Frage von Connor324, 43

Sterbehilfe in Deutschland Pro und Contra?

Würde mich mal interessieren was ihr von Sterbehilfe haltet.

Antwort
von BellaBoo, 22

Ein eindeutiges PRO !

Ich hatte in meiner Familie und in meinem Berufsleben mehrere Menschen mit schweren Erkrankungen, die in den letzten Wochen und Monaten ihres Leben nur noch gelitten haben, Schmerzen hatten, die nur mit extremen Mendikamenten behandelt werden konnten, sodass sie teilweise nicht mehr ansprechbar waren, sondern nur noch vor sich hin vegetiert haben. Es gab keine Heilung mehr, nur noch Verlängerung ihres Leidens. Ich wurde angefleht, höhere Medikamentendosen aus Versehen zu verabreichen (habe ich nicht gemacht, bevor jetzt einer auf den Gedanken kommt)...so blöd wie das klingt: bei einem Tier in der gleichen Situation würde man das Leiden beenden.

Die letzten Monate meiner Schwester waren nur Qual...und sehr sie ich sie vermisse und sie mir zurückwünsche...ich hätte ihr das gerne erspart. Sie hatte es einfach nicht verdient so zu leiden.

Antwort
von leosmilej, 23

Schwieriges Thema.

Ich persönlich vertrete die Meinung, dass jeder Mensch selbst entscheiden sollte, ob er sich das Leben nimmt oder nicht. Und da wir Suizid für gesunde Menschen ja "erlauben" finde ich fehlende Sterbehilfe fast schon diskriminierend.

Was ich damit meine ist: Jemand der körperlich gesund ist kann sich von einem Dach oder vor einen Zug werfen, Tabletten nehmen, etc.
Das kann diese Person einfach tun, wenn sie entscheidet, dass sie nicht mehr leben möchte.
Jemand der z.B. aber vom Hals abwärts gelähmt ist, kann sich körperlich einfach nicht vor einen Zug werfen oder auch nur selbst Tabletten kaufen und nehmen.
Wenn wir nun also als Gesellschaft entscheiden, dass diese Person nicht Selbstmord begehen darf, weil wir uns weigern ihr zu helfen... Welches Recht haben wir?
Wir zwingen damit eine Person zu einem Leben voll Schmerz und Leid, das sie nur aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit noch leben muss. Könnte diese Person ihre Arme benutzen, würden wir ihr die Entscheidung zum Selbstmord auf einmal selbst überlassen, da sie ihre Arme aber nicht benutzen kann, entscheiden wir für sie.

Natürlich kann man argumentieren, dass man diesen Menschen lieber helfen sollte, anstatt ihnen zu erlauben, sich umzubringen, ich bin jedoch der absoluten Überzeugung, dass jeder Mensch ab einem gewissen Alter und Reifegrad über sein eigenes Leben entscheiden können muss. Natürlich wäre es mir lieber, niemand würde Slebstmord begehen, aber das liegt einfach nicht in meiner Entscheidung.

Wir Menschen können nicht über das Leben eines anderen entscheiden. Genau so wie wir kein Leben nehmen dürfen, finde ich dürfen wir auch niemanden zum Leben zwingen.

Trotzdem ist Sterbehilfe ein schwieriges Thema, denn wie lange muss man einen Menschen mit Therapie unterstützen und ab wann kann man ihm Sterbehilfe gewährleisten? (Man kann natürlich nicht bei dem ersten Anzeichen eines Suizidgedankens dem Kranken gleich mal Gift spritzen.)

Außerdem: wer darf darüber entscheiden, wenn ein Kind danach verlangt? Bei einem 16- oder 17-jährigem würden wir vielleicht noch sagen, okay, der ist alt genug. Aber eine 7-jährige? Kann dieses vielleicht chronisch kranke Kind das Ausmaß ihrer Krankheit überhaupt schon richtig einschätzen? Und kann man diese Entscheidung den Eltern überlassen, die ja auch wieder über die Schmerzen und Leiden eines anderen entscheiden müssen? Und wie verhindert man Fälle in denen Beratungsstellen zu voreilig einem Patienten zum Suizid raten?

