Frage von LittleNaiomi, 198

Ständig Angst vor eigenem Pferd?

Hallo ihr Lieben! Habe leider ein großes Problem, das mich momentan total beschäftigt. Ich habe mir vor rund 2 Jahren ein Pferd gekauft. Er, ein WB-Wallach, war damals 5 und so gut wie roh. Ich kenne den Züchter schon einige Jahre, bin auch schon seine Pferde geritten. Auch meine langjährige RL kannte/kennt die Pferde, und eben auch den Wallach. Sie war schon immer begeistert von dem, und meinte immer, wenn sie genug Geld hätte, würde sie sich den kaufen. Wie der Zufall und das Schicksal es so will, habe ich es wirklich gewagt, den Wallach zu kaufen. Ich hatte die Zusage von meiner RL, dass sie mich jederzeit unterstütze würde und das gab mir Vertrauen in die Sache. Ich hatte schon gehört, dass der Wallach wohl nicht einfach wäre, er wurde dem Züchter schon einmal zurück gegeben, irgendwie war das total schräg, er hatte am ganzen Körper Ausschlag und war wohl sehr hergenommen worden von den Leuten. Hatte auch mal gehört, dass die gesagt haben, er wär ein unmögliches Pferd. In den ersten Monaten nach dem Kauf, konnte ich davon nichts bemerken. Das erste halbe Jahr war der Wallach zu 99% ein purer Goldschatz. Für ein junges, rohes Pferd total cool. Ich konnte von Anfang an mit ihm am Halfter spazieren gehen, jegliche alltägliche Dinge, die ein anderes Pferd in dem Ausbildungsstand erstmal lernen musste, waren für ihn einfach selbstverständlich. Bald bekam er starke Mauke und ich musste über Monate hinweg jeden Tag alle 4 Füße behandeln. Ich kroch also regelmäßig zwischen seinen Füßen umher, hatte stundenlang seine Beine in der Hand und es war sicher nicht immer ganz schmerzfrei für ihn. Und er ließ das alles über sich ergehen und hat nicht einmal aufgemuckt. Erste Tierarztbesuche waren null Problemo - Spritzen usw alles kein Thema. Nach dem ersten halben Jahr, also eigentlich in der zweiten Winterhälfte, fingen die Probleme dann schleppend an. Begonnen hat es mit sich nicht mehr einfangen lassen am Paddock, dabei drohen und weglaufen. Gifteln beim Putzen und Satteln, aufmüpfig werden beim Führen, das ganze ging so weit, dass er auch anfing, sich loszureissen und dabei auch noch auszuschlagen. Hab ihn dann in Beritt gegeben, da spitzte sich das alles teilweise noch weiter zu. Einmal ließ er die Bereiterin nicht aufsteigen und schlug dabei sogar nach ihr. Sie hat sich aber nicht beeindrucken lassen und das war auch das letzte Mal, dass er das tat. Aber nur dass ihr wisst, was der so drauf hat. Auch beim Führen hat er sich mehrere Male bei ihr losgerissen, einmal hat er sogar dabei ausgeschlagen und sie am Arm getroffen. Sie meinte auch, das Pferd wäre ein dominanter Idiot, und ich soll den lieber verkaufen denn der wird immer wieder nachfragen und sich immer wieder was neues einfallen lassen, ich als Freizeitreiterin würde da ein geeigneteres Pferd finden. Reiterlich war er zu der Zeit top - er lief spitzenmäßig unter dem Sattel und irgendwie hat sich das Führproblem auch bald ich sag jetzt mal normalisiert. Weiter im Kommentar

Antwort
von sukueh, 106

Ich glaube, dein Pferd spiegelt dich im Moment ganz stark wieder. Deine Unsicherheit und Angst überträgt sich auf ihn und er reagiert entsprechend. 

Ich glaube nicht, dass du das alleine wieder hinkriegst, du hast dir ja bereits schon mal Hilfe gesucht, aber offenbar - sorry wenn ich das so direkt sage - war die von dir ausgesuchte Bereiterin auch nicht für dieses Problem geeignet. Wie lange war er denn überhaupt in Beritt ?

