Frage von NessBusi, 58

Steht es irgendwo im Gesetz, dass Fiat-Geld verwendet werden muss?

Ich frage das, weil Österreich fast 300 Milliarden Euro Schulden hat und diese Schulden sind meistens durch sogenanntes Fiat-Geld entstanden. Diese Infos habe ich von hier: http://staatsschulden.at/ Daher auch meine Frage um Österreich aus dem Nationalen Problem zu helfen.

Antwort
von berkersheim, 9

Geld hat ja unterschiedlichste Funktionen. Fiatgeld, ob als Münze oder als Schein oder als positiver Kontoeintrag sind nichts anderes als verbriefte Guthaben, die bei Gültigkeit gegen jedwede andere Werte eingetauscht werden können. Solange das untereinander ehrlich gehandhabt wird, funktioniert damit der Waren-, Dienstleistungs- und Wertetausch.

Bei Schulden sind die Rechtsbeziehungen andere. Da kommt die Zeit ins Spiel. Man kann beim Warenkredit heute eine Ware (z.B. Auto) erwerben gegen die vertragliche Verpflichtung, es in 5 Jahren abzubezahlen plus einem Zeit- und Risikoaufpreis (Zins). Wird alles ordentlich abgewickelt reduziert sich der Warenkredit auf einen normalen Warenkauf mit Zeitverschiebung und einem Aufpreis für die Dienstleistung "Geld über 5 Jahre geliehen". Wirtschaftlich ist der Warenkredit positiv, weil er Tauschgeschäfte ermöglicht, die sonst erst nach einem Sparvorgang in Gang kämen während andere auf überschüssigem Geld sitzen würden, das ungenutzt herumliegt. Die Geldnutzung wird also beschleunigt, der Tauschprozess effektiver.

Anders als bei Warenkrediten verhält es sich bei Investitionskrediten. Da wird keine Ware gekauft sondern ein Prozess finanziert, der selbst neue Werte hervorbringt und aus diesen neuen Werten können Rückzahlung und Zins getilgt werden. Investitionskredite schaffen neue Werte und tragen so zum Wirtschaftswachstum bei. Wie weit vorfinanzierte neue Prozesse auch eine neue Wertschöpfung verursachen ist sehr verschieden und manchmal, vor allem bei staatlichen Investitionen, sehr umstritten.

Prinzipiell muss man bei Staatsschulden unterscheiden, ob sie für Konsum oder (echte) Investitionen eingegangen wurden. Staatsschulden für Konsum sind eine Ausgabe für Güter heute (z.B. kreditfinanzierte Sozialleistungen) deren Zahlungn den künftigen Generationen aufs Auge gedrückt werden. Solche Kredite sind die Feigheit der Politiker heute, die Finanzierung von Wahlversprechen direkt durch höhere Steuern zu erledigen. Um das zu verschleiern und dem Unmut der Wähler zu entgehen, wird das auf künftige Generationen verlagert. Echte Staatsinvestitionen z.B. in Infrastrukturverbesserung, die das Wirtschaften fördert, sind kein Problem, da die künftigen Generationen auch von den Verbesserungen profitieren. Allerdings geben die Politiker gern jede Staatsschuld als Investition aus, weil dann die Rechtfertigung leichter fällt.

Solange Österreich eine florierende Wirtschaft hat, aus deren Einkommen der Staat Tilgung und Zinsen begleichen kann, ohne dass Etatverpflichtungen durch ansteigende Zinsen eingeschränkt werden, sind Staatsschulden als Gegenstück zu Geldvermögen der Bürger kein Problem. Anders ist es in überschuldeten Ländern, wo alte Schulden mit neuen Schulden bezahlt werden. Auch Deutschland kann seine Schulden noch tragen, weil die Wirtschaft floriert. Allerdings ist ein Pfad beschritten, dass immer mehr Schulden für Konsumausgaben gemacht und Zukunftsinvestitionen vernachlässigt werden.

Fiat-Geld verursacht keine Schulden. Schulden machen Menschen und Politiker. Auch in Zeiten, als noch Warengeld zirkulierte, haben sich die Regierenden immer wieder überschuldet und ihre Länder in den Ruin getrieben, Kriege angezettelt und Menschen in die Armut getrieben. Das ist so, seit es Menschen gibt. Um Schuldverpflichtungen zu entgehen wurden Progrome angezettelt, an deren Ende die Gläubiger (jüdische Bankiers) unter fadenscheinigen religiösen Argumenten samt den unliebsamen Forderungen aus der Welt geschafft wurden. Der dumme, aufgehetzte Pöbel war immer nur ein bewusstloses Instrument der Kleveren. Auch heute hetzen die größten Schuldenmacher (und Bestkunden der Banken) über die Gier der Banken, ohne deren Mittun sie ihre Schuldenpolitik nicht betreiben könnten. Und das dumme Volk krakeelt hinterher.

Kommentar von berkersheim ,

Vielleicht noch eine Bemerkung zur Verschuldung. Unsere repräsentative Wahldemokratie hat einen erheblichen Anteil daran. Ob Österreich oder Deutschland: Schau mal in der Statistik, wann die Schuldenbestände entstanden und in welchem Tempo sie gewachsen sind. Entstanden in den 70er Jahren und sprunghaft exponentiell gestiegen! Es kann nicht nur an den Politikern liegen. Die waren vorher sicher auch nicht besser. Es muss ein Systemfehler sein, dass Staaten immer tiefer in die Schulden rutschen. Auffallend ist, dass der größte Teil der Wahlversprechen, mit denen Wählerstimmen "gekauft" werden, über Schulden bezahlt werden. Die Begünstigten selbst haben keine Skrupel. Die Politiker können es ja von "den Reichen" nehmen. Schaut man sich die Realität an, sind die Reichen, von denen es genommen wird, die künftigen Generationen, weil denen die Schulden weitergegeben werden.

