Frage von Laura1408, 86

Stabile Seitenlage ja oder nein?

Hallo
Ich habe eine 16 stündigen großen erste hilfe kurs absolviert und uns wurde gesagt dass wenn man eine bewusstlose person auffindet,die atmet,muss man ihn in die stabile Seitenlage bringen.
Soweit so gut,aber wenn der patient z.b aus einer hohen höhe gefallen ist oder einen autounfall hatte,könnte die Wirbelsäule verletzt sein.würde man mit der seitenlage nicht noch mehr schaden anrichten?

Bitte keine dummen Antworten
Danke

Antwort
von Rollerfreake, 35

Die stabile Seitenlage ist eine lebensrettende Sofortmaßnahme, also eine Maßnahme die das Überleben des Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes unmittelbar sicherstellt und muss daher immer durchgeführt werden. In Rückenlage fällt die Zunge zurück in den Rachenraum und verlegt die Atemwege, zudem kann es zum einatmeten von Erbrochenem kommen, medizinisch Aspiration genannt, beides führt letztendlich zum Tod durch ersticken oder schweren Hirnschäden durch Sauerstoffmangel. Dadurch ist Bewusstlosigkeit ein akut lebensbedrohlicher Zustand und das einzige Mittel eines Ersthelfers die oben genannten Gefahren abzuwenden ist die stabile Seitenlage, auf mögliche Begleitverletzungen, auch mögliche Wirbelsäulenverletzungen, wird da mehr oder weniger keine Rücksicht genommen. Nach Möglichkeit sollte bei begründetem Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung ein achsengerechtes Drehen erfolgen, bist du jedoch als Helfer alleine vor Ort, machst du ganz normal eine Seitenlage. Und niemals vergessen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes regelmäßig, d.h. alle 2 Minuten die Atmung zu überprüfen, diese kann immer noch aussetzen und der Patient reanimationspflichtig werden. 

Antwort
von Stephan79er, 15

Hallo,
diese Frage wird mir bei Erste Hilfe Schulungen immer wieder gestellt.

Wenn man die beiden Dinge mal aus Ersthelfersicht betrachtet, stellt sich die Situation meistens folgendermaßen dar: Man findet (nach Sturz oder Verkehrsunfall) einen bewußtlosen Patienten vor.
Was weiß man nun?Er ist bewußtlos und atmet in unserem Fall noch.
Welche Gefahren bestehen? Sein Zungengrund rutscht nach hinten und blockiert die Atemwege. Er könnte erbrechen und daran ersticken.
Was können wir dagegen tun? Stabile Seitenlage.
Das sind die Dinge, die wir sicher wissen.
Ob er noch irgendwelche Begleitverletzungen hat, wissen wir nicht, da keiner Röntgenaugen hat. Wirbelsäulenverletzung? gebrochene Beine? schweres Schädel-Hirn-Trauma?
Das könnte sein, aber das wissen wir nicht, aber was wir genau wissen: Wenn er auf dem Rücken liegen bleibt, wird er uns ersticken.

Und es ist besser, wenn er sich hinterher über seinen schlecht verheilten Beinbruch aufregt, als wenn sich hinterher herausstellt, dass alles in Ordnung war und wir ihn aus Angst vor der Wirbelsäule in Rückenlage belassen haben und der Patient erstickt ist.

Desweiteren ist es meistens so: Selbst wenn das Rückenmark durchtrennt wurde, dann meistens schon durch den Unfall selbst, sodaß der Ersthelfer darauf keinen Einfluß mehr hat.

Zusammenfassend: Wir können nur von dem ausgehen, was wir wissen und das ist: Wenn er auf dem Rücken liegen bleibt, wird er ersticken! Und die einzige Möglichkeit für den Ersthelfer etwas dagegen zu tun, ist die Stabile Seitenlage!

Antwort
von Deepdiver, 47

Es kann durchaus sein, das du durch die Lagerung des Patienten in die stabile Seitenlage etwas verletzen kannst.

Aber das ist immer noch unwichtig als wenn der Patient plötzlich bewustlos wird und dadurch erstickt.

Wenn du die Möglichkeit hast, dich um den Patienten intensiv zu kümmern und ständig sein Bewustsein überwachst, kann er so liegen bleiben.
Er wird sich dann schon melden, wenn es ihm nicht so angenehm ist.

Antwort
von GravityZero, 41

Das kannst du sowieso nicht beurteilen. Seitenlange immer wenn er/sie bewusstlos ist.

Antwort
von Schekki12, 23

Hallo,

Ja der Pat muss in die stabile Seitenlage gelegt werden, wenn nicht kann es sein dass er erstickt.

Natürlich stellt sich die Frage ob es besser ist tot zu sein oder querschnittsgelähmt.

Diese Frage hat einmal einer meiner Ausbilder sehr gut beantwortet. Er sagte Folgendes:

"Es steht euch nicht zu diese Ethische Frage für den Patienten zu beantworten. Ihr Handel nach eurer Pflicht. Ihr habt nicht das Recht dem Patienten die Entscheidung von Leben und Tot abzunehmen. Wenn er möchte kann er sich nachher im schlimmsten Fall umbringen. Das ist seine Sache. Eure Aufgabe ist es ihn richtig zu behandeln. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung."

Mir persönlich hat diese Aussage sehr geholfen.

LG

Kommentar von Laura1408 ,

Vielen Dank Sie haben mir sehr geholfen :)

Kommentar von Schekki12 ,

Und ja, es kann sein dass noch mehr verletzt wird.
Als Anmerkung.

Kommentar von Schekki12 ,

Sehr gerne :).

Antwort
von Matermace, 38

Würde man, wenn man es nicht tut könnte er allerdings aspirieren und sterben. Das Motto ist "Lieber querschnittsgelähmt als tot".

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community