Mein Wallach neigt ebenfalls dazu, immer mal wieder nachzufragen oder sich neue Dinge auszudenken, mit denen er mich an manchen Tagen echt aus dem Konzept bringen kann und mich in der Vergangenheit auch wirklich so weit verunsichern konnte, dass es mir manchmal so ging wie dir: oje - was wird er sich heute wieder ausdenken. Manchmal ließ er sich führen, dann wieder nicht. 

Ich habe dann das Glück gehabt, dass das Pony zur Ausbildung weg kam. Glück insofern, dass ich einen Stall gefunden habe, wo ich auch nach der "Grundausbildung" mit meinem Pferd geblieben bin und den Beritt quasi auch als RB für mein Pferd fortgeführt habe. Der Trainer hat dafür gesorgt, dass meine "Schwächen" und Fehler im Umgang mit dem Pony immer wieder umgehend ausgebügelt worden. Es ist halt doch ein Unterschied, ob man es mit einem Jungspund oder mit einem erfahrenen Pferdchen zu tun hat, wobei unerfahrene Pferdebesitzer auch bei einem erfahrenen Pferdchen nicht davon ausgehen können, dass dieses seine gute Erziehung nicht vergisst, sondern je nach Charakter des Pferdes und des Menschen plötzlich auch Sachen vorkommen, die das Hü wahrscheinlich zuletzt als Jungpferd machte (und wahrscheinlich damit auch damals zuletzt durchgekommen ist). Zumindest meine Beobachtung in dem Trainingsstall.

Langer Rede kurzer Sinn: Du hast dir ja bereits Hilfe geholt, aber die hat dich offenbar nicht wirklich weitergebracht, sondern zu einer Verschlechterung der Situation geführt. Insofern würde ich mich mal nach einem anderen Trainer/in umschauen und nochmal mit der Erziehung von vorne beginnen (lassen).

Viel Glück dabei ! Und lass dich durch diese Vorkommnisse nicht entmutigen, ich glaube schon, dass man dein Pferd wieder hinkriegen kann! 

