Sprachliches Bild: ,,Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen"?

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5 Antworten

Das ist natürlich ein impliziter Vergleich, sprich eine Metapher. Da die Anfangsmetapher ausgeführt wird, spricht man von einer "gesponnenen Metapher".

Ferner ist der Bildkomplex typisch für expressionistische Lyrik. 

Sehr charakteristisch für dieses Gedicht ist das Nebeneinander; "man" hat den Sinn für das Ganze verloren. Ähnliches findest du etwa bei van Hoddis, Heym, Trakl.

Entscheidend ist also hier, dass die Metapher deutlich macht, wie der Mensch die Natur vereinnahmt hat und sich also nicht mehr als Teil der Natur wahrnimmt - den das "Dächermeer" und die "ziegelroten Wellen" sind ja menschliche Konstrukte (Artefakte).

Dass sich aber die Natur an dieser Vereinnahmung einmal rächen wird, steht im Horizont des Gedichtes wie des Expressionismus überhaupt.

s. natürlich auch LolleFee.

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Es ist einfach ein Vergleich. Die Dächer sind so dicht an dicht, dass sie fast eine geschlossene Fläche bilden, die ihn an ein Meer erinnert. Dazu paßt es dann auch, dass die Dachform (also Dach mit Giebel) den Wellen ähneln. Damit legt er eine Grundstimmung fest: Ein Meer schlägt rote Wellen.

Da ich den Rest des Gedichtes nicht kenne, kann ich das nicht deuten.

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Kommentar von Semih1905
21.12.2015, 19:45

Ok vielen Dank!

Habe noch paar Fragen:

Art des Sprachlichen Bildes:

,,wie aus grauem Tuch"

,,wie Bekannte"

,,Gräser [...]nicken"
,,Spinnen[...]stricken"

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Die Wälder schweigen

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.  
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.  
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.  
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.    
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.    

Die Jahreszeiten und die Stadt werden personifiziert. "Man" ist dagegen sehr anonym und wirkt passiv und von außen gesteuert. Das "Blatt" hat eine Doppelbedeutung: Man erkennt ("liest") die Jahreszeiten anhand des Laubs und in der Zeitung (bspw. Abendblatt). Gegensatz Stadt - Natur : laut - ruhig, laufende - Lauf der Zeit, penibel - strolchen.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.  
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.  
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.  
Man träumt von grünen Teichen und Forellen  
Und möchte in die Stille zu Besuch.  

Doppelbild "Wellen schlagen": Bildlich > Ziegelgedeckte Dächer sehen aus wie Wellen, im übertragenen Sinn > der Bau neuer Gebäude sorgt für Aufsehen. Das graue Tuch ist ein Vergleich für den grauen Qualm, der alles zudeckt. Wieder "man" und die Stille der Natur. Träumen als Sich-aus-der-Stadt-wegwünschen. Forellen sind ein Zeichen für sauberes Wasser.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.    
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden    
und tauscht bei ihnen seine Seele um.  
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.    
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.  

Wieder Personifizierungen (Seele, Bäume, Wälder), wieder ein Vergleich (wie mit Brüdern). Auffällig ist, dass die Seele krumm wird, nicht der Körper (das Pflaster war ja noch sehr holprig...). Naherholung in der Natur: "und tauscht bei ihnen seine Seele um". Widerspruch: Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.  
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!  
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken  
und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken,  
wird man gesund.  

"wie Bekannte nicken" bedeutet aktives Zuhören, Bestätigung, Zeit, reden zu können und (an)gehört zu werden. Seidne Strümpfe sind wieder ein Doppelbild: Zum einen sehen die Gespinste von Spinnen aus wie Rohseide und man spricht auch von Spinnenseide. Zum anderen waren Seidenstrümpfe zu der Zeit eine Kostbarkeit und sowohl Zeichen des Wohldstands als auch der Industrialisierung. Stricken verweist gleichermaßen auf die ruhige, bedächtige Tätigkeit und das Handwerk als solches (also nichts Maschinengefertigtes) hin. Wenn "man gesund [wird]", kann man schließen, dass man krank war - dass die Stadt als Sinnbild für die Industrialisierung also krank macht.

Hast Du schon überlegt, worin die Wirkung von 5 Versen pro Strophe bestehen könnte? Und der kurzen letzten Zeile?

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Ich meine auch Metaphern, weil "Meer" und "Wellen" hier nicht in ihrer ursprünglichen Bedeutung (man sagt auch "in ihrer lexikalischen" Bedeutung) verwendet werden.  

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Die Metapher lässt sich herleiten.

Wenn es Wellen gibt, dann gibts nicht nur eine sondern viele, Wellen gehen hoch und runter, also wie ein Dach.

Die Dächer sind also das Meer, für die roten Wellen der daraufliegenden Ziegeln!

Wird wohl eine Stadt beschrieben? :)

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Kommentar von Semih1905
21.12.2015, 19:43

Ok vielen Dank!

Habe noch paar Fragen:

Art des Sprachlichen Bildes:

,,wie aus grauem Tuch"

,,wie Bekannte"

,,Gräser [...]nicken"
,,Spinnen[...]stricken"

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Kommentar von Semih1905
21.12.2015, 19:47

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
       Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
       Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
       Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
    5 Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

       Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
       Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
       Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
       Man träumt von grünen Teichen und Forellen
   10 Und möchte in die Stille zu Besuch.

       Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
       Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
       und tauscht bei ihnen seine Seele um.
       Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
   15 Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

       Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
       Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
       Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
       und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken,
   20 wird man gesund.

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