Antwort
von wfwbinder, 23

"Fiat-Geld" ist ein gern gebrauchter Begriff von Wirtschafts-Finanz imd Geled Kritikern.

Aber im Gegensatz zu einem Privatkredit bei einer Bank, der Tatsächlich einen Geldschöpfungsprozess auslöst (der aber in seiner gesamten Komplexität völlig anders läuft, als es die Kritker behaupten, entstehen Staatsschulden schon anders.

DEr Finanzminister gibt der entsprechenden Stelle (früher war es bei uns die Bundesschuldenverwaltung, heute die Bundesfinanzagentur) den Auftrag Geld so besorgen (zu leihen). Dann werden Schuldbriefe ausgestellt "Staatsanleihen" die zum Verkauf angeboten werden.

Also diese Beträge sind bereits existente Geldmengen, die bei meist Institutionellen Anlegern regelrecht darauf warten, dass dem Finanzminister das Geld ausgeht.

Antwort
von Interesierter, 25

Nun, die offizielle Währung in Österreich ist per Gesetz der EURO.

Da der EURO Fiat-Geld ist, und dieser gesetzliches Zahlungsmittel ist, könnte man es so interpretieren.

Wo du im Irrtum bist, ist die Annahme, die Schulden seien durch Fiat-Geld entstanden. Das ist falsch.

Entstanden sind diese Schulden dadurch, dass der österreichische Staat in der Vergangenheit mehr Geld ausgegeben hat, als er an Steuern einnahm. Den Fehlbetrag musste er in Form von Krediten decken. Daher kommen die Schulden.

Kommentar von archibaldesel ,

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Kommentar von NessBusi ,

Das stimmt auch zu 100%. Dagegen widerspreche ich nicht. Aber da der Euro Fiat-Geld ist und man es von Heute auf Morgen drücken kann wieviel man will. Das heißt dann, das Österreich jedes Jahr mehr und mehr Schulden aufnimmt. Wenn die EU das so drückt wie es ihnen passt. Noch dazu wird mehr ausgegeben als eingenommen und das Geld in der Brieftasche sieht nur hübsch aus, aber Wert hat es keinen. Stimmt das soweit?

Kommentar von Traveller24 ,

Nein, das stimmt so nicht.

Weder die EU noch sonst jemand zwingt Östereich dazu, Schulden aufzunehmen. Das ist ganz alleine die Entscheidung der Regierung Österreichs bzw jeden anderen Landes. Das sieht man ja auch daran, dass die Schuldenstände bzw die Entwicklung der Schulden in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sind. Deutschland strebt z.B. dieses Jahr an, keine neuen Schulden zu machen.

Die EU druckt kein Geld. Das macht die EZB, die Europäische Zentralbank. Die Zentralbanken sind in Europa seit Jahrzehnten vom Staat und von der EU-Regierung unabhängig. Das wurde eingerichtet, um Vorgänge wie in den 1920er zu verhindern, als die Staats-Banken wie verrückt Geld gedruckt haben, um die Kriegsschulden zu bezahlen und es zu einer Hyperinflation kam.

Antwort
von NewKemroy, 13

Schulden und Guthaben entwickeln sich spiegelbildlich. Und beide wachsen exponentiell solange sich mit Geld Geld verdienen lässt.

Das bedeuten wachsen die Guthaben immer mehr, so wachsen auch die Schulden immer mehr. Die Frage ist nur wo die Schulden gemacht werden. Denn entschlösse sich der Staat keine Schulden mehr zu machen, dann müsste auf Seiten der Bürger oder der Konzerne die Schulden entstehen.

Das alles ist tatsächlich auch ein Problem des Geldsystems. Ein anderes Geldsystem dagegen kann das Problem lösen. Nur ist das Geldsystem so sehr mit den Verfassungen, der weltwirtschaft und der WTO verwoben, dass das nur schwer zu ändern ist. Außerdem ist das ganze nicht so einfach zu verstehen, so dass es schwierig ist es den Leuten beizubringen, so dass sie ein anderes Geldsystem wählen (also bei Wahlen).

Kommentar von NessBusi ,

Aber definitiv ist es, dass was verändert werden muss.

Antwort
von Panazee, 21

Ich verstehe die Frage nicht ganz.

Willst du, dass Österreich einfach 300 Milliarden Euro druckt und seine Schulden damit zahlt?

Kommentar von NessBusi ,

Nein, Geld zu drucken bringt keinem was, weil dieses Geld dann (quasi Papier ist) hinter nichts unterstützt wird. Außerdem, wenn Österreich dieses Geld einfach drücken würde, dann wäre Inflation ein nachträgliches Problem, oder?

Antwort
von atzef, 18

Schuldentilgung ist Verhandlungssache. Vielleicht akzeptieren die Gläubiger ja auch österreichische Jungfrauen oder wie stellst du dir das so vor...?

Kommentar von NessBusi ,

Wir reden hier vom Finanzsystem, wie verbindest du das mit ... ah egal... Österreich könnte die Schulden in den nächsten Jahren auszahlen und andere Löcher im System schließen wo unnötig viel Geld ausgegeben wird und nach ein paar Jahren könnte Österreich wieder stabil sein.

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