Frage von Liebemit50, 290

Stationäre Therapie wegen Depression - wann geht es bergauf?

Hallo,

mein Partner ist seit Januar 2016 in stationärer Behandlung (erst Akutstation) - Ende März hat er die Abteilung gewechselt und da begannen endlich die Therapien und die eigentliche Arbeit. Ich lasse ihn arbeiten, es fällt mir oft sehr schwer ihn völlig abgeschottet zu lassen, schreibe ihm bislang 1x die Woche einen wirklich kurzen aber lieben Gruss von mir, bekomme auch meist, wenn auch erst einen Tag später, einen lieben Gruss zurück. Vor ein paar Tagen hat er sogar mehr geschrieben, u.a. diese Passage: "Das was ich hier im Moment erlebe übersteigt wirklich all meine Vorstellungen dieser Therapie. Ich würde das mit einem Drogenentzug auf seelischer Ebene vergleichen. Motivationslosigkeit und große Schlafprobleme sind noch die kleineren "Nebenwirkungen"..." Kann mir jemand von Euch bestätigen, dass man wirklich auch nach so einer schon recht langen Therapiezeit so weit unten ist? Ich hatte mir nach den Monaten, wenn ich ehrlich bin, doch etwas mehr erhofft. Ich danke Euch für eine Antwort.

Antwort
von extrapilot350, 92

Der lange Aufenthalt und die derzeitige Situation sind ein Anzeichen dafür wie schwer die Erkrankung ist. Mit dem Aufenthalt soll zunächst einmal erreicht werden, dass der Betroffene in der Therapie ankommt und all das was ihn belastet hat in den Hintergrund rückt. Erst dann kann die eigentliche Therapie beginnen.

Von da an versuchen die Therapeuten die Ursachen der Erkrankung festzustellen also woher die Erkrankung kommt. Das kann bis hin zu traumatischen Ereignissen aus der Kindheit sein. Erst wenn das festgestellt ist können die Therapeuten gemeinsam mit dem Betroffenen an der Verarbeitung dieser Traumata zu arbeiten. Die Summe aller Ereignisse hat zu dieser Erkrankung geführt.

Es wird also noch eine Zeit dauern bis eine Besserung eintreten kann. Selbst wenn eine Entlassung anstehen wird bedeutet das noch lange nicht dass der Betroffene geheilt wurde. Er wird nach dem Klinikaufenthalt sich unverzüglich einen Psychiater suchen müssen der ihn ambulant betreut.

Dabei sollte er darauf achten, dass die Gesprächstermine wöchentlich stattfinden und nicht nur einmal im Monat, da sonst die Gefahr besteht, dass sich sein Zustand wieder verschlechtert.

Kommentar von Liebemit50 ,

Danke für diese informative Antwort, so aufgeschlüsselt habe ich mir das noch nie. Er sucht schon seit November einen ambulanten Therapeuten und mit dem langen Aufenthalt in der Klinik bin ich zuversichtlich, dass er im Anschluss jemanden hat, der ihn weiter behandelt. Er hatte in der Vergangenheit schon einige Therapien (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Therapie und eine 6-wöchige Reha). Der Leidensdruck Ende letzten Jahres hat eine stationäre Behandlung erforderlich gemacht und ich weiss, dass ich wahrscheinlich nie einen gesunden Freund an meiner Seite haben werde. Ich hoffe darauf, dass er lernt mit der Krankheit umgehen zu können, ich lerne auch parallel in einer Selbsthilfegruppe viel dazu. Die Zeit wird es zeigen... Dankeschön!

Kommentar von extrapilot350 ,

gerne, wünsche Dir viel Kraft und lasse Dir von der Selbsthilfegruppe für Angehörige der Betroffenen helfen und tausche Dich dort mit anderen aus. Es ist eine enorme Belastung einen psychisch Kranken im Haushalt zu haben und sehr belastend.

