Frage von AnnaPetrova1988, 28

Steuerklassenwechsel bei Elterngeld = hohe Nachzahlung?

Wer von euch hat den Steuerklassenwechsel von 4/4 nach 3/5 gemacht, um mehr Elterngeld zu bekommen? War dann nach der Abgabe der Steuererklärung eine hohe Nachzahlung fällig?

Antwort
von Mojoi, 17

Dann ist nach der Abgabe in den meisten Fällen eine Steuernachzahlung fällig.

Das Einkommen des Nicht-Elterngeld-Empfängers wird mit III einem niedrigen Lohnsteuerabzug unterworfen.

Das Einkommen des Elterngeld-Empfängers wird mit V einem hohen Lohnsteuerabzug unterworfen. Da aber gar kein Lohn fließt, gibt es auch keinerlei Lohnsteuerabzug.

= mehr Netto vom Brutto

Am Ende des Jahres werden alle Einkommen in einem Topf geworfen und gemeinsam versteuert.

Das Elterngeld ist KEIN Einkommen.

ABER: Das Elterngeld progressiert (erhöht) den Steuersatz, mit dem das Einkommen versteuert wird (Progressionsvorbehalt des Elterngeldes).

Gefühlt bzw. im Effekt ist das so, als ob das Elterngeld doch besteuert würde. Da aber im laufenden Jahr keine Steuer darauf bezahlt wurde, kommt das dicke Ende mit dem Steuerbescheid.

Der Trick dabei ist, das Wörtchen "Progressionsvorbehalt" ganz leise auszusprechen und exakt 67% vom NETTO als Elterngeld auszuzahlen.

Dann glaubt nämlich jeder, dass im Elterngeld sämtliche Abzüge bereits runter sind. Und man kann wunderbar und ganz laut mit dem Elterngeld als soziale Errungenschaft prahlen.

Denn technisch - da kann man nix mäkeln - ist das Elterngeld steuerfrei. So wie es ausgerechnet wurde kriegt man es auch auf die Hand.

Gar nicht mal so doof, ne?

Kommentar von AnnaPetrova1988 ,

Vielen Dank. Verstehe ich es richtig, dass wenn ich z.B. 20000 Elterngeld bekomme und mein man im selben Jahr 40000 verdient, werden 60000 versteuert?

Kommentar von Mojoi ,

Nein. Das Elterngeld IST steuerfrei.

Beispiel (die Zahlen sind frei erfunden, es geht um das Prinzip):

Für 40.000,- zahlt man 20% Einkommenssteuer

Für 60.000,- zahlt man 30% Einkommenssteuer

Das zu versteuernde Einkommen beträgt 40.000,- (das Elterngeld zählt nicht mit).

Das Elterngeld verursacht aber die Progression des Steuersatzes.

Statt 20% für 40.000,- beträgt der Steuersatz

40.000,- + 20.000,- = 60.000,- = 30%

Zu versteuerndes Einkommen 40.000,- mal 30% = 12.000,-

Das sind 4.000,- mehr als 20% von 40.000,- = 8.000,-

Zweiter Schritt:

Mann und Frau hatten Steuerklasse IV/IV gewählt. Dadurch Abzug vom Lohn: 12x 667,- = 8.000,-

Steuernachzahlung: 12.000,- - 8.000,- = 4.000,-

Mann und Frau hatten Steuerklasse III/V gewählt. Dadurch Abzug vom Lohn: 12x 400,- = 4.800,-

Steuernachzahlung: 12.000,- - 4.800,- = 7.200,-

Bitte nicht gleich einen Herzinfarkt kriegen! Die Zahlen sind frei erfunden und sollen nur das Berechnungsprinzip veranschaulichen. Alles mal in einen Online-ESt-Rechner oder eine Steuererklärungssoftware einklackern.

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