Kommentar von LittleNaiomi ,

Ich hatte ja eigentlich von Anfang an Hilfe! Meine RL, dann kam er in Beritt und zwar so, dass die täglich zu uns kam und ich mich auch zum Unterricht auf ihn gesetzt habe. Eine Horsemanship Trainerin hatte ich auch schon da. Eine zweite Bereiterin war kurz vor unsere Pause da.. und ich muss sagen, niemand konnte mir so richtig helfen! Am ehesten noch meine "ursprüngliche" RL, mit ihrer wahnsinnigen Ruhe. Leider setzt die sich auf kein Pferd mehr weil sie schon etwas älter ist. Und im täglichen Umgang kann mir keiner so richtig helfen. Jeder sagt nur immer du musst dich durchsetzen und dich nicht beeindrucken lassen. Das versuche ich auch aber seine Unarten lässt er deshalb auch nicht, egal was ich mache. Ignoieren, Bestrafen, Leckerlies, Loben. TTouches, Horsemanship, alles hab ich durch und nichts zeigt Wirkung bei ihm. Hab mir sogar schon überlegt ihn von einem Tierarzt komplett durchchecken zu lassen plus Rücken röntgen und Augen untersuchen, mit allem drum und dran eben. An eine Tierkommunikation habe ich auch schon gedacht!! Ich weiß nicht mehr weiter, das Tier ist offensichtlich nicht zufrieden bei mir, will nicht mit mir zusammen arbeiten, sträubt sich gegen alles was in seinen Augen lästig oder ein bisschen unangenehm ist. Ich möchte eine schöne Zeit mit diesem Pferd verbringen, ich hab kein Problem damit wenn ein Pferd nicht immer ganz einfach ist. Aber wenn es schon beim Pferd holen damit anfängt, dass er die Ohren anlegt, mir droht und sich das beim Putzen fortführt, ich ständig Angst haben muss dass er sich losreisst, mir dabei eine verpasst und mich verletzt... das sind Dinge, mit denen ich nicht leben kann. Ich kann mit dem Pferd nicht mal eben auf den Platz rausspatzieren, da ich Angst haben muss dass er auf dem Feldweg und auf dem Platz Faxen macht, sich losreissen will und mir eine verpasst. Und immer mit Kette führen kanns ja auch nicht sein. Ich kann schon von Glück reden wenn ich den ohne größere Probleme in die Halle bekomme, ich bin jedes Mal heilfroh wenn er mich dabei nicht übern Haufen rennt und ich den drin habe. Er ist immerhin 1,74 groß und ist sich seiner Kräfte ganz genau bewusst. Mir sprudelts grad so raus und der ganze Frust von den letzten 2 Jahren kommt jetzt grade hoch. Wie oft habe ich wegen dem Pferd geheult, wie oft war ich verzweifelt. Hab mich bemüht, Unterricht genommen, Beritt bezahlt - und zwar den der mir am vernünftigsten vorkam, denn in meiner Gegend ist da nicht viel zu machen mit anständigen Bereitern, und der Dank dafür ist, dass dir das Pferd mit angelegten Ohren entgegen kommt wenn du in den Stall kommst. Ein Pferd das öfter mal nachfragt - alles gut und recht, hatte ich alles schon, aber ein Pferd das richtig boshaft wird und gezielt nach Menschen giftet und auch tritt, da bin ich echt überfordert und das will ich mir nicht geben! Ich möchte auch noch andere Dinge in meinem Leben machen und mich nicht nur ständig mit dem Tier auseinandersetzen. Ich möchte auch Kinder haben und mit denen gemeinsam zum Pferd fahren. Aber wenn ich mir das jetzt so ansehe wird der wohl nie ein Pferd werden, mit dem man auch Kinder umgehen lassen kann. Ich bin sauer auf mich selbst, dass ich so blöd war und das Tier gekauft hab. Ich hätte mehr Verstand haben sollen und mir ein älteres, zu mir passenderes Exemplar aussuchen sollen. Hätte gleich viel gekostet, wenn nicht weniger, und ich hätte weniger Scherereien. Es ist nicht so, dass ich gar keine Ahnung von Pferden hätte. Ich hatte auch schon mal eine junge Stute, die war allerdings gutmütiger und nicht so abgebrüht wie der. Ich hatte auch mal einen Hafi, der war notorischer Buckler, wie oft lag ich von dem herunten, aber der war NIE boshaft und hätte sich nie getraut, dermaßen zu gifteln und sich so aufzuführen, wie der es jetzt tut. Und mit dem anlegen kann man auch vergessen, da kommt er erst recht in Fahrt. Er kommt mir vor ein unzufriedener, verzogener kleiner Junge, der einfach seinen Kopf durchsetzten muss. Mir ist bewusst, dass ich große Schuld an der Situation habe. Ich bin wahrscheinlich für so ein Pferd viel zu unsicher. Ich bin stinksauer auf mich.

Kommentar von sukueh ,

Wenn ich das richtig verstanden habe, waren die Leute immer nur für ihre "Arbeitseinheiten" bei dir am Stall und den Rest der Zeit war es dann dir überlassen, mit dem Pferd umzugehen ? Wenn dem so war, liegt meiner Meinung nach hier möglicherweise das "Problem". Wie gesagt, bei mir war es nicht ganz so schlimm mit austreten und Ohren anlegen, aber beim Führen losreissen kannte ich auch. Dadurch, dass es aber quasi umgekehrt war - ich nur für meine "Arbeitseinheiten" am Stall, ansonsten war das Pferd komplett in der Obhut des Trainers - war die Erziehung bald gegessen. Wäre es anders gewesen, also das Pferd hauptsächlich von mir gehandelt worden, wäre es wohl auch anders verlaufen. Muss ich ehrlicherweise zugeben. Aber gut, nur weil ich Auto fahren kann, kann ich es noch lange nicht reparieren und mir hat mein Weg geholfen, dass ich heute ein braves Pferdchen habe, bei dem ich in der Lage bin, kleinere Nachfrageaktionen von ihm auch alleine zu handeln und das nicht mehr von meinem Trainer lösen lassen. Man lernt ja schließlich auch dazu.

