Frage von LewisM, 19

Sternzeichen (Galaktisches Jahr)?

Verzerren sich die von der Erde aus sichtbaren Sternzeichen im Laufe eines Galaktischen Jahres? Müssen sie ja eigentlich, es ist ja vergleichbar mit den Planeten im sonnensystem, die stehen ja auch nicht immer gleich zueinander.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie, 18

Hallo LewisM,

zunächst mal eine Verständnisfrage von mir: Ich nehme an, Du meinst die Sternbilder?

Den Begriff Sternzeichen gibt es in der Astronomie eigentlich nicht. Sternzeichen, das haben nur die Astrologen in ihrem Horoskopunfug. Die Astronomie kennt Sternbilder und Tierkreiszeichen - die gleichmäßige Einteilung des Tierkreises in 12 gleich große Abschnitte.

Aber wie gesagt: Ich beantworte jetzt mal die Frage so, wie ich sie verstehe: Verändern sich die Sternbilder im Laufe eines galaktischen Jahres?

Ja, das tun sie. Und zwar komplett. Das dauert noch nicht einmal so lange. Ein galaktisches Jahr dauert ja über 200 Millionen Jahre. Die Sternbilder verändern sich aber schon in Zeiträumen von wenigen tausend Jahren komplett.

Das liegt daran, dass alle Sterne um das galaktische Zentrum unterwegs sind. Und zwar alle mit der ihnen eigenen Bewegung. Die Sternbilder, die wir Menschen uns nach unserer Phantasie zusammengereimt haben, vereinen ja Sterne, die physikalisch gar nichts miteinander zu tun haben. Die Sterne eines Sternbildes sind mehr oder weniger weit von uns weg - und umrunden die Galaxie alle mit ihrer eigenen Geschwindigkeit. Sie haben deshalb alle verschiedene Relativbewegungen - was die heutigen Sternbilder recht schnell auseinander driften lässt.

Schau mal hier

http://lexikon.astronomie.info/3D/3D.html

auf das unterste Bild. Da ist gezeigt, wie sich ein paar bekannte Sternbilder allein in den nächsten paar Tausend Jahren verändern.

Grüße

Antwort
von kami1a, 11

Hallo!  Zunächst ein Hinweis von mir. Du hast eine echte Profiauskunft ( Astronomie ) dabei. 

uteausmuenchen

Die Sternbilder verschieben sich tatsächlich - allerdings in einem Jahr nur minimal.   wegen dieser Verschiebung haben ja auch die Astrologen die Aszendenten erfunden. Die Aszendenten sind eine Krücke der Astrologie. Als diese entstand, wusste man noch nichts von der so genannten Präzession. Die Erdachse ist schräg geneigt. Um diese Neigung kippt die Erde innerhalb von 26.000 Jahren einmal komplett, alle Sternbilder werden einmal durchlaufen, in einigen Jahrtausenden wird Wega ( Der Stern Alpha also der hellste, in der Leier der Nordstern sein. Übrigens gehören - anders als von Astrologen behauptet - nicht einmal 2 Sterne irgend eines Sternbildes physikalisch zusammen. Sie sind so weit - in der Tiefe - voneinander entfernt, dass sie nicht - wie wieder von Astrologen behauptet - ihre Strahlung gleichzeitig abgeben, sondern im Abstand von Hunderten oder Tausenden von Jahren. Diese Strahlung - wenn sie denn die Erde erreicht - hat die gleiche Eigenschaft wie Röntgenstrahlen. Sie trifft das Kind also nicht - wieder wie von Astrologen behauptet - ab der Geburt, sondern ebenso stark schon im Körper der Mutter. Spätestens hier kippt die gesamte Astrologie - es wäre nämlich nicht mehr die Geburt, sondern die Zeugung entscheidend. Übrigens - bei einer großen deutschen Zeitung schreiben völlig unwissende Azubis Horoskope. Noch etwas : Die Sterne der Sternbilder habe ihre Eigenbewegungen – in 5000 Jahren wird man kein Sternbild wieder erkennen – die Astrologie muss sich neue Krücken ausdenken um an unserem Geld zu bleiben. Allerdings macht 1 Jahr nicht viel aus, alles Gute. 

Antwort
von NutzlosAlpha, 19

Kurzgesagt, ja sie tun es. Die Positionsveränderung kann man auch schon in einer Zeitspanne deutlich kürzer als ein galaktisches Jahr feststellen, obgleich es nach menschlichen Maßstäben immer noch sehr lange dauert.

Bei sogenannten Schnellläufern wie Barnards Pfeiltern kann man auch signifikante Positionsveränderungen innerhalb eines Menschenlebens feststellen, so bewegt dieser sich innerhalb von 80 Jahren um knapp 14 Bogenminuten über den Himmel, fast die Hälfte des Vollmonddurchmessers.

Allerdings ist Barnards Pfeilstern mit bloßem Auge unsichtbar, sodass seine Bewegung für die meisten Menschen verborgen bleibt. Auch so müsste man über ein Jahrzehnt warten, um eine Bewegung gegenüber sichtbaren Sternen zu registrieren. Man kann aber Barnards Pfeilstern mit dem Teleskop beobachten bzw. fotografieren und so seine Bewegung gegenüber anderen unsichtbaren Sternen  zeigen. Eine entsprechende .gif befindet sich dazu in seinem Wikipediaartikel.

https://de.wikipedia.org/wiki/Barnards\_Pfeilstern

Bei anderen, hellen Sternen, die die Sternbilder (nicht Sternzeichen) formen, dauert es hingegen viele tausend Jahre, um eine Bewegung festzustellen. Sie haben sich daher nicht wesentlich verändert seit vor knapp 2000 Jahren der erste Satz unserer heutigen Sternbilder von griechischen Astronomen definiert wurde. 


LG, NA

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