Kommentar von Liebemit50 ,

Ich weiss das - habe schon 2x mit ihm zusammen gelebt, er hat mich jedesmal verlassen, wenn sein Druck zu gross wurde. Ist aber immer wieder gekommen und wir haben getrennt weitergelebt. Durch seine Krankheit sind bei ihm leider zwei grosse familiäre Baustellen offen geblieben, alleine mit diesen zu leben ist eine grosse Herausforderung als seine Partnerin. Ich hole mir momentan durch seine Abwesenheit viel Kraft für die Aufgaben, die vor mir liegen. Ich danke Dir sehr!

Antwort
von Sauperle, 56

Hallo noch einmal.

Ich habe mir nun den ganzen Verlauf von oben bis unten mal durchgelesen!

Möchte dazu noch eine Kleinigkeit hinzufügen, da meine erste Antwort, rein auf deine Frage ausgerichtet war und ich sonst keinerlei Anhaltspunkte hatte.

Ich bin mir absolut sicher, dass du ihn wirklich liebst! Das alles durchzustehen und dabei nicht selbst zu erkranken erfordert schon eine gewisse Kraft. Irgendwie gab es mir auch einen Input, dazu noch einmal etwas zu schreiben, weil ich darin auch ein menschliches Schicksal erkennen kann.

Es kann alles gut werden, die Tatsache wie du mit allem umgehst, deutet jedenfalls darauf hin. Eine Gewissheit gibt es allerdings nicht.

Sollte die Therapie nach dem Herrenalber Modell stattfinden, dann wäre der Ausgang eher der Statistik folgend. Es ist leider immer schwer, vorauszusagen wie die längerfristige Entwicklung aussehen wird. Mich freut aber, dass du in entsprechender Begleitung bist, damit du ggf. Hilfe bekommen kannst.

Ich wünsche euch beiden wirklich den Erfolg, im Umgang mit den ganzen Lebenswirklichkeiten. Sollte es dazu kommen, hätte sich der Kampf für euch beide wirklich gelohnt und ihr hätte beide ein harmonische Leben verdient.

Unter einem harmonischen Dasein verstehe ich aber kein dauerhaftes Glück, sondern eine Streitkultur auf hohem Niveau. Das geht aber nur bei gegenseitiger Achtung von den Werten des anderen. Dann hat man das Paradies quasi bereits auf Erden und muss nicht nach dem Leben darauf hoffen.

Kommentar von Liebemit50 ,

Ein liebes Hallo zurück,

ich danke Dir ganz herzlich für Deine liebe Nachricht. Das was Du schreibst hört sich sehr danach an, als hättest Du wirklich viel Ahnung. Nach dem Herrenalber Modell werde ich einmal googlen, ich kann gerade mal die verschiedenen Therapieformen (-arten) auseinanderhalten und erklären, ich selber hatte vor einigen Jahren schon einmal eine Verhaltenstherapie, habe bei dieser Therapeutin, die ich sehr gerne mag, sogar im Mai einen Termin bekommen, damit ich über die ganze Sachen mit ihr sprechen kann. Es ist genau die richtige Zeit, denn JETZT muss ich lernen, jetzt in der Zeit, in der auch an sich arbeitet kann ich es auch bei mir machen. Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit…. Ich bin dazu bereit und auch sehr wissbegierig. Und ja es stimmt, ein menschliches Schicksal steckt bei mir sicherlich dahinter, aber jeder Mensch hat so ein Schicksal - unter jedem Dach ein "Ach“! Gewissheit für eine Partnerschaft… die gibt es auch bei „gesunden“ Menschen nie. Auch meine Ehe zu einem „nicht kranken“ Mann ist nach 4 gemeinsamen Kindern in die Brüche gegangen, die Liebe war nicht mehr da und wenn diese fehlt, kann und darf man sich auch trennen. Auch hier ist das ein Schicksal, aber Situationen schaffen Lösungen – es hat ja niemand gesagt, dass das Leben leicht ist. Obwohl ganz ehrlich…. Ab und zu würde ich mir das Leben einfach mal „langweiliger“ wünschen…. So richtig alles im Fluß, langsam, still und leise – einfach „unaufgeregter“ als im Moment. Ich sammele weiterhin ganz viel Kraft in der Zeit, in der ich keinen Kontakt zu ihm habe, vermisse ihn aber – da bin ich ganz ehrlich – ganz ganz schrecklich! Es ist schon ein täglicher Kampf ihn loszulassen, aber genau das muss ich jetzt tun und mich auf mich selbst besinnen. Ich schaffe das und mit Deinen lieben Worten und Sätzen noch viel besser und wünsche uns auch eine hoffentlich liebevolle und wunderschöne Zukunft für die Jahre, die uns noch bleiben – wir haben uns diese Jahre so sehr verdient! Ich danke Dir von Herzen!