Weil in einem anderen Kommentar die Sendung Pferdeprofis erwähnt worden sind, in der Folge vom letzten Samstag war tatsächlich ein ähnlicher Fall. Eine Besitzerin, die von ihrem Pferd komplett eingeschüchtert war, der hat sich losgerissen, hatte vor allem Angst etc. Die Besitzerin hatte auch über 2 Jahre lang versucht, das alleine hinzukriegen, bis sie dann lt. Aussage in der Sendung auf die Idee kam, sich Hilfe zu holen. Es wurde dann gesagt, dass das Pferd für ein halbes Jahr auf den Hof gestellt der Trainerin gestellt wurde und danach war das Pferd tatsächlich wie ausgewechselt. Solche Pferde brauchen einfach über längere Zeit einen absolut konsequenten Umgang. 

Über die Vorgehensweise der Trainerin mag man streiten können, aber zumindest deckt sich das mit meinen Erfahrungen, dass es eben dann hilfreich sein kann, wenn man das Pferd komplett in die Obhut eines Profis übergibt. 

Das Problem dabei ist, dass es halt gar nicht so leicht ist, einen entsprechenden Profi zu finden. "Nachfrage" sagt nicht unbedingt was über die Qualität aus - leider - sondern eigentlich nur, wie gut sich einer verkaufen kann. Oftmals fehlen einem ja auch das Wissen, zu entscheiden, wie gut jemand tatsächlich ist. Ich bin z.B. heilfroh, dass ich mein Pferd nicht zu dem zunächst von mir angedachten Ausbilder gestellt habe, sondern eher dann zufällig über einen anderen Trainer gestolpert bin, von dem ich vorher noch nie was gehört hatte, der sich dann aber als wesentlich bessere Wahl herausgestellt hat, als meine erste Auswahl.

Einem frisch ausgebildeten Berufsreiter würde ich persönlich mein Pferd jetzt auch nicht unbedingt anvertrauen; ich vertraue da mehr auf die Erfahrung, die jemand hat und nicht unbedingt auf "frisch erlernte Fähigkeiten". Ist aber nur meine persönliche Meinung.

Ich denke mal, du musst für dich entscheiden, wie viel dir tatsächlich an dem Pferd liegt und wie viel du noch in das Tier investieren möchtest. Mag vielleicht etwas hartherzig klingen, aber manchmal ist es wohl wirklich besser, einen sauberen Schnitt zu machen, wenn man sich in einer Situation nicht mehr wohl fühlt, als sich ständig weiterhin zu Dingen drängen zu lassen, hinter denen man nicht mehr steht / stehen kann. Alles Gute für deine weiteren Entscheidungen ! 

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 56

Das Pferd ist offensichtlich nicht einfach. Wenn du dich mit ihm nicht wohl fühlst, dann kannst i.d.T. über Verkauf nachdenken wenn es dir zu viel Aufwand ist. Allerdings würde ich es mir dann auch sehr gut überlegen ein anderes Pferd zu kaufen, denn jedes Pferd kann mit dieser Muckerei anfangen und du kannst ja nicht jedes Jahr ein anderes Pferd hertun. Wenn es dir zu viel ist, dann gib ihn in gute, erfahrene Hände und suche dir eine RB.

