Frage von LouSalomeO, 53

Spielt Philosophie in Erziehung und Bildung (heute noch) eine Rolle und wenn ja, warum ist sie wichtig?

Und warum ist es wichtig Kindern schon philosophisches Denken zu vermitteln und sollte das nicht vermehrt die Aufgabe der Eltern und Erzieher sein, anstatt sie zum Beispiel zu verfrüht an Technik heranzuführen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 16

Das Verhältnis von Philosophie und Alltag ist vergleichbar einer teils hochspezialisierten Grundlagenforschung und unserer Gebrauchstechnik z.B. in Küche und Bad usw.. Den Anwendern ist größtenteils gar nicht mehr bewusst, dass sie von "geronnener" vergangener Grundlagenforschung leben. Noch schlimmer steht es um die Philosophie. Da entzieht sich selbst Politikern und Journalisten, dass unser moderner Staat das Erbe der Philosophie der Aufklärung ist und eine Ablösung des religiös geprägten Staatsverständnisses des christlichen Abendlandes.

In Deutschland wundert es mich nicht, weil man hier mit der Aufklärung so seine Probleme hat und sogar in der Philosophie durch und durch dem philosophischen Idealismus zugeneigt ist, aus der die christliche Theologie größtenteils gespeist wird. In Deutschland ist der moderne Staat der Aufklärung ein Überstülpsel und nie aus eigener Kraft erworben. Zwei Kriege mussten wir verlieren, um von den Obrigkeiten loszukommen und schon wieder geht der Trend zum Gesinnungs- und Nannystaat, der die Bürger von ihrer freiheitlichen Verantwortung erlöst.

Es wäre zuviel, hier über die Entwicklung des Rechts zu reden, weil das weit über die Möglichkeiten hier hinausgeht. Nur allein mit den 10 Geboten würden wir in unserer modernen Gesellschaft nicht weit kommen. Zur Ausbildung führender Persönlichkeiten im Staat gehörte in der Antike die Bildung in einer der großen Philosophenschulen (später vor allem Stoa und Epikureismus) und ein wichtiger Teil der Sensibilisierung war der Unterricht in Ethik. Vieles, was aus den Errungenschaften des römischen Reiches übernommen wurde waren "geronnene" Theorien zur Ethik. Ab der Renaissance wurde es wieder aktuell aufgegriffen und die Fragen: Was kann ich wissen? und Wie kann ich zu wissenschaftlicher Erkenntnis gelangen? waren immer eine Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Philosophie. Auch komplexe ethische Probleme der modernen Medizin sind allein mit den 10 Geboten nicht mehr zu lösen.

Wie wichtig wissenschaftliche Forschung und Philosophie auch sind, so wäre es schon überzogen, bereits in der Grundschule hohe Wissenschaft und Philosophie zu fordern. Aber, und das ist in der Tat eine sinnvolle Frage, führen unsere Erziehung und Schulen zu einem Verständnis hin, von dem aus hohe Wissenschaft und Philosophie betrieben und verstanden werden können oder bleibt alles im Oberflächlichen von Sport und Mode hängen. Dass ich nicht missverstanden werde, ich war beruflich in der Modebranche tätig und habe das als durchaus wichtigen gesellschaftlichen Beitrag betrachtet. Mancher würde sich wundern, worüber Dressmen und Mannequins in Pausen und der Freizeit diskutieren. Philosophisch geht es in der Mode auch um den Bereich der Ästhetik und Selbstidentität in Kommunikation mit gesellschaftlichen Vorgaben. Auch die Tatsache, dass es ein philosophischer Titel wie "Wer bin ich und wenn ja wie viele" in die Bestsellerlisten gebracht hat, sollte man nicht unterschätzen.

Der größte Gegner der Philosophie sind nicht Fernsehen und Internet. Der größte Gegner der Philosophie sind Bequemlichkeit, Rechthaberei und Dogmatismus, die Angst vor jedem Fitzelchen Unsicherheit und der fehlende Mut, durchaus schwankenden Boden zu betreten. Denn eine trittsichere Wahrheit hat die Philosophie nicht zu bieten. Darum schreibt Kant in "Was ist Aufklärung?": Habe den Mut, selbst zu denken! Philosophie hat immer mehr Fragen als Antworten. Das im Gegensatz zu Religion und Ideologien: Die haben immer mehr Antworten und manche Fragen sind einfach Tabu. Viele haben Angst vor Fragen und wollen autorisierte Antworten, um sich daran festhalten zu können.

Antwort
von Schuhu, 29

Auch das Nachdenken über Technik ist Philosophie. Philosophie spielt in alle Bereiche unseres Lebens, sogar die Erstellung von Einkaufszetteln hat die Philosophie (wie viel und was will ich warum konsumieren). Das muss man Kindern vermitteln: Das man sein Handeln bewertet und hinterfragt, schon sind sie kleine Philosophen.

Jedes Gespräch mit einem Kind über Gott und die Welt führt es auf den Weg eigener Überlegungen.

Antwort
von fornicem, 20

Sehr schwammige Frage, eine Antwort darauf zu geben ist nicht einfach, dennoch werd ich mal mein bestes Versuchen.

Philosophie als solche ist eine Wissenschaft, Philosophisches Denken ist deren Ausführung. Man kann keinem Kind Philosophisches Denken einhämmern und es dazu bringen, dem nachzustreben. 

Das einzige was Eltern (und Erzieher gleichermaßen) vermitteln können sind Werte und Umgangsformen. Die Philosophie selbst müssen die Kinder (meist erst im Erwachsenenalter) eigenständig erforschen. Nicht jeder Mensch interessiert sich gleichermaßen für die Philosophie, weshalb es auch keinen Sinn macht sie jedem auf den Rücken zu binden. 

Also: Richtige Werte vermitteln, für eine gute und ausgewogene Erziehung sorgen und den Denkapparat des Sprosses (selbstständig) arbeiten lassen.

lg Dr. jur. M.H LL.M

P.S.: Ich könnte noch 5 Seiten darüber philosophieren, wozu ich aber gerade keine Zeit habe. Auf Rechtschreibung und Grammatik wurde kein Augenmerk gesetzt.

Antwort
von Sigimike, 18

"Hier hast du eine PS4, Papa und Mama brauchen Ruhe" ;-)
Ethik, Mitgefühl, Philosophie ist kein Ziel deutscher Pädagogik. 

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