Kommentar von Sauperle ,

Liebe Liebemit50,

wie wahr du doch das Leben reflektierst. Wenn ihr beide mit einem solchen Elan die Sache angeht, dann sollte doch hoffentlich alles zu euren Gunsten laufen.

Ich war froh zu lesen, dass du therapeutisch begleitet wirst. Die Gefahr wäre sonst in eine CO-Abhängigkeit zu geraten.

Einen kleinen Tipp noch. In einer Therapie geht es nicht rauf, sondern erst mal runter, sonst wirkt da nix. Von da ab gibt es Höhen und Tiefen. Vor der Therapie hat man lediglich ein Konto gefüllt mit Psychomüll, weil man mit irgendwelchen Strategien sich dabei herausgenommen hatte. Wenn es also mal brenzlich werden sollte, habe Mut zur Geduld.

Drücke Euch die Daumen!

Kommentar von Liebemit50 ,

Herzlichen Dank! Ich hoffe, dass wir das gemeinsam schaffen und dann noch ein paar schöne Jahre zusammen haben können. Die Sache mit der Geduld muss ich wohl wirklich ernster nehmen, ich dachte die vielen Wochen auf der Akutstation und jetzt die 5te Woche in der Therapie... irgendwann muss er sich doch wieder besser fühlen. Aber es stimmt schon, das braucht alles seine Zeit, vor allem, weil er das Jahrzehnte mit sich herumgetragen hat. Ich gebe ihm die Zeit die er braucht und kümmere mich um mich, da gibt es auch jede Menge Arbeit, die sich aber auch lohnt. Ich bleibe tapfer am Ball, versprochen!

Kommentar von Sauperle ,

Das hoffe ich doch sehr! Geduld ist leicht gesagt und dennoch so schwer umzusetzen. Wenn du dich allerdings, ganz im Vertrauen das es gut werden könnte, erst einmal mit dir beschäftigen kannst, dann wäre es aus meiner Sicht besser. Ganz einfach aus dem Grund, dass du dann, wenn es anders laufen würde, eh nichts machen könntest. Therapien haben manchmal so kleine Überraschungen, deswegen gibt es dafür auch keine Beipackzettel.

Kommentar von Liebemit50 ,

Das stimmt, ich kann - egal in welche Richtung es geht - keinen Einfluss auf ihn nehmen. Wenn ich etwas wirklich verstanden habe ist es, dass ich als Partnerin aussen vor stehe und mir eigentlich alles nur anschauen kann. Das ist eine sehr schwierige und vielleicht auch für mich irgendwann nicht mehr zu schaffende Aufgabe, aber im Moment mache ich mir über ein Ende der Partnerschaft - auch wenn diese momentan durch den Klinikaufenthalt und seinen Rückzug nicht existent ist - keine Gedanken. Meinen 100m Lauf möchte ich zu einem Ende bringen u d dann schauen, als wievielte ich ins Ziel gekommen bin. Wenn dann diese Zeit die hinter mir (uns) liegt, nicht geholfen hat um etwas an seiner Gesamtsituation zu verändern, dann werde ich meine Entscheidung treffen. Ich danke Dir sehr für Deine sehenden Augen und flinken Finger! LG

Kommentar von Sauperle ,

Für mich erscheinst du außerordentlich klug. Dein Partner wäre gut beraten, dich in deinem ganzen Spektrum wahrzunehmen.