Insgesamt hört sich das zwar nicht schön an, aber im Grunde ist er wohl ein Pferd, das einfach testet, und zwar geschickt testet. Ich bin mir fast sicher, dass das Testen auch schon angefangen hat, als er noch brav war. Es gibt Pferde, die fragen da ganz vorsichtig und über lange Zeiträume hinweg an, was du bemerkst und was du ihnen durchgehen lässt. Da du schreibst, er hat versucht nach der Bereiterin zu treten und sie hat ihn dafür gerüffelt und damit wars gegessen denke ich, da muss man sich ordentlich durchsetzen. Das hat vermutlich nicht mal so viel mit Dominanz zu tun, sondern eher damit dass du nicht richtig aufpasst und alles durchgehen lässt und er dich als Führungsperson einfach nicht ernstnehmen kann, selbst wenn er wollte. 

Dauerdruck ist nichts, ich würde da gezielter rangehen. Nicht nur mit Führkette führen, sondern mit Kette und normalem Strick. Ist alles gut hängt die Kette durch und du führst ohne große Einwirkung am normalen Strick. Wenn er mist machen will, dann durchgreifen und dann gleich richtig (an der Kette). Einmal Rumms und dann muss das sitzen. Hast du aber selbst Angst vor ihm und traust dich nicht, dann lass es besser. Das ist nur gefährlich und bringt dich in Gefahr. 

Ein sehr erfahrener Reiter wird damit sicherlich fertig werden. Muss eben angstfei und sehr zielgerichtet und selbstbewusst sein. Wenn das zu viel für dich ist, dann gib ihn weg. Das so wieder hinzubekommen ist ein schwerer Weg, in erster Linie für dich. Mit Angst geht da gar nichts

Kommentar von LittleNaiomi ,

Das Problem ist, dass ich Angst vor ihm hab! Er weiß ganz genau, dass ich im Zweifelsfall am kürzeren Ast sitze, weil ich ihm ständig genau dieses Gefühl gebe. Mir hat mal jemand gesagt, so ein Pferd muss dir abkaufen, dass du im Falle des Falles bereit bist, bis zum Äußersten zu gehen. Und DAS strahle ich im Umgang mit ihm wahrlich nicht aus. Auch meine letzte Bereiterin hat mir gesagt, mit meinem "wischi waschi kannst du mal bitte und tust du mal bitte" komme ich bei dem nicht weit und ich wäre nicht selbstbewusst genug. Ich bin so sauer auf mich dass ich da nicht hinkriege. Danke für deine Antwort du hat in allem zu 100% recht 

Kommentar von MissDeathMetal ,

Ja das ist wohl das Problem, aber ich finde es toll dass du das erkennst und auch akzeptierst. Das tun die meisten nämlich nicht. Es sind auch nicht alle Menschen soweit dass sie bis zum Äußersten gehen würden und auch nicht jeder Mensch ist als Leitführender geeignet. Muss man auch einsehen und akzeptieren. 

Wenn du einfach nicht der Typ dafür bist, zum einen wegen der Angst und zum anderen vllt auch einfach vom Charakter her, dann würde ich einen guten, neuen Platz für ihn suchen. Wenn es nicht klappt zwischen euch ist es vergebene Liebesmüh' und vllt hätte er es woanders besser weil er da eine Führungsperson hat, die ihn im Griff hat und entsprechend fordert. Ich würde ein Inserat stellen und nicht auf Not verkaufen, also nimm dir Zeit und guck, wer da so kommt. Wenn jmd passendes kommt, dann ists gut. Bis dahin kannst du eine ruhige Schiene mit dem Pferd fahren und den Ball flach halten. 

