstitel und paar weitere Dokumenten die ständigen Aufenthalt der Tochter in Deutschland bescheinigen.

Somit wissen die Behörden, dass die Tochter den ständigen Wohnsitz in Deutschland hat und auf die Nachfrage bei den russichen Meldebehörde ergibt, dass  Sie in einer speziellen Kartei geführt wird , welche aussagt, dass Sie in Deutschland ständig lebt.und so die Aussage nur einen Wohnsitz hat, nämlich in Deutschland.Der Russische Finanzamt, weiss auch über alles Bescheid,

Der deutsche Finanzamt weiss  über alles Bescheid, somit auch da ist ziemlich in Ordnung.

Vielen vielen Dank für die hilfreiche Antwort.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Danke für den Stern! Es freut mich wirklich immer wieder und zeigt einem ja auch, dass man wirklich unterstützen konnte.

Dabei waren ja augenscheinlich meine Hinweise aus Gründen der Vorsicht gar nicht nötig. Wenn da in Russland kontrolliert wird und hier hattest Du ja bereits geschildert. Kann mir nicht vorstellen, dass unter den Vorzeichen noch was anbrennen kann.

Es fällt aber auf: Da stellt eine Bank eine komische Frage und man wird vorsichtig. Das finde ich sehr beachtlich. Gut, schon aus beruflichen Gründen beobachte ich das immer wieder. Aber das ist doch für mich persönlich interessant. Eines meiner Steckpferde ist nämlich die Beobachtung von Kommunikation. Daher total spannend für mich.

Also: Alles Gute! (Und ich danke nochmals)

Gruß Dirk

Antwort
von chaoskinder, 43

Ja, ich glaube, das ist so richtig. Macht sie in Deutschland die Steuererklärung, ist sie hier auch "steueransässig".

Schönes Wort :)

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