Frage von Ares1989, 75

Steht meiner Freundin 20Jahre (erste Ausbildung) Unterhalt zu?

Meine Freundin ist 20 Jahre alt und steckt im dritten Jahr einer 5jährigen Erstausbildung sie bekommt aktuell ca. 650 Euro Lohn, wobei das nicht eine Ausbildungsvergütung sondern eine Aufwandsentschädigung für ein Praktikum ist. Aktuell bewohnt sie mit mir gemeinsam eine Wohnung. Ihre Eltern sind geschieden. Sie hat noch einen Bruder 16 Jahre (Schüler) und eine Schwester 18 Jahre (Arbeitslos). Ihr Vater ist Polizist (Vollzeit) im gehobenen Dienst ich gehe von einem Nettoverdienst von 2500 - 3000 Euro aus (Summe ist nur eine Schätzung, darf gerne angepasst werden). Die Mutter arbeitet in einem Architekten Büro als Bauzeichnerin mit einer 0,6 Stelle Nettoverdienst schätze ich auch 1400-1800 Euro (keine Ahnung was man da so verdient).

Da ihr Regelmäßig zum Monatsende das Geld ausgeht und die Mietkosten zu 75% eh schon von mir bezahlt werden von den Lebenserhaltungskosten und gemeinsamen Ausflügen ganz zu schweigen, habe ich mir Gedanken gemacht ob ihr eventuell Unterhalt zusteht. Ich habe versucht zu Googeln und bin auch auf einen Rechner basierend auf der Düsseldorfer Tabelle gestoßen, konnte mich jedoch nicht genügend zurechtfinden wie das genau mit der Anrechnung ihres Gehalts funktioniert. Bei dem einen Rechner bekommt sie nichts und bei der nächsten gleich 404 Euro. Beim Versuch beide Ergebnisse nachzuvollziehen, habe ich komplett den Faden verloren. Soweit ich weiß besteht kein Titel.

Wie man sich vorstellen kann belastet dieses in die Presche springen von mir unsere Beziehung immer wieder, es ist sogar schon soweit, dass ich ihr gar nicht mehr sage wie hoch die Nebenkosten oder die Lebenserhaltungskosten in den jeweiligen Monaten war. Außerdem möchte ich mir nie vorstellen wie sie sich fühlt wenn sie weiß, dass ich für sie bezahle. Außerdem ärgert es mich wenn ich regelmäßig sehe was sich der Vater so Neues kauft (Fahrrad für 8000 EUR, Urlaub für 3000 EUR, T5 Bus, usw) und wir bzw. sie muss schauen wie sie über die Runden kommt. Also es würde hier wohl keinen Armen treffen.

Daher der Gedanke des Unterhaltes.

Antwort
von vwzicke64, 28

du hast einen Anspruch auf 735 Euro Unterhalt. Deine Ausbildungsvergütung und das Kindergeld, dass an dich auszuzahlen ist , ist voll auf deinen Bedarf anzurechen. So dass ein Unterhaltsanspruch an deine Eltern entfällt. die 90 Euro ausbildungsbedingter Mehraufwand werden nicht von jedem OLG angerechnet. 650 plus 188 Euro ergibt 838 Euro, also kein Unterhaltsanspruch


Expertenantwort
von DFgen, Community-Experte für Unterhalt, 25

Die Freundin hätte bis zum Abschluss ihrer ersten Ausbildung nur einen Anspruch auf Unterhalt von den Eltern, wenn

a) sie ihren ihr zustehenden "unterhaltsrechtlichen Bedarf" nicht aus eigenem Einkommen + Kindergeld abdecken kann und ....

b) die Eltern nach Ableistung aller vorrangigen Unterhalte (minderjährige oder "privilegierte" volljährige Kinder) noch mehr als den ihnen zustehenden "Selbstbehalt" zur Verfügung hätten.

  • Der "unterhaltsrechtliche Bedarf" der Freundin, von dem sie dann alle ihre Lebenshaltungskosten bestreiten muss, liegt bei insgesamt 735 Euro, da sie nicht mehr im elterlichen Haushalt wohnt.
  • Von ihrem eigenen Einkommen kann sie einen"ausbildungsbedingten Freibetrag" für ihre Fahrtkosten etc. abziehen, pauschal wären das 90 Euro, so dass ihr von den 650 Euro als Lohn noch 560 verbleiben.
  • Das Kindergeld müssen die Eltern an sie weiterleiten (ggf. kann sie es durch einen "Abzweigungsantrag" direkt an sich auszahlen lassen), so dass weitere 190 Euro zu ihrem Lohn Einkommen hinzukommen.
  • Ihr stehen somit insgesamt (560 + 190=) 750 Euro zur Verfügung - der ihr zustehende Bedarf ist gedeckt und sie hat keinen Unterhaltsanspruch mehr an ihre Eltern. 
Antwort
von beangato, 41

Die Eltern sind bis zum Abschluss der Erstausbildung unterhaltspflichtig.

Aber:

Der Unterhaltsbedarf eines volljährigen Kindes, das nicht mehr bei seinen Eltern lebt, beträgt 640,- EURO

http://www.datentransfer24.de/unterhalt-anrechnung-ausbildungsverguetung.html

Also hat sie "zuviel" Einkommen.

Ihre Eltern dürften aber wohl noch Kindergeld bekommen. Sie sollte sich mal bei der Kindergeldkasse kundig machen.

http://www.sozialleistungen.info/kindergeld/abzweigung-des-kindergeldes.html

Kommentar von vwzicke64 ,

seid 1.1.2016 735 

Kommentar von beangato ,

Ah, ok.