Ob du dir ein anderes Pferd zulegen möchtest und solltest ist fraglich. Ich weiß ja nicht inwiefern du dich trotzdem durchsetzen kannst. Nur weil du nicht bis ans Letzte gehst heißt es ja nicht, dass du komplett unfähig und verängstigt bist. Ich würde nicht anstreben ein Pferd zu kaufen und wieder auf die Suche gehen, sondern gucken, dass du eine RB findest mit der du gut klar kommst, damit du wieder lernst angstfrei zu reiten und zu arbeiten. Und wenn du dann nochmal überlegst, dann nimm dir viel Zeit und kaufe diesmal kein Pferd, das alle anderen toll finden sondern eines, das zu dir passt. Und vllt keinen Jungspund mehr, sondern eines mit 8-12 Jahren. die sind aus der Flegelphase raus und sind gefestigt. Dann musst du ein gut gefestigtes kaufen und keinen Schrotthaufen ;) 

Wünsche dir viel Erfolg und starke Nerven und dass du eine gute Entscheidung für dich und das Pferd findest! :) 

Antwort
von Feivel93, 32

Hallo LittleNaiomi,

ich habe einen Traki-Wallach der psychisch sehr labil ist. Besonders im Frühjahr und Herbst (zum Fellwechsel) wird der charakterlich "komisch". Das kann sich z.B. in Schreckhaftigkeit, Futter aussortieren, frech sein, Mauke, schlechter Laune oder sogar Aggressivität äußern. Meistens hat er dann Probleme mit der Leber. Seit dem ich zum Fellwechsel hin vermehrt Zink füttere, ist es zumindest mit der Mauke wesentlich besser geworden.

Herkömmliche Erziehungsmethoden helfen in diesen Situationen leider nicht. Sie verschlechtern seine Laune nur. "Nichtangriffspakte" helfen, aber leider nicht dauerhaft. Er "testet" nicht, sondern ist schlichtweg depressiv.

Wir haben ihn sehr gut ausgebildet (A-L) 8-jährig für meinen Mann als Lehrpferd gekauft (er reitet E-Niveau und suchte ein ruhiges Pferd). Den Job hat er auch etwa 3 Jahre anstandslos gemacht, bis das Drama losging. 

Immer wenn ich merke, dass sich sein Verhalten ändert, lasse ich ihn "überprüfen". Häufig bekommt er dann Bachblüten für die Psyche, Akkupunktur, Kräuter oder ähnliches. Rein körperlich ist er gesund, daher ist er seit einigen Jahren bei Bedarf in Behandlung bei: http://www.tiermedizin-denecke.de/

Kann natürlich sein, dass deiner spiegelt oder testet, hab mir jetzt nicht alles durchgelesen und kenne ihn ja auch nicht. Falls nicht, wäre meine Story vielleicht ein Ansatz...

VLG - Feivel

Antwort
von LittleNaiomi, 74

Habe dann angefangen ihn mit Kette zu führen, da er sich dann auch an der Aufstiegshilfe vor dem Aufsteigen losgerissen hat. 

Auch beim Ausreiten war/ist er normalerweise sehr ruhig und nervenstark. Bin mit ihm schon bald auch alleine unterwegs gewesen und es gab nie gröbere Vorkommnisse. Aber in letzter Zeit ist auch das schwieriger geworden, er war oft sehr nervös, versucht stehen zu bleiben oder umzudrehen. Prustet oft und ist guckig. Glänzende Gegenstände, in denen sich die Sonne spiegelt, sind der blanke Horror für ihn. 

Meist ist er jetzt auch auf dem Stallgelände sehr unruhig und guckig. Beim Reiten wurde er immer frecher, schlägt nach dem Schenkel oder der Gerte wenn ihm was nicht passt. Dabei buckelt er auch manchmal oder schießt los. Alles was zu viel an Druck ist - Katastrophe.

Beim letzten Blutabnehmen kriegte er sich gar nicht mehr ein. Gab dem Tierarzt sogar eine Kopfnuss. Ohne Nasenbremse wäre gar nichts möglich gewesen.

Ich nehme regelmäßig Unterricht, bemühe mich abwechslungsreich mit ihm zu arbeiten. Bemühe mich, ihn zu gymnastizieren. Zahnart, Osteopath, Sattler - sind alle regelmäßig im Haus.