Ich wünsche Dir und deinem Partner jedenfalls alles gute, egal wie es für jeden von Euch weitergehen wird.

LG

Antwort
von Sauperle, 45

Ich weiß natürlich zu wenig vom ganzen Ablauf, um dazu für dich eine Eindeutige Aussage machen zu können.

Aber um deine Frage zur Passage zu Beantworten. Könnte mir vorstellen, dass er sich nun in einer psychosomatischen Klinik befindet. Wenn das so wäre, dann könnte ich mir auch Veränderungen vorstellen, die weit in eine Beziehung eingreifen. Leider in einer Form, die den jeweiligen Partner in eine schwere Lage bringen.

Das kann aber alles gut (auch für beide) werden, wenn einige Dinge beachtet werden und nicht durch weglassen von den ungeliebten Dingen, die Wirklichkeit verzerrt wird.

Das ganze ist aber für "normale" Menschen nicht mit einem kurzen Text zu erklären, vielmehr erfordert es einen ganzen Weg der Vorbereitung.

Antwort
von DieMoneypenny, 87

Da schließe ich mich der Vorrednerin an. 4 Monate klingen für Dich sehr lang. Aber eine Depression ist kein Schnupfen. Sie hat sich über Jahre eingeschlichen und alleine all die Ursachen aufzuarbeiten ist langwierig. Auch, wenn es einen eindeutigen Auslöser gab, der dann zum Zusammenbruch führte. Das sich alles erst mal "verschlimmert" ist da ganz normal, denn jetzt muss er sich auch mit Dingen auseinander setzen, die er wahrscheinlich lange in Schubladen gesteckt hat. Aber er ist ja schon auf dem Weg und der "Erfolg" wird sich einstellen. Schön, dass Du das -wenn auch im Moment aus der Ferne-mit ihm durchstehst. Das ist sicherlich auch eine große Belastung für Dich. Wünsche Dir viel Kraft!

Kommentar von Liebemit50 ,

Das stimmt natürlich, er hat Depressionen.. Wahrscheinlich schon über Jahrzehnte. Ich gehe jetzt ins 8te Jahr mit ihm und habe schon früh gemerkt, dass da irgendwas komisch ist. Es ist wie abnehmen... Du futterst Dir über Jahre die Kilos an u d dann sollen sie in 14 Tagen weg sein... Das klappt ha bekanntlich auch nicht 😂 lieben Dank für Deine Antwort!  

Kommentar von DieMoneypenny ,

Gutes Beispiel 😂
Und mach Dir selbst niemals Vorwürfe. Auch Dich darf diese Hilflosigkeit mal ungeduldig oder sogar wütend machen!

Antwort
von 2602Janine, 111

Also so kann man das gar nicht sagen, denn das ist von Individuum zu Individuum anders. Jeder verarbeitet seine Erfahrungen und die Vergangenheit, weshalb man in die Therapie muss, anders. Es ist aber schon so, dass es einem erst schlechter geht. Denn du bist dort ja 'gefangen', sprichst über das, was jahrelang im Unterbewusstsein war und man arbeitet alles auf. Für den Körper und für die Seele eine höllische Belastung. Gib ihm die Zeit, er wird es dir danken, wenn es ihm besser geht. Zu wissen, dass da jemand ist, der ihm versteht, ist für ihn ein toller Rückhalt. Da bin ich mir sicher. Halte durch und versuche, dass er nicht merkt, dass es dich belastet. Denn das wäre eine zusätzliche Belastung für ihn.
Ich wünsche euch alles erdenklich Gute! :-)

Kommentar von Liebemit50 ,

Vielen Dank! Ich habe mir bislang nicht anmerken lassen, dass es auch mir nicht so toll geht, ich baue ihn mit ein, zwei lieben Sätzen auf und kümmere mich ansonsten um mein eigenes Leben. Die ersten Monate waren sehr hart, aber mittlerweile weiss ich, dass ihm mit meiner Zurückhaltung helfe. Es ist schön, dass von Dir nochmal bestätigt bekommen zu haben - Danke!

