Frage von Zahidos, 207

Steuer absetzen? Wie, wieviel, was?

Hallo
verstehe das thema trotz googles hilfe nicht.
Was kann man alles als Student von der Steuer absetzen? Und wie viel kann man (Bspw. wenn ich mir ein Macbook kaufe für 1.000€)? Wie kann ich das berechnen wieviel ich für etwas absetzten kann?
Bitte etwas einfach erklären :) dankeee sehr ;)

Antwort
von kevin1905, 178

Was kann man alles als Student von der Steuer absetzen?

  • Werbungskosten nach § 9 EStG (wenn Zweitstudium - Verfahren vor dem BVerfG ist anhängig).
  • Sonderausgaben nach § 10, 10a EStG  --> Lösen keinen Verlustvortrag aus, daher verpuffen sie meistens
  • außergewöhnliche Belastungen nach § 33, 33a EStG --> sofern gehabt. Ansonsten belanglos
  • Noch ein paar andere Dinge.

Bspw. wenn ich mir ein Macbook kaufe für 1.000€

Laut aktueller Gesetzeslage können Menschen im Erststudium keine Werbungskosten produzieren, es sei denn sie gehen als dualer Student zusätzlich einer nichtselbständigen Arbeit nach oder zumindest einem nicht pauschal besteuerten Minijob.

Hiergegen wurde geklagt und der Bundesfinanzhof hält die entsprechenden §§ im EStG für mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz des GG für unvereinbar und hat daher den Fall an das Bundesverfassungsgericht gegeben. Richterspruch folgt.

Gehen wir aber mal davon aus das MacBook wären in voller Höhe Werbungskosten und du hast es im Dezember 15 angeschafft.

  • Es ist kein geringwertiges Wirtschaftsgut, also muss es gem. AfA über 3 Jahre abgeschrieben werden.
  • In 2015 bleibt nur 1/12, da im Dezember angeschafft. 1/36 von 1.000,- € wären 27,78 €
  • In 2016 und 2017 könntest du jeweils 333,33 € ansetzen.
  • In 2018 wären 11/12 also 305,56 € anzusetzen.

Es gibt aber z.B. bei nichtselbständiger Arbeit die Werbungskostenpauschale von 1.000,- €. Heißt die Summe deiner Werbungskosten müsste schon drüber liegen.

Hast du nur Werbungskosten und keine positiven Einkünfte mit denen diese verrechnet werden könnten, so entsteht ein Verlustvortrag.

Kommentar von CAlbrecht ,

Bis darauf, dass du von Werbungskosten ausgehst (könnten auch Betriebsausgaben sein) ja alles richtig, aber ich denke nicht, dass das jmd versteht, der sich mit Steuern noch nie befasst hat ;)

Antwort
von CAlbrecht, 124

Hallo Zahidos,

zunächst einmal zu dem wichtigsten, damit du die gesamte Debatte überhaupt verstehst:

Grundsätzlich kann man, wenn man Steuern zahlen muss (fast) alles von der Steuer absetzen, das mit den Einkünften die man erzielt in Verbindung steht. Dabei gibt es aber auch sowas wie vorweggenommene Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben (sagen wir einfach Ausgaben). Das heißt, dass du Ausgaben hast, aber noch keine Einkünfte, diese Ausgaben aber gezielt dafür getätigt hast, später gewisse Einkünfte zu erzielen. Oder einfacher: Du studierst und gibst dafür etwas Geld aus, damit du später einen guten Beruf haben kannst und in diesem Beruf kannst du dann deine Ausgaben aus dem Studium nachträglich verrechnen lassen, sobald du einmal Geld damit verdienst.

Für die Fälle des Studiums (genauer gesagt der sogenannten "Erstausbildung") wollte der Gesetzgeber dort aber eingreifen und deswegen hat er in § 9 Absatz 6 EStG bzw. § 4 Abs. 9 EStG festgelegt, dass diese Kosten nicht abgezogen werden dürfen (lies dir § 9 Abs. 6 auf jeden Fall mal durch, ist nicht kompliziert).

Nun gibt es also für den Studenten 3 Möglichkeiten dennoch seine Ausgaben abzuziehen:

  1. Du bist nicht mehr in der Erstausbildung, sondern es ist ein Zweitstudium oder du hast bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen oder es ist ein duales Studium (noch weiter Kombinationen möglich).
  2. Im Rahmen der von einem anderen User bereits erwähnten "Sonderausgaben" kann man bis zu 6000€ im Jahr abziehen. Das ist aber für die meisten Studenten deswegen irrelevant, weil das eben nicht nachträglich geht, sondern nur in dem Jahr, in dem sie angefallen sind. Kaufst du dein macbook 2015, dann musst du 2015 überhaupt Steuern zahlen müssen (die zahlt man ohnehin erst ab einem Einkommen von 8354€) um irgendetwas als Sonderausgaben abzuziehen. Die meisten Studenten haben aber überhaupt kein oder kein so hohes Einkommen.
  3. Jedes Gesetzt muss sich an den Artikeln des Grundgesetzes rechtfertigen lassen und so könnte das Bundesverfassungsgericht zu dem Schluss kommen, dass diese Regelung in § 9 EStG verfassungswidrig wäre. Und tatsächlich ist momentan ein Verfahren anhängig dazu. Meines Erachtens stehen die Chancen 50/50. 

