Frage von Fred4u2, 189

Sterbeversicherung gekündigt im Alter von etwa 93 - ist das okay?

Habe gestern bei der Sterbeversicherung angerufen, weil ich wusste, dass der alte Mann dort bei der Sterbekasse jahrzehntelang eingezahlt hatte. Er verstarb im Alter von über 95 1/2 Jahren. Die Sterbeversicherung hatte er bereits in den 60er Jahren oder früher abgeschlossen, um den Angehörigen später nicht mit den Kosten zu belasten. Die Versicherung lief ab dem Alter von 85 Jahren beitragsfrei. Nun erfuhr ich im Telefonat, dass die Sterbeversicherung 2013 gekündigt und der Rückkaufwert ausgezahlt wurde. Zu der Zeit war er aber bereits dement. Die aktuellen Beerdigungskosten sind mindestens doppelt so hoch wie der ausgezahlte Rückkaufswert. Wie ist das rechtlich einzuordnen?

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von imager761, Community-Experte für Recht, 61

Wie ist das rechtlich einzuordnen?

Dement meint nicht geschäftsunfähig. Hat der Versicherte die "Fähigkeit, mit freiem Willen rechtlich bindende Willenserklärungen abzugeben", indem er oder sein Bevollmächtigter den Vertrag kündigten, weil er den Rückkaufswert lebzeitig ausgezahlt bekommen wollte, schuldet keiner der beiden Vertragspartner Dritten gegenüber Rechenschaft noch Auskunft über diesen Geschäftsvorgang.

Es mag dich als Kostenbestattungsverpflichteten schmerzen, aber eine Sterbegeldversicherung ist nicht zweckgebunden zu verwenden.

G imager761

Kommentar von chinly ,

Das ist korrekt, dass auch Geschäftsuntüchtigkeit vorgelegen haben muss.

Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die in unlauterer Absicht alte Menschen bedrängen oder gar nötigen, dieses oder jenes zu tun.

In so einem Fall wäre das Versicherungsunternehmen doch sicher dem Gericht gegenüber zur Auskunft verpflichtet, falls es in diesem Zusammenhang zu einer Anzeige käme.

Oder bin ich da im Irrtum?

Kommentar von imager761 ,

Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die in unlauterer Absicht alte Menschen bedrängen oder gar nötigen, dieses oder jenes zu tun.

Wohl wahr. Nur kann der Versicherer aber eine von seinem Kunden bzw. einem Bevollmächtigten empfangene Kündigung und Rückzahlungsaufforderung nicht dahingehend überprüfen und muss auftragsgemäß danach handeln.

Kopien des Vorgangs geben deine Vermutung aber garnicht her: Oder woran erkennst du eine Unterschrift unter einem Kündigungsschreiben, die "in unlauterer Absicht bedrängt oder gar genötigt" abgegeben wurde? Oder willst wissen, ob das rückgezahlte Geld nicht lebzeitig dem Versicherten zugute kam?

Worauf will man da also hinaus? Das es wirtschaftlich unsinnig ist, eine ruhende Versicherung zu kündigen, mag ja stimmen. Aber daraus kann man eben keinen geschäftsunfähigen Geisteszustand herleiten. Und wenn der Versicherte bewußt lieber weniger Geld für sich oder ihm Nahestehende verwenden wollte als mehr für die Bestattungskostenverpflichteten zu hinterlassen, darf er das.

Antwort
von schalkeattacke, 111

Du mußt jetzt erstmal prüfen wer den Vertrag gekündigt hat. Wer bekam den Rückkaufwert ausgezahlt?

Eine Sterbeversicherung ist nicht Zweckgebunden, kann also bei Auszahlung verwendet werden wie der Kunde bzw. bei Tode die Hinterbliebenen wollen.

Wenn der Vertrag ausgezahlt wurde macht die Versicherung das nicht einfach so :) Jemand hat den Vertrag gekündigt. Wenn das der Versicherungsnehmer war und zu diesem Zeitpunkt noch voll mündig dann ist es so.

Wenn er betreut wurde dann muß man sich bei dem Betreuer erkundigen was mit dem Rückkaufwert passiert ist.

Kommentar von kim294 ,

So ist es.

Und der Betreuer hätte meiner Ansicht nach auch die Versicherung entsprechend informieren müssen.

Antwort
von HappyReaper, 110

Man müsste den Nachweis führen, dass der Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt der Vertragskündigung nicht geschäftsfähig war, um ggf. die Kündigung anfechten zu können.

Das dürfte aber sehr schwierig werden.....

Antwort
von Pudelwohl3, 100

Da wirst Du leider keine Chance haben, dass irgendwie anzufechten.

Antwort
von Bitterkraut, 106

Wer hat denn die Versicherung gekündigt, wenn der alte Herr so dement war?

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