Frage von xray2016, 48

SPRUCH: Morbus est judicium in pravo pertinax. "Krank wird, wer sich auf falsche Urteile versteift" - was bedeutet dieser Spruch - welche falschen Urteile?

Ich glaube, wenn ich diesen Spruch grundlegend verstehe, weiß ich auch viel mehr über mich selbst Bescheid. Wie muss ich das verstehen ?

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Antwort
von Enzylexikon, 11

Ich würde sogar soweit gehen zu sagen

"Krank ist, wer sich auf Urteile versteift".

Urteile durch Andere

Wenn wir uns beispielsweise alles zu Herzen nehmen würden, was negativ denkende Menschen über uns behaupten, könnte man leicht eine psychische Erkrankung entwickeln.

Umgekehrt verdreht es auch unseren Charakter, wenn wir jedem Lob und jeder Schmeichelei blindlings glauben würden. Auch dann könnten wir eine gestörte Persönlichkeit entwickeln.

Am Sinnvollsten ist vielleicht eine Haltung, die man so beschreiben könnte:

"Auf Regen folgt Sonnenschein"

Egal ob es Kritik oder Lob ist - man sollte nicht zu viel darauf geben, was die Leute über einen sagen, oder einen denken.

Diese Urteile sind subjektiv und von persönlichen Ansichten über bestimmte Menschen gefärbt.

Urteile und Bewertungen ändern sich außerdem und selbst wenn wir sie für absolut halten, werden sie sich ändern.

Es gibt also keinen Grund, irgendwelche Urteile und Beurteilungen übertrieben ernst zu nehmen.

Aber auch wir selbst treffen Urteile auf die wir uns versteifen.

So haben wir eine bestimmte Vorstellung davon, wie etwas zu sein hat. Wir ver-urteilen eine Gurke dazu, dass sie gerade zu sein hat. Alles andere ist für uns keine vollwertige Gurke.

Aber auch eine krumme Gurke ist ganz natürlich und wenn wir uns auf unser Urteil versteifen und es ablehnen, unsere fehlerhafte Ansicht zu korrigieren, werden wir womöglich verhungern.

Wenn wir uns auf ein Vor-Urteil versteifen, etwa auf diskriminierende Vorstellung gegenüber anderen Menschen, vergiftet das unsere Persönlichkeit und dieses Festhalten an eigenen Ansichten kann sogar anderen schaden.

Dann sind wir nicht nur selbst krank, sondern sogar infektiös und stecken andere Menschen mit unseren vorschnellen, unbedachten und falschen Urteilen an.

Antwort
von berkersheim, 13

Dieser Ausspruch passt sowohl in die Philosophie des Epikureismus wie auch der Stoa. Dabei würde ich "morbus" nicht eng als "krank" übersetzen, sondern als "ein bedrohtes Leben riskiert, wer an falschen Urteilen festhält."

Für die Stoa galt ja die Vorstellung, dass in einem Logos, in einem höheren Zusammenhang die Sinnhaftigkeit des Lebens verankert ist und man wie ein Entdecker sich immer bemühen sollte, die sinnvolle Ordnung des Logos und den eigenen Platz darin zu erkennen, um ein gelingendes Leben zu führen. Aufklärung war für die Stoa das Erkennen der höheren Ordnung des Logos und ein sich darin einfügen. Diese Vorstellung wird schon von Kant und dann stark von Hegel wieder aufgegriffen in seiner Weltvernunft. Dabei war dem Menschen durch seine Vernunft als Anteil am Logos möglich, gemäß der höheren Vernunft zu handeln. Falsche Urteile dagegen begünstigte ein Zuwiderhandeln, ein Verfallensein in die Niederungen der Emotionen.

Der Epikureisums lehnte dieses geschlossene Weltbild der Stoa ab, wonach es eine höhere Ordnung überhaupt gäbe, der gemäß man handeln sollte. Für den Epikureismus galt es, im breiten aufklärerischen Sinne Erfahrungen zu sammeln und abzuklären. Die Welt ist zwar ein Netz von Verflechtungen, die man wissenschaftlich und in Orientierung an positiven Erfahrungen besser handhaben kann, doch eine "höhere Vernunft" lehnt der Epikureismus ab. Epikur ist sehr sprachkritisch und legt großen Wert darauf, dass in der Benutzung von Sprache abgeprüft wird, welche Realbezüge wirklich gemeint sind, weil Sprache zu falscher Pauschalisierung neigt, mit Emotionen unpräzise aufgeladen ist und die korrekte Bezeichnung von Vorgängen wichtig ist, um sie besser zu erkennen und diese Erkenntnis zu kommunizieren. Epikur betont immer wieder, wie falsche Meinungen auch zu einem "falschen Leben" führen und es wichtig ist, seine Meinungen ständig zu überprüfen und zu verbessern. Diese Sprachkritik Epikurs findet sich später z.B. bei Nietzsche wieder, obwohl er nicht angibt, dass er bei Epikur abgeschrieben hat.

Antwort
von Negreira, 10

Das ist doch DER Spruch für Dr. Google!

Antwort
von BleibMensch, 14

Ganz einfach: Suggestion!

Antwort
von gromio, 10

guck mal da:

https://books.google.de/books?id=G0tbDAAAQBAJ&pg=PA104&lpg=PA104&dq=...

kurz und prägnant........

cheerio

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