Frage von Mueller345, 52

Steuereinnamen und Haushaltsetat?

Hallo,

eine Frage, Deutschland hat 673 Mrd € Steuern eingenommen.Der Bundeshaushaltsplan ist etwa 300 Mrd letztes Jahr gewesen. Wo sind die übrigen 373 Mrd € Steuern hin? Müsste der verabschiedete Haushalt nicht viel größer sein, wenn wir soviel Geld einnehmen?

Muelli

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 19

Du vergleichst zwei Dinge die nicht zusammen passen.

Der Haushalt des Bundes, mit den gesamten Steuereinnahmen.

Dein Link sagt Folgendes:

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland insgesamt 673,3 Milliarden Euro Steuern vor der Steuer­verteilung von

Bund, Ländern und Gemeinden (Gebietskörper­schaften) eingenommen.

Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Anstieg um 29,6 Milliarden Euro (+ 4,6 %).

Die Gemeinde und Landessteuern bekommt aber Schäuble nicht zu sehen.

Kommentar von Mueller345 ,

Ja, Sie haben Recht. Ich fange gerade an mich für Wirtschaft zu interessieren. Und das Thema ist teilweise sehr komplex. Manchmal versuche ich Artikel auf Wikipedia zu lesen, die sind aber auch nicht gerade einfach und vor allem anschaulich und plastisch erklärt. Ich brauche immer ein Beispiel aus dem Leben, damit ich das besser verstehe. Abstrakt hilft mir das leider nicht. Deswegen stell ich meine Fragen besser bei gutefrage. Hier erklärt die Community wenigstens Dinge anschaulich, auf das Wesentliche reduziert.

Weil wir ja schon dabei sind Herr wfwbinder, sagen Sie, Schäuble spricht ja auch oft von der sogenannten "schwarzen Null". Das bedeutet ja, wie ich das jetzt verstanden habe, keine neue Schulden zu machen. Auf dieser Internetseite (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/75426/umfrage/einnahmen-und-ausgab...) steht ja das die Einnahmen etwa 300 Mrd Euro sind und die Ausgaben auch etwa 300 Mrd. Es wurde aber anscheinend etwas mehr eingenommen (minimal zumidest) als ausgegeben. Ist das im Endeffekt dann nicht ein Nullsummenspiel? Weil ich als Bürger würde mir denken, dass wir kräftig unsere Schulden abbauen, aber es ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein, oder? Oder was denken Sie als Experte?

Kommentar von wfwbinder ,

Für die Staatsverschuldung gibt es zwei Maßstäbe (ähnliches gilt auch für private Haushalte und Unternehmen).

Einmal die absolute Summe. Also die Schulden in euro.

Aber man misst sie auch für die Verlgeichbarkeit von Staaten in einem Prozentsatz vom BIP (Bundesinlandsprodukt). Bei uns sind das zur Zeit ca. 78 %. Bei den Amis knapp 100 %, bei den Japanern über 200 %.

Da das BIP allein durch die allgemeine Inflationsrate jahr für Jahr nominell wächst, werden die Schulden relativ zum BIP Jahr für Jahr geringer, wenn sie in ihrer Gesamtsumme gleich bleiben.

Das ist im Prinzip beim Privathaushalt nichts anderes. hätte man immer 10.000,- Euro Dispo auf seiner Bank und diesen Rahmen auch ausgenutzt (nehmen wir an bei einem Jahres netto von 40.000,- Euro) wäre man mit 25 % verschuldet. Wenn nun das Minus auf dem Konto gleich bleibt, aber das Gehalt steigt Jahr für Jahr und nach 10 Jahren hat man 50.000,- netto, so ist man nur noch mit 20 % verschuldet.

Zur Zeit bleiben die Schulden in absoluter Zahl bei uns gleich, oder nehmen in ganz geringen Beträge ab. Aber die Schulden im Verhältnis zum BIP sinken in dieser Situation jährlich um 1-2 %-Punkte.

Kommentar von Mueller345 ,

Das Beispiel mit der absoluten Summe, die Sie eben genannt haben, das leuchtet mir ein. So kenn ich das ja auch im Privaten. Wenn ich  2000 Euro Schulden bei der Bank habe, dann muss ich 2000 Euro an die Bank zurückzahlen (plus Zinsen natürlich).

Das zweite Beispiel mit der Vergleichbarkeit des BIP in Prozent zu den Schulden erscheint mir aber ehrlich gesagt mehr als Spielerei. Aber vielleicht versteh ich davon auch zu wenig :)

Kommentar von wfwbinder ,

Bei Privatleuten kann man es als Spielerei ansehen, ob wohl es auch da Bedeutung hat.

Bei Staaten ist es die einige Art zu vergleichen. Kein Mensch interessiert sich für die Summe in Dollar mit der die USA verschuldet sind. Man fragt immer nur nach dem Verschuldungsgrad in % des BIP.

Wie sollte man sonst die Schulden von Italien, Deutschland, Irland und Griechenland vergleichen?

Das gleiche bei Unternehmen. Da interessieren die Schulden im Verhältnis zur Bilanzsumme.

Kommentar von Mueller345 ,

Wieder mal sehr gut erklärt. Vielen Dank, Herr wfwbinder!

Antwort
von ShadowHow, 24

Von wo hast du die 673 Milliarden? Ein Link oder so wäre gut, damit man den Zusammenhang hat. Ich hab davon bis jetzt nämlich nichts gehört.

Kommentar von ShadowHow ,

Ich hab kurz gegoogelt. Die 673 sind gesammten Steuereinnahmen in Deutschland (von Bund, Ländern und Komunen), während der Bundeshausaltsplan nur die Steuern des Bundes angibt.

Antwort
von Omikron6, 21

Neben dem Bundeshaushaltsplan gibt es noch die Haushaltspläne der Länder und die Etats der Gemeinden!

Kommentar von Mueller345 ,

Also bedeutet das, dass die 673 Mrd € von Bund, Länder und Gemeinden eingenommen wurden und auf den Bund entfällt davon etwa 300 Milliarden. Und die übrigen 373 Milliarden entfallen auf die 16 Bundenländer und auf die Gemeinden? Verstehe ich das richtig?

Kommentar von wfwbinder ,

Steht doch in Deinem Link im letzten Absatz auch mit drin:

Nach der Steuerverteilung blieben dem Bund 281,6 Milliarden Euro Steuer­einnahmen

Kommentar von ShadowHow ,

Ja, genau so ist es.

Kommentar von Omikron6 ,

Ich glaube, Mueller345 hat sich noch nie Gedanken darüber gemacht, welche Steuern welchen Gebietskörperschaften jeweils zustehen.

Kommentar von Mueller345 ,

Ja, tut mir leid, ich hab Neue Deutsche Literatur studiert :)

Kommentar von Omikron6 ,

Brotlose Kunst!  Hättest etwas studieren sollen, was näher am täglichen Leben ist!!!

Kommentar von Mueller345 ,

Naja, ich fand es sehr interessant und ich fand, dass es mir auch etwas gebracht hat.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten