Frage von Linn1212, 140

Sprechen die Schauspieler aus Herr der Ringe wirklich elbisch?

Hey also es wird ja gesagt das Liv Tyler (Arwen) und Viggo Mortensen (Aragorn) für Herr der Ringe elbisch gelernt haben. Da die ja jetzt aber nicht so viel elbisch sprechen bin ich etwas skeptisch ob die jetzt wirklich elbisch für die "paar" Sätze gelernt haben. In einem Interview sagt Liv Tyler ja auch was auf elbisch, aber ich denke eher das das alles nur Show ist. Ich meine Evangeline Lilly (Tauriel) hat ja jetzt auch nicht extra elbisch für Hobbit gelernt. Was sagt ihr dazu?? G.L.G. Linn

Antwort
von Garlond, 140

Ich denke auch, dass die Schauspieler nur ihren Text gelernt haben. Das elbisch lernen bezieht sich hier wohl eher auf die korrekte Aussprache.
Aber ich denke auch nicht, dass man elbisch überhaupt sprechen kann, es gibt zwar eine Grammatik, aber viel zu wenige Vokabeln um sich richtig unterhalten zu können.

Antwort
von Amelia193, 123

Sie haben definitiv nur ein paar Sätze auf elbisch gelernt und nicht die ganze Sprache.

Kommentar von Linn1212 ,

Ja hätte mich sonst auch gewundert...Danke:)

Antwort
von MissMarplesGown, 99

In den HdR- u. Hobbit-Filmen werden zwei der vier von Tolkien entwickelten elbischen Sprachen gesprochen, Sindarin als Alltagssprache der Sindar, die man aber auch in Rohan und anderen Gegenden spricht (vergleichbar mit English, das ebenfalls "Weltsprache" ist und in vielen Ländern verstanden wird) - und das ältere Quenya, das zur Zeit der Ringgemeinschaft bereits eine selten gesprochene, sehr formelle Sprache geworden war, die vor allem in Zeremonien (vergleichbar mit Latein in Europa) noch ihren Platz hat.

Sindarin sprechen im Film die Grau- und Hochelben von Lothlórien = Galadriel + Celeborn + Haldir und Volk - sowie die Sindar und Silvan Elben von Eryn Lasgalen (nach der Invasion der Spinnen in "Mirkwood" umbenannt) = Thranduil + Legolas + Tauriel + Volk.

Aber auch Elrond in Imladris u. Tochter Arwen + Volk sprechen Sindarin. Auch Aragorn als ein "Dúnedain" spricht Sindarin, da er in Elronds Haus aufgewachsen war. Daher seine Beziehung zu Arwen.

Quenya wird von Galadriel in Lothlórien in feierlichen Momenten gesprochen. Galadriel ist vor Thranduil die älteste Elbin auf Mittelerde, sie stammt noch aus dem ersten Zeitalter, zu dessen Beginn Quenya die Hauptsprache gewesen war - bevor die Elben sich in Mittelerde niederließen.

Khuzdul als die von Tolkien erfundene Sprache der Zwerge wird ebenfalls in den Filmen eingesetzt - und auch "Black Speech" als "Tongue of Mordor" sowie Black Speech-Abwandlungen gibt es -  bzw. ein "Neo-Black Speech", da der Sprachexperte David Salo hier aus dem, was Tolkien zurückließ, nicht ausreichendes Material schöpfen konnte für das, was in Orc-Szenen (oder auch später in den Hobbit-Filmen von Azog + Armee) gesagt werden sollte.

Die Inschrift des Rings ist z.B. in Black Speech formuliert (der Ring stammt aus Mordor), ist aber in Tengwar Zeichen graviert worden. Tengwar ist keine Sprache, es ist nur ein Verschlüsselungscode, in dem auch elbische Sprachen geschrieben werden können. Die Khuzdul-Ring-Inschrift würde rückübersetzt so aussehen: "Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul, ash nazg thrakatulûk, agh burzum-ishi krimpatul."

Sämtliche Sprachen, die man in den HdR-Filmen, aber auch in den Hobbit-Filmen hört, sind tatsächlich von Tolkien so strukturiert und entwickelt, dass sie "sprechbar" sind. Sindarin ist bezüglich Grammatik und Wortschatz am besten entwickelt und kann daher durchaus vieles ausdrücken, Quenya enthält weniger Vokabeln und mit Khuzdul sieht es noch magerer aus. Von den Sprachen Mordors sind nicht viel mehr als Vokabellisten bekannt, daher musste hier für den Film erweitert werden.

Sindarin kann man lernen. Allerdings ist die Grammatik an die finnische und ungarische angelehnt und diese hat es in sich (es gibt vollständige Grammatik-Bücher für Sindarin) - u. es wird ausserdem schnell klar, dass diese Sprache auf die Erlebnis- und Erfahrungswelt eines imaginären Elbenvolkes zugeschnitten ist, das nicht nur sämtliche moderne Begriffe nicht kennt, sondern auch seine Werte u. seine ganz besonderen Perspektiven auf die Dinge, die Welt und das Leben hat. Die Elben Mittelerdes sind unsterblich u. leben in Distanz insbesondere zu den Menschen (ausgenommen Esgaroth/Laketown), da ist die Perspektive und Wertung der Dinge eine völlig andere und dies drückt sich auch in ihren sehr "elbischen" Redewendungen und Formulierungen aus. Dazu macht sich in dieser Sprache bemerkbar, dass Elben Naturvölker mit einer immens ausgeprägten Kultur, Spiritualität u. Kunst sind - auch dies ist hörbar an der Sprache und den Möglichkeiten sich auszudrücken. Man muss umdenken u. kreativ werden, wenn man Sindarin sprechen möchte. Die Aussprache: Mix aus Lat., Engl., Walisisch und Gälisch.

Die Schausp. haben tatsächlich "nur" ihre Texte gelernt und nicht die ganze Sprache. Dies aber nicht, indem sie sich einprägten, welche "Laute u. Silben" sie wann und in welcher Reihenfolge sagen müssen, sondern durchaus so, dass sie ganz genau wissen, was sie da sagen und auch, wo im Satz welches Wort ist und wo also die Betonungen liegen müssen, wenn man sich vorstellt, man sei frei sprechender "native Sindarin speaker".

Ich habe Sindarin gelernt, soweit dies möglich ist und kann sagen, dass das, was da im Film gesprochen wird, an jeder Stelle seinen Sinn macht und dass sich hier korrekte Worte zu Inhalten aneinander reihen. Wenn ich diese Szenen sehe, ergibt sich derselbe gefühlte "Effekt" wie wenn man z.B. Polnisch gelernt hat und weiterhin alles verstehen kann, wenn Leute plötzlich von Deutsch auf Poln. wechseln. Ich hatte nach der Verfilmung von "Rückkehr des Königs" ein Interview mit Liv Tyler gesehen, in dem sie sagte, Sindarin ("Elvish") sei eine sehr fließende u. klangvolle Sprache, bei der sich alle Laute wie beim Singen ganz von selbst ergeben - und es stimmt! Ich habe nebenbei auch alle Sind. Filmtexte aus HdR u. Hobb. gelernt. Es gibt sogar "Akzente", den stärksten haben Aragorn u. Legolas. Arwen nuschelt etwas zu viel, Thranduil, Haldir, Galadriel u. Elrond sprechen sehr gut u.deutlich.

Kommentar von Linn1212 ,

Das im oberen Teil wusste ich auch schon so ungefähr aber du hast es nochmal sehr genau beschrieben. Das die nicht richtig elbisch gelernt haben dachte ich mir ja schon. Du hast ja elbisch bestimmt in so einem Internet-Kurs gelernt, welchen den genau?

Danke

Kommentar von MissMarplesGown ,

Kein Kurs, ich habe verschiedenes Material verwendet. Ich habe einen ganz guten Sinn für Sprache und Sprachen und bin Schauspielerin - da kommt einem ein gutes Gedächtnis und Auffassungsvermögen und schnelles Lernen zugute. Ich habe die pdf Pedin Edhellen ("Ich spreche Elbisch") für die Grammatik, die komplizierten Verbformen und Verständnisübungen sowie einige ausführliche Verbtabellen genutzt. Hier waren zum Nachvollziehen der Grammatik die Sindarin-Texte aus Pedin Edhellen sehr hilfreich, denn es gibt nicht viele korrekte Texte im Netz. Die Texte aus den Filmen geben Beispiele, sind aber viel zu wenig Material, um allein daran die Grammatik im Detail nachzuvollziehen. Link siehe hier:

http://www.sindarin.de/pedin_edhellen20_de.pdf

Das ist eine Menge Zeugs! Es ist daher hilfreich, wenn man bereits Fremdsprachen spricht und mit Grammatik generell vertraut ist. Lateinkenntnisse, aber auch Italienisch, Spanisch, Ungarisch oder Finnisch helfen hier sehr.

Auch ist es gut, die Ausführungen Tolkiens zu den elbischen Sprachen gelesen zu haben und zu sehen, was es da ausserdem vorab zu erfahren und zu verstehen gibt anhand der Videos und Texte, die David Salo (verantwortlich für Entwickl. der Filmtexte in Sindarin-, Quenya-, Khuzdul- und Black Speech sowie Sprachtraining, Ausssprache und Coaching am Set)  und andere Linguisten dazu in den letzten Jahren veröffentlicht haben.