Kommentar von 2602Janine ,

Nicht der Rede wert! :-) Aber vergiss dabei nicht dich selber. Versuch dich mit Freunden zu treffen, die dich verstehen und somit darauf achten, dass auch du nicht zu kurz kommst. Ich habe auf jeden Fall Respekt, dass du das so mitmachst. War selber in der Situation, dass ich so krank war und bin im Nachhinein jedem Menschen dankbar, der mich unterstützt hat. Du machst das richtige. :-)

Kommentar von Liebemit50 ,

Tausend Dank! Das baut mich sehr auf, wirklich! Schauen wir mal, wo das Leben uns hintreibt... Liebe Grüsse

Kommentar von 2602Janine ,

Wenn ihr das durchgestanden habt, schafft ihr alles andere auch. Da bin ich mir sicher. Bleibt stark. Alles Gute :-)

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 57

Hallo Liebemit50

Leider kann ich dir bestätigen, dass man auch nach langer Erkrankung noch so weit unten sein kann. Bei mir dauerte es fast 5 Jahre, bis es mir besser ging. Dies ist aber eher die Ausnahme als die Regel.

Eine Depression übertrifft wirklich die Vorstellungskraft von unbetroffenen. Es ist wie eine Art Folter, die Hölle auf Erden.

Sozialer Rückzug ist eine sehr häufig Reaktion von depressiven Personen. Man hat weder Energie noch Lust (Freude) an sozialen Kontakten. Auch zu jenen Personen die man liebt oder sehr nahe steht. Auch wenns schwierig ist, darf man dies nicht persönlich nehmen.

Dass er dir überhaupt zurückschreibt ist ein gutes Zeichen. Du wirst sehen, dass seine Briefe mit der Zeit länger werden (in der Tendenz, es gibt immer wieder Rückschläge).

Auch nach langer Therapie, kann also jemand noch sehr weit unten sein. Psychotherapie braucht meistens sehr sehr viel Zeit. Bei manchen wirkt sie (wenn man den richtigen Therapeuten hat), bei manchen nicht. Beurteilen lässt sich dies meist erst nach Monaten und Jahren.

Medikamente wären ev. eine Überlegung wert, als Ergänzung zur Therapie. Doch auch diese wirken nicht bei allen gleich gut und sind mit starken Nebenwirkungen verbunden. Bei mir persönlich half nach Jahren schwerer Depression nur noch EKT.


Kommentar von Liebemit50 ,

Vielen lieben Dank für Deine Zeilen! Sie haben mich sehr positiv gestimmt, was der Kontakt in der Zukunft betrifft. Ich bin sehr wirklich unsicher, ob ich mit meinem Verhalten alles richtig mache, ich liebe diesen Mann von ganzem Herzen und das was Du beschreibst, haben wir seit über 7 Jahren gehabt. Immer wieder ist er aus unserer Beziehung gegangen (er ist immer nach einer Woche zurückgekommen und konnte seine Entscheidung nie verstehen), hat sich z.T. wochenlang zurückgezogen, manchmal nur Emails geschrieben, den Kontakt zu mir gehalten aber nur auf Entfernung. Mittlerweile weiss ich viel über Depressionen, bin in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige und nehme deswegen im Mai auch selber wieder Gespräche mit meiner Therapeutin auf, die ich vor einigen Jahren aus familiären Sorgen einmal brauchte. Ich kümmere mich viel um mich und darum, in Zukunft besser mit der Krankheit umgehen zu können. Dennoch passiert es me natürlich auch öfter, dass ich mich einfach schwach und alleine fühle, aber das gehört wohl auch dazu, wenn man einen besonderen Menschen liebt. Ich danke Dir sehr!

Kommentar von samm1917 ,

er kann sich glücklich schätzen, dass er so jemand wie dich gefunden hat! es ist nicht selbstverständlich jemanden zu finden, wenn man depressive beschwerden hat.

Kommentar von Liebemit50 ,

Ganz ganz lieben Dank! Ich denke das ist Liebe, wenn auch späte Liebe (in unserem Alter). Und ich bin auch nach so langer Zeit noch an seiner Seite. Danke!