Antwort
von Menuett, 3

Deiner Freundin stehen 735€ inklusive Kindergeld im Monat zu.

Ihr eigenes Einkommen (dazu zählt auch die Aufwandsentschädigung) wird bis auf 90€ angerecht.

735+90-190=635€

Steht in der Düsseldorfer Tabelle, aber nicht in der tatsächlichen "Tabelle" sondern unter Anmerkungen Punkt 7.

http://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_tabelle/Tabelle-2016/index...

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, sie wird Ausflüge einschränken müssen.

Antwort
von Paejexa, 47

Solange sie unter 25 Jahre alt ist und keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, steht ihr grundsätzlich Unterhalt zu. Die genaue Summe kommt darauf an, ob sie das erste, zweite, dritte usw. Kind ist, die Zahlen habe ich allerdings nicht im Kopf.

Da sie nicht mehr zuhause bei ihren Eltern wohnt, kann sie einen Anspruch auf Unterhaltszahlung in Höhe des Kindergeldes stellen. Normalerweise bekommen die Eltern das Geld sowieso vom Arbeitsamt (oder wer das macht, ansonsten beantragen) und würden keinerlei Verlust machen.

Antwort
von DerHans, 49

Da sie ja auch noch Kindergeld bekommt, entfällt der Unterhaltsanspruch.

Antwort
von herakles3000, 35

Ja ihr steht Unterhalt zu und auch ihr eigenes Kindergeld bis sie die  Aúsbildung bestanden hat egal ob mit 25 oder 26. Und der Unterhalt wird wohl noch immer nach dem verdinst der Eltern berechnet Notfals mus sie ihren Unterhalt einklagen.Das kindergeld mus sie blos selber beantragen..

Kommentar von DFgen ,

Und der Unterhalt wird wohl noch immer nach dem verdinst der Eltern berechnet 

Der "unterhaltsrechtliche Bedarf" orientiert sich nur dann am Einkommen der Eltern, solange das unterhaltsberechtigte volljähriges Kind noch bei ihnen wohnt (- und liegt dann zumeist unterhalb des Betrages, der einem im eigenen Haushalt lebendem Kind zusteht).

Wohnt das Kind nicht mehr bei den Eltern so liegt der Bedarf - unabhängig vom Einkommen der Eltern - bei insgesamt 735 Euro. 

Antwort
von ichweisnix, 27

Grundsätzlich besteht ein Unterhaltsanspruch während der Erstausbildung. Dazu muß sie aber auch Bedürftig und der Vater leistungsfähig sein. Die Leistungsfähigkeit sollte hier nicht das Problem sein.

Beim Bedarf ist in der Regel von 735€ incl 300€ für Wohnkosten auszugehen. Die Aufwandsentschädigung ist abzüglich Mehraufwand von in der Regel pauschal 90€ und das Kindergeld sind für den Bedarf einzusetzen.

Somit ergibt sich, ein Anspruch von 735€ - 184€(Kindergeld) - 560€ Ausbildungsvergütung = -9€ => kein Unterhaltsanspruch.

Etwas anderes wäre es, wenn der Ausbildungsmehraufwand 99€ übersteigt. Das Kindergeld ist an Sie auszukehren / durchzureichen.



Kommentar von vwzicke64 ,

Kindergeld ist erhöht worden auf 188 Euro

Antwort
von XC600, 6

in dem Fall spielt es gar keine Rolle was die Eltern verdienen und was der Vater sich so teures leisten kann ............da sie nicht mehr zu Hause wohnt hat sie einen pauschalen Bedarf in Höhe von 735 Euro ..... wenn man dann das KG dazuzählt deckt sie ihren Bedarf selber und hat sogar noch mehr als ihr zusteht ...... somit hat sie keinen Unterhaltsanspruch mehr an die Eltern ...................

Antwort
von passaufdichauf, 39

Ihr gesamter Bedarf nach Düsseldorfer Tabelle für einen volljährigen Unterhaltsberechtigten liegt bei 690 Euro.

Deine Freundin liegt also mit ihrem Einkommen von 650 Euro und dem Kindergeld deutlich darüber und ist nicht mehr unterhaltsberechtigt.

Sie muss ganz klar ihre Ausgaben senken! Sie kann sich so eine teure Wohnung nicht leisten! Und wenn sie sich diese leisten möchte, muss ein Nebenjob her.

Die Eltern sind jedenfalls nicht weiter zu melken, zumal hier auch noch jüngere, im Unterhalt privilegiertere Geschwister vorhanden sind.

Kommentar von Ares1989 ,

Ausgaben senken ist immer leicht gesagt, eine kleinere Wohnung gibt es nicht, bei den Eltern kann sie nicht wohnen, und für die Arbeit braucht sie ein Auto, viel günstiger im Unterhalt geht nicht. Und es ging nicht ums Eltern melken sondern um eine Antwort auf meine Frage ob es da was gibt.

Kommentar von passaufdichauf ,

Die Antwort hast du doch bekommen, oder? Sie hat keinen Anspruch auf mehr Unterhalt. Warum hat sie sich so eine teure Wohnung genommen, wo doch von vornherein klar sein musste, das Geld ist knapp?

Und übrigens: zu den teuren Wünschen, die der Vater SICH erlaubt: dafür geht der Mann auch arbeiten! Hat deine Freundin für sich selbst schon einmal über diese Lösung nachgedacht???

Kommentar von DerHans ,

Man passt seine Ausgaben dem einkommen an. Anders herum funktioniert das nicht so richtig.

Kommentar von vwzicke64 ,

seit 1.1. 2016 735

Kommentar von passaufdichauf ,

Danke für die Richtigstellung!

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