Es gibt einige Linguisten, für die nach dem Start der Mittelerde-Filme sehr interessant wurde, was Tolkien mit der Entwicklung seiner Sprachen und was Peter Jackson dann wiederum mit dem Tolkien-Material gemacht hat und wie man hier das Ganze umgesetzt und Probleme auf unterschiedlichen Ebenen überwunden hat. Exakt diese Dinge - mit Focus auf die Filme und die Leistungen der Schauspieler sowie den Prozess vom Ausgangspunkt (Tolkien-Material, teilweise unvollständig bzw. nie vollendet) bis hin zum gesprochenen Text mir Sinn für die jeweilige Szene und den agierenden Charakter - hatten mich ebenfalls interessiert, so fing es an.

Ich fand und verstand nicht nicht allzu viel bzw. nichts, was mich ausreichend zufriedenstellte, wenn ich nicht auch den Umweg über Tolkien selbst, seine Idee und Absicht und die Entwicklung seiner Sprachen machte - und so kam lediglich als Nebenprodukt für mich schließlich heraus, dass ich nebenher auch den "Selbst-Versuch" unternahm, Sindarin zu lernen. Dies war zunächst gar nicht mein erstes Ziel, ich interessierte mich für die Arbeit, die hinter der Verwendung solcher erfundenen Sprachen in einem Film stand und erwischte mich dabei, wie ich allein beim Anschauen der Filmszenen bereits ganze elbische Passagen auswenig sprechen konnte, ohne aber bereits zu wissen, was diese im Einzelnen bedeuten. Erst als ich alle Sindarin- Texte aus HdR und dem ersten Hobbit-Film auswendig sprechen konnte, begann ich mich dafür zu interessieren, die Sprache nach dem, was darüber aus Tolkiens Dokumenten bekannt war, tatsächlich zu lernen. Es ergab sich irgendwie aus der Begeisterung über eine rein erfundene Sprache, die völlig real klingt und sich beim Sprechen so vertraut anfühlt, als habe man so schon ewig gesprochen.

Wie gesagt, was Liv Tyler über ihre Erfahrung mit Sindarin sagt, kann ich voll bestätigen. Andere machen aber auch ganz andere Erfahrungen. Das aus dem Englischen übernommene härter ausgesprochene "th" (wie in engl. thirty) ist vielen vertraut und kann beim Sprechen 1:1 übertragen werden. Die weicheren "th"-Laute (wie in engl. father), die, abgeleitet vom Walisischen in Sindarin als ein "dh" geschrieben werden, sind aber gewöhnungsbedürftig - ebenso wie die Aussprache des doppelten L, das in manchen Sindarin-Worten je nach Vorlauten unterschiedlich ausgesprochen wird und für deren schwierigste Varante wir im Deutschen gar kein Beispiel haben - so wie die Franzosen den Klang eines "H" nicht kennen und die Chinesen kein "L".

Auch das ch, das in Sindarin wie im deutschen Wort "lachen" gesprochen wird, also kehlig wie in Schweizerdeutsch, macht das Sprechen zunächst fremdartig, insbesondere wenn ll, ch, th oder dh auch noch innerhalb eines Wortes dicht aufeinander folgen. Oder ein w oder gw, die ebenfalls in Sindarin zunächst sperrig und fremd klingen, insbesondere in Kombi. mit weiteren schwer auszusprechenden Lauten - oder die vielen Kürzungen und  gehäuften Vokale, die wie in "N`i lu n`i e-govenitham" oder "A si i-Dhúath ú-orthor, ú or le a ú or nin." Wer über Ungarisch oder auch Italienisch bereits die Aussprache gehäufter Vokale händeln kann und aus dem Ungarischen auch bereits die Abtönung des "a" in Kombination mit einem klaren, hellen "a" in einem Wort kennt, empfindet dies dann nicht als zu schwierig und wird nicht so lange brauchen, auch dies fließend zu sprechen.

I.wann wird aus wurschteligen und abgehackten sprachlichen Gehversuchen dieses fließende, singende "Etwas", das klingt wie etwas, das es einmal gegeben haben könnte - oder immer noch irgendwo gibt. ;-) Es ist ein bißchen verrückt, so etwas zu lernen.

Antwort
von Dahika, 88

Das sind Schauspieler. Die lernen ihren Text und fertig.

Antwort
von eltenjohn, 95

dieser tolkien hat diese sprache erfunden, sie wurde nur von ihm oder oder wenigen anderen gesprochen, also ....

Kommentar von Garlond ,

?
oder oder
und allen die sie gelernt haben?

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