Wie du also siehst ist es ein sehr schwieriges Thema. Ich persönlich bin grundsätzlich stark dafür, jedoch wäre die Umsetzung mehr als schwierig.

Kommentar von BellaBoo ,

Geh doch mal von Menschen mit körperlichen Behinderungen oder psychologischen Zuständen weg. Ich kenne viele Körperbehinderte die ein glückliches Leben führen und bei psychischen Problemen sollte man eine Therapie machen und Medikamente nehmen...bei vielen hilft das schon.

Aber was ist mit den Schwerkranken, die in den letzten Monaten/ Wochen ihres Lebens stehen. Bei denen eine Heilung auszuschließen ist und der Tod sowieso in der nächsten Zeit eintreten würde. Rechtlich könnte man da Trennlinien ziehen. Die beiden oben genannten Gruppen werden dabei nur gerne vorgeschoben, damit man ethisch einen Konflikt entstehen lassen kann.

Kommentar von leosmilej ,

Natürlich gibt es viele körperlich behinderte, die ein wundervolles Leben führen. Leider gibt es aber auch Menschen, die ihre Behinderung als Belastung ansehen.

Bei einem Schwerkranken, der sowieso früher oder später an seiner Krankheit sterben wird ist der Fall einfach. Wenn man Sterbehilfe legalisieren will muss man sich aber leider auch mit den schwierigen Fällen auseinandersetzen. Sich nur die Fälle anzusehen, in denen die Betroffenen sowieso innerhalb kurzer Zeit sterben werden reicht leider nicht aus, das wäre ja auch zu einfach.

Die oben genannten Gruppen werden nicht nur "vorgeschoben, damit man ethisch einen Konflikt entstehen lassen kann", ein ethischer Konflikt steht in vielerlei Hinsicht im Raum, wenn man über Sterbehilfe diskutiert.

Selbst, wenn man sich nur auf die Fälle konzentriert, in denen die Betroffenen zu 100% an der Krankheit etc. sterben werden. Erstens können wir als Menschen allerseltenst mit 100%iger Sicherheit sagen, wie etwas ausgeht, es gibt z.B. immer wieder wundersame Fälle, in denen jemandem nur noch wenige Wochen zugesprochen werden und die Person lebt noch viele Jahre. (Nur um die 100% zu kritisieren, von denen wir zu oft denken, dass wir sie angeben können.)

Und selbst wenn wir von 100% einfach mal asugehen, selbst dann: Wann bieten wir Sterbehilfe an? Wenn die Person noch ein Jahr leben kann, ohne Schmerzen? Oder wenn die Person noch ein Jahr mit Beschwerden und Schmerzen leben muss? Wenn die Person in 3 Monaten sterben wird, 2 Wochen oder morgen? In allen Fällen?

Bieten wir Sterbehilfe also nur denjenigen, die eine tödliche Diagnose bekommen haben, aber dann allen, egal wie ihr Fall sonst aussieht?
Und was ist dann mit den Behinderten, die sich ihr Leben nicht selbst nehmen können, obwohl sie es möchten? Willst du es ihnen versagen, nur weil es auch glückliche Menschen mit Behinderungen gibt und du der Meinung bist, sie sollten ihre Leiden anders lösen oder ertragen?

Was ich damit sagen möchte ist nur, dass es viele Herangehensweisen an das Thema gibt und dass man es leider nicht so einfach lösen oder abtun kann...

Antwort
von Smile2601, 26

Sollte meiner Meinung nach erlaubt werden. Immer mehr Deutsche gehen dafür schon ins Ausland, da hat Deutschland echt Nachholbedarf.

Antwort
von blustripes, 22

Aus ethischer Sicht eindeutig Ja.

Aus wirtschaftlicher Sicht eindeutig Nein. Die Wirtschaft gewinnt in Deutschland meistens.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten