Frage von doombang,

Stadtgedichte?

ICh wollte mal fragen ob jemand Gedichte über die Stadt hat, möglichst unbekannte....

Hilfreichste Antwort von Knuddelzombie,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Unbekannt? Uff. Mir fallen leider nur bekannte ein, vor allem von Alfred Lichtenstein.

Zum Beispiel Punkt:

Die wüsten Straßen fließen lichterloh

durch den erloschnen Kopf. Und tun mir weh.

Ich fühle deutlich, daß ich bald vergeh -

Dornrosen meines Fleisches, stecht nicht so.

Die Nacht verschimmelt. Giftlaternenschein

Hat, kriechend, sie mit grünem Dreck beschmiert.

Das Herz ist wie ein Sack. Das Blut erfriert.

Die Welt fällt um. Die Augen stürzen ein.

oder eben Die Stadt:

Ein weißer Vogel ist der große Himmel.

Hart unter ihn geduckt stiert eine Stadt.

Die Häuser sind halbtote alte Leute.

Griesgrämig glotzt ein dünner Droschkenschimmel.

Und Winde, magre Hunde, rennen matt.

An scharfen Ecken quietschen ihre Häute.

In einer Straße stöhnt ein Irrer: Du, ach, du –

Wenn ich dich endlich, o Geliebte, fände ...

Ein Haufen um ihn staunt und grinst voll Spott.

Drei kleine Menschen spielen Blindekuh –

Auf alles legt die grauen Puderhände

Der Nachmittag, ein sanft verweinter Gott.

Kommentar von Knuddelzombie,

Vom armen B.B. von Bertolt Brecht:

Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern.

Meine Mutter trug mich in die Städte hinein

Als ich in ihrem Leib lag.

Und die Kälte der Wälder

Wird in mir bis zu meinem Absterben sein.

In der Asphaltstadt bin ich daheim. Von allem Anfang

Versehen mit jedem Sterbsakrament:

Mit Zeitungen. Und Tabak. Und Branntwein.

Mißtrauisch und faul und zufrieden am End.

Ich bin zu den Leuten freundlich.

Ich setze Einen steifen Hut auf nach ihrem Brauch.

Ich sage: es sind ganz besonders riechende Tiere

Und ich sage: Es macht nichts, ich bin es auch.

In meine leeren Schaukelstühle vormittags

setze ich mir mitunter ein paar Frauen

Und ich betrachte sie sorglos und sage ihnen:

In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.

Gegen Abend versammle ich um mich Männer

Wir reden uns da mit "Gentlemen" an.

Sie haben ihre Füße auf meinen Tischen

Und sagen: Es wird besser mit uns. Und ich

Frage nicht: Wann?

Gegen Morgen in der grauen Frühe pissen die Tannen

Und ihr Ungeziefer, die Vögel fängt an zu schrein.

Um die Stunde trink ich mein Glas in der Stadt aus

Und schmeiße

Den Tabakstummel weg und schlafe beunruhigt ein.

Wir sind gesessen, ein leichtes Geschlechte

In Häusern, die für unzerstörbare galten

(So haben wir gebaut die langen Gehäuse des Eilands Manhattan

Und die dünnen Antennen, die das atlantische Meer unterhalten).

Von diesen Städten wird bleiben: der durch sie Hindurchging, der Wind!

Fröhlich machet das Haus den Esser: Er leert es.

Wir wissen, daß wir Vorläufige sind

Und nach uns wird kommen: nichts Nennenswertes.

Bei den Erdbeben, die kommen werden, werde ich hoffentlich

Meine Virginia nicht ausgehen lassen durch Bitterkeit

Ich, Bertolt Brecht, in die Asphaltstädte verschlagen

Aus den schwarzen Wäldern in meiner Mutter in früher Zeit.

Kommentar von Knuddelzombie,

Augen in der Großstadt von Kurt Tucholsky:

Wenn du zur Arbeit gehst

am frühen Morgen,

wenn du am Bahnhof stehst

mit deinen Sorgen:

da zeigt die Stadt

dir asphaltglatt

im Menschentrichter

Millionen Gesichter:

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

die Braue, Pupillen, die Lider -

Was war das? vielleicht dein Lebensglück...

vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang

auf tausend Straßen;

du siehst auf deinem Gang, die

dich vergaßen.

Ein Auge winkt,

die Seele klingt;

du hast's gefunden,

nur für Sekunden...

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

die Braue, Pupillen, die Lider -

Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...

Vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang

durch Städte wandern;

siehst einen Pulsschlag lang

den fremden Andern.

Es kann ein Feind sein,

es kann ein Freund sein,

es kann im Kampfe dein

Genosse sein.

Er sieht hinüber

und zieht vorüber ...

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

die Braue, Pupillen, die Lider -

Was war das?

Von der großen Menschheit ein Stück!

Vorbei, verweht, nie wieder.

Kommentar von Knuddelzombie,

In einer großen Stadt von Detlev von Liliencron:

Es treibt vorüber mir im Meer der Stadt

Bald der, bald jener, einer nach dem andern.

Ein Blick ins Auge, und vorüber schon.

Der Orgeldreher dreht sein Lied.

Es tropft vorüber mir ins Meer des Nichts

Bald der, bald jener, einer nach dem andern.

Ein Blick auf seinen Sarg, vorüber schon.

Der Orgeldreher dreht sein Lied.

Es schwimmt ein Leichenzug im Meer der Stadt,

Querweg die Menschen, einer nach dem andern.

Ein Blick auf meinen Sarg, vorüber schon. ´

Der Orgeldreher dreht sein Lied.

Kommentar von Knuddelzombie,

So, bin zu faul, hier weiter die kompletten Gedichte hinzuposten, deshalb ab jetzt nur noch Titel + Verfasser:

Die Stadt von Georg Heym

Die Stadt von Theodor Storm

Ich will heraus aus dieser Stadt von Gerrit Engelke

Die Stadt von Cäsar Otto Hugo Flaischlen

Ich kam in eine große Stadt von Friedrich Martin Bodenstedt

Schau mal bei http://lyrik.antikoerperchen.de/, da sind sie werden sie hilfreich kommentiert.

Kommentar von Knuddelzombie,

Schwarze Stadt

Ankunft

Ein Augenblick Paris

von Walter Rheiner

Kommentar von Knuddelzombie,

Großstadtmorgen von Herbert Lipp

Da gibt es echt sooo viele, vor allem im Expressionimus... googel mal und such dir eins aus!

Antwort von mia68,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

...oha - an das da oben kann ich nich´klingeln, aber einen hab´ich noch:

Theodor Storm - und seine Stadt:

http://www.textlog.de/gedichte-stadt.html

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