Antwort
von miboki, 71

Ich kann das gut nachvollziehen. Ich bin seit Juni letzten Jahres krank geschrieben und war viele Wochen in der Klinik. Es ist, als ob man auf einem Fahrrad strampelt, das von hinten festgehalten wird. In der Klinik kam irgendwann der Punkt, da hatte ich das Gefühl, das Rad wird losgelassen und ich zische los. Jetzt - nach fast einem Jahr plane ich, langsam wieder ins Berufsleben einzusteigen. Dein Freund ist auf einem guten Weg, denn er reflektiert seine Situation gut. Der Weg, den er vor sich hat ist noch lang und steinig und das Gefühl, dass ihn jemand unterstützt, wird ihm bestimmt helfen.

Kommentar von Liebemit50 ,

Das ist ein sehr guter Vergleich mit dem Fahrrad, vielen Dank! Ja, mein Partner hat sich für einen harten Weg entschieden, aber wie Du vielleicht auch selber weisst... Der Leidensdruck war immens hoch - nichts ging mehr und daraus entstand der Gang in die Klinik, er wollte das so nicht mehr, die letzten Jahrzehnte waren ein weglaufen vor seinem Leben und irgendwann hat  es ihn eingeholt. Ich danke Dir sehr für Deine Nachricht, sie hat mir mit einem Satz gezeigt, dass er wirklich an sich arbeitet und vor allem... Das es sich wirklich lohnt ihm beizustehen! Auch wenn es im Moment nur aus der Ferne gelingt. Vielen Dank!

Kommentar von Liebemit50 ,

Darf ich Dich noch etwas fragen? Wie lange warst Du denn in stationärer Behandlung und - für mich ganz wichtig - ab wann hattest Du das Gefühl, dass Du Deine lieben Menschen wieder um Dich haben wollest (und konntest). Gab es da einen Zeitpunkt an dem du gemerkt hast, jetzt brauche ich wieder den Kontakt zum Partner etc. Wenn Du mir das schreiben könntest, wäre ich sehr froh darüber. Lieben Dank!

Kommentar von miboki ,

Ich war insgesamt 11 Wochen in der Klinik aber ich hatte durchgehend Kontakt zu meinem Mann. Der Gang in die Klinik fiel mir sehr schwer, weil ich große Angst vor der Trennung hatte. Eines meiner Probleme war eine extreme Verlustangst und ich hatte großes Heimweh. 

Kommentar von Liebemit50 ,

Ja, das mit der Verlustangst hat mein Partner auch, aber er hat sich für den mehr oder wenigen Kontaktabbruch entschieden, wahrscheinlich kann er sich besser so auf die Therapie konzentrieren, das scheint ja auch jeder Patient anders zu handhaben. Für mich wäre es natürlich schöner gewesen, wenn es so wie bei Dir gewesen wäre, vor allem weil ich in 2km Entfernung wohne. Na ja, ich kann ihn nicht zwingen, es wird schon irgendwann wieder. Dankeschön!

Antwort
von Bharidi, 51

Kommt drauf an, wie er mitarbeitet, wie er die Medikamente annimmt und welche seelischen Störungen/Blockaden überhaupt vorliegen. Wenn die Depressionen schon sehr stark und tief verwurzelt sind, sind 3 Monate Therapie manchmal nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Kommentar von Liebemit50 ,

Ich weiss nicht, ob er Medis bekommt, denke aber ja - er wollte sich auch darauf einlassen, darüber haben wir im Vorfeld gesprochen. Ich habe keine Infos über Einzelheiten, da ich ihn grundsätzlich in Ruhe lasse. Die Depressionen waren wirklich sehr schwer und dauern schon über Jahre - also hast Du sicherlich recht damit, dass die Zeit noch lange nicht ausreicht. Ich bin im Grossen und Ganzen auch geduldig, es soll ihm ja besser gehen, denn so wie es war, konnte es auch nicht weiterlaufen. Danke Dir ganz herzlich für die Antwort!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community