Selbst wenn das BVerfG aber zu dem Schluss kommt, dass die Regelung verfassungswidrig ist, ist das meiner Meinung nach für die meisten uninteressant, denn im Endeffekt hat man als Student nur sehr wenige Ausgaben, die nicht der privaten Sphäre zuzuordnen sind (privat wäre Wohnung, Essen etc.). Einzig und allein wenn man es konstruieren könnte eine sogenannte "Doppelte Haushaltsführung" zu haben, könnte man saftig Steuern sparen. Dafür genügt es aber nicht, dass du einfach eine Wohnung hast und ab und zu bei deinen Eltern bist. Die Rede ist nicht von einer "doppelten Wohnung", sondern Haushaltsführung. Du müsstest also nachführen, dass du zu Hause bei deinen Eltern einen eigenen Haushalt führst, also unabhängig von ihrem Haus (z.B. in einer Einsiedlerwohnung) und dich finanziell beteiligst. Die Regelung zu dieser doppelten Haushaltsführung steht in § 9 Abs. 1 Nr. 5.


Zurück zum Grundfall:

Was du erwähnst (Ausbildung mit nebenbei Studium) ähnelt ja sehr einem dualen Studium, das heißt für dich könnte diese Regelung der Erstausbildung nicht gelten. Allerdings steht in § 9 Abs. 6, dass du eine Ausbildung abgeschlossen haben musst oder das Studium im Rahmen deines Dienstverhältnisses stattfindet. Beides wäre bei dir nicht gegeben. Meines Erachtens nach gilt also dieses Abzugsverbot auch für dich. Ich kann mich aber nicht gänzlich festlegen, da es jedenfalls nicht eindeutig bei dir ist. 

Aber wie gesagt: Selbst wenn du also deine Ausgaben von der Steuer absetzen könntest, stellt sich die Frage, ob sich der ganze Aufwand lohnt und merken tust du das ja dann eh später erst im Beruf. Falls du also jetzt momentan irgendwie Geld sparen willst, hilft dir das auch nicht.

Kommentar von CAlbrecht ,

Edit: Bei der Haushaltsführung ist das Wort "nachführen" = "nachweisen" 

Antwort
von wurzlsepp668, 125

Erstausbildung?

Aufbaustudium?

Kommentar von Zahidos ,

Im Moment am ende meiner Ausbildung und nebenbei noch ein abend-Studium.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

Werbungskosten:

Fahrt zur Uni

Studiengebühren

Fachbücher

Laptop (Anteilig!!)

Kommentar von CAlbrecht ,

sehe ich anders. Nach der Neufassung des § 9 Abs. 6 in 2015 wird diese Konstellation ja eigentlich eindeutig ausgeschlossen.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

da es sich um ein Aufbaustudium handelt, SIND die Kosten absetzbar.

hier hätte ich keinerlei Probleme, mit dem Finanzamt in Streit zu treten

Kommentar von CAlbrecht ,

Ich verstehe die Begründung nicht. Wo steht denn etwas von Aufbaustudium? Die Regelung ist doch eindeutig. Sie qualifiziert solche Ausgaben "nur dann" als Werbungskosten, wenn bereits eine Erstausbildung abgeschlossen wurde (nicht der Fall) oder wenn die Ausbildung "im Rahmen eines Dienstverhältnisses" (würde ich hier auch verneinen, da das Abendstudium ja vermutlich unabhängig vom Arbeitgeber stattfindet) stattfindet.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

glaub mir, ich habe schon solche Fälle beim Finanzamt durchgesetzt

Kommentar von CAlbrecht ,

In Form des Einspruchs oder der Klage und auch schon in 2015? Sollte das FA das akzeptieren wäre ja umso besser.

Aber nichtsdestotrotz wurde der Abs. 6 des § 9 EStG erst in diesem Jahr neu formuliert und so ist der Wortlaut ab 2015 eindeutig! Würde mich doch sehr wundern, wenn das FA dies zu seinem Nachteil einfach akzeptieren würde.

Kommentar von Zahidos ,

Wieviel kann man denn immer absetzten?
Kann ich das irgendwie grob berechnen um zu sehen ob sich das alles lohnt oder nicht?
Sind das etwa diese MwSt. die abgesetzt werden?!?
Danke

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