Aktueller Status: Pferd wird seit gut 4 Wochen gar nicht mehr geritten weil ich einfach eine Pause gebraucht habe. Ich longiere ihn momentan viel, lass ihn mal frei laufen oder freispringen. Hab das Gefühl es tut uns beiden gut, immerhin hatte er seit dem Anreiten noch nie so richtig eine Pause. Ich möchte jetzt aber bald wieder mit dem Reiten anfangen, merke aber, dass ich schon bei alltäglichen Dingen wie Pferd holen, Pferd anhängen, Pferd putzen, fertig machen zum longieren, Schiss habe. Die ganze Zeit kreisen meine Gedanken darum, was er jetzt nicht gleich alles machen könnte, in meinen Gedanken traue ich ihm ALLES zu. Obwohl in letzter Zeit nichts gravierendes vorgefallen ist, außer dass er oft nervös und guckig ist. Ich hab die Selbstverständlichkeit im Umgang verloren, mache alles zu einem Problem, sei es das Putzen, das Führen, einfach ALLES. Ich habe Schiss vor meinem eigenen Pferd. Und ich befürchte, dass er das merkt, und deshalb so unsicher ist. Das ist wohl diese sogenannte Abwärtsspirale :-( 

Ich überlege schon, ihn zu verkaufen. Er ist ein tolles Pferd, stelle mir aber die Frage, wer mir wohl dieses Pferd abkaufen würde und ob ich das wirklich möchte.

Antwort
von Viowow, 78

magst du mal dazuschreiben, was das für ein beritt war? eine berufsreiterin, die von einem pferd als "idiot" spricht, würde ich an meine pferde nicht ranlassen...

Kommentar von LittleNaiomi ,

Das war eine Berufsreiterin, aber eine ganz "Frische", hatte da erst ihre Ausbildung abgeschlossen. Reiterlich top - wie gesagt, er war damals auch super zu reiten. Sie ist momentan auch total gefragt wie ich mitgekriegt hab

Kommentar von Viowow ,

naja, ausbildung ist nicht alles. und reiten können und pferd ausbilden sind auch zwei paar schuhe. ich würds auch mal mit nem natural horsemenshiptrainer versuchen...

Antwort
von BarbaraAndree, 82

Deine Schilderung erinnert mich an eine Sendung mit dem Pferdetrainer Bernd Hackl, wo ein Friese vorgeführt wurde, der sich ähnlich verhielt, wie dein Pferd. Ich denke, es gibt immer Ursachen für eine Wesensänderung, aber das herauszufinden, dürfte schwierig sein. Wie wäre es, wenn du dem Bernd Hackl einmal eine Mail schreibst und ihm (nicht so lang) schilderst, was du mit dem Wallach erlebst und wie er sich verändert hat. Vielleicht hat er gute Ratschläge für dich. Und wenn du das Pferd behalten willst, lohnt sich vielleicht auch eine Kontaktaufnahme.

http://www.berndhackl.de/good-horses/kurse-und-kurstermine/

Kommentar von Viowow ,

aber du hast schonmal die sendung gesehen mit dem kerl, oder? was der da so fabriziert teilweise...O.O. oder kennst du den persönlich?

Kommentar von BarbaraAndree ,

Ich kenne ihn nicht persönlich, beziehe mich ausschließlich nur auf die Sendung mit dem Friesen, den auch sein Teilhaber geritten hat und nicht er.

Kommentar von sukueh ,

Es gäbe auch noch andere Trainer.....

Kommentar von LittleNaiomi ,

Was war das denn für eine Sendung mit dem Friesen? Wann war die?

Kommentar von ponyfliege ,

die war vergangenen sonntag.

allerdings erinnert mich das eher an eine ältere sendung dieser reihe... nämlich an den tinkerwallach andy.

Antwort
von Lokiwen, 79

Zunächst einmal würde ich mich nicht beeindrucken lassen, wenn dir jemand sagt "verkauf den!". Vielleicht war es nicht gut, dass du ihn, als er schwierig wurde, in Beritt gegeben hast, statt selbst mit ihm weiterzuarbeiten. Er soll ja zu DIR eine Vertrauensbeziehung aufbauen, nicht zu irgendeinem Bereiter.

