Frage von Pxaxtxrxixcxk, 24

Stalking Rechtliche Sache?

Bitte nur leute mit know how antworten

Nehmen wir mal an eine Person hat in einem sozialen netzwerk einen fake account erstellt und hat mit einer anderen person gechattet. Auch über whatsapp. Die Person A mit dem fake account wusste wer Person B ist nur umgekehrt eben nicht. Person B wollte ein Treffen mit Person A und das kam nie zustande und irgendwann findet Person B raus wer Person A in wirklichkeit ist und will diese Person wegen Stalking anzeigen und das nach 3 Jahren "nur weil die Person nicht die für ausgegeben Person war.

Wie wird das gehandhabt ? Person B fühlte sich bis dato nicht nachgestellt bis sie eben erfuhren hat wer Person A tatsächlich ist.

Expertenantwort
von TheGrow, Community-Experte für Recht, 17

Hallo Pxaxtxrxixcxk,

Staking kann nach den Voraussetzungen der folgenden Rechtsgrundlage bestraft werden:


§ 238 StGB - Nachstellung 

(1) Wer einem Menschen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich 

  1. seine räumliche Nähe aufsucht,
  2. unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu ihm herzustellen versucht, 
  3. unter missbräuchlicher Verwendung von dessen personenbezogenen Daten Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen für ihn aufgibt oder Dritte veranlasst, mit diesem Kontakt aufzunehmen, 
  4. ihn mit der Verletzung von Leben, körperlicher Unversehrtheit, Gesundheit oder Freiheit seiner selbst oder einer ihm nahe stehenden Person bedroht oder 
  5. eine andere vergleichbare Handlung vornimmt

und dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 

(2) Auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter das Opfer, einen Angehörigen des Opfers oder eine andere dem Opfer nahe stehende Person durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt. 

(3)Verursacht der Täter durch die Tat den Tod des Opfers, eines Angehörigen des Opfers oder einer anderen dem Opfer nahe stehenden Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. 

(4) In den Fällen des Absatzes 1 wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.


Ein wichtiger Aspekt für die Strafbarkeit der Handlung ist, dass

dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt

 wird, was in Deinem Fall der Fragestellung wohl kaum zutreffend sein dürfte, was somit den Straftatbestand der Nachstellung ausschließt.

Wie Du dem vierten und von mir fett dargestellten Absatz entnehmen kannst, wird die Tat nur auf Antrag verfolgt. Zum Strafantrag sagt das Gesetz folgendes:


§ 77b StGB - Antragsfrist 

(1) Eine Tat, die nur auf Antrag verfolgbar ist, wird nicht verfolgt, wenn der Antragsberechtigte es unterläßt, den Antrag bis zum Ablauf einer Frist von drei Monaten zu stellen. Fällt das Ende der Frist auf einen Sonntag, einen allgemeinen Feiertag oder einen Sonnabend, so endet die Frist mit Ablauf des nächsten Werktages. 

(2) Die Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem der Berechtigte von der Tat und der Person des Täters Kenntnis erlangt. Hängt die Verfolgbarkeit der Tat auch von einer Entscheidung über die Nichtigkeit oder Auflösung einer Ehe ab, so beginnt die Frist nicht vor Ablauf des Tages, an dem der Berechtigte von der Rechtskraft der Entscheidung Kenntnis erlangt. Für den Antrag des gesetzlichen Vertreters und des Sorgeberechtigten kommt es auf dessen Kenntnis an. 

(3) Sind mehrere antragsberechtigt oder mehrere an der Tat beteiligt, so läuft die Frist für und gegen jeden gesondert. 

(4) Ist durch Tod des Verletzten das Antragsrecht auf Angehörige übergegangen, so endet die Frist frühestens drei Monate und spätestens sechs Monate nach dem Tode des Verletzten. 

(5) Der Lauf der Frist ruht, wenn ein Antrag auf Durchführung eines Sühneversuchs gemäß § 380 der Strafprozeßordnung bei der Vergleichsbehörde eingeht, bis zur Ausstellung der Bescheinigung nach § 380 Abs. 1 Satz 3 der Strafprozeßordnung.


Wie Du dem von mir fett dargestellten ersten Absatz entnehmen kannst, muss der Strafantrag innerhalb von 3 Monaten nach der Tat gestellt werden.

Da nun aber schon mehr als 3 Jahre vergangen sind, ist die Frist also bei weiten verstrichen, was eine Strafverfolgung ausschließt.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von Pxaxtxrxixcxk ,

Danke für die ausführliche antwort!

Ja das ist richtig aber wie gesagt es ist ja so: Person B fühlte sich eben in diesen 3 Jahren nicht nachgestellt bis zum dem Tag als sie erfuhr wer Person A tatsächlich ist. Zählt dann das mit den 3 monaten ebenfalls ?

Kommentar von TheGrow ,

Es zählt der Zeitpunkt der Tat bzw. wann der Geschädigte Kenntnis von der Tat erlangt hat.

Völlig unerheblich ist, wenn dem Geschädigten erst nach 3 Jahren auf wundersame Weise plötzlich auffiel das er sich zum Tatzeitpunkt der drei Jahre zurücklag doch durch die Nachstellung in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt fühlte.

Kommentar von RobertLiebling ,

Anscheinend handelte es sich um eine fortgesetzte Tat, die über 3 Jahre lang andauerte und erst vor kurzem aufgeflogen ist.

Antwort
von RobertLiebling, 23

Person B fühlte sich bis dato nicht nachgestellt bis sie eben erfuhren hat wer Person A tatsächlich ist.

Dann scheint ja vorher Bs Lebensgestaltung nicht wirklich "schwerwiegend beeinträchtigt" worden zu sein, wie es zum Tatbestand des § 238 StGB gehört.

Kommentar von Pxaxtxrxixcxk ,

Definitiv war die Person nicht schwerwiegend beeinträchtigt.

Dann würde sowas vermutlich ers garnicht zur Anklage kommen ?

Kommentar von RobertLiebling ,

Ziemlich sicher nicht.

Anders sieht die Sache in Zukunft aus, wenn B nun A ausdrücklich klar macht, dass keine weiteren Kontaktaufnahmen seitens A erwünscht sind und B sich nicht daran hält (mal wieder mit einem neuen Fake-Account).

Antwort
von RobinXIV, 24

Ich glaube nach 3 Jahren kann man da nicht mehr viel machen.

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