Du schreibst, am Anfang war er sehr brav. Ich tippe mal darauf, dass er sich da eingewöhnen musste und als er sich dann "Zuhause" gefühlt hat, hat er angefangen, selbstbewusst zu testen, was er darf und wie weit er mit seinen Spielchen kommt.

Das ist normal und auch, wenn er heftig ist, ist das dennoch nichts anderes als "Grenzen testen".

Und er braucht dich, um ihm klar zu zeigen, wo du die Grenzen ziehst in eurer Partnerschaft! Auch, wenn du ein mulmiges Gefühl hast, wag dich ran. Mach erstmal nur Bodenarbeit mit ihm!

Fang wieder bei 0 an! Erstmal muss er lernen, von der Herde weggeführt zu werden und mit dir alleine zu sein. Auch wenn du dazu lange brauchst, versuche es weiter. Nimm kleine Leckerlies mit, die du ihm aber nur gibst, wenn er was richtig macht: wenn du zu ihm auf den Paddock oder die Weide gehst und er bleibt stehen -> 1 Leckerli. Wenn er sich streicheln lässt am Hals und am Kopf -> 1 Leckerli. Wenn du den Strick über seinen Hals legen kannst, ohne dass er dich umbringt - > 1Leckerli. Wenn du dann das Halfter überstreifen kannst -> großer Schritt, also 2 Leckerli!

Dann von der Weide/Paddock führen und sobald ihr am Tor seid, wo es spätestens kritisch werden kann -> 1 Leckerli.

Dann zum Putzplatz und dort auch 1 Leckerli, WENN er ruhig mit geht und dich nicht über den Haufen rennt. Sobald er zickt, gibt es nur die kalte Schulter. Aber mach dennoch weiter! Und sobald er macht, was du möchtest -> 1 Leckerli oder auch mal 2, wenn es etwas Schwieriges war.

Die Übungen steigerst du dann nach und nach, vom Alleine mit dir sein, zum einzelne Dehnübungen machen, vielleicht auch mal ein Spaziergang nahe des Stalls, später dann Satteln, irgendwann dann auch wieder Reiten.

Ziel: er soll lernen, wenn er Mist baut, gibt es nichts. Wenn er aber hört und sich Mühe gibt, dann ist es bei dir soooo toll, dass es fast schon schade ist, wenn du ihn wieder nach getaner Arbeit zu seinem Kumpels bringst.

Antwort
von Nargisfan, 83

Versuch mal, einen Parelli Instuctor in deiner Nähe zu finden und bitte diesen um Hilfe.
http://www.parelli-instruktoren.com/de/

Kommentar von Lokiwen ,

Das kostet aber extremst viel Geld!

Kommentar von Nargisfan ,

muss ja nicht unbedingt einer von denen sein. ich habe eine gefunden für 40€ pro Einheit

Kommentar von sukueh ,

Na ja, wenn sollt man schon nach "Können" auswählen und nicht nur nach "was verlangt der". Klar, aufs Geld muss man auch schauen, aber wenn der nix taugt, ist auch der kleinere Betrag zum Fenster rausgeworfenes Geld.

Kommentar von Nargisfan ,

Naja sie hats geschafft die Wesensänderung an meinem Pferd in den Griff zu bekommen. es benimmt sich wieder so brav wie früher. Die Instruktorin die ich vor dieser hatte hat mehr verlangt aber gleichzeitig mit zu der negativen Wesensänderung beigetragen. Hat mir nur Basisübungen gezeigt und da ich die halt dann immer wiederholt habe war mein Pferd irgendwann total gelangweilt und dementsprechend unleidlich. Meine neue Instruktorin hat das erkannt und mir nochmal sehr viel zum Thema Parelli erzählt wovon ich noch gar nichts wusste, über die Level, usw. und hat mir dann alle zwei Wochen wieder neue Übungen gezeigt. Ich glaub aber die findet man nicht auf dieser Seite.

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